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Software Engineering und Software-Entwicklung in Uetersen, Schleswig-Holstein, Deutschland

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Dieser Artikel behandelt die Stadt Uetersen; zur gleichnamigen Strauchrose siehe Uetersen (Rose).
Wappen Deutschlandkarte
53.6872222222229.66916666666676Koordinaten: 53° 41′ N, 9° 40′ O
Basisdaten
Bundesland: Schleswig-Holstein
Kreis: Pinneberg
Höhe: 6 m ü. NN
Fläche: 11,43 km²
Einwohner:

17.688 (31. Dez. 2010)[1]

Bevölkerungsdichte: 1548 Einwohner je km²
Postleitzahl: 25436
Vorwahl: 04122
Kfz-Kennzeichen: PI
Gemeindeschlüssel: 01 0 56 049
Adresse der
Stadtverwaltung:
Wassermühlenstraße 7
25436 Uetersen
Webpräsenz: www.uetersen.de
Bürgermeisterin: Andrea Hansen (SPD)
Lage der Stadt Uetersen im Kreis Pinneberg
Über dieses Bild

Die Stadt Uetersen [ˈyːtɐzən] (früher auch Ütersen (Holstein) und dänisch Yttersen) liegt im Kreis Pinneberg in Schleswig-Holstein. Sie ist als Rosen- und Hochzeitsstadt an der Pinnau bekannt. Uetersen gehört zur Metropolregion Hamburg, zur Maritime Landschaft Unterelbe und zur AktivRegion Pinneberger Marsch & Geest. Die Kleinstadt mit etwa 17.800 Einwohnern ist eine der dichtbesiedelten Städte in Schleswig-Holstein. Die Stadt dient den ländlichen Kommunen im südwestlichen Kreis Pinneberg als Unterzentrum und Anlaufpunkt für die Versorgung des Bedarfs an Dienstleistungen, Gütern und Infrastruktureinrichtungen. Insgesamt versorgt die Stadt im Umland ein Einzugsgebiet mit rund 50.000 Menschen. Seit einigen Jahren strebt sie als größtes Unterzentrum in Schleswig-Holstein die Anerkennung als Unterzentrum mit Teilfunktionen eines Mittelzentrums an.

Die Stadt verfügt über keine Gründungsurkunde. Als Gründungsjahr wird 1234 angenommen, in dem die Stadt erstmals urkundlich erwähnt wurde. Seit 1933 wird dieses Datum offiziell landesgeschichtlich anerkannt.

Die Geschichte der Stadt wurde überwiegend durch Brände, Kriege, Katastrophen und Unglücke geprägt. So brannte der damalige Ort mehrmals fast vollständig ab. Zu den größten Katastrophen der Stadt zählen die große Flut von 1412, die Sturmfluten von Weihnachten 1717 und vom 7. Oktober 1756, bei denen die Stadt meterhoch überflutet wurde und 62 Menschen ertranken. Eine weitere ungewöhnliche Naturkatastrophe war die Windhose vom 10. August 1925, die große Teile von Uetersen zerstörte.

Seit 1999 trägt die Stadt den Titel Hochzeitsstadt. Das Standesamt der Stadt ist zuständig für rund 35.000 Bürger der Nachbarstadt Tornesch und des Amtes Haseldorf. Im Jahresdurchschnitt werden in der Stadt mehr als 380 Ehen geschlossen. Die meisten Eheschließungen gab es bisher in den Jahren 2010 (391) und 2011 (420).[2]

Seit dem 1. Januar 2007 bildet Uetersen eine Verwaltungsgemeinschaft mit dem Amt Haseldorf, dessen Verwaltungsgeschäfte die Stadt führt.

Inhaltsverzeichnis

Uetersen und Umgebung um 1650, gut sichtbar die Dünenlandschaft im Norden und Osten der Stadt

Uetersen liegt im Westen an der Grenze zwischen Seestermüher Marsch und Geest. Der Höhenunterschied der beiden Landschaftsformationen ist deutlich erkennbar, wenn man aus der Marsch auf die Stadt zukommt. Der tiefste Punkt der Stadt liegt in den Deichwiesen an den Klosterkoppeln bei einem Meter, der höchste Punkt mit 18 Metern im Waldgebiet von Langes Tannen (Russenberg). Der südliche Teil der Stadt mit der Altstadt liegt am Rand des ehemaligen Pinnautals. Dieses Tal ist nicht mehr erkennbar, da das Flussbett der Pinnau mehrmals verändert wurde. Das östliche Stadtgebiet befindet sich auf einer ehemaligen Dünenlandschaft, die aus der Eiszeit stammt und sich von Wedel über die Holmer Sandberge bis nach Elmshorn erstreckt. Diese wurde nach dem Ersten Weltkrieg abgetragen und der Sand zur Aufschüttung des Hafengebietes benutzt. Von der Dünenlandschaft hatte man bis Mitte des 18. Jahrhunderts freie Sicht auf den rund 27 Kilometer entfernten Hamburger Michel.[3] Straßennamen wie Bergstraße, Hochfeldstraße, Großer Sand, Kleiner Sand und Sandweg erinnern an die hohen Dünen. Das nördliche Stadtgebiet wird durch den Wald von Langes Tannen begrenzt, darin befinden sich noch einige größere, mit Bäumen bewachsene Sanddünen. Das Gebiet ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen.

Uetersen befindet sich in zentraler Lage im Kreis Pinneberg. Es grenzt im Norden an die Gemeinden Heidgraben und Groß Nordende, im Osten an die Stadt Tornesch, im Süden an die Gemeinde Moorrege und im Westen an Neuendeich und die Seestermüher Marsch. Uetersen liegt am historischen Ochsenweg, der als Radfernweg genutzt wird. Mit dem Auto ist Uetersen über die A 23 und die Bundesstraße 431 zu erreichen. Die Stadt liegt etwa 30 Kilometer nordwestlich von Hamburg an der Pinnau, einem Nebenfluss der Elbe. Der Fluss ist eine Bundeswasserstraße im Zuständigkeitsbereich des WSA Hamburg und hat für die Stadt eine große wirtschaftliche Bedeutung. Weitere Fließgewässer sind der Basshornlaufgraben und der Ohrtbrookgraben, der im unteren Bereich die Grenze zu Tornesch bildet und der Heidgraben, der das Uetersener Rosarium mit Wasser versorgt. Der historische Mühlbach, der das Rosarium entwässert, wurde bei der Umgestaltung des Stadtkerns im Jahr 1984 verrohrt und fließt unterirdisch durch das Stadtgebiet. Weitere Gewässer sind die Klosterdeichwettern, die die weitläufigen Klosterkoppeln entwässern und der historische Burggraben.

Uetersen nach einen Plan von Carl August Christian Rost († 1826)

Charakteristisch für Uetersen ist der lange Hauptstraßenzug als Zeugnis der Entwicklung des 1870 zur Stadt erhobenen Fleckens aus einem entlang einer Heerstraße entstandenen Dorf. Die Ansiedlung der Bewohner erfolgte zunächst entlang der alte Heerstraße (Lohe, Mühlen-, Kreuz-, Marktstraße, Großer Wulfhagen und Großer Sand, mit Schwerpunkt an der Mühlen-, der marktartig erweiterten Marktstraße und Großer Wulfhagen) die dem Geestrand zunächst in nordsüdlicher Richtung folgte und dann nach Osten und später nach Südosten verlief und Pinnau überquerte. Weitere Ansiedlungen gab es in der Lohe mit Katzhagen und weitere verliefen dem Ochsenweg entlang zur Pinnau und rund um dem Kleinen Sand, der sich in weitere kleinen Straßen verzweigte. Später erfolgten Ansiedlungen in Richtung der Marsch und dem heutigen Eggerstedsberg, sowie in der Tantaus Allee und im Norden und Nordosten der Stadt.

Das Stadtgebiet Uetersens besteht heute aus der Altstadt mit dem Klosterbezirk und der Innenstadt, den Quartieren Lohe, Katzhagen, Kreuzmoor, den Wohngebieten um Rudolf-Kinau-Weg, Am Seeth/Wischhörn, Am Gehölz, Tornescher Weg, Am Steinberg, Weidenkamp/Ohrtbrook und Kleine Twiete, deren Grenzen jedoch nicht festgelegt sind. Neu hinzugekommen ist das Neubaugebiet „Am Hochfeld“ im Norden der Stadt. Auf dem bereits teilerschlossenen, 38 Hektar großen Gebiet sollen etwa 320 Wohneinheiten entstehen.[4]

Klima Uetersen

Die Stadt mit den angrenzenden Marschgebieten wird von der Nordsee und den Ausläufern des Golfstroms beeinflusst. Das Klima ist durch milde Winter und feuchte Sommer gekennzeichnet. Durch die geringe Entfernung zur Nordsee mit etwa 60 Kilometern wird die Stadt von starken Winden überwiegend aus Westen beeinflusst, die häufig im Herbst das berüchtigte „norddeutsche Schmuddelwetter“ mit sich bringen. Im Winterhalbjahr kann es sehr stürmisch werden. Die Temperaturen können auf −20 °C absinken. Der tiefste gemessene Wert lag bei −30 °C im Februar 1940. Der wärmste Monat ist der Juli mit durchschnittlich 17 °C, der kälteste der Januar mit 1,1 °C. Temperaturen um die 28 °C sind im Hochsommer keine Seltenheit. Seit den 1990er-Jahren wurden auch Spitzentemperaturen von bis zu 37 °C gemessen (August 1992, Juli 2010). Der kälteste März mit −17 °C und wärmste Oktober mit durchschnittlich +13 °C seit den Wetteraufzeichnungen des Deutschen Wetterdienst war im Jahr 2006. Im Laufe eines Jahres fallen durchschnittlich 778 Millimeter Niederschlag.

Eine Verordnung des Kreises Pinneberg als Untere Naturschutzbehörde vom 19. Dezember 1997 schützt insgesamt 117 Naturdenkmäler in Uetersen. Darunter befindet sich die Uetersener Blutbuche, die zu den markanten und alten Baumexemplaren im südlichen Schleswig-Holstein gehört. Im Randgebiet der Stadt befinden sich mehrere Biotope, die unter Naturschutz stehen. Die Uetersener Binnendüne im Südosten der Stadt gehört neben der Langen Anna und den Holmer Sandbergen zu den drei besonders zu schützenden Naturdenkmälern im Kreis Pinneberg.

Seit den 1990er Jahren wird vom SPD-Ortsverein über eine Baumschutzsatzung zu Schutz von Bäumen nachgedacht. Der Versuch in Uetersen eine solche Satzung zu erstellen scheiterte bisher an der Mehrheit der Christdemokraten in der Ratsversammlung.[5]

Ein besonderes Problem der Stadt ist der starke Befall der zahlreichen Rosskastanien durch die Miniermotte. Seit Jahren wird im November versucht, mit freiwilligen Helfern der Plage Herr zu werden. Mit Unterstützung der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) wurde im November 2008 die erste zentrale Veranstaltung des bundesweiten Tages der Kastanie in Uetersen durchgeführt. Bei dieser Aktion, bei der rund fünfhundert Helfer tätig waren, wurden nach Schätzungen der SDW etwa zweihundert Millionen Larven vernichtet.[6]

In März 2012 wurde als erste Aktion in Schleswig-Holstein, mit Unterstützung von Wikiwoods eine 6600 Quadratmeter große Streuobstwiese am Stadtrand angelegt. Die Obstbäume sollen dazu beitragen den Klimawandel zu stoppen und das Umweltbewusstsein, sowie die Umweltbildung voranzutreiben. [7]

Eine der mit dioxinhaltigem Papierschlamm belasteten Grünflächen im Südosten der Stadt

Überregionale Bekanntheit erlangte Uetersen durch sein Dioxinproblem. Große Teile eines Neubaugebietes (Am Eichholz/Esinger Steinweg) befinden sich auf ehemaligen Feldern, auf denen in den 1960er Jahren dioxinhaltiger Papierschlamm ausgebracht wurde. Zwischenzeitlich wurde ein Großteil des betroffenen Bodens mit einer zusätzlichen schützenden Erdschicht versehen. Eine von den Anliegern geforderte vollständige Sanierung fand aus Kostengründen nicht statt und wurde von Experten auch als nicht erforderlich angesehen. Eine Gefahr für das Grundwasser wird verneint, kann aber nicht ausgeschlossen werden. Messungen hierzu finden statt. Am Rande des Gebiets befindet sich an der K 22 ein weiteres mit Dioxin belastetes Feld und im Überschwemmungsgebiet der Pinnau eine weitere dioxinhaltige Papierschlammdeponie.

Im Umkreis einer alten Hausmülldeponie an der Pinnau, nahe dem Stichhafen, werden regelmäßig Bodenproben entnommen.

Innerhalb des Stadtgebietes gibt es weitere ehemalige Deponien und durch Gewerbeunternehmen (Gerbereien, Baumschulen etc.) belastete Grundstücke.[8]

Am 1. Januar 2003 trat die Landesverordnung für das Wasserschutzgebiet Uetersen in Kraft um die Wasserversorgung das Grundwasser im Einzugsbereich des Wasserwerks vor Verunreinigungen langfristig zu schützen. Die Einwohner der Stadt Uetersen, der Seestermüher Marsch sowie der Stadt Tornesch und der Gemeinde Heidgraben werden mit dem Trinkwasser aus Uetersen versorgt.

Das Wasserschutzgebiet liegt zu einem Drittel im westlichen Stadtgebiet Uetersens und zu zwei Drittel in der Seestermüher Marsch. Durch die ehemalige, schadstoffbelastete Betriebsfläche der Lederfabrik Tesdorf (1,2-Dichlorpropan) und die Verwendung von Chlortoluron als Pflanzenschutzmittel ist das Grundwasser verunreinigt und muss kostenaufwendig durch eine Aktivkohlefilteranlage gereinigt werden. Schadstoffeinträge durch Grundwasser befinden sich allerdings immer noch im geförderten Rohwasser. Deswegen wird es mit dem Trinkwasser der Hamburger Wasserwerke, das aus der Haseldorfer Marsch geliefert wird, im Verhältnis von 20:80 gemischt und an die Endverbraucher geliefert.

Der Name der Stadt Uetersen ist vermutlich aus der niederdeutschen Bezeichnung (de) üterste enn entstanden, was so viel wie (das) äußerste Ende bedeutet. Der Name bezieht sich darauf, dass der Ort am Übergang der Geest zur Seestermüher Marsch liegt. Die erste nachweisliche schriftliche Erwähnung stammt aus einer Schenkungsurkunde der Ritter von Barmstede um 1234, in der der Ort als Utersten bezeichnet wird. Weitere Namensformen waren im Barock Vtersten, Vttersten und Vtirzsten. Insgesamt gab es rund zwanzig verschiedene Schreibformen, bis sich der heutige Stadtname durchsetzte. Es gibt aber auch die Vermutung, dass der Name aus Ütersteen hervorging, was äußerster Stein bedeutet oder von Ütristina, dem alten Namen der Pinnau, stammt.[9]

Erwähnung des Klosters um 1220 und der verloren gegangenen Urkunde in Camerers Vermischte historisch-politische Nachrichten in Briefen von einigen merkwürdigen Gegenden der Herzogthümer Schleßwig und Hollstein, Anno 1762

Das Gründungsjahr der Stadt ist nicht feststellbar, da es darüber keine Urkunde gibt. Verschiedene archäologische Fundstücke deuten auf erste menschliche Ansiedlungen im Stadtgebiet bereits vor der Eisenzeit hin. 1789 fand man einen Bundschuh aus der römischen Kaiserzeit. Es handelt sich dabei um den frühesten bekannten archäologischen Fund in Schleswig-Holstein.[10] Weitere bedeutende Funde waren Urnen, slawische Gefässscherben und ein Schädel eines Torfrindes (bos brachyceros) aus der Zeit um 500 n. Chr..[11] Dies bedeutet jedoch nicht, dass seit dieser Zeit bis ins 9. Jahrhundert eine Siedlungskontinuität bestanden haben muss. 809 sollen Truppen Karls des Großen nach der Unterwerfung der nordelbischen Sachsen von Hamburg kommend durch die damalige Gegend gezogen sein, um in Esesfelth eine Burg zu errichten und 827 soll auf Befehl des Kaisers Ludwig des Frommem (778-840) der Ort gegründet wurden sein.[12][13] Später zogen die Wenden mehrmals durch die Siedlung.[14] Um 1050 soll es auch ein Benediktinerkloster am Rand der Siedlung gegeben haben, von dem Johann Friedrich Camerer 1762 in seinem Werk Vermischte historisch-politische Nachrichten in Briefen von einigen merkwürdigen Gegenden der Herzogthümer Schleßwig und Hollstein, ihrer natürlichen Geschichte und andern seltenen Alterthümern berichtete. Von dem Verbleib des Klosters ist nichts weiter bekannt.[15] Später verlegten vermutlich die Ritter von Haseldorf ihren Wohnsitz von Haseldorf nach Uetersen[16] und um 1154 soll eine einfache Burg (Motte) in Holz-Erde-Technik samt einer kleinen Vorsiedlung mit einigen Häusern und Hütten existiert haben, die in einer dänischen Urkunde als Uthersen taarn (äußerster Turm) erwähnt wurde. Diese Bezeichnung bezieht sich auf die Lage einer Burg auf einem Geestsporn am Rande der Seestermüher Marsch. In einem weiteren Schriftdokument, das vermutlich zuletzt Johann Friedrich Camerer im Jahr 1758 vorlag, soll um 1220 ein weiteres Kloster bestanden haben, das unter Gerhard I. bzw. Gebhard II. eingeweiht wurde. Über dessen Verbleib ist ebenfalls nichts bekannt .[17] Dieses Dokument ist nicht mehr auffindbar, so dass die Stadt kein geschichtlich belegbares Gründungsjahr hat. Etwa zur gleichen Zeit wurden in der Nähe des heutigen Klosters zwei Burgen, Burg Uetersen (I) und Burg Uetersen (II)[18] von den Rittern von Barmstede errichtet, die mit den Rittern von Haseldorf in Verbindung standen, an die nur noch der Burggraben der größeren Burg erinnert. Bei Umgestaltungsarbeiten auf dem Klostergelände im Jahr 2008 wurde viel Irdenware aus dem 13. Jahrhundert gefunden. Anhand dieser Scherben geht man davon aus, dass eine Vor- und eine Hauptburg bestand.[19]

Deutsche Übersetzung der Schenkungsurkunde vom Ritter Heinrich II von Barmstede
Älteste Ansichtszeichnung von Uetersen (oben links) Anno 1568

Nachgewiesen ist, dass der Ort im 12. Jahrhundert und bis zum ersten Viertel des 13. Jahrhunderts zum Urkirchspiel Barmstedt gehörte und dass Ritter Heinrich II. von Barmstede, der in Diensten des Erzbistums Bremen stand, um 1234 den Zisterziensern seinen Grundbesitz, zu dem auch die Siedlung, die Wassermühle und die älteste urkundliche erwähnte Windmühle des Landes gehörte, zur Errichtung eines Nonnenklosters schenkte.[20][21][22] Dieses war später der Mittelpunkt der Entstehungsgeschichte der heutigen Stadt.

Durch weitere Schenkungen der Nachkommen des Ritters und Zukäufe des Klosters wurde der Besitz ständig erweitert, der im 13. und 14. Jahrhundert den größten Umfang hatte. Die Besitztümer reichten von Krempe bis nach Klein Flottbek und von Kehdingen bei Drochtersen bis nach Bönebüttel in der Nähe von Neumünster. Anfang des 14. Jahrhunderts begann das Kloster mit der Zucht des Holsteiner Pferdes. Dies ist durch eine Urkunde aus dem Jahr 1328 dokumentiert: Klosterpropst Johannes schenkte dem Propst des Klosters Neumünster zwei junge Pferde aus der klostereigenen Stuterei. Es ist die älteste Urkunde in Schleswig-Holstein, die das Vorhandensein einer Stuterei dokumentiert.

Hauptartikel: Kloster Uetersen

Der Ort war anfänglich vermutlich auf die Burg der Ritter von Barmstede und die nahe gelegene gutsherrliche Wassermühle beschränkt. Er entwickelte sich verhältnismäßig schnell, das um 1300 der Ort zum Mittelpunkt und Namensgeber der Herrschaft und Vogtei Uetersen wurde und zunächst von Johann II. (Holstein-Kiel) und nach seinem Tot (1321), durch einem Erbvertrag von Adolf VII. (Holstein-Kiel) verwaltet wurde.[23]

Bereits 1664 (und erneut 1746) erhielt der Ort den Status eines Flecken. Das führte zur Ansiedlung weiterer Familien. Mitte des 17. Jahrhunderts wurden 256 Häuser gezählt. Die günstige Lage an der Heerstraße und der damalige Übergang über die Pinnau in der Nähe des Klosters beschleunigte die Entwicklung. Am Übergang der Pinnau begann auch die Schiffbarkeit des Flusses. Damit war ein kurzer Land- und Wasserweg nach dem sich stark entwickelnden Wirtschaftszentrum Hamburg vorhanden.

Durch den Kornanbau und die gutsherrliche Wassermühle gab es über die Pinnau einen regen Handel mit Korn und Mühlenprodukten mit dem benachbarten Hamburg. Daneben entwickelte sich der Handel mit Ziegeleierzeugnissen und das Brennen von Kalk aus Muscheln, der auf dem Land– und Wasserweg vertrieben wurde. So entwickelte sich schon recht früh eine umfangreiche Fluss- und Küstenschifffahrt.

Im Ort ging das Handwerk unter der Führung der Schuhmacher und Töpfer eine zunftmäßige Bindung ein. Jedes Jahr fanden zwei große Märkte zu Jacobi (25. Juli) und Felicianus (9. Juni) statt.

Wie andere Orte in der Region blieb auch Uetersen nicht von Kriegen und Katastrophen verschont. 1282 kam es zur ersten Schlacht bei Uetersen zwischen einer Armee des regierenden holsteinischen Landesfürsten Gerhard I mit Hamburger Unterstützung und Aufrührern aus Dithmarschen und der Haseldorfer Marsch unter Führung von Heinrich IV. von Barmstede. Die Aufrührer wurden geschlagen, die Grafen eroberten die Burgen von Uetersen und Haseldorf. Gegen eine Zahlung von fünftausend Mark konnte Heinrich IV. von Barmstede sie später wieder einlösen.

Im Jahre 1306 stachelten unzufriedene Edelleute und Ritter die Bauern aus der Haseldorfer Marsch, die den Verlust ihrer Privilegien befürchteten, zu einem Aufstand gegen die holsteinischen Grafen an. Sie erhielten Unterstützung von den Dithmarscher und Krempermarscher Bauern, die schon einige Jahre vorher bei einem bewaffneten Vorgehen ihrer Herren erfolgreich Widerstand geleistet hatten. Zusätzlich halfen ihnen die Kehdinger und Altländer von der gegenüberliegenden Elbseite. Bei der zweiten Schlacht bei Uetersen am 28. Juli desselben Jahres wurden die Aufständischen mit ihrem Anführer Pelz, einem Mitglied der Familie von Wedel, den sie auch Bischof Pelz nannten, von einer Koalition der Herzöge von Lauenburg und Lüneburg und der Grafen von Holstein unter der Führung des Bremer Erzbischofs Giselbert nach harten Kämpfen geschlagen; der Rädelsführer wurde gefangen genommen, öffentlich gerädert und gevierteilt. Die Edelleute wurden verbannt und verloren ihre Besitztümer. Ein Teil von ihnen fand Aufnahme in Lübeck, das zur gleichen Zeit mit den Grafen verfeindet war. Den Bauern wurden die Privilegien genommen, die sie zu Beginn der Kultivierung der Marsch erhalten hatten. Die Grafen von Holstein festigten ihre Macht durch die in ihren Besitz gelangte Burg der Barmstedes in Uetersen und den Bau der Hatzburg bei Wedel.[24]

Zwischen 1347 und 1352 wütete der Schwarze Tod in Uetersen und der näheren Umgebung der viele Todesopfer forderte, auch die Zahl der Nonnen und Konventualinnen im Kloster Uetersen nahm merklich ab. Man verstand weder die Ursache von Krankheiten, noch hatte man irgendeine Vorstellung geeigneter Gegenmaßnahmen. Man versuchte durch Gebet und Sühne, Quarantäne der Kranken, Flucht der Gesunden und die Suche nach Sündenböcken der Krankheit Herr zu werden. Selbst „viehische Kuren“ (das Töten von Vieh) wurden angewandt, obwohl eine lang anhaltende Hungersnot so gut wie ausgestanden war.

Um 1398 machte Klaus Störtebeker mit seinen Kameraden die Gegend um Uetersen unsicher. So ließ er sich im Schutze der Dunkelheit und der Flut mit mehreren Booten (sein Schiff ankerte nachts vor der Pinnaumündung) auf der Pinnau bis nach Uetersen hochtreiben. Dort versuchten sie Proviant und Vieh zu stehlen, das gelang ihnen nur teilweise und sie wurden von den Bewohnern vertrieben. Ein Seeräuber wurde dabei getötet, ein Anderer gefangen genommen und am darauffolgenden Tag vor der Drostei in Pinneberg hingerichtet.[25][26] Mit dem Herzog von Schleswig und dem Grafen von Schauenburg traf Simon von Utrecht 1435 in Uetersen zusammen um dort die Vorgespräche zum Frieden von Vordingborg zu führen, der vom 15. bis 17. Juli desselben Jahres zwischen Erik VII. von Dänemark auf der Burg Vordingborg mit Adolf VIII. von Holstein geschlossen wurde.

Nachdem von Anfang bis Mitte das 14. Jahrhundert noch Krankheiten und Kriegsnöte gebracht hatte, folgte eine ruhige Zeit, in der sich der Ort weiter entwickelte. In den ersten Jahren des 15. Jahrhunderts brach wieder großes Unheil über den Ort und das Kloster herein. So schrieb Johann Friedrich Camerer 1762 in seinem Werk Vermischte historisch-politische Nachrichten: „Diese Zeiten aber waren für dasselbe unglücklich. Es verbrannte dasselbe mit aller Pracht (das Kloster), und was das Feuer nicht geraubt, raubte das gefährliche Wasser (die große Flut von 1412). Die Teiche (Deiche), Dämme, Felder und alle Länderehen wurden um diese Zeit völlig vertigt und vernichtet.“ Daraufhin wurden die Nonnen des Klosters und Einwohner des Ortes so arm, dass sie betteln mussten. Es folgten weitere Stürme, Überflutungen, Missernten und strenge Winter, die den Bewohnern viel abverlangten. So wurde im Jahr 1648 der alte Kirchturm der Klosterkirche umgeweht. Camerer berichtete über den Sturm: „Der Sturm, welcher in dieser Gegend um diese Zeit gewüthet, soll viel von einem Erdbeben gehabt haben.“ Nur sehr langsam erholten sich der Ort und die Einwohner vom großen Unheil des 15. und 16. Jahrhunderts.

Durch ein Privileg aus dem Jahr 1524 erlangten zunächst die Prälaten und die Ritterschaft in Schleswig-Holstein das höchste Gericht über ihre Untersassen. Ab dem Jahr 1573 wurde in Uetersen ein Landgericht eingerichtet, das zweimal jährlich im Frühling und Herbst abgehalten wurde, und dessen Vorsitz der Klosterpropst hatte. Ihm standen 12 vereidigte Gerichtsmännen, (heute Schöffen an einem Schwurgericht) aus dem jeweiligen Bezirk zur Seite. Der Ort wurde vor dem Vergleich der Könige mit den Herzögen in Jahr 1647 als adeliges Gut betrachtet. Das Kloster hatte das Recht, Vormünder zu bestellen, verwaltete Testamente und übte die Rechtsprechung aus.[27] Um 1750 hatte der der Ort vier Quartiere: Klosterhof mit Katzhagen, Großer Wulfhagen, Lohe und Großer und Kleiner Sand. Im Osten befand sich noch das Flurstück Bashorn. Im Ort gab es 256 Häuser, davon sieben villenartige.

1545 gründete man die „Uetersener Schützengilde“, eine der ältesten Schützengilden des Landes, aus der 1730 die „ Brandgilde für den Klosterhof Uetersen“ wurde. Sie wurde 1786 von dem Klosterpropsten Peter zu Rantzau der „ Brandschutzgilde zu Uetersen“ unterstellt.

Die Reformation in Uetersen wurde erst im Jahr 1555 durch das persönliche Eingreifen des Königs Christians III. durchgesetzt. Das Uetersener Kloster war nicht bereit, dem Befehl des Königs zu folgen, sich zu der neuen Lehre zu bekennen und zu unterwerfen. Der vom König 1541 eingeführte lutherische Prediger Balthasar Schröder musste wegen des Widerstands der Klosterfrauen gegen die evangelische Lehre nach sieben Jahren weichen, worauf die Nonnen, unterstützt von den Schauenburger Grafen wieder einen katholischen Geistlichen annahmen. Erst als der König Christians III. mit einer Abordnung das Kloster persönlich besuchte, verjagte er diesen und verordnete abermals einen evangelischen Prediger, Johann Plate der für 26 Jahre als Pastor in Uetersen Uetersen blieb. Das Kloster wurde danach in ein adliges Damenstift umgewandelt. Daraufhin kam es zu langanhaltenden Streitigkeiten zwischen den Schauenburger Grafen und den Herzögen von Holstein, die erst nach Jahren beigelegt wurden. Am 5. Mai 1559 wurde schließlich auch die Grafschaft Schauenburg evangelisch.

Im 17. Jahrhundert brachten Wasser-, Feuer-, und Kriegsnot, die oft gleichzeitig auftraten, die Bewohner und den Ort mehr als einmal an den Rand des Verderbens. Die schlimmste Zeit begann mit dem Auftreten der Pest im Jahr 1605. Von Ostern bis zwei Wochen nach Pfingsten wütete die Seuche in Uetersen und Umgebung so stark, das über 1000 Menschen ihr Leben ließen und ganze Familien ausstarben.[28] 1627 richtete die Allerheiligenflut vom 7. November in Uetersen und der Haseldorfer Marsch erheblichen Schaden an, mehrere Menschen ertranken. In den folgenden Jahren wurde der Ort von Missernten und wieder von der Pest heimgesucht. 1635 gründete man die „Brandschutzgilde zu Uetersen“ einen Vorgänger der heutigen Freiwilligen Feuerwehr, um den Ort vor Bränden zu schützen. 1640 begann man mit einer geordneten Forstwirtschaft und das Marktrecht wurde neu geordnet. Im Jahr 1662 zerstörte ein Großbrand, wahrscheinlich ausgelöst durch Brandstiftung, den Ort fast völlig. Einige Jahre später (April 1697) vernichtete erneut eine Brandkatastrophe große Teile des Ortes. Innerhalb weniger Stunden brannten rund dreißig Häuser ab.

Vom Dreißigjährigen Krieg blieb der Ort einigermaßen verschont, obwohl er an der historischen Heerstraße lag. Die Kämpfe wurden überwiegend in der Umgebung geführt. Tilly ging im Juli 1627 bei Artlenburg über die Elbe, belagerte das nahe Pinneberg und wurde beim letzten Sturmangriff schwer verwundet. Danach kam Wallenstein von Ostholstein, besetzte die Hatzburg bei Wedel und Haseldorf und verschonte den Ort, obwohl er ihn leicht über die Pinnau erreichen konnte.[29]

Am 31. August 1645 zog der letzte schwedische Kommandant ab, ließ aber auf dem Blomschen Hof in Uetersen unter Otto von Ahlefeldt eine halbe Kompanie mit 63 Pferden zurück, die bis Anfang November stationiert waren.

Im Schwedisch-Französischen Krieg (1635–1648) wurde wieder in der Gegend um Uetersen gekämpft. Das schwedische Heer zog 1647 durch den Ort und verwüstete ihn zum Teil schwer.[30] Der Pinneberger Amtmann Dr. Stapel schrieb in einen Bericht:„ …in den Kriegszeiten die Untertanen teils aus Not Holz gehauen und solches in Hamburg verkauft hätten…die Armut ist so groß, das die Geldbuße (für das illigale Fällen) von den meisten nicht zu erbringen ist.“ Weiter schrieb er:„ daß etliche Einwohner aus Uetersen ihm um Vergünstigengen (Holzfällen) wegen ihrer abgrbrannten und ruinierten Häuser gebeten hätten…“ Beim späteren Rückzug hatten die Kirchspiele Horst und Hohenfelde, die zum Kloster Uetersen gehörten, arg zu leiden. Zwölf Jahre später (1657/58) hausten die Schweden wieder in der Gegend von Uetersen. Sie zerstörten das Schauenburger Schloss in Pinneberg; die Schlösser in Haseldorf und Haselau gingen ebenfalls in Flammen auf. Danach überfielen sie Uetersen und brannten das Kloster nieder.[31]

Der Krieg Dänemarks-Norwegens gegen Schweden (1657 bis 1660) brachte wieder Kriegsunruhen mit sich. Holsten wurde von den Schweden unter Führung von Karl X. Gustav besetzt. In Oldesloe befand sich das schwedische Krieglager. Auf der Gegenseite befanden sich die Dänen, die Hilfe von Friedrich Wilhelm von Brandenburg bekamen. Friedrich Wilhelm zog 18.000 Mann zusammen und führte sie nach Holstein, in das bereits die Schweden eingedrungen waren. Die Schweden unter Führung von Pfalzgraf von Sulzbach zogen sich vor dieser Übermacht zurück und ließen viele Ortschaften wie Pinneberg, Segeberg und Uetersen in Flammen aufgehen. Aber nicht nur die Schweden hinterließen ihre Spuren. Die Bundesgenossen unter ihnen überwiegend die Polen brachten Not und Elend mit sich, so das der Krieg noch lange als „Polackenkrieg“ in Erinnerung blieb.

Durch die Kriege, Krankheiten war in Uetersen und der Umgebung die Einwohnerzahl erheblich zurückgegangen. Die Armut tat ihr übriges hinzu:„Die Leute waren verwildert“ und ihre Höfe heruntergekommen, sodass sich die Wölfe ungehindert vermehrten. „Die Wolfsplage war so groß, daß auf dem Landtage 1650 Beratungen statt fanden um den „grisen Hund“ zu vertilgen.“ Bis heute erzählt man von einen Dorf das im Kummerfelder Wohld lag (etwa 12 Km Luftlinie von Uetersen entfernt), das nach dem Krieg wegen der Wölfe abgebrochen wurde.[32]

So wie das 17. Jahrhundert endete, begann auch das 18. Jahrhundert. Neue Schrecken verbreiteten die Schweden im Nordischen Krieg. Sie brannten unter Führung von General Magnus Stenbock im Jahr 1713 Altona nieder und zogen weiter in das nahe Pinneberg. Dort traf Stenbock auf Anna Catharina von Sparre, die Uetersen vor der Brandschatzung bewahrte. (Siehe den Abschnitt: Historische Legenden, Originale und Fabelwesen).[33]

Das 18. Jahrhundert war in seinem weiteren Verlauf frei von großen kriegerischen Ereignissen im Ort. Doch nun forderte die Pest und das feuchte Element seinen Tribut. 1711 breitete sich von Polen und Pommern über Hamburg die Pest aus, so das im Sommer 1712 von Wedel aus die Herrschaft Pinneberg von der Seuche heimgesucht wurde und es auch in Uetersen Opfer zu beklagen gab.[34] Zu den größten Katastrophen Uetersens zählt die verheerende Sturmflut von Weihnachten 1717, bei der der Ort und die angrenzende Haseldorfer- und Seestermüher Marsch derart überflutet wurden, dass man mit Kähnen bis in das zehn Kilometer entfernte Elmshorn fahren konnte. Weitere schwere Sturmfluten waren die vom 16. April 1745 und vom 7. Oktober 1756, bei der die Stadt meterhoch überflutet wurde und 62 Menschen ertranken. Am 19. Dezember 1792 ereignete sich noch eine verheerende Sturmnacht, bei der nur wenige Häuser unbeschädigt blieben und zahlreiche Bäume entwurzelt wurden.[35] Im Jahre 1762 breitete sich das größte Torffeuer im Herzogtum Holstein von Uetersen aus. Es erstreckte sich weit in die Grafschaft Rantzau und Herrschaft Pinneberg auf beiden Seiten, so das man kaum in diese Gegenden reiten oder fahren konnte. Dabei wurden mehrere tausend Mark Torf vernichtet.[36]

Trotz der Pest und der Naturkatastrophen entwickelte sich Uetersen durch Benedikt von Ahlefeldt zum damals bedeutendsten Ort in Holstein. Benedikt von Ahlefeldt ließ als Bauherr das heute noch bestehende Propsteigebäude (1733/34) und die neue Klosterkirche in Uetersen durch seinen Architekten Jasper Carstens errichten. Er ließ 1737 die von Elmshorn herkommende durch Uetersen führende Straße pflastern (die heutige B 431) und den „Buttermarkt“ mit dem „Jungfernstieg“ zur Drehscheibe des kulturellen Lebens werden. Zur gleichen Zeit wurdend ie erste Apotheke eröffnet (1737) und die ersten Gilden gegründet (1738 Schumacher, 1739 Schmiede und 1751 die Töpfergilde). Zeitgleich entstanden die ersten Schulen (1719) auf Initiative der Klosterpriorin Ida Hedwig von Brockdorff und Alexander Kölpins. Die spätere „Rektorschule“ hatte im ganzen Land einen so hervorragenden Ruf, dass Schüler wie Johannes Rehmke oder die Neffen von Helmuth Karl Bernhard von Moltke sie besuchten.

Die Einwohner handelten überwiegend mit Korn, Bier, Kalk, Torf und Pferde. Besonders der Handel mit Korn brachte einen gewissen Reichtum mit sich und einige, zur damaligen Zeit imposante Gebäude entstanden. Der Hafen war Umschlagspunke für Muscheln die zum Kalkbrennen benötigt wurden. Camerer berichtigte in seinen Vermischte historisch-politische Nachrichten über diese Gegend am Hafen: „Oefters habe ich an den jungen Telemaque gedacht, wenn er die Schönheit Aegyptens beschreibt…Es steht übrigens artig aus, wenn man diese Gegend durchsieht, große weiße Berge liegen an dem Ufer, und von ferne weiß der Fremde nicht, was es ist. Kommt man aber näher, so erklärt sich die Sache. Es sind kleine weiße Seemuscheln, welche von Holland gebracht werden, und daraus hier Kalk gebrennet wird.“.

Andere Kaufleute handelten mit Bier und Pferden, Bier führten sie in großen Mengen nach Altona aus, der Pferdehandel mit Hamburg war ein einträgliches Geschäft. Die einfachen Leute betrieben den Handel mit Wolle nach Hamburg, die dort weiterverarbeitet wurde.

Zwischen 1790 und 1795 ereigneten sich in den Herzogthümern 19 Erhebungen und Unruhen, von denen zehn im Zusammenhang mit der Teuerungswelle der neunziger Jahre standen. Die Instenunruhen in Kaltenkirchen (1794) wuden durch den Obristen Johann von Ewald niedergeschlagen, der darauf in Elmshorn und Klostersande Quartier bezog. In Uetersen kam es Ende Oktober des selben Jahres zu Aufständen. Mehr als 200 Menschen, überwiegend aus der Unterschicht gingen auf die auf die Straßen. Sie bewarfen unter anderen die Häuser des Zollverwalters Kölpin und des Kornhändlers Knoop mit Steinen weil diese Korn und Getreide ausführten. Erst durch den Einsatz von zwei Schwadronen des Obristen Ewald wurde die Ruhe wieder hergestellt. [37]Diese Unruhen erregten große Aufmerksamkeit in der Gesellschaft. [38]

Nach der Völkerschlacht bei Leipzig wurde das nahegelegene Hamburg in der sogenannten Hamburger Franzosenzeit von den schwedischen, preußischen und russischen Truppen im Mai 1814 befreit. Anschließend quartierte sich der größte Teil dieser Truppen im südlichen Schleswig-Holstein ein. Im darauffolgenden Kosakenwinter litt die Uetersener Bevölkerung unter dem Überfall des Lüneburger Husarenregiments und der Einquartierung der Truppen der Generale von Pahlen und von Woronzow. Fast täglich zogen fremde Truppen über die alte Heerstraße durch den Ort. In allen Privathäusern und öffentlichen Gebäuden waren Soldaten einquartiert, die verpflegt werden mussten. Es kam zu Plünderungen, Brandschatzungen und Überfällen auf die Bevölkerung. In dieser Zeit berührten zirka 48.000 Soldaten mit 28.800 Pferden den Ort. Die gesamten, durch Beschädigungen, Überfälle und Erpressungen verursachten, Kosten beliefen sich auf etwa 20.000 Taler. Nachdem die Truppen abgezogen waren, erhielt das Kloster eine Vergütung in Bons (Russenschuld). Die Uetersener Bevölkerung wurde dagegen nicht entschädigt.[39] Noch bis Mitte der 1970er Jahre waren im Waldgebiet Langes Tannen auf dem sogenannten Russenberg Gräber von russischen Soldaten zu finden, die während des Kosakenwinters in Uetersen gestorben waren.[40]
Um 1818 brach in dem Ort eine Ruhr-Epidemie aus. Theodor von Kobbe schrieb in seinen Buch: Homoristische Erinnerungen aus meinem academischen Leben in Heidelberg und Kiel in den Jahren 1817–1819 über die Krankheit: „ das Uetersen damals von einer gräßlichen Seuche, die Ruhr, heimgesucht wurde, welche in dem etwa aus 400 Feuerstellen bestehenden Ort damals kaum funf Häuser..fast aus allen ein Opfer gefordert hatte

1823 wurde die Uetersener Grönlandkompanie gegründet, die wie mehrere andere Städte an der Unterelbe und den schiffbaren Nebenflüssen Walfang betrieb. Bedeutende Uetersener Grönlandfahrer waren Matthias Karlau, Bartholomäus Heinrich Meinert, Otto Mehlen und Jacob Thormählen. Das erste und einzige Schiff „Freundschaft“ wurde in Altona ausgerüstet. Mehrere Expeditionen wurden mit viel Aufwand ins Nordmeer unternommen. Doch die Wal- und Robbenfangerfolge waren vergleichsweise gering. 1850 wurde das Schiff in „Freya“ umgetauft und von Juni 1850 bis Juni 1857 wurden rund 7400 Robben, zwei Walfische und vier Eisbären gefangen. Mit dem Untergang des einzigen Uetersener Walfangschiffs am 8. April 1859 während eines Schneesturms vor Grönland fand der Walfang Uetersens ein jähes Ende. Am 23. August 1848 begann von Uetersen aus, eine große Cholera-Epidemie die den gesamten Kreis Pinneberg heimsuchte und unzählige Menschenleben kostete. Eingeschleppt, so wermutete man damals, durch „Schifferknechte“ die mit einem Ewer von Hamburg gekommen waren. Auch der Schleswig-Holsteinische Erhebungskanmpf forderte weitere Opfer, obwohl keine Kampfhandlungen in der Nähe statt fanden.

Nach dem Deutsch-Dänischer Krieg erfolgte in Jahr 1867 die Trennung von Verwaltung und Justiz. dem Ort wurde ein eigenes Amtsgericht zugesprochen, das im selben Jahr seine Arbeit aufnahn. Es unterstand dem Landgericht Altona und später dem Landgericht Itzehoe. Zunächst wurde in angemieteten Amtsräumen Recht gesprochen, 1880 erfolgte dann der Umzug in das heutige Amtsgericht Uetersen.

Im 19. Jahrhundert erlebte Uetersen im Zuge der Industriellen Revolution ein schnelles Bevölkerungswachstum. Die Bevölkerungszahl stieg von 2600 (1803) auf rund 6000 (1898) Einwohner. Durch Kunststraßen mit Elmshorn, Pinneberg und Wedel bzw. Altona verbunden, wurde ein reger Handel betrieben. Die Einwohner betrieben hauptsächlich Groß- und Kleingewerbe, Handel, Landwirtschaft und Schifffahrt. Verhältnismäßig bedeutend war das Großgewerbe. 22 Betriebe im Ort beschäftigten je mehr als 5 Arbeiter. Die größten wurden mit Dampf betrieben, darunter eine Zigarrenkisten-, eine Hut- und eine Posamentierwarenfabrik mit 36 Arbeitern. Weitere mit Dampf betriebene waren eine Dünger-, eine Ofen- und Fliesenfabrik, sechs Getreide- und Lohmühlen und zwei Zementfabriken, von denen eine die Erste und lange Zeit die Einzige deutsche Portlandzementfabrik nach englischem Muster war und 350 Arbeiter beschäftigte.[41] In der Umgebung wurde mit der Anfertigung von Fassbändern in rund 40 Geschäften ein reger Handel betrieben. Die Erzeugnisse fanden in Hamburg, Dänemark, Schweden und Amerika Absatz.

Die Uetersener Zementfabrik um 1900

Etwa 3400 Schiffe benutzten jährlich die Lösch- und Ladeplätze der Stadt.[41] Im Jahr 1880 begann der Uetersener Gärtnermeister Ernst Ladewig Meyn als Erster mit der Okulation (Veredlung) von Rosen. Diese Methode, Rosen kostengünstig zu vermehren, war die Wiege der Rosenzucht. Bis 1900 veränderte sich das Stadtbild stark, die einfachen Holzhäuser wurden durch Neubauten ersetzt, andere wurden durch Erkerausbauten erweitert. In der Stadt gab es nun mehrere kaufmännische Geschäfte, Hotels und Gastwirtschaften, vier Ärzte, eine Apotheke und eine Zeitung. Es entstanden Wohlfahrtseinrichtungen, eine zwölfklassige Volksschule, eine achtklassige Mädchenbürgerschule und eine sechsklassige Knabenmittelschule. Weitere Schulen waren die königliche Seminarübungsschule, die Städtische Präparendenschule und die höhere Töchterschule. Die städtische Verwaltung wurde von einem Bürgermeister, zwei Stadträten und zwölf Stadtverordneten geleitet. Das Vermögen der Stadt betrug am Ende des 19. Jahrhunderts 1 134 960 Mark.[42]

Schon früh entwickelte sich auch in Uetersen die Arbeiterbewegung. Auf der Generalversammlung des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins in Hannover 1874 waren die Uetersener Arbeiter durch H. Winter erstmals vertreten. Auf den Gothaer Vereinigungskongress 1875 vertrat H. Fahl die Parteimitglieder aus Pinneberg, Barmstedt und Uetersen der SDAP Bebels und Liebknechts.[43] 1889 kam es zu einem Zementarbeiterstreik in Uetersen und Moorrege. Der Streik wurde am 16./18. Mai 1889 in Breslau beim Kongress Deutscher Töpfer beschlossen, auf dem die hiesigen Töpfer durch den Hauptagitator Warting aus Uetersen vertreten wurden. 260 der 380 Arbeiter streikten für bessere Arbeitsbedingen.[44] Nach knapp zwei Wochen gaben die streikenden Arbeiter trotz der materiellen Unterstützung durch die Bevölkerung aus finanziellen Gründen auf. Der Streik sorgte bis Ende 1889 für Zündstoff in der öffentlichen Auseinandersetzung der Uetersener Bevölkerung.[45] Diesem Arbeiterkampf folgte 1889 und 1890 eine Vielzahl von Streiks im Deutschen Reich , die erst nach Aufhebung des Sozialistengesetzes legal wurden.

Gedenkstein zum Unglück auf dem Eis

In der örtlichen Erinnerung verankert ist ein Unglück aus dem Jahre 1904. Bei den Feierlichkeiten anlässlich des Geburtstags Kaiser Wilhelms II. brachen fünf Kinder im Eis eines Teiches am ehemaligen Ochsenweg ein und ertranken. Ihnen zu Ehren wurde ein über drei Meter hoher Gedenkstein auf dem Neuen Friedhof errichtet. Später wurde der Teich trocken gelegt und es entstand dort eine Schule. 1913 wurde feierlich der Kaiser-Wilhelm-Rosengarten eingeweiht, der seinen Namen zu Ehren des 25. Regierungsjubiläums Kaiser Wilhelms II erhielt. Die Einweihungsfeier fand mit vielen Gästen aus dem In- und Ausland statt.

Während des Ersten Weltkriegs (1914–1918) herrschte in der Stadt große Not, weil der Einzelhandel und das Gewerbe brach lagen und es an Lebensmitteln und Kleidung immer stärker mangelte. Die Frauen der zum Kriegsdienst einberufenen Männer und die ledigen Frauen wurden an Stelle der fehlenden Männer zur Arbeit verpflichtet.[46] Die Lebensmittel wurden auf besondere Karten abgegeben und für Bekleidungsstücke benötigten die Bürger behördliche Bezugscheine, ebenso teilweise für andere Bedarfsgegenstände.Die Versorungsschwierigkeiten traten besonders im berüchtigten „Steckrübenwinter 1916/17“ auf. Aus Geldmitteln der Stadt und Zuwendungen aus Reihen der Kaufmannschaft, Immobilienbesitzer, Vereine und anderer Institutionen wurde es ermöglicht, im Keller des Rathauses eine Volksküche zu unterhalten, die vielen Einwohnern den Hunger stillen half. Diese „Volksküche“ wurde noch bis nach dem Krieg betrieben. Nach Beendigung des Ersten Weltkriegs kehrten 307 Uetersener Männer nicht zurück und galten als „gefallen“ oder „vermisst“.

Schon kurz nach Beginn des Ersten Weltkriegs stiegen die Preise allgemein an, die Geldmittel wurden immer geringer, und die Goldmark verlor immer weiter an Wert. Während der Hyperinflation 1923 verschwand das Kupfergeld fast vollständig und auch an sonstigem Kleingeld mangelte es bald, so dass die Stadt sich genötigt sah, selbst Geldscheine herstellen zu lassen: Zunächst nur 25- und 50-Pfennig-Scheine, später auch höherwertige, hauptsächlich als Notgeld. Im November 1923 gelang es, die Inflation zum Stehen zu bringen; die Rentenmark wurde eingeführt und fast alle Uetersener Bürger und Unternehmen fingen bei „Punkt Null“ wieder an. Die Stadt zählte zu den wirtschaftlichen Notgebieten Preußens. Die damalige ungünstige Verkehrslage wirkte sich negativ aus, denn die Stadt war an die Bahnlinie Altona—Kiel nur über eine Nebenbahn (die Uetersener Eisenbahn) angeschlossen. Die einst bedeutende Zement- und Ziegelindustrie wurde 1930 stillgelegt, die großen Gerbereibetriebe und das Mühlengewerbe hatten kaum etwas zu tun. Sie schlossen nach und nach oder drosselten den Betrieb.

Bei den Wahlen zu dem Stadtverordnetenversammlung und den Gemeindevertretungen am 2. März 1919 wurde die SPD zur dominierenden politischen Kraft in der Stadt, während in den umliegenden Landgemeinden die bürgerlichen Kräfte vorn lagen. Diese hatten sich überwiegend zu Einheitslisten zusammengeschlossen. Die drauf folgende Wahl zum preußischen Landtag, Provinziallandtag Schleswig-Holstein und zum Kreistag am 20. Februar 1921 brachte einen „Rechtsruck“ mit sich. Die SPD und die DDP mussten Verluste hinnehmen, während die DVP und die DNVP Gewinne zu verzeichnen hatten. Die Kommunalwahl am 4. Mai 1924 sorgte für einen weiteren Triumpf für die bürgerlichen Parteien, die sozialdemokratische Mehrheit der Stadt ging verloren. Bei einer weiteren Kommunalwahl am 17. November 1929 trat die NSDAP noch nicht in Erscheinung, weil es ihr an geeigneten Kandidaten fehlte, die gegen die bekannten Kommunalpolitiker antreten konnten. So dominierte weiterhin die bürgerlichen Liste („Gerechtigkeit und Wahrheit“) in der Stadt, die „Sonderintressen“ verschiedener Bevölkerungsschichten vertrat. [47]

Gedenkstein an die Windhose von Uetersen aus dem Jahr 1934

Eine für diese Breiten ungewöhnliche Naturkatastrophe ereignete sich am 10. August 1925, als eine Windhose der Stärke F3 große Teile von Uetersen zerstörte. Das Unwetter dauerte über ein Viertelstunde, die Schneise der Verwüstung hatte eine Breite von etwa zehn Kilometern, Tausende Fensterscheiben wurden zertrümmert, unzählige Dächer durch Hagelschlag zerstört, Fabrikschornsteine stürzten um, und die Ernte wurde überwiegend vernichtet. Hundertjährige Bäume wurden entwurzelt oder wie Streichhölzer geknickt, darunter auch das damalige Wahrzeichen der Stadt, eine 700-jährige Eiche. Ein Toter und 13 zum Teil schwer Verletzte waren zu beklagen. Der Sachschaden an Gebäuden und landwirtschaftlichen Werten betrug zirka vier Millionen Reichsmark (umgerechnet 13,2 Millionen Euro), die Beseitigung der Schäden dauerte Monate. [48][49] Der für die Stadt bedeutende Gartenbau benötigte mehrere Jahre, um sich von dieser Naturkatastrophe zu erholen.[50]

Im selben Jahr nahm von Uetersen aus die erste Postbuslinie in Schleswig-Holstein ihren Betrieb auf, die dreimal täglich verkehrte.[51] 1928 feierte die Stadt das neunundvierzigste Norddeutsche Bundesschießen mit rund sechstausend Festteilnehmern. Am 24. März 1938 zerstörte ein Großbrand Röpckes Mühle, den damals größten Mühlenbetrieb Schleswig-Holsteins. Mehr als 150 Helfer der Uetersener Feuerwehr und den Nachbarwehren aus Moorrege, Heist, Groß Nordende und Elmshorn sowie 100 Soldaten vom Fliegerhorst Uetersen waren im Einsatz.[52]

Ende 1934 begannen die ersten Verhandlungen über dem Bau eines Militärflugplatzes auf dem Gelände des heutigen Flugplatz Uetersen. Auslöser war der Magistrat der Stadt, der sich durch den Bau eines Fliegerhorstes eine wesentliche Verbesserung der wirtschaftlichen Struktur erhoffte. Bereits im März 1935 wurde mit dem Bau des Militärflugplatzes begonnen, und am 29. August 1936 fand die offizielle Richtfeier im Rathaus Uetersen statt. Knapp fünf Wochen später, am 3. Oktober 1936, wurde Uetersen Garnisonsstadt, und unter dem Kommandeur Oberst Hans Hückel zog die Flieger-Ersatzabteilung 37 in der Stadt ein und belegte die neu errichteten Kasernen auf dem Fliegerhorst. Am 31. Oktober desselben Jahres fand die erste Rekrutenvereidigung statt.

Bereits bei der Reichstagswahl im Juli 1932 gewann die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) in Schleswig-Holstein 51 % der Wähler, während das reichsweite Ergebnis nur 37 % betrug. Zu den Ursachen dieses einzigartigen Aufstiegs des Nationalsozialismus im Norden gibt es zahlreiche Untersuchungen.[53] Angeführt werden unter anderem die Abtretung Nordschleswigs, die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise auch auf landwirtschaftliche Betriebe und die entstehende Landvolkbewegung, die geringe konfessionelle Bindung von Wählerschichten an eine Partei und der Einbruch in das bürgerliche Wählerpotential von Deutscher Volkspartei (DVP) und Deutschnationaler Volkspartei (DNVP).

Wahlergebnis zur Reichstagswahl im Juli 1932:[54]
Partei NSDAP SPD KPD DNVP CsV DStP DVP Zentrum WP
Stimmen 2190 1564 466 176 128 34 32 25 11

In Uetersen hatten SPD und KPD bei der Reichstagswahl im November 1932 noch eine starke Wählerschaft. Die NSDAP konnte 2037 Stimmen verbuchen, die SPD erhielt 1480, die KPD 537.[55] Unter Leitung von Victor Andersen (SPD) und anderen wurde der Widerstand in Uetersen und Umgebung organisiert; spektakuläre Aktionen, wie die Verhinderung des Aufmarsches von 600 SS-Anhängern im Dezember 1932 wurden durchgeführt.[56] An einer Demonstration gegen die Nationalsozialisten am 18. Februar 1933 nahmen über 750 Personen teil.[57]

Wahlergebnis zur Reichstagswahl im November 1932:[58]
Partei NSDAP SPD KPD DNVP CsV DStP DVP Zentrum WP
Stimmen 2037 1480 573 269 130 48 45 28 6
Denkmal zur Erinnerung an 27 sowjetische Kriegsgefangene, die in Uetersen ihr Leben ließen
Wahlergebnis zur Reichstagswahl im März 1933:[59]
Partei NSDAP SPD KPD DNVP CsV DStP DVP Zentrum DBP
Stimmen 2363 1476 479 259 112 16 37 22 1

Die NSDAP erreichte bei der Reichstagswahl im März 1933 in der Stadt einen überwältigenden Stimmenanteil von über 52 % (Kreis Pinneberg 53,6 %).[60] Obwohl der Wahlkampf von SPD und KPD durch Zeitungsverbote, gewaltsame Störungen von Wahlversammlungen und Verhaftungen beeinträchtigt worden war, konnten beide Parteien die absolute Stimmenzahl annähernd wieder erreichen. Nach der ebenfalls im März 1933 durchgeführten Wahl zu Landtag, Kreistag und zur Stadtvertretung, erhielt die NSDAP in Uetersen elf der 18 Sitze, die SPD sechs und die KPD einen Sitz.[61]
Im März 1933 wurden in Uetersen zwölf SA- und SS-Angehörige als Hilfspolizisten vereidigt; es folgten Verhaftungen von KPD-Funktionären und Hausdurchsuchungen. Die SPD- und KPD-Abgeordneten wurden aus der Stadtvertretung entfernt, der damalige Bürgermeister Heinrich Wellenbrink musste sein Amt aufgeben. Die Gewerkschaften wurden gleichgeschaltet und die Nationalsozialisten bemächtigten sich der gewerkschaftlichen Traditionen. So wurde der 1. Mai in einer großen Demonstration unter Führung der nationalsozialistischen Politiker begangen. Am 1. Mai 1933 hing weithin sichtbar eine Strohpuppe in SA-Uniform auf einem der höchsten Schornsteine der Stadt an einem Galgen;[62] ein offener und wirksamer Widerstand war nicht mehr möglich.

Am 10. Mai 1933 fand auch in Uetersen im Zuge einer „Aktion wider den undeutschen Geist“ der Deutschen Studentenschaft eine Bücherverbrennung statt, öffentlich wurden auf den Buttermarkt Bücher von jüdischen, marxistischen und pazifistischen verbrannt. [63]

Nach dem Verbot der SPD im Juni 1933 waren weitere Funktionäre der KPD und SPD Opfer der Verfolgungen, darunter der ehemalige Elmshorner Bürgermeister Fritz Petersen.[64] Die bürgerlichen Vereine wurden gleichgeschaltet.

Die KPD hatte sich auf einen Widerstand in der Illegalität eingestellt. Parteimitglieder versuchten Propagandamaterial über die dänische Grenze einzuschleusen, verbreiteten Flugblätter und unterstützten die Familien inhaftierter Genossen durch heimliche Geldsammlungen. Die Täter der illegalen Aktionen wurden aufgespürt. Die Gestapo verhaftete 1935 im Kreis Pinneberg 269 Widerstandskämpfer. Acht führende KPD-Funktionäre wurden am 13. November 1935 in der „Strafsache gegen Johannes Offenborn und Andere“ wegen „Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens“ zu hohen Zuchthausstrafen verurteilt. In 23 Folgeprozessen standen 261 weitere Personen, unter ihnen 31 aus Uetersen,[65] vor Gericht, das insgesamt 661 Jahre Zuchthaus und 40 Jahre Gefängnis verhängte.

Im Jahr 1934 feierte man den 700. Stadtgeburtstag und die Eröffnung des neuen Rosariums. Der Stadtgeburtstag und die Rosenschau, die damals größte ihrer Art in ganz Deutschland, wurden für die NS-Propaganda benutzt. Adolf Hitler wurde Ehrenbürger der Stadt und die Friedrich-Ebert-Schule in Adolf-Hitler-Schule umbenannt. Im Rosarium wurde ein Gedenkstein an die Windhose von 1925 gesetzt, der Baumstumpf der 700-jährigen Eiche entfernt und durch die neu gepflanzte Adolf-Hitler-Eiche ersetzt. 1936 bezog die 1930 gegründete NSDAP-Ortsgruppe Uetersen das ehemalige Privatschulgebäude in der Moltkestraße. Dieses wurde von der Uetersener Bevölkerung Braunes Haus in der Moltkestraße genannt. Nach der nationalsozialistischen Herrschaft wurde in dem Gebäude ein Sanatorium eingerichtet. 1939, kurz vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs hatte NSDAP-Ortsgruppe 568 Mitglieder, von denen 61 Politischer Leiter bzw. Amtswalter waren.[66]

Etwa 1650 Kriegs- und Zivilgefangene aus 21 Staaten, überwiegend aus Frankreich, Polen und der Sowjetunion, waren in Uetersen kaserniert und wurden zum Teil zur Arbeit in Industriebetrieben und in der Landwirtschaft gezwungen.[67] Mit 358 Zwangsarbeiterinnen war die Messap (Deutsche Meßapparate GmbH), eine Tochter der Schwarzwälder Uhrenfabrik Junghans, der größte Rüstungsbetrieb in der Stadt, dort wurden Zeitmessapparate und Zünder montiert. Ein weiterer Rüstungsbetrieb mit 135 Zwangsarbeitern waren die Pinnauwerke GmbH, ein Ableger der Drägerwerke in Lübeck, die Gasmasken und Filter herstellten.

255 Gefangene aus verschiedenen Nationen waren im damaligen Hotel „Deutsches Haus“ und 130 Franzosen in einer Jugendherberge untergebracht. Im Barackenlager am Esinger Steinweg lebten 250 Männer aus Polen und der Sowjetunion. In den Gebäuden der Nordmarkwerke waren 160 Frauen eingesperrt und in einer Baracke am Schützenplatz 200 Männer.[67] Auf dem Friedhof erinnern rund 30 Grabsteine an die Kriegsgefangenen und deren Kinder, die an Krankheit oder Erschöpfung starben.

„Reichsfettkarte“ für Jugendliche aus dem Jahr 1941

Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurden auch in Uetersen aus „kriegswirtschaftlicher Notwendigkeit“ Kraftfahrzeuge beschlagnahmt, stillgelegt oder durften nur mit Ausnahmegenehmigungen gefahren werden. Für die Abendstunden wurde die Verdunklungspflicht angeordnet. Die Hitlerjugend sammelte für das Winterhilfswerk und die Uetersener Bevölkerung bekam Lebensmittelkarten und Bezugsscheine für die Grundversorgung. Ebenso wurde zum Energiesparen und zu Sachspenden aufgerufen. Mit Beginn des Totalen Krieges im Jahr 1943 wurden die meisten Betriebe der Stadt stillgelegt, da es an Waren und Rohstoffen fehlte; die nicht wehrpflichtigen Männer wurden zu kriegswichtigen Arbeiten herangezogen. 1944 wurden, wie im ganzen Land, die letzten Kräfte für den Krieg mobilisiert. Fast alle Uetersener Männer vom 17. bis zum 59. Lebensjahr wurden gemustert und sofort eingezogen. Die restlichen Jungen, Mädchen und Frauen wurden im Oktober 1944 aufgrund eines Wehrmachtserlasses zu Kranken- oder Wehrmachtshelfern ausgebildet. Die Uetersener Bevölkerung musste von da an mit gravierenden Einschränkungen leben. So wurde neben den Lebensmitteln auch der elektrische Strom zugeteilt.

Uetersen überstand den Zweiten Weltkrieg ohne größere Zerstörungen. In der Nacht vom 6. zum 7. Juni 1940 flog die Royal Air Force einen Direktangriff auf Uetersen. Einige Häuser in Osten der Stadt wurden zerstört. Dabei gab es einen Toten und etwa 30 Verletzte. Vom 11. bis zum 28. Juni überflogen in mehreren Wellen feindliche Maschinen die Stadt und warfen in der Nähe wahllos Bomben ab. Einen weiterer Direktangriff folgte in der Nacht vom 8. zum 9. September 1940. Dabei wurden in Uetersen und Umgebung rund 25 Spreng- und Brandbomben abgeworfen, die einige Häuser im Stadtgebiet zum Teil schwer beschädigten. Zwei Flugzeuge wurden dabei abgeschossen. Die vier Besatzungsmitglieder eines Flugzeugs wurden gefangengenommen und dabei Kartenmaterial von Uetersen und Umgebung sichergestellt auf dem die Ziele rot gekennzeichnet waren. Das zweite Flugzeug konnte noch an der Elbe entlang gleiten und versank später. [68]

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges begann man damit, nationalsozialistisches Beweismaterial zu vernichten.[69] Militärische Anlagen wurden gesprengt, Akten, Aufzeichnungen, Parteiuniformen, Parteibücher und Hakenkreuzfahnen verbrannt, Pistolen, Maschinengewehre und Panzerfäuste in der Pinnau und im Rosarium versenkt. Parteiabzeichen und Ähnliches wurden heimlich vergraben.[70] Die deutschen Truppen aus Hamburg, Wedel und dem nahegelegenden Fliegerhorst zogen sich über Uetersen auf eine Verteidigungslinie Elmshorn-Barmstedt-Alveslohe zurück, doch es kam zu keinen Kampfhandlungen mehr. [71]

Am 4. Mai 1945 kapitulierten die deutschen Verbände in Norddeutschland. Britische Panzertruppen von Moorrege, über die Pinnau kommend, besetzten Uetersen, und beendeten die nationalsozialistische Herrschaft in der Stadt. Der Uetersener Bürgermeister der NSDAP Hermann Dölling wurde nach der Besetzung durch britische Panzertruppen im Rathaus verhaftet und im Rahmen der Entnazifizierung in ein Internierungslager gebracht. Er wurde später als „entlastet“ eingestuft.

Im Zweiten Weltkrieg sind zirka 1200 Uetersener gefallen und rund 400 kamen in Kriegsgefangenschaft , etwa 220 gelten bis heute als vermisst.[72]

Nach dem Einmarsch der Alliierten herrschte von 1945 bis 1950 große Not. Durch die vielen Flüchtlinge, Vertriebenen und die Kriegs- und Zivilgefangenen aus 21 Ländern Europas war die Einwohnerzahl auf über 14.800 angestiegen. Die Neubürger waren in Turnhallen, Kellerräumen und in leeren Fabriken untergebracht. Zusätzlich hielten sich über tausend Personen illegal in der Stadt auf. In diese Zeit fiel auch der Hungerwinter 1946/47, der als schwerster des 20. Jahrhunderts in die Geschichte einging. In der Stadt erfroren rund zwanzig Menschen oder starben an Entkräftung.[73][74] Anfang der 1950er Jahre begann der wirtschaftliche Aufschwung. Das 1952 begonnene Hafenbecken wurde 1963 nochmals ausgebaut. Uetersen bekam damit den größten Binnenhafen auf der rechten Unterelbeseite. Wohngebäude wurden in großem Stil errichtet. In der Stadtmitte wurde ein großer Marktplatz angelegt und eine geregelte Schmutzwasserentsorgung und Müllabfuhr eingerichtet.In den 1950er und 1960er Jahren wurde die Stadt zur „Fußballhochburg“ im Kreis Pinneberg. Das neue Rosenstadion wurde gebaut und der TSV Uetersen wurde 1950 Meister in der Hamburger Germania-Staffel, stieg in die Hamburger Amateurliga auf und wurde 1956/57 Meister in der Fußball-Oberliga Hamburg. Der Verein war von 1951 bis 1969 fünfzehnmal Fußball-Kreismeister, davon elfmal in Folge.[75]

Die Hamburger Sturmflut 1962 suchte auch Uetersen heim. Schon am 12. Februar fegte ein schwerer Orkan der Stärke 12 mit starken Regenschauern über die Stadt, entwurzelte Bäume und deckte ganze Dächer von Wohnblocks ab. Herumfliegende Dachziegel beschädigten parkende Autos. Nach ersten Schätzungen lag der Sachschaden bei rund 150.000 DM. [76] Von der Elbe wurde das Wasser in der Nacht vom 16. zum 17. Februar mit einer Flutwelle in die Pinnau gedrückt, der Fluss wurde zum reißenden Strom und überflutete von Stichhafen über die Klosterwiesen aus die Uetersener Innen- und Altstadt, sowie die historische Klosteranlage. Mehr als 50 Schweine ertranken dabei in den Fluten.[77] Ab Mitternacht bis vier Uhr Morgens erreichte das Hochwasser den höchsten Stand von 4,09 Meter über Normalnull und es kam zum Stromausfall in der Stadt. In Uetersener Rathaus wurde ein Katastropheneinsatzstab eingerichtet und im Krankenkaus wurde der Betrieb mit Notstromaggregaten aufrechterhalten. Helfer von den umliegenden Feuerwehren, eine Staffel des Fluganwärterregiments vom Fliegerhorst Uetersen und dem Ortsverband des Bundesluftschutzverbands, sowie unzählige freiwillige Helfer waren bis zum 28. Februar im Einsatz. In der Nähe des Werksgelände von Harles und Jentzsch war der Pinnaudeich auf vier bis fünf Meter breite zerbrochen. Mehrere Tage lang schleppten dort Freiwillige und Soldaten bis zur Erschöpfung Sandsäcke, rammten Pfähle ein und legten Faschinen um das Loch wieder zu schließen. Nach ersten Schätzungen lag der entstandene Schaden bei 7,2 Millionen D-Mark.[78] Im gegenüber legenden Moorrege trat die Pinnau ebenfalls über die Ufer und überschwemmte Teile der Gemeinde, einige Gebäude und landwirtschaftliche Flächen standen unter Wasser.

Im selben Jahr geriet die Stadt ungewollt durch den Arzt Kurt Borm in die Schlagzeilen der internationalen Presse, als dieser an seinem Arbeitsplatz im Uetersener Krankenhaus verhaftet wurde. Bei den Einstellungsgesprächen hatte er bewusst seine Vergangenheit verschwiegen.[79] Ihm wurde vorgeworfen, in der Zeit des Nationalsozialismus unter dem Decknamen Dr. Storm in Sonnenstein mehr als 6652 Geisteskranke in der Aktion T4 und 1000 KZ-Häftlinge in der Aktion 14f13 umgebracht zu haben. Er wurde jedoch 1972 freigesprochen.[80]

Anfang der 1970er Jahre begann die Umgestaltung der Stadt. In der Nähe des Kreuzmoores entstand ein neuer Stadtteil; im Jahre 1977 begann der Neubau des Rathauses und der Fußgänger- und Einkaufszone, der Stadtkern wurde umgestaltet. Viele historische Gebäude wie das Postgebäude aus dem Jahr 1902 und die Röpckes Mühle wurden für den Bau moderner Wohn- und Geschäftshäuser abgerissen. Der ehemalige Stadtbahnhof musste einer neuen Straßenführung weichen. Am 1. September 1981 wurden die neue Fußgänger- und Einkaufszone und das neuerrichtete Rathaus feierlich eingeweiht. Im Winter 1978/79 war die Stadt von der Schneekatastrophe in Norddeutschland betroffen. Über mehrere Tage kam das öffentliche Leben fast vollständig zum Erliegen, in einigen Teilen der Stadt lag der Schnee bis zu zwei Meter hoch. Am 12. September 1982 zerstörte ein Großbrand die Holzhandlung H. W. Feuerschütz oHG in der Innenstadt. Auch ein Einfamilienhaus und einige Autos wurden durch Flammen zerstört, angrenzende Wohnhäuser zum Teil schwer beschädigt. Es war das größte Feuer in der Stadtgeschichte Uetersens, mit einem Sachschaden von mehreren Millionen D-Mark.[81]

Im Jahr 1984 feierte die Stadt vom 24. August bis zum 2. September ihr 750-jähriges Bestehen. Ein Teil der Veranstaltung wurde live über TV (Aktuelle Schaubude, ZDF Sonntagskonzert) und Radio (Hamburger Hafenkonzert, NDR 1 Welle Nord) übertragen. Gleichzeitig wurde das 50-jährige Jubiläum des Rosarium Uetersen gefeiert.

In den folgenden Jahren wurden weitere umfangreiche Umgestaltungs- und Baumaßnahmen durchgeführt und ein zusätzliches Gewerbegebiet ausgewiesen.

Im November 1995 brannte das weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Restaurant Feuerstein, vormals Café von Stamm in der Altstadt ab. Mehr als hundert Feuerwehrleute aus Elmshorn, Uetersen und Wedel waren über zwölf Stunden mit den Löscharbeiten beschäftigt. In einem dramatischen Einsatz konnten die Einsatzkräfte ein Übergreifen der Flammen auf benachbarte historische Gebäude verhindern.[82]

Am 18. Januar 2003 nahmen an einem Nazi-Aufmarsch dreihundertfünfzig Neonazis unter Führung von Christian Worch und Thorsten Heise teil. Dabei kam es zu Zusammenstößen zwischen 650 Polizeibeamten und einem Teil der 1500 Teilnehmer einer Gegendemonstration; rund 150 Antifaschisten und junge Türken versuchten den Aufmarsch zu verhindern und durchbrachen eine Polizeiabsperrung in der Nähe des Nazi-Treffpunkts. Nur durch den Einsatz von Schlagstöcken und Pfefferspray konnte die Polizei einen Übergriff auf die Neonazis verhindern. Zum Schluss endete der Aufmarsch in einem Chaos, die Neonazis wurden mit Wurfgeschossen beworfen, Autos verbeult und Fensterscheiben gingen zu Bruch. Insgesamt wurden achtzehn Personen vorübergehend in Gewahrsam genommen, darunter auch ein Neonazi.[83][84]

2004 wurde die Stadt bundesweit bekannt, als das Uetersener Krankenhaus trotz Proteste geschlossen wurde,[85] obwohl es als einzige Klinik im Kreis Pinneberg schwarze Zahlen schrieb.[86][87] Danach war das ehemalige Krankenhaus Sitz der Regio-Kliniken, die wegen Misswirtschaft und angeblicher Korruption der Geschäftsführung ein Fall für die Staatsanwaltschaft wurden.[88] Das Unternehmen machte im Jahr 2008 einen Verlust von neun Millionen Euro.[89] Für das Jahr 2009 wurde ein Fehlbetrag von über sieben Millionen Euro ausgewiesen. Inzwischen wurden die Kliniken an die Sana Kliniken verkauft, um die Krankenversorgung der Bevölkerung zu sichern.[90] Im Sommer 2006 wurde wie auch in anderen Städten mit Fanfesten die Fußball-Weltmeisterschaft gefeiert. Anlässlich des Fanfests der Stadt wurde auch der bundesweite Fotowettbewerb Gib der WM Dein Gesicht durchgeführt,[91] bei dem zwei Uetersener Kinder (8 und 9 Jahre) die vorderen Plätze belegten und deutschlandweit bekannt wurden. Sie wurden aus 1490 Kandidaten ausgewählt, landeten auf den Plätzen 1 und 2 in der Kategorie Kinder und erreichten in der Gesamtwertung die Plätze 6 und 7.[92][93]

Im darauffolgenden Jahr wurden in der Stadt rund dreihundert Wohnungen im Quartier Kreuzmoor beschlagnahmt und unter Zwangsverwaltung gestellt. Seit Jahren hatte der als „Horror-Vermieter“ bekannte Dr. Gerd Thormählen die Wohnungen verkommen lassen, ein großer Teil der rund siebenhundert Menschen lebte unter unwürdigen Wohnbedingungen. Erst mit Investitionen in Millionenhöhe durch den Zwangsverwalter wurden die Missstände beseitigt.[94] Zwischenzeitlich verkaufte der Zwangsverwalter insgesamt 376 Wohnungen im Quartier an ein Wohnungsunternehmen.

Im Sommer 2007 wurde die Stadt mehrmals nach starken Regenfällen von großen Überschwemmungen bedroht. Nur durch den Einsatz von hunderten Helfern des Technisches Hilfswerks aus Hamburg, des Katastrophenschutzes und der Freiwilligen Feuerwehren aus dem Kreisgebiet konnte das Überlaufen des Rosariums verhindert und die Stadt vor großen Überschwemmungen bewahrt werden. Die Feuerwehren und das Technische Hilfswerk waren zum Teil tagelang beschäftigt, die Wassermassen aus dem Rosarium abzupumpen. Das jährliche Herbst- und Lampionfest konnte nur unter erschwerten Bedingungen durchgeführt werden, weil Teile der Innenstadt unter Wasser standen.[95][96] Am 28. Juni 2008 fand auf dem Gelände der Nordmark-Werke eine der größten Rettungsübungen mit mehr als 260 Aktivisten für angehende Rettungsassistenten in Schleswig-Holstein statt. Die pyrotechnischen Explosionen waren bis in die Nachbargemeinden zu hören und eine dichte schwarze Rauchwolke war weit über die Stadt hinaus sichtbar. Ein Teil der Uetersener Bevölkerung glaubte, dass sich ein schweres Unglück ereignet hätte. Ein Großaufgebot der Freiwilligen Feuerwehr Uetersen, des Rettungsdienstes der RKiSH (Rettungsdienst-Kooperation in Schleswig Holstein) und der Schnellen Einsatz-Gruppe (SEG) des Deutschen Roten Kreuzes verunsicherte die Bevölkerung noch mehr, obwohl diese Großübung vorher in den Medien bekannt gegeben worden war. Neben der Behandlung von Explosionsverletzungen, Verbrennungen und Rauchgasvergiftungen standen vor allem die technische Rettung sowie die Einsatzlogistik und -organisation bei dieser Übung im Mittelpunkt.[97][98][99]

Im März 2009 machte Thormählen wieder Schlagzeilen in den Medien. Seit 2006 hatte er die Kosten für die Heizung, in Höhe von mehr als einer halben Million Euro, nicht an die E.ON Hanse weitergeleitet. Daraufhin wurde mehreren hundert Mietern eines Hochhauses an der Klosterkoppel das Gas abgedreht, so dass sie tagelang weder Heizung noch Warmwasser hatten. Erst als die Hamburger Sparkasse als Hauptgläubiger von Thormählen sich mit dem Energieversorgungsunternehmen einigte und eine Bürgschaft übernahm, wurde die Gasversorgung wieder aufgenommen. Wenig später wurden das betreffende und ein weiteres Hochhaus unter Zwangsverwaltung gestellt. Im Dezember 2009 wurde gegen den Vermieter wegen gewerbsmäßigen Betrugs in neunundzwanzig Fällen Anklage erhoben.[100][101] Das Verfahren gegen Thormählen wurde Ende Februar 2010 gegen Auflagen und Zahlung von Entschädigungen an die Mieter eingestellt. Die E.ON Hanse strebt indes einen weiteren Zivilprozess gegen Thormählen an, um Gas-Schulden von rund 193.000 Euro einzuklagen.[102][103] Seit Mitte 2010 sollten die Häuser versteigert werden, jedoch wurde der Termin für die Versteigerung mehrmals verschoben. Ende 2010 wurden die Hauser überraschender Weise durch die Hamburger Sparkasse an einen unbekannten Käufer veräußert, der Verkehrswert lag bei rund vier Millionen Euro.[104]

Im Juni 2009 begannen die Umgestaltungsarbeiten für das neue Einkaufszentrum auf dem Gerberplatz. Zehn Millionen Euro investierte die Firma Groga-Immobilien-GmbH für die Erweiterung des bisherigen Einkaufszentrums. Auf 1,4 Hektar sollte im Eiltempo das Vorhaben realisiert werden. Ein Teil der Umbauarbeiten wurde bereits durchgeführt, bis April 2010 sollten die Bauarbeiten abgeschlossen sein.[105] Durch den strengen Winter 2009/2010 und weiteren Anbauten verzögerte sich die Fertigstellung bis Mitte August.

Mitte Juli 2009 feierte die Stadt ihr 775-jähriges Bestehen. Die Planungen wurden jedoch von Streitigkeiten um das Budget und Querelen einzelner Kaufleute überschattet. Bei der Veranstaltung wurde auch das Schleswig-Holsteinische Landestrachtenfest mit über 350 Teilnehmern aus 31 Vereinen durchgeführt und das 75-jährige Jubiläum des Rosarium Uetersen gefeiert. In der Nähe des ehemaligen Uetersener Krankenhauses wurde nach langen Planungsstreitigkeiten mit dem Bau der Mensa „KantUene“ für das Ludwig-Meyn-Gymnasium und die Gustav-Heinemann-Realschule begonnen, die Bauarbeiten wurden nach den Sommerferien 2010 beendet.

Menschenkette im Tornescher Weg

Trotz Protesten aus der Bevölkerung wurde aufgrund der neuen Schulreform beschlossen, den Betrieb der Grund- und Hauptschule Am Roggenfeld ab dem Schuljahr 2010/2011 auslaufen zu lassen. Zusammengelegt mit der Gustav-Heinemann-Realschule bildet sie jetzt die Regionalschule „Rosenstadtschule“ Uetersen.

Durch einen Sieg vom FC St. Pauli II gegen Holstein Kiel II stieg der TSV Uetersen als Vizemeister der Landesliga Hammonia durch die „Hintertür“ erneut in die Fußball-Oberliga Hamburg auf und empfing im Rosenstadion anlässlich der 775-Jahr-Feier der Stadt die kubanische Fußballnationalmannschaft für ein Freundschaftsspiel.

Am 24. April 2010 war Uetersen einer der Hauptveranstaltungsorte der Aktions- und Menschenkette von Krümmel nach Brunsbüttel (KETTENreAKTION!). Mehrere Tausend Menschen sowie Politiker der SPD, Bündnis 90/Die Grünen und anderen Initiativen aus der näheren Umgebung, dem Raum Lübeck, Ostholstein und Mecklenburg-Vorpommern bildeten eine Menschenkette quer durch die Stadt bis nach Tornesch. Zum Teil kam es zu massiven Verkehrsproblemen, da die Hauptverkehrsstraßen durch Teilnehmer blockiert waren.[106][107][108]

Ende Juli 2010 verschwand das höchste Bauwerk aus dem Stadtbild. Der weithin sichtbare, über 75 Meter hohe, Schornstein der StoraEnso Papierfabrik aus dem Jahr 1906 wurde auf rund 40 Meter verkürzt. Er war eins der Wahrzeichen neben dem 60 Meter hohen Raiffeisen-Silo am Stichhafen und dem Uetersener Wasserturm.

Im Dezember 2010 wurde bekannt, das der Uetersener Futtermittelbetrieb Harles und Jentzsch dioxinverseuchte Fette verarbeitet hatte, und steht im Mittelpunkt eines Futtermittelskandals („Dioxin-Skandal“), bei dem nach Behördenangaben mindestens 3.000 Tonnen dioxinbelastetes Futterfett zur Weiterverarbeitung an zahlreiche deutsche Futtermittelhersteller geliefert wurde, woraufhin mehrere Tausende von belieferten Bauernhöfen in Deutschland gesperrt werden mussten.

Wie auch in anderen Städten fand am 11. April 2011 im Folge des Tōhoku-Erdbebens und dem damit verbundenen Atomunfall im Kernkraftwerk Fukushima Daiichi in Japan, eine Mahnwachen für die Abschaltung der deutschen AKW statt.[109] Höhepunkt der Veranstaltung war der Beitrag des japanische Kirchenorganisten Mitsuhiro Ikenoya am Klavier und das Niederlegen von roten und weißen Nelken auf die Japanische Nationalflagge zum Gedenken an die Opfer der Katastrophe.

Anfang Juli 2011 feierte die Stadt ihr 777-jähriges Bestehen. Höhepunkte dieses Festes war der Auftritt von 30 Band und Einzelkünstlern und das binden der längsten Rosengirlande (320 m) Europas. Überschattet wurden die Feierlichkeiten durch starke Regenfälle und stürmischen Winden von bis zu acht Bft.

Am 25. August 2011 kam es in Uetersen zu einem spektakulären Polizeieinsatz. Seit dem Frühjahr 2011 hatte eine spezielle Ermittlungsgruppe der Kriminalpolizei einen Türkischen-Kulturverein im Visier. Ende August schlug ein Spezialkommando des Landeskriminalamts Schleswig-Holstein zu, für die Festnahme waren sie mit einem Linienbus vor dem Kulturverein gefahren. Es waren mehrere Polizeidirektionen an der Festnahme beteiligt, unter anderem die Bezirkskriminalinspektion Itzehoe,die Kriminalpolizei Pinneberg, das Landeskriminalamt Schleswig-Holstein sowieso mehrere Zivilestreifenkommandos aus Bad Segeberg und Neumünster. Die Ermittler stellten Kiloweise Heroin und mehrere Tausend Euro sicher. Bei der Aktion wurden Zwei Personen festgenommen. Teile der Uetersener Innenstadt waren bis tief in die Nacht gesperrt.

Magnus Stenbock
Charlotte Amalie von Hessen-Kassel

In historischen Aufzeichnungen und Chroniken der Stadt tauchen immer wieder Personen auf, die sich durch besondere Taten oder ihre Eigenarten hervortaten. So wird von einer alten Hexe berichtet, die im Waldgebiet von Langes Tannen gelebt und dort ihr Unwesen getrieben haben soll.

Charlotte Amalie von Hessen-Kassel (1650–1714) habe 1675 zweimal mit rund 80 Untertanen dem Kloster einen Besuch abgestattet, sich dort fürstlich beköstigen lassen und sei ohne viel Dank wieder verschwunden. Der Klosterschreiber Johan Moritzen berechnete später die Kosten, die bei jedem Besuch entstanden waren, auf fast 60 Schilling pro Person.[110]

38 Jahre später wird von einer Anna Catharina von Sparre berichtet, die mit ihrem eigenmächtigen Handeln 1713 den Ort vor der Einäscherung durch die schwedischen Truppen des Magnus Stenbock, eines Vetters und Jugendfreundes von Fräulein von Sparre († 1749), bewahrte. Als die Truppen bereits in Pinneberg waren, reiste sie mit einigen Begleitern am 9. Januar 1713 dorthin und machte dem General ihre Aufwartung. Er erkannte die längst vergessene Schulfreundin wieder. Nach einem ausführlichen Gespräch, das auf Schwedisch geführt wurde, erschien sie an der Tür und eröffnete ihren Begleitern: „Es ist euch alles geschenkt!“. Trotzdem musste das Kloster später 1180 Reichstaler als Brandschatzungsgeld zahlen. Im Jahre 1717 erhoben die Bevollmächtigten der Uetersener Gemeinden bei Propst und Priorin des Uetersener Klosters wegen des Verdachts der Vetternwirtschaft Klage gegen Anna Catharina von Sparre. Vom Ausgang des Verfahrens ist nichts bekannt. Offensichtlich war es der Priorin gelungen, die Affäre intern zu klären.[111]

Eine weitere Altuetersener Figur war das Fräulein von Hammerstein, genannt der Klostergeist von Uetersen, eine hagere Person und immer schwarz gekleidet. Sie bewegte sich völlig geräuschlos durchs Kloster. Die Uetersener Bevölkerung fürchtete sich vor ihr, weil sie oft aus dem Nichts auftauchte und nie einen Laut von sich gab. Sie war eine Tochter des preußischen Landwirtschaftsministers Ernst von Hammerstein-Loxten.[112]

Der Aberglaube war im 18. Jahrhundert in der Stadt noch weit verbreitet. So wurde den schwangeren Frauen ein blanker Degen unter dem Kopf gelegt, um sie vor unterirdischen Geistern zu schützen. Auch glaubten viele einfache Leute, dass sie ihre Nahrung von einem Drachen erhielten. Camerer schrieb in seinen Vermischten historisch-politischen Nachrichten: „Viele Leute sind in dieser Gegend völlig in Bedachte, daß ihre Nahrung von dem Drachen herkommt, viele Leute haben ihn auch gesehen, und sie haben mir ihn so deutlich abgemalert, das er mich eine halbe Nacht im Traume gequält hat. Wenn wird die Vernunft die Welt und den gemeinen Mann mit der Wahrheit beherrschen? Von unseren Zeiten sind sie entfernt, diese goldenen Zeiten.

Zu Beginn der Einwohnerermittlung Mitte des 17. Jahrhunderts wurden in Uetersen 256 Häuser gezählt. 1803 hatte der Ort 2601 Einwohner, um 1875 stieg die Zahl auf etwa 4300, von 1900 bis 1910 wuchs die Einwohnerzahl von 5958 auf 6259 Personen und wurde sie damit nach Elmshorn (13.640) die zweitgrößte Stadt im Kreis Pinneberg. Bis 1938 wuchs die Einwohnerzahl auf 7673 Personen. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges stieg die Einwohnerzahl durch Flüchtlinge aus dem nahen Hamburg und den Vertriebenen aus den ehemaligen Ostgebieten explosionsartig auf über 14.800 an und wuchs seitdem langsam, aber stetig, auf über 17.800 Einwohner im Jahr 2006. Die Prognosen, die in den 1960er Jahren von einem Bevölkerungsanstieg auf 60.000 Einwohner (aus dieser Zeit stammen die Klosterkoppelhochhäuser und das überdimensionierte Rathaus) ausgingen, erwiesen sich jedoch als falsch. Mit 2,23 Bewohnern je Haushalt befindet sich die durchschnittliche Haushaltsgröße über dem Landesniveau von Schleswig-Holstein (2,09 Einw. je Haushalt)

Einwohnerentwicklung der Stadt Uetersen von 1803 bis 2010 in Zahlen[113][114][115][116]
Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner
1803 2601 1871 4037 1905 6300 1935 7236 1995 18155 2007 17852 3
1840 3313 1880 4723 1910 6891 1939 7976 2001 18083 2008 17739 4
1845 3396 1885 5058 1917 5891 1945 14407 2003 18013 2009 17688 5
1855 3906 1890 5311 1919 6443 1951 15485 2 2005 17551 2010 17558 6
1867 3905 1895 5603 1925 6989 1 1987 16997 2006 17865

Nach den Berechnungen des Statistischen Amtes für Hamburg und Schleswig-Holstein von November 2007 ist für die Stadt Uetersen für den Zeitraum 2007 bis zum Jahr 2025 mit einer stagnierenden Bevölkerungszahl von rund 18.700 im Jahr 2025 auszugehen.[117] So wird mit einem Bevölkerungsrückgang von 2,7 Prozent gerechnet. Die Stadt versucht verstärkt mit Ausweisung von weiteren Wohn- und Mischgebieten der Prognose entgegenzuwirken. Diese Vorgehensweise wird von immer mehr Bürgern kritisiert, da die letzten freien Flächen und Hinterhöfe in der Stadt bebaut werden sollen. Sie befürchten Einbußen der Lebensqualität durch den Wegfall der letzten Grünflächen und die dichte Hinterhofbebauung. Im Juli 2010 stimmte der Stadtentwicklungs- und Bauausschuss der Stadt dem Abriss des ehemaligen Hotels Deutsches Haus in der historischen Altstadt zu, dort entstand zwischenzeitlich ein Wohnpark mit drei Stadthäusern mit neun Eigentumswohnungen. Auch dieses Bauvorhaben wurde von einigen Bürgern kritisiert.

Im Februar 2011 wurde von dem Tornescher Bürgermeister Roland Krügel angeregt, dass führende Politiker der Städte Uetersen und Tornesch über eine Fusion beider Städte nachdenken und diskutieren sollten. Eine Fusion beider Städte würde den Einfluss im Landkreis Pinneberg vergrößern. Mit 32.000 Einwohnern würde die viertgrößte Stadt im Kreis Pinneberg entstehen. Zur Zeit haben sich beide Stadträte für eine Fusion der Städte ausgesprochen, über den möglichen neuen Städtenamen wurde noch nicht entschieden, jedoch wird „Rosenstadt (bei Hamburg)“ favorisiert.[118]

In der Stadt betrug die Arbeitslosigkeit im März 2005 17,8 Prozent und im Dezember 2005 14,3 Prozent. Der ausländische Bevölkerungsanteil, Stand 2006, umfasst 1696 Personen aus 87 Nationen, davon sind 912 türkischer, 79 polnischer, 62 italienischer, 54 russischer, 52 griechischer, 47 portugiesischer, 32 serbisch-montenegrinischer, 28 afghanischer sowie 27 britischer Abstammung. Dies ergibt einen Bevölkerungsanteil von rund 11 Prozent. Der Bevölkerungsanteil der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren liegt bei 19, der 18-bis-59-Jährigen bei 55 und der über 60-Jährigen bei 26 Prozent. Inzwischen sank die Arbeitslosenquote in Uetersen im September 2009 auf 5,5 Prozent.[119] Das Nettoeinkommen der privaten Haushalte betrug im Jahr 2008 rund 2.983 Euro.

Der bisher älteste Einwohner der Stadt war der gebürtige Ostpreuße Walter Jordan mit 106 Jahren (* 8. März 1878; † 9. September 1984). Er war der älteste Mensch im Kreis Pinneberg und gehörte zu den ältesten männlichen Personen in Schleswig-Holstein. Gefolgt wurde er von den beiden Schwester Margarete Hofmann 105 (* 25. Mai 1901; † 2006) und Adolfine Ladiges 103 (* 1. Mai 1903; † 2006). [120][121] Sie waren das älteste Geschwisterpaar in Schleswig-Holstein und eins der ältesten in Deutschland.

Die Stadt Uetersen kann für das Jahr 2012 erstmals seit 2001 einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen, die Fehlbedarfszuweisung des Landes lag 2008 bei 560.000 und 2009 bei 161.000 Euro. Zur Zeit betragen die Schulden der Stadt etwa zwölf Millionen Euro, eine Steigerung zum Vorjahr von 1,3 Millionen Euro.

Erster Bürgermeister der Stadt war Ernst-Heinrich Meßtorff, ihm folgten bis heute 14 weitere Bürgermeister. Heinrich Muuß wurde wegen angeblichen finanziellen Manipulationen zu eigenen Gunsten fristlos entlassen. Ernst Ladewig Meyn war zunächst Stadtrat und später ein weiterer Bürgermeister der Stadt, ihm folgte Jacob Christians und Heinrich Wellenbrink. Er wurde nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten aus seinem Amt „entfernt“ und durch Ferdinand Bauth ersetzt, der das Amt nur für kurze Zeit kommissarisch leitete. 1933 wurde trotz Proteste des Uetersener NSDAP-Ortsverbandes Hermann Dölling von der Pinneberger Kreisleitung in das Amt des Bürgermeisters eingesetzt. Er wurde nach der Besetzung durch britische Panzertruppen im Juli 1945 im Rathaus verhaftet, und durch Heinrich Stühmeyer abgelöst, der das Amt für einige Monate kommissarisch führte. Heinrich Wilckens (1892–1956) war der erste freigewählter Bürgermeister nach dem Zweiten Weltkrieg. Wilckens starb am 30. September 1956 bei einem Verkehrsunfall während einer Dienstreise in Uetersen, die anschließende Trauerfeier war die größte in der Stadtgeschichte seit 1888. Über die Grenzen Uetersens hinaus bekannt war Jürgen Frenzel, der 1956 zum Bürgermeister gewählt wurde und acht Jahre später Polizeipräsident von Hamburg wurde. 1964 wurde Waldemar Dudda als Bürgermeister gewählt. Seine Amtszeit war die längste nach Ernst-Heinrich Meßtorff (1870–1900), sie dauerte bis 1988. Dudda ist seit seiner Pensionierung Ehrenbürger der Stadt. Von 1988 bis 1994 war Wolfgang Bromma (SPD) der Verwaltungschef der Stadt, er verlor später die Rückendeckung von einem Teil seiner politischen Freunde, so dass 1994 Karl Gustav Tewes zu seinem Nachfolger gewählt wurde. Er verfolgte eine konsequente Sparpolitik und halbierte die Schulden der Stadt und schied 2009 wegen Erreichens der Altersgrenze aus seinen Amt.[122] Von 2003 bis 2009 war Wolfgang Wiech Bürgermeister der Stadt, er galt als „Mann mit Ecken und Kanten“ der sich ungern in seine Amtsgeschäfte reinreden ließ und später die Rückendeckung der Uetersener Politiker und Bürger verlor und 2008 abgewählt wurde. Seitdem ist Andrea Hansen die erste Bürgermeisterin in der Geschichte der Stadt.[123] Nach ihrer Wahl wurde sie im Mai 2010 Mitglied der internationalen Organisation Mayors for Peace (Bürgermeister für den Frieden).

Jahre Name
1870–1900 Ernst-Heinrich Meßtorff
1900–1914 Heinrich Muuß
1914–1918 Ernst Ladewig Meyn
1918–1930 Jakob Christians
1930–1933 Heinrich Wellenbrink (SPD)
1933 Ferdinand Bauth (kommissarisch)
1933–1945 Hermann Dölling (NSDAP)
Jahre Name
1945–1956 Heinrich Wilckens (SPD)
1956–1964 Jürgen Frenzel (SPD)
1964–1988 Waldemar Dudda (SPD)
1988–1994 Wolfgang Bromma (SPD)
1994–2003 Karl Gustav Tewes (parteilos)
2003–2009 Wolfgang Wiech (parteilos)
seit 2009 Andrea Hansen (SPD)

Nach der Kapitulation 1945 bestand in Schleswig-Holstein die Zweigleisigkeit der Verwaltung. Die Stadt wurde durch den politischen Bürgermeister und dem Stadtdirektor regiert. Politischer Bürgermeister war Heinrich Wilckens (SPD). Nach der Aufhebung der Zweigleisigkeit in der Verwaltung am 19. April 1950 wurde die Stadt wieder allein vom Bürgermeister regiert. Stadtdirektor Gustav Hillemeier war bis auf Weiteres Stadtdirektor auf Widerruf.

Jahre Name
1945–1946 Heinrich Stühmeyer
1946–1949 Friedrich Kossack
1949–1950 Gustav Hillemeier
1950 Gustav Hillemeier (kommissarisch)

Seit dem 21. September 2008 ist Andrea Hansen (SPD) Bürgermeisterin der Stadt Uetersen. Bei der Wahl setzte sie sich mit 51,7 Prozent gegen ihre Mitbewerber durch und löste nach fünf Jahren den parteilosen Vorgänger Wolfgang Wiech ab. Sie trat das Amt am 1. April 2009 an.

Wahlergebnis der Bürgermeisterwahl:
Bewerber Partei Prozent
Andrea Hansen SPD 51,7 %
Wolfgang Wiech parteilos 39,7 %
Jens Dieck CDU 6,8 %
Carsten Struck parteilos 1,8 %

Die Wahlbeteiligung zur Bürgermeisterwahl lag bei 44,4 Prozent.

Die Stadt Uetersen wird vom Stadtrat sowie der Bürgermeisterin regiert. Der Rat besteht seit der Kommunalwahl vom 25. Mai 2008 aus 30 Mitgliedern. Bei dieser Wahl kam es zu folgendem Ergebnis:

Wahlergebnis der Kommunalwahl vom 25. Mai 2008:
Partei SPD CDU Wählergemeinschaft
BfB
FDP Gesamt
Kommunalwahl
Verteilung der Sitze
11 10 6 3 30

Die Wahlbeteiligung zur Kommunalwahl lag bei 42,4 Prozent.

Bei den Wahlen zum Schleswig-Holsteiner Landtag im September 2009 gab es in der Stadt folgendes Ergebnis (in Prozent der Zweitstimmen):

Wahlergebnis zum Schleswig-Holsteiner Landtag im September 2009:
Partei CDU SPD FDP Bündnis 90/
Die Grünen
Linke PIRATEN SSW NPD Sonstige
Zweitstimmen
in Prozent
31,8 27,9 14,0 11,1 7,2 2,1 1,9 1,3 2,6

Als direkt gewählte Abgeordnete des Wahlkreises 27 (Pinneberg-Elbmarschen) zog Barbara Ostmeier (CDU) in den Landtag ein.

Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis wählten die Uetersener Bürger bei der Bundestagswahl am 27. September 2009 wie folgt (Anteil der Zweitstimmen)[124]

Wahlergebnis zur Bundestagswahl am 27. September 2009:
Partei CDU SPD FDP Bündnis 90/
Die Grünen
Linke PIRATEN NPD Sonstige
Zweitstimmen
in Anteilen
30,9 29,0 15,7 10,5 9,1 2,1 1,0 1,7

Der Wahlkreis 27 wird seit 2005 von dem direkt gewählten CDU-Politiker Ole Schröder sowie den über die Landesliste ihrer Parteien gewählten Ernst Dieter Rossmann (SPD) und Valerie Wilms (Bündnis 90/Die Grünen) im 17. Deutschen Bundestag vertreten.

Folgende Parteien sind in Uetersen vertreten: Die Alternative Liste Uetersen, die Wählergemeinschaft Bürger für Bürger (BfB), der Ortsverband der CDU, die Ortsvereine der FDP und SPD. Neu hinzugekommen ist der Ortsverein der Linken. Im Januar 2012 wurde nach mehrjähriger Pause der Ortsverband des Bündnis 90/Die Grünen wieder neu gegründet.

Blasonierung: „In Rot über blauen und silbernen Wellen eine silberne Zinnenmauer mit rotem Tor, darin ein gestürzter goldener Anker, den ein silberner Delphin umschlingt und zwei sechsstrahlige goldene Sterne beseiten; über der Mauer zwei silberne Zinnentürme mit Spitzdächern; zwischen ihnen schwebt ein silbernes Nesselblatt.“[125]

Uetersen besitzt eines der ältesten Wappen in Schleswig-Holstein und das älteste Stadtwappen im Kreis Pinneberg. Es stammt vom ersten heraldischen Siegel der Stadt aus dem Jahre 1871 und wurde später koloriert. Ob das Wappen von dem aus Leipzig stammenden Hans Freiherr von Weißenbach entworfen wurde, ist ungeklärt. Der von einem Delphin umwundene Anker ist als persönliches Zeichen des venezianischen Verlegers und Druckers Aldus Manutius bekannt, der im 15. Jahrhundert lebte und erinnert vermutlich an die Handelsschifffahrt über die Pinnau zu damaliger Zeit.

Das Wittstocker Rathaus

Uetersen hat keine Flagge, jedoch eine wie folgt gestaltete Fahne: Sie besteht aus drei horizontalen Streifen. Der obere Streifen ist blau, der mittlere weiß und der untere rot. Mittig zeigt sie ein unten spitz zulaufende Stadtwappen. Sie ist häufig, insbesondere bei Festen und Veranstaltungen, im Stadtbild an vielen Orten zu sehen.

Partnerstadt ist seit 3. Oktober 1990 die Stadt Wittstock/Dosse im Bundesland Brandenburg.

Eine Patenschaft besteht seit dem 15. Juni 1996, anlässlich des 40-jährigen Bestehens der Unteroffizierschule der Luftwaffe in der Marseille-Kaserne in Appen, dem früheren Fliegerhorst Uetersen. Diese Partnerschaft soll die über Generationen anhaltenden gegenseitigen Verbundenheit und Verflechtung von Bundeswehr und Uetersener Bevölkerung zu Ausdruck bringen. Nach einem Besuch des marokkanischen Botschafters Rachad Bouhlal sollte eine weitere Städtepartnerschaft mit der marokkanischen Rosenstadt El-Kelâa M’Gouna angestrebt werden. Diese wäre dann die erste Städtepartnerschaft zwischen zwei Rosenstädten gewesen.[126] Inzwischen wird dieses Vorhaben nicht weiter verfolgt. Auch wurde über eine Zeitungspartnerschaft mit der Allgemeinen Zeitung in Namibia nachgedacht, um so eine weitere Städtepartnerschaft mit Windhoek oder einer anderen Stadt in Namibia zu schließen. Dieses Partnerschaft kam ebenfalls bisher nicht zustande.

Seit einigen Jahren ist auch eine Gleichstellungsbeauftragte in der Stadt tätig. Die Grundlage für die Gleichstellungsarbeit in Uetersen ist der Artikel 3 Absatz 2 des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland in Verbindung mit dem Schleswig-Holsteinischen Gleichstellungsgesetz und der Gemeindeordnung für Schleswig-Holstein. Ziel ist die Förderung der Chancengleichheit von Frauen und Männern und der Abbau struktureller Benachteiligungen von Mädchen und Frauen sowie die Förderung der tatsächlichen Verwirklichung des Grundrechts der Gleichberechtigung von Männern und Frauen.

Der Kinder- und Jugendbeirat der Stadt Uetersen (KJB) wurde von der Ratsversammlung der Stadt am 24. März 2000 ins Leben gerufen und ist fester Bestandteil der Kinder- und Jugendarbeit der Stadt Uetersen. Er soll den Kindern und Jugendlichen in grundsätzlichen Fragen der Jugendarbeit und der Kinder- und Jugendpolitik zur Seite stehen. Anträge und Empfehlungen an die Stadt betreffen die Interessen und Wünsche der Kinder und Jugendlichen in den Bereichen Schule, Beruf und Freizeit. Der Beirat wird von einem Mitarbeiter oder einer Mitarbeiterin der Stadtjugendpflege unterstützt, der die Interessen der Kinder und Jugendlichen den Stadtvertretern übermittelt. Der Kinder- und Jugendbeirat ist politisch und konfessionell unabhängig und besteht aus mindestens neun Jugendlichen im Alter von 14 bis 21 Jahren, er wird alle zwei Jahre von den Jugendlichen ab vierzehn Jahren gewählt.

Der Uetersener Seniorenbeirat vertritt die ca. 5.000 Senioren der Stadt und ist Mitglied im Kreisseniorenbeirat und im Landesseniorenrat Schleswig-Holstein e.V. Die Vorstandsmitglieder arbeiten ehrenamtlich und haben ein Rede- und Antragsrecht in der Ratsversammlung sowie in den Fachausschüssen der Stadt Uetersen. Der Seniorenbeirat nimmt Anregungen und Beschwerden entgegen und leitet diese an die zuständigen Stellen weiter und informiert und berät in allen Fragen die in diesem Lebensbereich fallen, die Interessen werden Partei und Konfession unabhängig vertreten.

Siehe auch: Liste der Kulturdenkmale in Uetersen

Das bekannteste Fest in Uetersen ist das Herbst- und Lampionfest zum Abschluss der Holsteiner Apfeltage. Seit Jahren sind auch das alle zwei Jahre stattfindende Altstadtfest, das City-Fest und das Rosenfest feste Bestandteile der jährlichen Feierlichkeiten. Eine weitere beliebte Veranstaltung ist das Weinfest zwischen dem Rathaus und dem Rosarium und die Weihnachtsmärkte im Dezember. Seit Jahrzehnten finden die Pfingstkaninchenausstellung des Kaninchenvereins U75 und das Schaufahren des Schiffsmodellbauclubs Uetersen am 1. Mai statt. Ein Höhepunkt für die Jugend war das jährliche Woodrock-Festival in Langes Tannen, das wegen Unstimmigkeiten zwischen den Veranstaltern und der Stadt 2008 zuletzt stattfand. Dort traten Bands und Einzelkünstler kostenlos auf. Eine Neuauflage des Festivals unter dem Namen „Rock'N'Rose“ fand am 13. August 2011 statt.

Seit 2010 findet jährlich im Dezember die Benefizveranstaltung „Viva con Rock“ zugunsten von Viva con Agua in der Mensa in Uetersen statt. Die Erlöse der Benefizkonzerte fließen an dem 2005 gegründeten Verein, der sich für die verbesserte Trinkwasserversorgung und Verfügbarkeit sanitärer Anlagen in Entwicklungsländern einsetzt.[127][128]

Die im Februar stattfindende Hochzeitsmesse zieht Brautpaare und andere Besucher an. Auf dem Gelände des Museums Langes Tannen finden Fossilien-, Mineralien- und Keramiktage statt. Zu den Veranstaltungen rund um den Sport gehören der Sportlerball des TSV Uetersen, UeNa- und Riewesell-Cup und zwei Fußball-Großveranstaltungen. Bei der Uetersener Hafennacht treten seit einigen Jahren Bands und Künstler in fast allen Gaststätten Uetersens gegen geringe Gage auf. Auf dem Marktplatz findet jeden Freitag der traditionelle Wochenmarkt statt, der für die Bürger der Stadt große kulturelle Bedeutung hat. Dieser Platz wurde bis zu seiner Neugestaltung auch als Festplatz benutzt. Neu hinzugekommen ist das „Deichpiraten-Festival“ am Stichhafen, eine Open-Air Veranstaltung mit überregionalen Bands und das „Markttreyben zu Ueterst End“, ein mittelalterlicher Markt auf dem historischen Burgplatz am Kloster.

Uetersener Wasserturm
Klosterkirche Uetersen
Kloster Uetersen Gebäude des ehem. Kreuzgangs

Die bekannteste Sehenswürdigkeit ist das historische Kloster, das 1234 von Heinrich von Barmstede II. gestiftet und 1544 in ein adliges Damenstift umgewandelt wurde. Mittelpunkt ist die Klosterkirche, die 1747 bis 1749 von Jasper Carstens erbaut wurde. Sie ist ein barocker Saalbau mit Kanzelaltar und einem großen Deckenfresko des Schweizer Kirchenmalers Giovanni Battista Innocenzo Colombo. Das ehemalige Kloster Uetersen ist nicht in vollem Umfang erhalten, doch mit weiteren denkmalgeschützten Häusern, wie dem Klostervorwerk und dem Haus des Propstes, bildet es den Kern der Altstadt. Mit dem Haus der Priorin steht dort auch das älteste Gebäude der Stadt. Typisch ist der holsteinische Backsteinstil. Im Kloster lebten auch Augusta Louise zu Stolberg-Stolberg, die als Goethes Gustchen bekannt wurde, und Metta von Oberg, eine deutsche Baronesse und Wegbegleiterin von Augusta Louise.

Der Uetersener Wasserturm wurde 1925/26 von Dykerhoff & Widmann errichtet. Er gilt als Vertreter eines Baustils, der sich zwischen Tradition und Moderne bewegt. Sein Wasserbehälter wurde über einer offenen Stahlbeton-Skelettkonstruktion mit expressionistischem Ziegelmauerwerk verkleidet.

Das Gebäude des ehemaligen Amtsgerichts stammt aus dem Jahr 1857 und die Guerle-Villa wurde um 1900 gebaut. In der Altstadt befinden sich das in der Mitte des 19. Jahrhunderts errichtete Bleeker-Haus und das Diermissen-Haus, in dem der niederdeutsche Autor und Volkskundler Johannes Diermissen bis zu seinen Tod wohnte. Ein stadtbildprägendes Gebäude in der Altstadt ist das ehemalige Badehaus Kurbad W. Güthe am Eingang zum Kloster.

Die alte Mädchen-Bürgerschule

Direkt neben der Klosterkirche befindet sich das Gebäude der ehemaligen Mädchen-Bürgerschule mit einem kleinen Museum. Das 1781 errichtete Hauptpastorat steht wegen seines hohen architektonischen und historischen Wertes als Kulturdenkmal unter Denkmalschutz. In diesem Haus hielt sich oft für Wochen der ehemalige Generalfeldmarschall Helmuth Karl Bernhard von Moltke zur Entspannung auf und traf sich dort mit Cäcilie Bleeker, Michael Lienau und Ludwig Meyn, die zur höheren Gesellschaft der Stadt zählten. Das Eiswirth’sche Haus stammt aus der Mitte des 18. Jahrhunderts und wurde von 1747 bis 1750 vom Schweizer Kirchenmaler Giovanni Battista Innocenzo Colombo bewohnt. Die ehemalige Pension Lehning am Rande der Altstadt gibt Zeugnis ab von der dörflichen Vergangenheit der Stadt und wurde 1764 unter Verwendung von Bauteilen aus dem Jahr 1622 erbaut. In Osten der Stadt, am Ufer der Pinnau, befindet sich die ehemalige Bauernmühle, die von den Pinneberger Architekten Klaus Groth 1924 erbaut wurde.

Museum Langes Tannen

Das Stadtgeschichtliche Heimatmuseum in der Parkstraße stellt die Anfänge der Stadt aus dem 13. Jahrhundert und die Entwicklung Uetersens vom Flecken bis zur Verleihung der Stadtrechte im Jahre 1870 dar. Es bietet Informationen über Handel, Schifffahrt, Walfang, Industrie und Gewerbe bis zum Ersten Weltkrieg und die wirtschaftlichen Veränderungen nach den beiden Kriegen. Ebenfalls zu sehen ist eine Sammlung von Motoren aus den ehemaligen ILO-Motorenwerken Pinneberg.

Das Museum Langes Tannen besteht aus drei denkmalgeschützten Gebäuden, einer klassizistischen Villa aus dem frühen 19. Jahrhundert, einer nach Brandstiftung wiederaufgebauten Scheune aus dem Jahre 1762 und einem Mühlensockel aus dem Jahre 1796. Es bietet wechselnde Veranstaltungen und Ausstellungen. Auf dem Gelände befindet sich auch der im Zweiten Weltkrieg gesprengte Schornstein der ehemaligen Langes Mühle. Dieser ist der einzige noch erhaltene Teil der ehemaligen Dampfmühle und steht seit 1997 als Kulturdenkmal von besonderem historischem Wert unter Denkmalschutz.

Die ehemalige Mädchen-Bürgerschule aus dem Jahr 1813, die durch Bestreben einiger Privatleute und des Schleswig-Holsteinischen Heimatbundes (SHHB) renoviert und in Haus Ueterst End umbenannt wurde, beherbergt eine umfangreiche Bernsteinsammlung und eine Gedenkstätte für ehemalige Seminaristen des Ludwig-Meyn-Gymnasiums. Des Weiteren werden diverse hauswirtschaftliche Gegenstände aus den ehemaligen deutschen Provinzen Pommern, West- und Ostpreußen ausgestellt.

Neu hinzugekommen ist das private Schuhmacher-Museum im Sandweg. Es zeigt über 600 Paar Schuhe aus zwei Jahrhunderten, sowie handwerkliches Gerät, Werkzeuge und Maschinen und diverse Schuhmacherei-Utensilien. Es dokumentiert die Geschichte und Entwicklung des Schuhmacherhandwerks vom frühen 18. Jahrhundert bis zur heutigen Zeit.[129]

Eingang zum Rosarium

Bekannt ist Uetersen für sein Rosarium, einen Rosenpark, der Kaffeefahrten von weit her anlockt. Im Rahmen einer Rosenschau anlässlich des 700. Stadtgeburtstags am 13. Juni 1934 wurde das Rosarium eröffnet. 1951 fand die erste norddeutsche Rosenschau nach dem Kriege statt, der 1952 sowie 1956 weitere folgten. Zwischenzeitlich wurde es mehrfach umgestaltet und 1961 die Bundes-Rosenschau dort präsentiert. Mit sieben Hektar Fläche ist es der größte Rosengarten Norddeutschlands und bildet den Mittelpunkt der deutschen Rosenzucht. In Uetersen werden mehr als 35.000 Rosen und 1020 verschiedene Rosensorten in allen farblichen Abstufungen und Duftnuancen vorgestellt. Im Juli 2009 feierte das Rosarium sein 75-jähriges Bestehen.

Daneben besitzt Uetersen mehrere künstlich angelegte Parks.

Die Parkanlage des Museums Langes Tannen und der angrenzende Wald mit dem sogenannten Hexenwald ermöglicht ausgedehnte Spaziergänge. Nur wenige hundert Meter weiter befindet sich der städtische Grillplatz, auf dem jedermann in Absprache mit der Stadt kostenfrei Feierlichkeiten abhalten kann und auf dem auch Veranstaltungen stattfinden. Auch die fünf Hektar Klosteranlage des Klosters Uetersen, das sich im Privatbesitz befindet, ermöglicht romantische Spaziergänge zwischen historischen Gebäuden und altem Baumbestand. In der angrenzenden Altstadt gibt es noch weitere historische Alleen, Fußwege und Promenaden. Unweit der Stadt befindet sich in einer idyllischen Wald- und Wiesenlandschaft das Freibad Oberglinde, ein Naturbad, das ebenfalls kostenlos benutzt werden kann.

Der Jungfernfriedhof mit historischen Grabsteinen

Als ältester noch erhaltener Friedhof Uetersens gilt der Jungfernfriedhof auf dem Gelände des Uetersener Klosters mit alten Grabsteinen der Priörinnen, Konventualinnen und den Klosterpröpsten. Die erste nachgewiesene Bestattung fand 1658 statt, die bisher letzte Beisetzung war 2003 mit Isabell von Hölck (geb. Reichsgräfin von Platen-Hallermund). Nach einer Legende soll der Ritter Heinrich II. von Barmstede unter einer Grabplatte auf dem Klosterfriedhof von Uetersen begraben sein. Diese Platte wurde 1995 vom Friedhof entfernt, um sie vor einem weiteren Verfall durch Witterung und Luftverschmutzung zu schützen. Sie ist jetzt an der Innenseite des Kreuzganges am Südhaus des Klosters befestigt. Der Friedhof gilt als Sachgesamtheit als Kulturdenkmal.

Der zweitgrößte Friedhof ist der Alte Friedhof, der 1835 errichtet und 1965 aufgegeben wurde. 1992 wurde der Friedhof für 100.000 D-Mark an die Stadt verkauft, mit der Auflage, ihn für die Bürger in einen begehbaren Park umzugestalten. Nach der Pflege und Umgestaltungsmaßnahmen bekam er 1999 den Namen Cäcilie-Bleeker-Park, nach der Uetersener Wohltäterin und ersten Ehrenbürgerin in Schleswig-Holstein Cäcilie Bleeker (1798–1888). Sie war zudem Stifterin zahlreicher sozialer Einrichtungen, wie einer Mädchenschule und dem Krankenhaus der Stadt. Auf dem Friedhof befinden sich heute noch die Gräber des Agrarwissenschaftlers und Bodenkundler Ludwig Meyn und Uetersens erster Bürgermeister Ernst-Heinrich Meßtorff.

Im Norden der Stadt liegt der größte Friedhof der Stadt, der Neue Friedhof. Er wurde 1901 angelegt und ist mit einer Fläche von ca. 10 ha einer der größten Friedhöfe der Region. Auf dem Friedhof befindet sich unter anderem rund 30 Grabsteine von Kriegsgefangenen und deren Kinder, die an Krankheit oder Erschöpfung starben. Unweit ist auch eine große Anzahl von Kriegsgefallenengräber aus dem Zweiten Weltkrieg zu finden, davon sieben Gräber von englischen Fliegern die 1942 beigesetzt wurden. Ebenso befinden sich die Grabanlage der Unternehmerfamilie Hatlapa, der Müllerfamilie Lange, die den Besitz Langes Tannen über mehrere Generationen führte und weitere Gräber von bekannten Uetersenern, wie dem Künstler Hermann Stehr, die Rosenzüchter Mathias Tantau und Mathias Tantau jun. und dem Politiker Heinrich Wilckens auf dem Friedhof. Der älteste Grabstein stammt aus dem Jahr 1780, er wurde 1947 aufwendig vom Haseldorfer Friedhof umgebettet und ist als Kunstdenkmal anerkannt.

Die Gedenkstätte für Opfer des Ersten Weltkrieges

In Uetersen gibt es eine Vielzahl von Denkmälern und Gedenkstätten, so befindet sich auf dem Neuen Friedhof in zentraler Lage eine Gedenkstätte für die Opfer des Ersten Weltkrieges mit 326 Namen der gefallenen Bürger aus Uetersen, Moorrege, Neuendeich und Nordende. Auf der Rückseite dieser Gedenkstätte befindet sich ebenfalls eine Mahn- und Gedenkstätte für die Opfer des Zweiten Weltkrieges. Nur wenige Meter entfernt befinden sich ein Ehrenmal und eine Gedenkstätte für die antifaschistischen Widerstandskämpfer der Stadt und für die Kriegsgefangenen, Verschleppten und Zwangsarbeiter, die in Uetersen ihr Leben ließen. „Den Opfern des Nationalsozialismus 1933 1945 Johann Britten Arthur Sorg Wilhelm Vollstedt. Unrecht brachte uns den Tod. Lebende erkennt eure Pflicht.“[130] Die älteste Gedenkstätte des Friedhofes ist die an das Eisunglück von 1904 in Uetersen, bei dem fünf Kinder während der Feierlichkeiten anlässlich des Geburtstages von Kaiser Wilhelm II. im Eis einbrachen und starben. Neu hinzugekommen ist der „Uetersener Kinderstein“, ein Gedenkstein an durch Schwangerschaftsabbruch abgetriebene oder totgeborene Kinder.

Auf dem Alten Friedhof aus dem Jahr 1835 befinden sich heute noch rund fünfzehn Grabsteine mit Namen von gefallenen Angehörigen des Ersten- und Zweiten Weltkrieges, die vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge betreut werden. In unmittelbarer Nähe befindet sich, auf dem Schulhof des Ludwig-Meyn-Gymnasiums, ein Gedenkstein für die gefallenen Soldaten in den beiden Weltkriegen.

Ein weiteres Denkmal befindet sich am Anfang der Denkmalstraße im Zentrum der Stadt, es erinnert an die im Deutsch-Französischen Krieg (1870–1871) gefallenen Uetersener. Er trägt die Inschrift von Theodor Körner (1791-1813) auf der Rückseite: Vaterland! dir woll’n wir Sterben. Wie dein großes Wort gebeut. Unsere Lieben mögen’s erben, was wir mit dem Blut befreit. Nur wenige hundert Meter entfernt befindet sich ein Gedenkstein im Rosarium Uetersen an die „Windhose von Uetersen“ vom 10. August 1925, bei der große Teile der Stadt zerstört wurden.

Das Chemnitz Denkmal befindet sich in der Seminarstraße in Uetersen und stammt aus dem Jahr 1908, es erinnert an Matthäus Friedrich Chemnitz (1815–1870), er schrieb im Jahre 1844 den Text für das Schleswig-Holstein-Lied Schleswig-Holstein meerumschlungen. Weitere Gedenksteine im Stadtgebiet erinnern an Persönlichkeiten wie Fritz Reuter (1810-1874) Cäcilie Bleeker (1798–1888), oder Ernst Ladewig Meyn (1857-1952), dem Pionier der Rosenzüchtung.

In der Stadt, vorzugsweise an und vor öffentlichen Einrichtungen, befinden sich diverse Kunstwerke bekannter Künstler. So stehen mehrere kunstvoll verzierte Stelen auf Schulhof der Rosenstadtschule. Büsten, Reliefs und andere Kunstwerke zieren die Jürgen-Frenzel-Schwimmhalle, Schulen und Turnhallen. Ein über die Stadtgrenzen bekanntes Kunstwerk befindet sich an der Wand der Klostermühle. Es zeigt ein ca. 11 x 9 Meter großes drei Dimensionlales Gemälde einer Werkhalle des Uetersener Künstlers Erhard Göttlicher.

Uetersen liegt am Rande der Seestermüher und der Haseldorfer Marsch, die im Westen und Süden an die Stadt grenzen. Uetersen ist in das Fremdenverkehrskonzept AktivRegion Pinneberger Marsch & Geest integriert und in erster Linie für Wochenendtouristen und Tagesausflügler interessant. Eine besondere Rolle spielt der Fahrrad-Tourismus. Uetersen ist Station mehrerer Rad- und Wanderwege. Durch die Stadt führt der permanente IVV- Wanderweg Rosenstadt Uetersen mit einer Länge von zehn Kilometern, der ganzjährig begehbar ist.

Der zentrale Knotenpunkt der Radwanderwege in Uetersen

Der bedeutendste Radwanderweg ist der Ochsenweg-Radfernweg mit zwei Varianten zwischen der dänischen Grenze bei Flensburg und Wedel bei Hamburg, der sich in Uetersen verzweigt. Manche Abschnitte des historischen Wegs sind heute nicht mehr befahrbar, so dass der historische und der touristische Verlauf nicht überall identisch sind. Weitere Radwanderwege wie der Nordseeküsten-Radweg, der Rosenzucht & Baumschulen-Radweg, die Hamburger „Radrunde“ und die Haseldorfer- und Seestermüher Marsch Radwanderwege führen durch die Stadt.

Über die Bundesstraße 431 in Richtung Wedel können die Haseldorfer Marsch und die Hetlinger Schanze erreicht werden, beide sind beliebte Naherholungsziele. Weitere Ausflugsziele sind der Flugplatz Heist, der Elbstrand in Wedel mit der Schiffsbegrüßungsanlage Willkomm-Höft und das etwa sieben Kilometer östlich von Uetersen in Ellerhoop gelegene Arboretum des Kreises Pinneberg.

2011 wurde das Uetersener Rosarium aus rund 50 Bewerbungen als Partnerprojekt für die Internationale Gartenschau (igs) in Hamburg ausgewählt. Eine Jury der Internationalen Gartenschau und der Geschäftsstelle der Metropolregion Hamburg wählte das Rosarium als ein Kooperationspartner der Internationalen Gartenschau aus.

Zu den Auswahlkriterien des Partnerprojektes gehörte die Bedeutung des Projektes für die Metropolregion Hamburg und ein Bezug zu den Leitthemen der Gartenschau. Die Entscheidung der Jury: „Das Rosarium der Stadt Uetersen überzeugte die Jury als Einrichtung, die ihren Gästen auf einmalige Art Gärten und Pflanzen näher bringt. Wie die igs 2013 selbst bietet Ihr Projekt vielfältige Pflanzungen und Spielarten grüner Schönheit und strahlt weit über die Region hinaus.“ [131]

In Uetersen gibt und gab es zahlreiche Bars, Cafés, Diskotheken, Lokale und Restaurants. Schon um 1800 gab es in dem damaligen Ort die ersten Tanzlokale. 1834 sah sich der Klosterpropst Conrad Christoph von Ahlefeldt genötigt die „Tanzwut“ zu unterbinden, weil „höchst mißfallig vernommen worden ist, das Kinder, die noch nicht konfirmiert sind die öffentlichen Tanzböden besuchen“. Das war der erste Versuch, die „Tanzwut“ zu unterbinden. Doch die Uetersener Bevölkerung ließ sich das Feiern und den Besuch von Tanzlokalen nicht verbieten; wenn in dem eigenen Ort kein Tanz stattfand, ging man einfach in die Nachbarorte Elmshorn und Hamburg. Bei einer „Spezial-Kirchenvisitation“ aus Gottorf im Jahre 1848 wurde der Klosterpropst aufgefordert, dieses zu häufige „Tanz-Vergnügen“ noch mehr zu unterbinden. Die „Sittlichkeit“ sei gefährdet, so hielt man ihm vor, „das die unehelichen Geburten daselbst in bedenklicher Weise sich vermehren…von Jahre 1840 bis 1845 seien in chronologischer Ordnung denen 8, 11, 11, 15, 18, 26 vorgekommen, so das 1845 JEDES 6. Kind ein uneheliches gewesen, während dies im Jahre 1840 mit JEDEM 19.ten der Fallgewesen sei. “ Als Mittel, der Tanzwut Grenzen zu setzen, wurde von der Kirchenvisitation unter anderen auch die Errichtung von Bibliotheken empfohlen. Erst der Justizrat, Superintendent und Syndikus Carl Friedrich Hermann Klenze (1795–1878) erkannte das mit solchen Mittel der Moral, Sitte und der Tanzwut nicht beizukommen war.[132] Noch heute gilt die Uetersener Bevölkerung als besonders „Feierlustig“[133]

Besonders bekannt war das Tanzlokal „Tivoli“ aus dem 3. Viertel des 19. Jahrhunderts, das 1991 abgebrochen und durch einen Wohnblock ersetzt wurde, das Hotel und Tanzlokal „Deutsches Haus“, die Gastwirtschaft mit Tanzsaal „Zur Erholung“ und das „Kaffeehaus Ladewig“, ein bekannter Soldatentreff vor und nach dem Zweiten Weltkrieg. Bis in die 1980 Jahr gab es über 40 Gaststätten, Lokale und drei Diskotheken in der Stadt, von denen zwei abgerissen wurden und das dritte, das weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Restaurant Feuerstein, vormals Café von Stamm, in der Altstadt, das im November 1995 abbrannte. Zu den bekanntesten Restaurants in Uetersen zählen heute der „Asia Garten“, das „Briolett“, das „PARKHOTEL Rosarium“, der „Uetersener Hof“, das „La Cave“, das „Ricci’s Family Restaurant“ und das „Win On“, das einzige thailändische Restaurant im Kreis Pinneberg. Neben den Gaststätten gibt es noch weitere Cafes, Eisdielen, Kneipen, Schnellimbisse, die zum Teil auch einen Lieferservice anbieten.

Das Taps

Die Gaststätte Taps bietet seit Anfang der 1970er Jahre an manchen Tagen Live-Musik und ist eine der wenigen Szenekneipen im Kreis Pinneberg. Früher wurde sie zur Unterscheidung zu zwei weiteren Gaststätten gleichen Namens (Treppen-Taps im Großen Sand, Trauben-Taps in der Marktstraße) Keller-Taps genannt.

Das Café Bowy, das ein Alternativlokal für die Jugend war, feierte am 7. Mai 2005 sein zwanzigjähriges Bestehen, bevor es Ende Mai am bisherigen Standort endgültig geschlossen wurde. Eine Neueröffnung an anderer Stelle steht in Frage.

Das Jugendzentrum wurde nach längerer Pause wiedereröffnet. Es bietet Jugendlichen durch attraktive Programme (zum Beispiel Discos, Ferienprogramme, Kinder- und Jugendfreizeiten, Spielmöglichkeiten) eine Alternative für die Freizeitgestaltung.

Der Kindergarten im Ossenpadd
Die Friedrich-Ebert-Schule
Das Ludwig-Meyn-Gymnasium, auch LMG genannt

Das Betreuungsangebot der Kindergärten, davon zwei in städtischer, einer in katholischer und zwei in evangelischer Trägerschaft, wird ergänzt durch den Kindergarten der AWO, den baptistischen Waldkindergarten und den Waldorfkindergarten. In der Stadt befinden sich auch vier weitere Jugendeinrichtungen, die unter anderem aktive Freizeitgestaltung, Unterstützung bei schulischen und privaten Problemen, Hilfe bei Hausaufgaben und Bewerbungen sowie Freizeit- und Tagesfahrten für alle Altersklassen anbieten. Die Arbeiterwohlfahrt unterhält zwei betreute Jugendwohngruppen in der Stadt, eine im ehemaligen Kinderheim „Hus Sünnschien“ aus dem Jahr 1923 und eine im Wohngebiet „Wiesengrund“.

Mit den Städten Elmshorn, Kellinghusen, Pinneberg, Tornesch und Wedel sowie der Gemeinde Neuendeich unterhält die Stadt das Fünf-Städte-Heim in Hörnum auf Sylt. Es gehört zu den modernsten Jugenderholungsheimen an der Nordsee und bietet zusätzlich Wochenendaufenthalte für vereinsinterne Seminare und Jugendgruppenleiterschulungen an.

Die Stadt Uetersen unterhält mit der Friedrich-Ebert-Schule eine Grundschule, und mit der Geschwister-Scholl-Schule eine Förderschule, die ab August 2010 die Schüler des Tornescher Förderzentrum Wilhelm-Busch-Schule übernimmt. Durch das Auslaufen des Hauptschulzweiges der Fritz-Reuter-Schule in Tornesch im Juli 2007 ist die Grund Birkenallee eine der zuständigen Schulen für die Tornescher Schüler und bietet mit dem sogenannten Offenen Ganztag den Schulbesuch bis 14:10 Uhr an. Die Schule Am Roggenfeld ist eine weitere zuständige Schule für den ausgelaufenen Hauptschulzweig der Fritz-Reuter-Schule und ermöglicht neben dem Hauptschulabschluss auch die Vorbereitung auf den Realschulabschluss. Mit der ehemaligen Gustav-Heinemann-Schule, jetzt Rosenstadtschule genannt, besitzt die Stadt eine Grund- und Regionalschule, die für die Schüler der ehemaligen Realschule Tornesch zuständig ist.

Die größte und bekannteste Schule der Stadt ist das früher durch den Kreis verwaltete Gymnasium (Ludwig-Meyn-Gymnasium), das am 1. August 2009 von der Stadt übernommen wurde. Über eine Ablösesumme wird noch mit dem amtierenden Landrat verhandelt. Sie ist zuständig für die Region Uetersen/Tornesch/Moorrege, sowie für Heidgraben, Heist, Groß Nordende, Haselau, Haseldorf und Neuendeich. Sie gehört mit über 1250 Schülern zu den größten Gymnasien in Schleswig-Holstein.

Mit der Nachbarstadt Tornesch gibt es seit 2002 den „Schulzweckverband Tornesch-Uetersen“ für den Betrieb der gemeinsamen Gesamtschule Klaus-Groth-Schule (Gemeinschaftsschule mit gymnasialer Oberstufe in Tornesch), in der ab den Schuljahr 2011/2012 das Abitur abgenommen wird. Es wird darüber diskutiert, alle Tornescher und Uetersener Schulen in diesem Zweckverband gemeinsam zu verwalten.

Für die musikalische Weiterbildung stehen mehrere Gesangsvereine und eine privat geführte Musikschule zur Verfügung.

Die Stadt besitzt eine Stadtbücherei mit ca. 38.000 Medien und besaß eine gemeinsam mit der Stadt Elmshorn betriebene Volkshochschule. Der Vertrag zwischen Elmshorn und Uetersen lief zum 31. Juli 2011 aus, danach arbeitet die Volkshochschule der Rosenstadt mit der VHS in Tornesch zusammenarbeiten. Zusätzlich werden ab dem 1. August 2011 Kooperationskurse der VHS Wedel angeboten, die unter anderen ein Berufsbegleitendes Studium zum Geprüften Bankfachwirt/in und eine Fortbildung zum Geprüften Fremdsprachenkorrespondent/in (englisch) ermöglichen. Etwa 175 freie Dozenten/-innen stehen für die 470 Kurse (davon 115 in Uetersen) in den Bereichen Sprachen, Gesundheit, Gesellschaft, Beruf und Kultur zur Verfügung. Das Thema Integration bildet dabei einen Schwerpunkt im Programm.

Eine Stadthalle mit etwa 500 Plätzen befindet sich am Rosarium, in der kleinere Veranstaltungen stattfinden. Es besteht die Möglichkeit, in allen Sporthallen der Stadt größere Veranstaltungen durchzuführen. Von den ehemals vier Kinos hat nur eines überlebt.

Mit der Fachhochschule Wedel, der Physikalisch-Technischen Lehranstalt Wedel und der Nordakademie in Elmshorn befinden sich drei große private Bildungsinstitute in der Nähe der Stadt. Außerdem bietet die AKAD-Fachhochschule Pinneberg die Möglichkeit zum Fernstudium.

Nach dem Deutsch-Dänischen Krieg (1864) bildete sich in Uetersen der erste Kriegerverein mit dem Namen „Kampfgenossen Uetersen von 1848/51“. Er bestand aus Veteranen der Schleswig-Holsteinischen Armee, die während der Erhebungszeit gegen Dänemark gekämpft hatten. Sie wehrten sich entschieden gegen die Einverleibung Schleswig-Holsteins durch Preußen und wandten sich gegen die Politik von Bismarck.

Der zweite Kriegerverein waren der „Kampfgenossenverein 1870/71 für Uetersen und Umgebung“ und wurde von Kriegsteilnehmern des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 gegründet. Sie waren jedoch für den neuen Nationalstaat und begrüßten Bismarcks Politik. Da sie nur Kriegsteilnehmer aufnahmen, kam es 1881 zur Gründung der „Militärischen Bruderschaft Uetersen“ . In diesem sammelten sich ehemalige Angehörige des deutschen Heeres, die erst nach dem Krieg gedient hatten. 1907 hatte dieser Verein über 170 Mitglieder.

Mit dem 1895 gegründeten „Marineverein Neptun“ und dem „Kavalleristenverein von 1897“ entstanden noch zwei weitere Kriegervereine in Uetersen, die sich nach und nach die „Militärischen Bruderschaft Uetersen“ anschlossen.

1917 verschmolzen beiden größten Kriegervereinen zum „Kampfgenossen und Kriegerverein Uetersen“, der bis 1928 bestand. Aufgrund gesungner Mitgliederzahl wurde im selben Jahr die „Jugendgruppe Graf von Luckner“ gegründet, die anlässlich ihres 50-jährigen Vereinsjubiläums 1931 den Kreiskriegertag ausrichteten. Der Verein hatte zu dieser Zeit etwa 330 Mitglieder. 1933 wurde der Verein gleichgeschaltet und 1938 in „NS-Reichskriegerbund – Kyffhäuser – Ortsgruppe Uetersen“ umbenannt. Große Bedeutung hatte der Verein jedoch nicht mehr. 1945 fiel dieser Verein unter das alliierte Verbot sämtlicher nationalistischer und militärischer Organisationen.

Das Gebäude der Uetersener Tafel

Aufgrund der Vielzahl an Vereinen in Uetersen können diese im Rahmen dieses Artikels natürlich nicht alle aufgelistet werden. Es wird daher nur auf die wichtigsten und bekanntesten eingegangen.

Uetersen zählt mehr als 70 Vereine. Der wohl bekannteste Verein aus Uetersen ist neben den Chorknaben Uetersen der TSV Uetersen mit rund 2800 Mitgliedern, den Sparten Fußball, Leichtathletik, Tischtennis, Basketball, Handball und der Showtanzgruppe Cadence, gefolgt von der Trachtengruppe Ueterst End. Weitere Sportvereine sind Sport und Spaß Uetersen, Uetersen Dostlukspor, USG Uetersener Sport Gemeinschaft und der Tennisverein. Im Stadtjugendring Uetersen e. V. sind weitere 28 Vereine zusammengefasst, wie der DARC, die DLRG Uetersen-Moorrege, der Musikzug Rosenstadt Uetersen, der Schiffsmodellbauclub, der Schachclub Uetersen e. V. und der Sportangelverein Uetersen-Tornesch. Es gibt außerdem noch verschiedene andere Vereine aus unterschiedlichen Interessensgebieten wie zum Beispiel die Ortsgruppe des Sozialverband Deutschlands (SoVD) mit etwa 850 Mitgliedern, das Deutsche Rote Kreuz, die Oldtimer- und Technikfreunde Uetersen-Holstein (OTF), die Uetersener Schützengilde von 1545 e. V., den Schützenverein Uetersen von 1959 e. V., Eisenbahnfreunde Uetersen-Tornesch e. V. oder die Uetersener Hagebuttenbühne e. V. (Theaterverein). In den letzten Jahren wurden noch einige andere Vereine gegründet. Dazu zählen die Initiative Hafen-Stadt e. V., jung gewinnt e. V. (Uetersener Jugend- und Kulturverein), das Bildungszentrum Rose e. V., der Verein Kunst im Mittelpunkt e. V., der Verein Rosenkinder (Fördergemeinschaft für Kinder in Sri Lanka e. V.), der in Sri Lanka sozial benachteiligte Kinder unterstützt sowie die Uetersener Tafel e. V., die Bedürftige kostenlos mit Lebensmitteln versorgt.

Die Stadt Uetersen unterhält das Naturbad Oberglinde, das 1938 als Freibad an Privatpersonen eröffnet wurde und die Jürgen-Frenzel-Schwimmhalle, mit einem 25-Meter-Schwimmerbecken und einem 3-Meter-Sprungturm, die 1962 an das historische Schwimmbad angebaut wurde das heute das Nichtschwimmerbecken mit einer maximalen Wassertiefe von 1,20 m und eine Sauna beherbergt. Des Weiteren betreibt oder unterstützt die Stadt den Betrieb von sieben Sport- und Turnhallen sowie die dazugehörenden Sportplätze. Dazu zählt auch die drei Felder Hallensportstätte des Ludwig-Meyn-Gymnasiums und das Rosenstadion, das bis zu 9000 Zuschauer aufnehmen kann. Weitere, private Sportstätten sind zwei Fitnessstudios, eine Tennisanlagen, eine Paintballanlage und eine Bogenschießsportanlage und einen Schützenplatz.

Um 1050 soll es ein Benediktinerkloster am Rand der damaligen Siedlung gegeben haben, von desen Verbleib nichts weiter bekannt ist.

Ab 1234 gab es den von Bernhard von Clairveaux (1091-1153) gegründeten Zisterzienser-Ordens in den von Heinrich II von Barmstede neugegründeten Kloster. Allein zwischen Frankreich und dem Baltikum waren 318 Zisterzienserinnenklöster urkundlich erfasst, die zwischen 1150 und 1350 gegründet wurden. Obwohl das Frauenkloster eines der angesehensten und wohlhabendsten in Holsteins war, wurde es nicht dem Ordensverband der Zisterzienser eingegliedert. Die Äbte des Ordens konnte die Visitation der Frauenstifte von ihnen nicht gewährleisten. Folgedessen sprach die Ordensleitung im französischen Citeaux 1228 das Verbot aus, weitere Frauenklöster zu incorporiren. So wurde den Nonnen zwar gestattet, die Ordenstracht der Zisterzienser zu tragen und nach der Regel des Ordens zu leben jedoch ohne dieses auf ihrem Siegel kund zu tun. Später nahm das Kloster den katholischen Glauben an.

In Jahr 1720 stellte König Friedrich ein Privileg für die Waldenser aus, die auf der Flucht von Berlin kommend sich in Jütland ansiedeln sollten. 43 Familien mit 165 Personen und 18 bis 19 großen Leiterwagen zogen von Altona über Uetersen nach Fredericia. Zu einer Gemeindebildung in Uetersen kam es jedoch nicht. Einige Jahre später wurde von den Mährische Brüder berichtet. Christian Rantzau ersucht den Landrat und Landdrosten von Perkentin um einen Bericht, wie viele Untertanen sich „seit einigen Jahren zu den Mährischen Brüdergemeinden begeben“ hatten. Worauf Perkentin ihm einen Bericht des Uetersener Klosterpedigers Ballhorn übersandte, aus dem hervorging das nur ein einziges Dienstmädchen zu dem Mährischen Brüdern übergegangen sei.

Folgende Religionsgemeinschaften existieren in Uetersen:

1541 wurde in der Herrschaft Pinneberg die Reformation eingeführt. Erst durch das persönliche zweimalige Erscheinen des König Christian III. von Dänemark im Jahre 1555 im Kloster Uetersen wurde das Kloster trotz energischen Widerstand reformiert. Damit entstand auch die evangelisch-lutherische Gemeinde in Uetersen mit der Klosterkirche, zu der auch die 1961 erbaute Erlöserkirche am Ossenpadd gehört. 1988 kam noch das zu dem Verband der Gemeinschaften in der Evangelischen Kirche in Schleswig-Holstein gehörenden Martin-Luther-Haus dazu.

Seit 1885 gibt es Katholiken in der Stadt. 1902 feierte man die erste Heilige Messe in einem Privathaushalt. 1930 erhielten diese ihre erste eigene Kirche, die um 1950 zu einer Schwesternstation und zu einem Kindergarten umgebaut wurde. 1951 wurde eine neue und größere, die heutige Christkönigskirche in der Sophienstraße eingeweiht. 2008 wurde die Ortsgemeinde Christkönig mit der Ortsgemeinde St. Marien in Wedel zur Kirchengemeinde Heilig Geist zusammen gelegt.

Seit 1931 ist die Neuapostolische Kirche (NAK) in Uetersen vertreten, die ersten Gottesdienste fanden zunächst in Privathäusern und in der Neuapostolische Kirche in Elmshorn statt. 1965 wurde das Gotteshaus in der Meßtorffstraße eingeweiht und im Oktober 2008 fusionierte die neuapostolische Kirchengemeinde in Tornesch mit der Gemeinde Uetersen. Die gemeinsame Versammlungsstätte ist nun in der Meßtorffstraße.

Schon nach dem Ersten Weltkrieg gab es Mitglieder der Zeugen Jehovas in der Stadt. In der Zeit des Nationalsozialismus wurden die Zeugen Jehovas verfolgt, unter anderem wegen ihrer konsequenten Weigerung, Kriegsdienst zu leisten, den Hitlergruß zu entbieten oder in anderer Weise am Führerkult. In Uetersen gab es sieben Personen, die wegen ihrer Religionszugehörigkeit angeklagt und zum Teil verurteilt wurden.[134] Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand die Jehovas Zeugen Versammlung Uetersen e.V., die sich 2005 mit Tornescher Mitgliedern zusammenschloss. Die gemeinsame Versammlungsstätte befindet sich seitdem in Tornesch.

In Uetersen ist außer den bereits angeführten Konfessionen auch die evangelisch-freikirchliche Gemeinde der (Baptisten) mit der Christuskirche in der Tantaus Allee beheimatet, die erstmalig 1899 erwähnt wurde. 1955 wurde Uetersen als Station der Gemeinde Pinneberg ins Leben gerufen und am 7. Mai 1960 das erste Gotteshaus in der Tantaus Allee eingeweiht. Dieses wurde Mitte der 1980er Jahre abgerissen und 1990 durch ein neues Gemeindehaus ersetzt.

In der Katharinenstraße betreibt die Muslimische Gemeinschaft die Moschee Yesil Camii (Grüne Moschee), der rund 185 Mitglieder angehören. Diese ist in dem ehemaligen „Diakonissenheim“ aus dem Jahr 1899 untergebracht.

In Uetersen wird überwiegend Hochdeutsch mit norddeutscher (bzw. niederdeutscher) Klangfärbung, sowie Missingsch und zum Teil Hamburger Dialekt gesprochen. Viele Einwohner verstehen noch das Platt- bzw. Niederdeutsche, verwenden es aber im Alltag meist nicht mehr. Ein Teil der Bevölkerung, insbesondere Bewohner des Umlandes, benützt das Niederdeutsche durchaus noch als Alltagssprache. Auf dem freitäglichen Wochenmarkt kann man die alte heimatliche Sprache noch oft hören. Ein häufig verwendeter Gruß ist Tschüs und Moin, das auf Grund der Nähe zu Hamburg übernommen wurde und zu jeder Tages- und Nachtzeit verwendet wird.[135]

Links das Hauptgebäude des Pharmazieunternehmens Nordmark, rechts die Gebäude des Papierhersteller Stora Enso

Die Sparkasse Südholstein, die Haspa, die Postbank, die VR-Bank, die Commerzbank und die HypoVereinsbank unterhalten in Uetersen Filialen.

Uetersen ist ein Industrie- und Wirtschaftsstandort mit über 1000 Firmen. Zu den größten Unternehmen gehören die Regio Kliniken, die über 2500 Mitarbeiter im Kreisgebiet beschäftigen, die rund 30.000 stationäre und 35.000 ambulante Patienten jährlich betreuen und der finnisch-schwedische Konzern Stora Enso, der sich in Uetersen auf die Produktion von Bilderdruckpapieren und nassfester Etikettenpapiere spezialisiert hat. Es ist einer der größten Industriebetriebe in Schleswig-Holstein.

Die zurzeit größte Schiffswinde der Welt

Ein weiterer großer Arbeitgeber ist das Pharmazieunternehmen Nordmark, das sich unter anderen auf Magen-Darm-Präparate spezialisiert hat und die Wirkstoffe Kollagenase und Pankreatin herstellt. Das Unternehmen betreibt auch die größte Schlangenfarm Europas. Weitere große Betriebe sind der Maschinenbau- und Schiffsausrüster Hatlapa, der Decksmaschinen, Kompressoren und Ruderanlagen und die zur Zeit größten Schiffswinden herstellt und die Chemiebetriebe Voss Chemie und Oemeta. Voss Chemie hat sich auf die Herstellung kalthärtender Kunststoffe, wie Polyester-Spachtelmassen für Kraftfahrzeuge spezialisiert. Oemeta ist ein Hersteller von Industrieschmierstoffen. Weitere größere Betriebe sind das Einheitserdewerk und die Firma ISW (Industrie Service & Wärmeträgeranlagenbau), das sich auf die Anfertigung von Thermalölkesseln für Landanlagen und Seeschiffe und den Bau von Dampferzeugern spezialisiert hat. Im Westen der Stadt befindet sich die Firma Harles und Jentzsch, ein Spezialbetrieb für die Verarbeitung von tierischen und pflanzlichen Fetten und Ölen sowie deren Derivate.

Der Uetersener Windpark

In und um Uetersen befindet sich das größte Baumschul- und Rosenzuchtgebiet Europas mit den Firmen Kordes, Rosen Tantau, BKN Strobel, die mit ihren Züchtungen den Weltmarkt für Schnittrosen beherrschen. Kurioserweise werden die Rosen nicht vor Ort aufgezogen. Nach dem Verlassen ihrer „Kinderstube“ werden sie nach Südamerika und Afrika verschickt, dort auf Plantagen aufgezogen, geerntet und per Luftfracht an Großhändler weltweit geliefert. Über niederländische Rosenbörsen finden einige ihren Weg zurück in Blumengeschäfte von Uetersen und Umgebung.[136]

Westlich der Stadt befindet sich der Uetersener Windpark mit sechs 100 Meter hohen Anlagen, die eine Nennleistung von 7,8 Megawatt haben und rechnerisch zwei Drittel der Uetersener Haushalte mit Strom versorgen können. Der Windpark nahm im September 2001 den Betrieb auf. Eine Erweiterung des Windparks um zwei Anlagen wurde bisher vom Kreis Pinneberg abgelehnt, da er sich im Landschaftsschutzgebiet "Pinneberger Elbmarschen" befindet.

Die größte Konzentration von Warenhäusern und Geschäften befindet sich im Uetersener rund um die Fussgängerzone/Am Markt und im Osten am Gerberplatz. Dort haben sich Filialen der verschiedener Warenhausketten angesiedelt und bilden die beiden großen Einkaufszentren der Stadt. Das Gebiet ist durch gute Verkehrsanbindung und mehrere Bushaltestellen erschlossen. Auch entlang der Marktstraße in der Altstadt und im zuge des Großen Sands befinden zahlreiche kleinere und größere Geschäfte. Im Verlauf des Kleinen Sands/Tornescher Weg/Wittstocker Straße haben sich einige größere Discounter und Fachgeschäfte, sowie zwei Baumarkt angesiedelt. Ein weiteres Einkaufszentrum ist auf dem ehemaligen Betriebsgundstück der Uetersener Eisenwerke geplant. Das jährliche Umsatzvolumen der etwa 150 aktiven Ladeneinheiten wird auf 102 Million Euro geschätzt, wovon drei Viertel (etwa 77 Million Euro) im Zentrumsbereich erwirtschaftet wurde (Stand 2011).

Uetersen ist als Unterzentrum das ein Umland/Einzugsgebiet von rund 50.000 Menschen versorgt auch Standort vieler Ämter, Institutionen und Körperschaften öffentlichen Rechts. Neben der KVIP(Kreisverkehrsgesellschaft in Pinneberg), den fünf Kirchengemeinden, der Feuerwehr, der Rettungswache, einer Bibliothek, einem Postamt und einigen Beratungsstellen, wie die des Schiedsmanns/frau und der Schuldenberatung befinden sich in Uetersen eine Agentur für Arbeit in Trägerschaft des Bundes sowie die ARGE, ein Polizeirevier und eine Außenstelle des Kreisjugendamts sowie die Verwaltungsstelle des Amtes Haseldorf, das für die Gemeinden Haselau, Haseldorf und Hetlingen zuständig ist.

Weitere Körperschaften des öffentlichen Rechts sind die Stadtwerke Uetersen, die Abwasserentsorgung Uetersen, die Volkshochschule, mehrere Wohnungs- und Verwaltungsgesellschaft und eine Wohnungsbaugenossenschaft.

Der Uetersener Marktplatz (Teilansicht)

Zu erreichen ist Uetersen über die Autobahnanschlussstelle Tornesch der A  23. Gleichzeitig ist die Stadt über die Bundesstraße 431 erreichbar, von der in Moorrege eine Verbindungsstraße nach Pinneberg führt. Weitere wichtige Straßenverbindungen führen nach Heidgraben und in die Seestermüher Marsch. Die Stadt ist gut in das regionale Verkehrsnetz eingebunden, leidet aber gleichzeitig unter dem hohen Durchgangsverkehr, insbesondere im Innenstadtbereich.

Der Ausbau der umstrittenen K 22 lässt seit 40 Jahren auf sich warten. Die Stadt hat einen neuen Bebauungsplan aufgelegt, um dieses Bauvorhaben zu beschleunigen. So sollen der vielbefahrene Ossenpadd und der Tornescher Weg (K 20) entlastet werden. Die geplante Baugenehmigung des Kieler Verkehrsministeriums soll nicht, wie zunächst zugesagt, Ende 2011, sondern erst Ende 2012 erteilt werden. Die Planung für die Autobahn A20 hat Priorität. Seit einigen Jahren ist die Kreisstraße zum „Zankapfel“ von Interessengemeinschaften und politischen Parteien geworden. Auf Kreisebene haben sich Grüne und FDP von diesem Projekt verabschiedet, nur die CDU und SPD befürworten zur Zeit das Projekt. Der SPD-Kreistagsfraktionschef Hans-Helmut Birke fürchtet, dass „die politische Durchsetzung des Baus immer schwieriger wird“. „Es ist fraglich, ob es nach der Kommunalwahl 2013 noch eine politische Mehrheit für die K 22 gibt.“[137]

Die Oswald-Dittrich-Klappbrücke über die Pinnau gilt als Verkehrsengpass in der Stadt. In den Hauptverkehrszeiten und bei Staus oder Sperrung der A23 in Richtung Hamburg (morgens) staut sich der Verkehr über die Bundesstraße 431 (An der Klosterkoppel) bis zur Kreuzung Großer Wulfhagen/Röpkes Mühle/Kleiner Sand. Hinzu kommt der Verkehr aus den Osten der Stadt von Tornesch kommend der über den Tornescher Weg/Ossenpadd/Bahnstraße führt. In der Gegenrichtung, überwiegend abends staut sich der Verkehr über die Bundesstraße 431 bis nach Heist und von Appen kommend über die Landesstraße 106 bis nach Moorrege-Oberglinde. Weitere Verkehrsbehinderungen entstehen bei geöffneter Klappbrücke, dabei entstehen ebenfalls lange Rückstaus in beiden Richtungen.

Die Unfallschwerpunkte der Stadt befinden sich an der Kreuzung Tornescher Weg/Ossenpadd/Lesekampstraße (K 20) und der Kreuzung im Verlauf der Bundesstraße 431, An der Klosterkoppel/Bahnstraße/Pinnauallee/Großer Sand, sowie an der Kreuzung Kleiner Sand/Jahnstraße/Schanzenstraße. Rund 100 Unfälle mit Sach- und Personenschäden ereignen sich im Jahr, 2010 (110) und 2011 (93). [138]

Innerstädtisch wird der Straßenverkehr über die B 431 geleitet, die durch die Altstadt führt. Auch hier soll versucht werden durch die Verlegung der B 431 die Innen- und Altstadt zu entlasten. Die durchschnittliche Verkehrsdichte liegt in Uetersen bei 495 PKW je 1.000 Einwohnern.

Der größte freie Platz in der Innenstadt ist der Marktplatz, der als Parkplatz, aber auch als Markt- und Veranstaltungsfläche genutzt wird. Zudem stehen, neben der Parkpalette, weitere Parkplätze zur Verfügung. Das Parken ist in Uetersen im Allgemeinen gebührenfrei.

Aufgrund der Prognose wird bis zum Jahr 2025 mit einer allgemeinen Steigerung des Verkehrsaufkommens gerechnet. Als Anhaltspunkt werden die Verkehrszählungen aus den Jahren 1985 und 2005 zugrunde gelegt, die gemäß dem Handbuch für die Bemessung von Straßenverkehrsanlagen durchgeführt wurden. So ist mit einer Zunahme des KFZ Verkehrs um 10 Prozent und für den Schwerlastverkehr um 25 Prozent zu rechnen.[139]

Uetersener Pferdebahn um 1900

Aufgrund von Protesten einheimischer Fuhrleute erhielt Uetersen beim Bau der Altona-Kieler Eisenbahn im 19. Jahrhundert keinen Bahnhof. Unter dieser mangelhaften Verkehrsanbindung leidet die Stadt noch heute. Der in diesem Zuge im Nachbarort Tornesch errichtete Bahnhof führte zum Prosperieren der Nachbarstadt. Um diesen Nachteil auszugleichen, wurde 1873 die Uetersener Eisenbahn als Verbindung des Südteils der Stadt mit dem Tornescher Bahnhof eröffnet. Der Personenverkehr wurde 1965 eingestellt, Güterverkehr wird bis heute betrieben. Die nur sechs Kilometer lange Bahnstrecke hatte das größte Verkehrsaufkommen des Kreises; allein 1941 beförderte diese Zugstrecke über eine Million Fahrgäste und rund 80.000 Tonnen Frachtgut.

Uetersen ist über mehrere Buslinien im Hamburger Verkehrsverbund direkt mit den Städten Elmshorn, Tornesch, Wedel und Pinneberg verbunden. Weitere Buslinien führen nach Groß Nordende, Neuendeich, Heidgraben und Haseldorf. Zusätzlich gibt es noch Anrufbuslinien und den Schulbusverkehr. Die Stadt hat das dichteste Verkehrsnetz im Kreis Pinneberg. Der Zentrale Bushaltepunkt befindet sich in der Altstadt (Buttermarkt) im Bereich des Klosterviertels. Die Innerstädtische Buslinie 62 wurde 2007 trotz Protesten wegen Geldstreitigkeiten eingestellt. Als Ersatz, besonders um den Uetersener Westen anzubinden, wurde die Buslinie 6667 um mehrere Fahrten erweitert.

Die fehlende Bahnanbindung ist auch heute noch ein erheblicher Nachteil für die Stadt. Die wichtigsten Buslinien, welche die Stadt mit dem Bahnnetz und den nächstgrößeren Städten verbindet, sind folgende Linien:

489 Elmshorn (ZOB) – Klein Nordende – Groß Nordende – Uetersen – Moorrege – Heist – Holm – Wedel (S1)
589 Uetersen – Moorrege – Heist – Haselau – Haseldorf – Hetlingen – Holm – Wedel (S1)
6661 Uetersen, Buttermarkt – Uetersen, Ost – Tornesch (Regionalbahnstrecke R60/R70)
6663 Uetersen, Buttermarkt – Moorrege – Appen – Pinneberg (S3)
6667 Uetersen – Heidgraben – Bahnhof Tornesch (Regionalbahnstrecke R60/R70)
Der Uetersener Stichhafen
mit dem Raiffeisen-Silo, der zwischenzeitlich abgerissen wurde.

Nachweislich wurde in Uetersen seit dem 12. Jahrhundert von verschiedenen Stellen aus über die Pinnau Schifffahrt betrieben. So gab es zunächst eine Anlegestelle in der Nähe des heutigen Klosters wo Korn und Mühlenprodukten verschifft wurde. In Laufe der Zeit kamen weitere größere Anlegestellen und ein Hafen eintlang der Pinnau hinzu und die Anlegestelle beim Kloster verlor an Bedeutung. Diese waren Umschlagspunke für Korn, Kalk, Torf, Muscheln die zum Kalkbrennen benötigt wurden und Ziegeleierzeugnissen die über den Wasserweg vertrieben wurde.

Heute besitzt die Stadt zwei an der Pinnau gelegene Häfen, den Wassersporthafen Klosterdeich am Ortsrand und den großen Stichhafen im Zentrum, in dem sich ebenfalls ein Wassersporthafen befindet. Vom Stichhafen, der einst eine wichtige Drehscheibe des Handels war, sind durch die Verlagerung des Gütertransports auf Lastkraftwagen und die Verschlickung lediglich die 240 Meter langen Kaimauern und das 60 Meter hohe Raiffeisen-Silo geblieben. Früher war der Stichhafen von großer Bedeutung. Während 1953 noch 35.600 Tonnen Güter umgeschlagen wurden, stieg die Tonnagenzahl der umgeschlagenen Güter von Jahr zu Jahr. Kein anderer Binnenhafen in Schleswig-Holstein verzeichnete einen so großen Güterumschlag wie der Uetersener Stichhafen. 1971 legten rund zweitausend Schiffe im Hafen an und bewegten über 300.000 Tonnen Frachtgut.

Der Stichhafen wurde nach langer Vernachlässigung im Jahr 2005 ausgebaggert und wieder schiffbar gemacht. Er wurde bis Ende 2008 überwiegend zur Verladung von großen Schiffswinden, Kesselanlagen und anderen Sonderanfertigungen genutzt, die nicht als Schwertransporte auf den Straßen bewegt werden konnten. Seit der erneuten Verschlickung des Hafens hat er wieder an wirtschaftlicher Bedeutung verloren, eine erneute Entschlickung steht noch wegen Unstimmigkeiten hinsichtlich der anfallenden Kosten aus.[140] Die Bürgerinitiative Hafen-Stadt versuchte, das brachliegende Gelände wieder zu beleben. 2009 beschloss die Ratsversammlung, den 60 Meter hohe Raiffeisen-Silo abzureißen um dort eine 4000 Quadratmeter große Gewerbefläche zu erschließen. Mit den Abrissarbeiten wurde im Januar 2011 begonnen und im August 2011 beendet. Die geschätzten Kosten für den Abriss und die Entsorgung von Bauschutt und sonstigen Restabfällen wurden auf rund 700.000 Euro geschätzt, das Bundesland Schleswig-Holstein beteiligte sich dabei mit 336.000 Euro an den Abrisskosten. 2012 erwarb die Nordmark-Werke das Gelände.

Der nächste internationale Flughafen befindet sich in Hamburg-Fuhlsbüttel, rund 30 Kilometer entfernt, und ist mit dem Auto in 25 bis 60 Minuten Fahrtzeit (je nach Verkehrsdichte) von Uetersen aus erreichbar.

Der Flugplatz Uetersen mit Tower

Der nationale Flugplatz Uetersen liegt vor den Toren der Stadt auf dem Gebiet der Gemeinde Heist (und im Nordosten einem kleinen Stück der Gemeinde Appen), er ist mit 60.000 Starts und Landungen pro Jahr einer der meistbeflogenen Flugplätze Deutschlands. Von hier aus startet die Air Hamburg die sogenannten Inselflüge. Die Nordseeinseln Sylt, Föhr und Juist, sowie die Ostseeinseln Rügen und Usedom werden von dort direkt angeflogen. Er grenzt direkt an die Marseille-Kaserne, mit der Unteroffizierschule der Luftwaffe. Hier war auch das Luftwaffenmuseum Uetersen beheimatet, das 1995 nach Berlin-Gatow verlegt wurde. Betreiber ist die Flugplatz Uetersen GmbH, die 1973 gegründet wurde und seitdem den ehemaligen Fliegerhorst (ohne die Kasernenanlage) zivil betreibt. Der frühere ICAO-Code war EDNU, dieser stand für Europa/Deutschland/Nord/Uetersen, heute heißt der Verkehrslandeplatz EDHE (= Europa/Deutschland/Hamburg/Uetersen).

Mit den Uetersener Nachrichten (UeNa) die aus dem Wochenblatt für Uetersen entstand, besitzt Uetersen eine werktäglich erscheinende Tageszeitung mit örtlichen und überörtlichen Politik-, Sport- und Wirtschaftsnachrichten. Sie wurde 1887 gegründet und hat eine Auflage von zirka 6.000 Exemplaren. Schwerpunkt der lokalen Nachrichten sind Uetersen Tornesch und das angrenzende Marschgebiet. Die Zeitung ist der in Stade ansässigen Zeitungsgruppe Nord angeschlossen. Des Weiteren berichtet das Hamburger Abendblatt in ihrem regionalem Teil über den Landkreis Pinneberg und somit auch über Uetersen. Außerdem sind in Uetersen das Pinneberger Tageblatt, Wedel-Schulauer Tageblatt sowie die Elmshorner Nachrichten vom Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag (sh:z) erhältlich.

Der zu den Uetersener Nachrichten gehörende UeNa-Tip mit einer Auflage von 47.500 wird einmal wöchentlich kostenlos an alle Haushalte verteilt. Ferner werden im ganzen Stadtgebiet „der Mittwoch am Samstag“, „Holsteiner Allgemeine“, „Woche im Blickpunkt “sowie der „Blickpunkt“ kostenlos verteilt.

Uetersen liegt im Sendegebiet des NDR, das Fernsehprogramm kann direkt über DVB-T vom Hamburger Heinrich-Hertz-Turm empfangen werden. In der Stadt sind alle landesweiten Radiosender zu empfangen, ferner können Sender aus Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein sowie der British Forces Broadcasting Service empfangen werden. Des Weiteren besteht die Möglichkeit, Radio- und Fernsehprogramme über Kabel und Satellit zu empfangen.

Durch das Engagement für die Rose wurde die Stadt 1992 durch den Verein Deutscher Rosenfreunde e. V. zur „Rosenstadt des VDR“ ernannt. Des Weiteren wurden mehrere Rosenzüchtungen eingeführt, die die Stadt und verdiente Persönlichkeiten ehrten. So wurde 1919 die Rosensorte Stadtrat Meyn dem Rosenpionier Ernst Ladewig Meyn aus Uetersen gewidmet. Er entwickelte eine neue Methode zur Rosenvermehrung, um Rosen in gleichbleibender Qualität kostengünstig zu produzieren. Es folgten weitere Rosensorten wie Heros zur 700-Jahrfeier der Stadt und die Kletterrose Ritter von Barmstede (1959) zu Ehren des Ritters Heinrich II von Barmstede, der das Kloster von Uetersen gründete. 2006 wurde die Rosensorte Uetersener Klosterrose getauft, ihr Name ehrt die Zisterzienserinnen, die Mitbegründerinnen des Uetersener Klosters. Zur 775-Jahr-Feier (2009) wurden die Strauchrosen Uetersens Rosenkönigin und Uetersens Rosenprinzessin eingeführt. Auch Gräfin Augusta Louise zu Stolberg-Stolberg, die im Kloster Uetersen lebte wurde mit der Edelrose Augusta Luise im Jahr 1999 geehrt. Sie wurde durch ihren regen Briefwechsel mit dem Dichter und Denker Johann Wolfgang von Goethe bekannt und ging als Goethes Gustchen in die Literaturgeschichte ein.

Die Stadt vergibt selbst neben dem Ehrenbürgerrecht noch andere Ehrungen und Auszeichnungen und seit 1997 wird im jährigen Abstand die Rosennadel während eines Festaktes an verdiente Uetersener Persönlichkeiten verliehen, die sich ehrenamtlich um die Stadt verdient gemacht haben. Bisher wurde diese 15 mal verliehen.

Am 26. August 2011 wurde auf dem Hamburg Airport ein Canadair Regional Jet vom Typ CRJ900 (Next Generation D-ACNU) der „Schleswig-Holstein-Flotte“ von Eurowings auf dem Namen „Uetersen“ getauft. Der Jet ist einer von 12 „fliegenden Botschaftern“ der Lufthansa aus Schleswig-Holstein und fliegt Europaweit die Städte Basel, Bilbao, Birmingham, Budapest, Göteborg, Manchester, Madrid, Mailand, Neapel, Prag, Stockholm Warschau Wien und Zürich an. Taufpatin war die Uetersener Bürgermeisterin Andrea Hansen.[141][142][143]

Cäcilie Bleeker
Michael Lienau

Menschen, die Besonderes für die Stadt geleistet haben, wird in Uetersen die Ehrenbürgerschaft verliehen. Folgende Personen haben für ihr soziales Engagement diese Auszeichnung bisher bekommen:

  • Cäcilie Bleeker (1798–1888) war Stifterin zahlreicher sozialer Einrichtungen, wie einer Mädchenschule und des Krankenhauses der Stadt (Bleeker-Stiftung). Am 20. Juni 1879 wurde sie zur Ehrenbürgerin ernannt. Sie war die erste Ehrenbürgerin in Schleswig-Holstein.
  • Michael Lienau (1816–1893) erwarb sich besondere Verdienste für Uetersen. Er stattete die Bleeker-Stiftung mit zusätzlichen Mitteln aus, gründete den Uetersener Verschönerungsverein, der Baumalleen an allen öffentlichen Straßen und Plätzen pflanzte und kurbelte die Bauwirtschaft der Stadt an. Er vererbte der Stadt sein ganzes Vermögen.
  • Ernst-Heinrich Meßtorff (1822–1916) war Erster Bürgermeister der Stadt, unter seiner Leitung erhielt Uetersen den Status des Marktfleckens und 1864 den Lokalstatus. Dies waren die Voraussetzungen für die 1870 verliehenen Stadtrechte. Er war 30 Jahre Bürgermeister der Stadt.
  • Werner Lange (1917–1979) vererbte 1979 der Stadt seinen ganzen Grundbesitz, mit der Auflage, die Gebäude und den Park mit angrenzendem Wald im bisherigen Stil zu erhalten und ein öffentliches Museum mit einem frei zugänglichen Park zur Erholung einzurichten.
  • Waldemar Dudda (* 1925). Unter seiner Leitung wurden der Stadtkern und der Marktplatz neu gestaltet und drei neue Schulen mit vier Sporthallen wurden errichtet, das Alten- und Pflegeheim und der Städtische Kindergarten neu gebaut. Es entstand die Fußgängerzone und das neue Rathaus sowie diverse Straßen und Fahrradwege.

Ein weiterer Ehrenbürger der Stadt war Adolf Hitler (1889–1945), er wurde 1934 anlässlich der 700-Jahr-Feier der Stadt und der Einweihung des Rosariums in Abwesenheit zum Ehrenbürger ernannt. Am 1. November 1934 nahm er die Ehrenbürgerschaft schriftlich an. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Ehrenbürgerschaft von dem provisorischen Stadtrat wieder aberkannt.

Anna Emerentia Reventlow
Alexander Kölpin
Ludwig Meyn

Eine Aufzählung von Menschen, die in Uetersen geboren wurden, leben oder gelebt haben und in der Stadt wirken oder gewirkt haben (sortiert nach Geburtsjahr).

  • Catharina von Platen († 1632), Priorin des Klosters Uetersen
  • Margaretha von Ahlefeldt (1613–1681), Wohltäterin und Priorin des Klosters Uetersen
  • Metta von Schwaben (1636–1709), Wohltäterin, Konventualin, Priorin und die letzte des Adelsgeschlecht von Schwaben
  • Ida Hedwig von Brockdorff (1639–1713), Wohltäterin, Konventualin und Priorin des Klosters Uetersen
  • Martin Clausen (1640–1716), Hauptpastor der Klosterkirche Uetersen und Bischof
  • Andreas Fuchs (1641–1720), deutsch-dänischer General, Infanterie-Inspektor in den Herzogtümern Schleswig und Holstein
  • Gregor Langemak (1671–1731), deutscher Theologe
  • Anna Emerentia von Reventlow (1680–1753), deutsche Gräfin, Wohltäterin und Priorin des Klosters Uetersen
  • Johann Halcke (um 1690–1736), deutscher Autor, Mathematiker, Schreib- und Rechenmeister
  • Johann Herbst (1691–1761), deutscher Kunst- und Kirchenmaler
  • Titus Schröder (1686–1726), deutscher Geistlicher und Theologe
  • Johann Friedrich von Zepelin (1695-1777), deutscher Generalleutnant.
  • Johann Bösewiel († 1755), deutscher Autor und Amtsvogt der Vogtei Uetersen
  • Jürgen Grube (1702-1776), königlich dänischer Kanzleirat, Regierungs- und Obergerichtsadvokat, Verfasser der Otia Jersbecensia .
  • Henning von Qualen (1703–1785), Oberpräsident von Altona und Klosterprobst von Uetersen
  • Marie Antoinette von Ahlefeldt (1711–1764), deutsche Reichsgrafin und Priörin des Klosters Uetersen.
  • Alexander Kölpin (1731–1801), deutsch-dänischer Chirurg.
  • Christian Wilhelm Alers (1737–1806), deutscher Geistlicher Dichter, Philosoph und Prediger.
  • Metta von Oberg (1737–1794), Baronesse und Stiftsdame im Kloster Uetersen.
  • Johann Peter Tiedemann (1740-1816), evangelischer Propst, Geistlicher und Theologe.
  • Heinrich Wilhelm Lawätz (1748-1825), deutscher Dramatiker, Lyriker, Syndikus des Klosters Uetersen und Justizrat.
  • Augusta Louise zu Stolberg-Stolberg (1753–1835), Brieffreundin Goethes.
  • Amalie von Gollowin (1765–1831), Wohltäterin, Konventualin und Priorin des Klosters Uetersen.
  • Johann Osenbrüggen (1773-1841), deutscher Autor, Kirchenmusiker und Pädagoge.
  • Johann Huwald (1791-1865), deutscher Autor und Advokat am Ober- und Landesgericht in Schleswig.
  • Johann Nikolaus Anton Kirchhoff (1791-1873), deutscher Autor, Reichsrat und Bürgermeister von Kiel.
  • Heinrich Rost (* 1795), deutscher Autor und Syndikus des Klosters Uetersen.
  • Jacob Lienau (1798–1884), deutscher Kaufmann und Ehrenbürger in Schleswig-Holstein.
  • Peter Friedrich Matthiessen, (1800–1865), deutscher Autor, Jurist und Rechtsanwalt
  • Otto Mehlen (1800-1870), deutscher Kapitän und Grönlandfahrer
  • Christian Karl Meissner (* 1801), deutscher Theologe, Autor und Übersetzer
  • Christian Julin-Fabricius (1802-1875), deutscher Dichter, Pädagoge, Übersetzer und Jugendbuchautor
  • Johann Bröker (1806–1890), deutscher Autor, Evangelisch-Lutherischer Theologe, Propst und Mitglied der Holsteinische Ständeversammlung
  • Eduard Osenbrüggen (1809–1879), deutsch-schweizerischer Kriminalist und Rechtswissenschaftler
  • Johann Höpfner (1812–1852), deutscher Autor, königlich dänischer Staatsrat, Departementschef im schleswigschen Ministerium zu Kopenhagen
  • Caspar Kirchhoffer (1812–1885), deutscher Arzt und Autor
  • Karl Andresen (1813–1891), deutscher Germanist
  • Johann Theodor Schultz (1817–1893), deutscher Kunstmaler und Pädagoge
  • Detlef Lienau (1818–1887), deutscher Architekt
  • Wilhelm von Ahlefeldt (Carl Wilhelm von Ahlefeldt; 1818–1897), Landrat und Propst des Klosters Uetersen
  • Ludwig Meyn (1820–1878), Agrarwissenschaftler und Geologe
  • Friedrich Christian Kirchhoff (1822–1894), deutscher Autor und evangelischer Theologe
  • Johannes Diermissen (1823–1893), niederdeutscher Autor und Volkskundler
  • Theodor Reinhold Schütze (1827–1897), deutsch-österreichischer Rechtswissenschaftler
  • Carl Friedrich Ludowici (1827–1881), Gründer der Ludowici Ziegelwerke
  • Theodor Kirchhoff (1828–1899), ein deutsch-amerikanischer Schriftsteller
  • Eduard Keetmann (1840–1910), deutscher Theologe, Pfarrer und Oberstudiendirektor am Ludwig-Meyn-Gymnasium.
  • Emmerich Andresen (1843-1902), deutscher Bildhauer und Professor
  • Julius Schmarje (1844–1902), deutscher Autor und Lehrer
  • Friedrich Karl Adolf Neelsen (1854–1898), deutscher Pathologe und Wissenschaftler.
  • Ludwig Max Roth (1858–1952), deutscher Maler
  • Margarete Pix (1862–1944), deutsche Schauspielerin und Theaterpädagogin
  • Arthur Drews (1865–1935), deutscher Philosoph und Schriftsteller
  • Oskar Löber (* 1869), deutscher Autor, evangelischer Pfarrer, Theologe und Oberregierungsrat
  • Jürgen Borcherdt (1870–1956), niederdeutscher Lustspiel- und Possenautor, sowie Schriftsteller
  • Arved von Wedderkop (1873–1954), Major, Regierungsrat und Klosterpropst zu Uetersen
  • Hans Ferdinand Bubbe (1873–1961), deutscher Schulmann und Heimatforscher
  • Johann Heinrich Schmidt (* 1879), deutscher Kunsthistoriker
  • Mathias Tantau (1882–1953), bedeutender Rosenzüchter (Euterpe, Fanal, Friedrich Heyer, Heros, Stadtrat Meyn usw.)
  • Peter Ingwersen (1885–1958), Doktor der Philosophie, Autor, Seminaroberlehrer, Schul- und Oberregierungsrat
  • Alfred Ursinus (1888–1966), deutscher Autor, evangelischer Theologe, Philosoph und Oberstudienrat
  • Heinrich Wilckens (1892–1956), ein deutscher Politiker (SPD) und Landtagsabgeordneter in Schleswig-Holstein
  • Franz Kruckenberg (1882–1965), Konstrukteur des Schienenzeppelins
  • Otto Stäcker (* 1886), deutscher Generalstaatsanwalt
  • Paul Bassen-Spiller (1892–1962), Oberst baltischer-deutscher Herkunft des estnischen Militärs
  • Kurt Roth (1899–1975), deutscher Maler
  • Rudolf Jürgens (1900-1937), deutscher Mathematiker und Physiker
  • Meta Scheele (1904–1942), deutsche Romanschriftstellerin und Historikerin
  • Otto Scharnweber (1907-1980), deutscher Lehrer und Kunsterzieher
  • Hans Kähler ( 1912–1983), deutscher Sprachwissenschaftler, Hochschullehrer und Südseesprachenforscher.
  • Mathias Tantau jun. (1912–2006), bedeutender Rosenzüchter (Duftwolke, Floribundarose, Montana usw.)
  • Hans-Heinrich Hatlapa (1920–2009) und Frau Theda, Gründer und Eigentümer des Wildpark Eekholt. Ehrenpreisträger der Heinz-Sielmann-Stiftung
  • Hans Detlef Stäcker (1923–2003), deutscher Politiker (FDP und CDU)
  • Günter Kolodziej (1924–1996), deutscher Chorleiter, Dirigent, Kapellmeister, und Komponist
  • Waldemar Dudda (* 1925), deutscher Politiker (SPD), war von 1964 an 24 Jahre lang Bürgermeister von Uetersen und Mitglied des Landtags von Schleswig-Holstein
  • Robert Rehm (1926-2012), deutscher Politiker (SPD), Kreistagsabgeordneter und Kreispräsident.
  • Erich Rafael (1928–2010), deutscher Fußballspieler
  • Gudrun Münster (* 1928), niederdeutsche Dichterin und Schriftstellerin
  • Helmut Kristen (* 1929), deutscher Chemiker und Professor für Organische Chemie an der Universität Rostock
  • Willi Gerdau (1929–2011), Fußballspieler der Nationalmannschaft von 1957
  • Hermann Stehr (1937–1993), deutscher Bildhauer und Maler
  • Manfred Bock (1941–2010), deutscher Leichtathlet und Zehnkämpfer
  • Lieselott Blunck (* 1942), deutsche Politikerin
  • Peter Wellmann (* 1943), deutscher Politiker (SPD)
  • Monika Schwalm (1946–2008), deutsche Politikerin
  • Ingo Stawitz (* 1950), deutscher Politiker
  • Werner Sentek (1953–1982), deutscher Schauspieler
  • Hubertus von Luckner (* 1954), Propst des Klosters Uetersen Kommendator des Johanniterordens
  • Andy Holm (* um 1960), deutsch-australischer Filmemacher, Komponist, Weltmusik und Didgeridoomusiker
  • Thomas Bethke (* 1961), deutscher Mediziner, Klinischer Pharmakologe und Hochschullehrer
  • Sören von Rönne (* 1962), deutscher Springreiter
  • Jens Skwirblies (* 1965), deutscher Musiker und Produzent
  • Pascal Fuhlbrügge (* 1965), deutscher Musiker und Musikproduzent
  • Sönke Zankel (* 1973), deutscher Lehrer, Autor und Historiker
  • Karine von Rumohr (*1977), deutsche Gärtnerin, Autorin, Redakteurin und Priörin des Kloster Uetersen.

Diese Personen haben in Uetersen gelebt, gewirkt oder waren mit der Stadt stark verbunden. Sie haben der Stadt zu einem größeren Ansehen verholfen oder zum Allgemeinwohl der Bevölkerung beigetragen (sortiert nach Geburtsjahr).

Helmuth Karl Bernhard von Moltke
Matthäus Friedrich Chemnitz
  • Ritter Heinrich II. von Barmstede (1211–1240), Gründer der der heutigen Stadt Uetersen
  • Benedikt von Ahlefeldt (1545–1638), Erbherr auf Haseldorf, Osterrade, Kluvensiek und Klosterpropst zu Uetersen
  • Sievert von Pogwisch (1587–1626), deutscher Adliger, Diplomat, Gutsherr und Klosterpropst zu Uetersen
  • Klaus von Sehested (1612–1649), verbrachte seine Kindheit und Jugend in Uetersen
  • Dietrich von Ahlefeldt (1618–1664), Amtmann zu Schwabstedt, Herr auf Osterrade, Kluvensiek, Klosterpropst zu Uetersen
  • Friedrich von Ahlefeldt (1618–1665), damaliger Klosterpropst und Hochfürstlicher Gottorffischen Statthalter
  • Gosche von Buchwaldt (1624–1700), damaliger Klosterpropst und Gutsherr des schleswigschen Gutes Olpenitz
  • Friedrich von Reventlow (1649–1728), Geheimer Etats- und Landrat und Klosterpropst zu Uetersen
  • Heinrich von Reventlow (1678–1732), Kaiserlicher Hofrat und Klosterpropst zu Uetersen
  • Benedikt von Ahlefeldt (1678–1757), damaliger Klosterpropst und ehemaliger Eigentümer des Parks und Gutes Jersbek
  • Jasper Carstens (1705–1759), deutscher Baumeister, baute die Klosterkirche und das Propsteigebäude in Uetersen
  • Giovanni Battista Innocenzo Colombo (1717–1793), Schweizer Kirchenmaler, schuf das Deckenfresko der Klosterkirche
  • Johann Friedrich Camerer (1720–1792), deutscher Jurist, Gerichtsoffizier, Volkskundler und archäologischer Pionier des 18. Jahrhunderts
  • Peter zu Rantzau (1733–1809), Land- und Regierungsrat in Glückstadt und Klosterpropst zu Uetersen
  • Josias von Qualen (1742–1819), Herr auf Damp, Verbitter von Itzehoe, Geheimer Konferenzrat, Klosterpropst von Uetersen
  • Conrad Christoph von Ahlefeldt (1768–1853), war Erb- und Gerichtsherr aus Ascheberg, Kammerherr, Land- und Obergerichtsrat in Glückstadt und Klosterpropst von Uetersen
  • Peter von Kobbe (1793-1844), deutscher Autor, Schriftsteller und Jurist.
  • Carl Friedrich Hermann Klenze (1795–1878), Justizrat, Superintendent und Syndikus von Uetersen
  • Theodor von Kobbe (1798–1845), deutscher Jurist, Menschenrechtler und Schriftsteller
  • Helmuth Karl Bernhard von Moltke (1800–1891), preußischer Generalfeldmarschall, wohnte zeitweise bei seinen Schwestern in Uetersen und war Finanzgeber des ehemaligen Krankenhauses (Bleekerstift)
  • Otto von Rantzau (1809–1864), Herr auf Aschau, Klosterpropst zu Uetersen
  • Matthäus Friedrich Chemnitz (1815–1870), deutscher Jurist und Dichter des Schleswig-Holstein-Liedes
  • Emil Graf zu Rantzau (1827–1888), Klosterpropst zu Uetersen
  • Hugo Willich (1859; † Unbekannt), deutscher Autor und Musiker.
  • Richard Kabisch (1868–1914), evangelischer Theologe und ehemaliger Direktor der heutigen Ludwig-Meyn-Schule
  • Eduard Clausnitzer, (1870–1920), deutscher Pädagoge und Schriftsteller, war Seminardirektor der städtischen Präparendenanstalt, der heutigen Ludwig Meyn Schule.
  • Ludwig Frahm (1856-1936), deutscher Lehrer und niederdeutscher Autor.
  • Carl Bulcke (1875–1936), deutscher Schriftsteller, wohnte um die Jahrhundertwende in Uetersen und wurde hier zu seinem Roman „Silkes Liebe“ inspiriert.
  • Hubertus Lehner (1907–2006), deutscher Maler
  • Gerhard Folkerts (* 1944), deutscher Konzertpianist und Komponist
  • Harald Klehn (1949–2011), deutscher Boxer (Schwer- und Superschwergewicht), boxte für den TSV Uetersen
  • Klaus-Dieter Ott (* 1952), deutscher Boxer, Deutscher Meister im Federgewicht (1978 und 1979)
  • Dagmar Seifert (* 1955), deutsche Schriftstellerin

Im Laufe der Jahre ist eine Vielzahl (58) von Büchern und Broschüren über die Stadt erschienen. Die folgenden Bücher geben einen Überblick die Geschichte der Stadt und deren Einwohner. (sortiert nach Erscheinungsjahr)[144]

  • Johann Friedrich Camerer Vermischte historisch-politische Nachrichten in Briefen von einigen merkwürdigen Gegenden der Herzogthümer Schleßwig und Hollstein, ihrer natürlichen Geschichte und andern seltenen Alterthümern (Theil 2. Nachrichten von dem Stifte und Flecken Uetersen). Flensburg und Leipzig 1762.
  • Johann Wolfgang von Goethe: Briefe an Augusta Louise zu Stolberg. Frankfurt etwa 1775
  • Theodor von Kobbe: Die Schweden im Kloster zu Uetersen. Kaiser Verlag, Bremen 1830
  • Eugen Freiherr von Hammerstein: Gedenkschrift über holsteinische zeitgeschichtliche Zustände und Charaktere. ohne Ort 1840
  • Ortsstatut für die Stadt Uetersen. Wäser, Uetersen 1877
  • Hippolyt Haas, Hermann Krumm, Fritz Soltenberg: Schleswig-Holstein meerumschlungen in Wort und Bild. Lipsius & Tischer, Kiel 1896
  • Carl Bulcke: Silkes Liebe. ohne Ort 1906 (Schicksalsroman der Uetersener Gesellschaft)
  • Wilhelm Ehlers: Geschichte und Volkskunde des Kreises Pinneberg. Verlag J.M. Groth, Elmshorn 1922
  • Hans Ferdinand Bubbe: Heimatbuch Uetersen (Versuch einer Chronik der Stadt und des Klosters Uetersen). Buch 1 und 2. C.D.C. Heydorns, Uetersen 1932 und 1938
  • Heimatfest der Stadt Uetersen. 700-Jahrfeier. Deutsche Rosenschau Juni-Okt. 1934. Heydorn, Uetersen 1934
  • R. Flemes: Vorschläge zur Behebung der wirtschaftlichen Notlage der Stadt Uetersen. Wirtschaftsplanung Nordmark, Forschungsgruppe am Staatswissenschaftlichen Seminar der Univ. Kiel, Sept. 1936
  • Führer durch die Rosenstadt Uetersen. Donath & Nappold, Kiel (1938)
  • Lothar Mosler: Rosenstadt Uetersen im Wandel der Zeiten. Heydorn-Verlag, Uetersen 1971
  • Hartmut Tank: Der Landkreis Pinneberg. Schmidt und Klaunig, Kiel 1983
  • Stadt Uetersen: 750 Jahre Uetersen – 1234–1984. C.D.C. Heydorns, Uetersen 1984
  • Lothar Mosler (Hrsg.): Blickpunkt Uetersen, Geschichte und Geschichten 1234 bis 1984. Heydorn, Uetersen 1985
  • Andreas Fründt: Das Hochadeliche Closter zu Uetersen. C.D.C. Heydorn, Uetersen 1986
  • Elsa Plath-Langheinrich: Als Goethe nach Uetersen schrieb Wachholtz Verlag, Neumünster 1989, ISBN 3-529-02695-6
  • Ernst Brütt, Gerhard Scharfenstein: Uetersen und seine Einwohner in den letzten 150 Jahren. C.D.C. Heydorn, Uetersen 1995
  • Uetersener Eisenbahn, Lothar Mosler (Hrsg.): Mit der Eisenbahn durch Uetersen. Heydorn, Uetersen 1996
  • Michael Schubert, Rudolf Lavorenz GmbH: Uetersen zwischen Marsch und Geest Wartberg, Guldensberg-Gleichen 1998, ISBN 3-86134-773-3
  • Elsa Plath-Langheinrich: Goethes Briefe ins holsteinische Kloster Uetersen. Wachholtz, Neumünster 1999, ISBN 3-529-02682-4
  • Uetersen. In: Schleswig-Holstein Lexikon. Hrsg. von ISBN 3-529-02441-4, S. 591-592
  • Elsa Plath-Langheinrich: Kloster Uetersen in Holstein. Mit Zisterzienserinnen und Adeligen Stiftsdamen durch acht Jahrhunderte. Wachholtz, Neumünster 2008, ISBN 978-3-529-02813-7
  • Elsa Plath-Langheinrich: Das Kloster am Uetersten End. C.D.C. Heydorns, 2008
  • Stadt Uetersen: 775 Jahre Uetersen – 1234–2009. C.D.C. Heydorns, Uetersen 2009
  • Sönke Zankel, Hrsg: Uetersen im Nationalsozialismus: Schüler der Ludwig-Meyn-Schule erforschen die Geschichte ihrer Stadt. Schmidt & Klaunig, Kiel 2009, ISBN 978-3-88312-416-2
  • Sönke Zankel (Hrsg.): Uetersen und die Nationalsozialisten: Neue Forschungsergebnisse von Schülern des Ludwig-Meyn-Gymnasiums. Schmidt & Klaunig, Kiel 2010, ISBN 978-3-88312-417-9
  • Peer Feldhaus / Sönke Zankel (Hrsg.): Weihnachten in Uetersen in den 1950er Jahren. Schüler des Ludwig-Meyn-Gymnasiums erzählen Geschichten. Schmidt & Klaunig, Kiel 2011 ISBN 978-3-88312-418-6
  1. Statistikamt Nord: Bevölkerung in Schleswig-Holstein am 31. Dezember 2010 nach Kreisen, Ämtern, amtsfreien Gemeinden und Städten (PDF-Datei; 500 kB) (Hilfe dazu)
  2. Uetersener Nachrichten vom 29. Dezember 2011: 420 Hochzeiten in diesem Jahr/15 Eheschließungen allein an Silvester
  3. Jahrbuch für den Kreis Pinneberg 1920: Uetersen vor sechzig Jahren (Erinnerungen eines alten Mannes) (Seite 80–109)
  4. Wedel-Schulauer Tageblatt vom 6. März 2008: Was rollt denn da auf Tornesch zu? - Uetersen plant Neubaugebiet mit 320 Wohneinheiten
  5. Uetersener Nachrichten vom 19. November 2011: Baumschutz per Verordnung? Umweltausschussvorsitzender regt an, über eine Baumschutzsatzung nachzudenken.
  6. Uetersen: 200 Millionen Miniermotten vernichtet. In: Uetersener Nachrichten, 10. November 2008:
  7. Uetersener Nachrichten vom 24. März 2012: WikiWoods pflanzt in Uetersen / Erste Aktion in Schleswig-Holstein
  8. Stichwort: Dioxin in Uetersen, Hamburger Abendblatt, 27. Oktober 2004
  9. Jahrbuch für den Kreis Pinneberg: Wolfgang Laur: Der Ortsname Uetersen (1967)
  10. Wachholtz Verlag: Schleswig-Holstein in 150 Archäologischen Funden(1986)
  11. Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte: Nachrichte über deutsche Altertumsfunde ,Band 24 (Limbach Verlag, 1892)
  12. Adelmi Benedictini Frauc in: reg. Anual. ad. an. um 844, Seite 22
  13. Fr. Genß in: Schleswig-Holsteiner Anzeiger Jahrgang 1775, Seite 583
  14. Johann Friedrich Camerer: Vermischte historisch-politische Nachrichten in Briefen von einigen merkwürdigen Gegenden der Herzogthümer Schleßwig und Hollstein, ihrer natürlichen Geschichte und andern seltenen Alterthümern, Seite 292 (1762).
  15. Johann Friedrich Camerer: Vermischte historisch-politische Nachrichten in Briefen von einigen merkwürdigen Gegenden der Herzogthümer Schleßwig und Hollstein, ihrer natürlichen Geschichte und andern seltenen Alterthümern, Seite 175 (1762).
  16. Johann Friedrich Camerer: Vermischte historisch-politische Nachrichten in Briefen von einigen merkwürdigen Gegenden der Herzogthümer Schleßwig und Hollstein, ihrer natürlichen Geschichte und andern seltenen Alterthümern, Seite 176 (1762)
  17. Johann Friedrich Camerer: Vermischte historisch-politische Nachrichten in Briefen von einigen merkwürdigen Gegenden der Herzogthümer Schleßwig und Hollstein, ihrer natürlichen Geschichte und andern seltenen Alterthümern, Seite 177 (1762)
  18. ZSHG 93: Doris Meyn: Die beiden Burgen von Uetersen (1968)
  19. Uetersener Nachrichten vom 21. Dezember 2008: Erkenntnisse aus Scherben
  20. Christian Kuß: Schleswig-Holstein und Lauenburgischen Provinzial Berichte (1821, Heft 2, Seite 61 und 1822 Heft 2, Seite 59)
  21. Christian Kuß: „…bereits nachgewiesen, daß es schon 1314 Windmühlen bey Oldenburg gab. Die Windmühle zu Uetersen war also wenigsten 79 Jahre älter.“
  22. Friedrich Seestern-Pauly: Beiträge zur Kunde der Geschichte so wie des Staats- und Privat-Rechts des Herzogthums Holstein Band 2 (Beitrag I: Einige Materialien zur Geschichte des Klosters Uetersen, insonderheit dessen Gründung betreffend, nebst vorangestellter Nachricht über Grube's wiederaufundene Otia Jersbecensia) Seite 55 (Schleswig 1825)
  23. Jahrbuch für den Kreis Pinneberg: Dieter Beig: Von der Grafschaft Holstein-Pinneberg zum Kreis Pinneberg 1390-2010 (2012)
  24. Hans Ferdinand Bubbe: Heimatbuch Uetersen (Versuch einer Chronik der Stadt und des Klosters Uetersen): Notzeiten, Die Schlacht bei Uetersen 1282/Der Bauernkampf 1306
    Gemeinde Haseldorf (Hrsg.): Haseldorf. Das kleine Dorf am großen Strom. 800 Jahre Haseldorf 1190–1990 (1990)
  25. Amt Moorrege (Hrsg.) Schatzkarte – Natur und Kultur entdecken: Kulturplan (2008)
  26. Amt Moorrege (Hrsg.) Schatzkarte – Natur und Kultur entdecken: Störtebeker Pinnau (2008)
  27. Hans Ferdinand Bubbe: Heimatbuch Uetersen (Versuch einer Chronik der Stadt und des Klosters Uetersen), Die Entwicklung des Ortes bis zur Reformationszeit (1932)
  28. Wilhelm Ehlers: Geschichte und Volkskunde des Kreises Pinneberg, (Seite 509)
  29. Hans Ferdinand Bubbe: Heimatbuch Uetersen (Versuch einer Chronik der Stadt und des Klosters Uetersen): Kriegsnöte, politische Kämpfe, Naturereignisse. Seite 242
  30. Wilhelm Ehlers: Geschichte und Volkskunde des Kreises Pinneberg, Seite 191 (Elmshorn 1922)
  31. Hans Ferdinand Bubbe: Heimatbuch Uetersen (Versuch einer Chronik der Stadt und des Klosters Uetersen): Kriegsnöte, politische Kämpfe, Naturereignisse. Seite 243/244
  32. Wilhelm Ehlers: Geschichte und Volkskunde des Kreises Pinneberg, Seite 192 (Elmshorn 1922)
  33. Hans Ferdinand Bubbe: Heimatbuch Uetersen (Versuch einer Chronik der Stadt und des Klosters Uetersen): Kriegsnöte, politische Kämpfe, Naturereignisse (Seite 245/46)
  34. Wilhelm Ehlers: Geschichte und Volkskunde des Kreises Pinneberg (Seite 220/21)
  35. Jürgen Wolff: Katastrophenzeiten in Uetersen im Laufe der Jahrhunderte. In: Uetersener Nachrichten, 23. Mai 2009, 775 Jahre Uetersen / Beiträge zur Geschichte
  36. Johann Friedrich Camerer: Vermischte historisch-politische Nachrichten in Briefen von einigen merkwürdigen Gegenden der Herzogthümer Schleßwig und Hollstein, ihrer natürlichen Geschichte und andern seltenen Alterthümern Band 2, Seite 323 (Flensburg und Leipzig 1762)
  37. Hans Ferdinand Bubbe: Heimatbuch Uetersen (Versuch einer Chronik der Stadt und des Klosters Uetersen): Kriegsnöte, politische Kämpfe, Naturereignisse. Seite 246/247 )
  38. Arno Herzig: Der Einfluß der Französischen Revolution auf den Unterschichtenprotest in Deutschland während der 1790er Jahre (Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1988)
  39. Lothar Mosler: Blickpunkt Uetersen, Geschichte und Geschichten 1234–1984 (Kosakenwinter 1813/14 – Die Russen kommen)
  40. Jürgen Wolff: Der Kosakenwinter (Klirrende Kälte 1813/1814) (2009)
  41. a b Topograpisch-Statistisches Handbuch für die Reichs-Post Und Telegraphen-Anstalt Deutschland, Seite 381 (Berlin 1878)
  42. Hennig Oldetop: Topographie des Herzogtums Holstein: Kreis Pinneberg, Seite 82–85 (Kiel 1908)
  43. Dieter Fricke: Die deutsche Arbeiterbewegung 1869-1914. Ein Handbuch über ihre Organisation und Tätigkeit im Klassenkampf. Dietz, Berlin 1976, S. 83 und 84.
  44. Leserbrief von F. Jordan, in Uetersener Nachrichten vom 10. September 1889
  45. Uetersener Tageblatt vom 22. August 1889
  46. Datenquelle:Jahrbuch für den Kreis Pinneberg: Helmut Green: Zur Geschichte der Stadtwerdung Uetersen, Seite 63 (1970)
  47. Frank Will: RECHTS-zwo-drei: Nationalsozialismus im Kreis Pinneberg Seite 41
  48. Wirbelsturm. Die Stadt Uetersen (Schleswig-Holstein) wurde von einem Unwetter heimgesucht. In: Freiburger Zeitung, 11. August 1925
    Hamburg, 11. Aug. Unwetter. Die Stadt Uetersen wurde von einem Unwetter heimgesucht. In: Coburger Zeitung vom 12. August 1925
  49. Schäden noch größer, als angenommen. In: Freiburger Zeitung, 13. August 1925:
    Vor 50 Jahren raste ein Orkan über die Haseldorfer Marsch und verwüstete die Stadt Uetersen. In: Jahrbuch für den Kreis Pinneberg 1976
  50. Datenquelle: Pinneberger Tageblatt vom 14. Februar 1940
  51. Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte: Von der Reichspost zur Post AG
  52. Jahrbuch des Kreis Pinneberg (1995)
  53. ISBN 3-529-02810-X, S. 198.
  54. Elmshorner Nachrichten vom 1. August 1932
  55. ISBN 3-87682-040-5, S. 16.
  56. Elmshorner Nachrichten vom 12. Dezember 1932
  57. Uetersener Nachrichten vom 20. Februar 1933
  58. Elmshorner Nachrichten vom 7. November 1932
  59. Pinneberger Tageblatt vom 6. März 1933
  60. Stadt Uetersen: 775 Jahre Uetersen – Jürgen Wolff – Uetersen im Nationalsozialismus 1933–1945 (2009)
  61. Fritz Bringmann, Herbert Diercks: Die Freiheit lebt! S. 34.
  62. Frank Will: RECHTS-zwo-drei: Nationalsozialismus im Kreis Pinneberg
  63. Fritz Bringmann, Herbert Diercks: Die Freiheit lebt! S. 28.
  64. Fritz Bringmann, Herbert Diercks: Die Freiheit lebt! S. 42.
  65. Fritz Bringmann, Herbert Diercks: Die Freiheit lebt! S. 86.
  66. Lothar Mosler: Blickpunkt Uetersen, Geschichte und Geschichten 1234–1984. Seite 150.
  67. a b Gerhard Hoch, Rolf Schwarz: Verschleppt zur Sklavenarbeit (Zwangsarbeiter in Schleswig-Holstein) (1985) Seite 180
  68. Lothar Mosler: Blickpunkt Uetersen, Geschichte und Geschichten 1234 bis 1984 (Im Juli 1940 fielen die ersten Bomben des Krieges auf Uetersen). Seite 166–172
  69. Fritz Bringmann, Herbert Diercks: Die Freiheit lebt! S. 9.
  70. Lothar Mosler: Blickpunkt Uetersen, Geschichte und Geschichten 1234 bis 1984. Seite 188–189
  71. Frank Will: RECHTS-zwo-drei: Nationalsozialismus im Kreis Pinneberg Seite 246
  72. Lothar Mosler: Blickpunkt Uetersen, Geschichte und Geschichten 1234 bis 1984 (Als in Uetersen der Krieg zu Ende ging). Seite 194
  73. Hungerwinter 1946/47, Abruf: 7. Januar 2010 2009.
  74. Datenquelle: Lothar Mosler: Blickpunkt Uetersen, Geschichte und Geschichten 1234 bis 1984
  75. Pinneberger Tageblatt: Vor dem Anpfiff (Sonderveröffentlichung zur Fußball-Saison 2009/2010)
  76. Jürgen Wolff: Hamburger wurden im Schlaf überrascht. In: Uetersener Nachrichten, 4. Februar 2012, Sturmflut 1962 / Die große Flut vor 50 Jahren am 16. und 17. Februar
  77. Gerrit Mathiesen: Vor 50 Jahren:„Die Pinnau war ein reißender Strom “. In: Wedel-Schulauer Tageblatt, vom 11. Februar 2011, Februar 1962: Die große Sturmflut im Kreis Pinneberg
  78. Jürgen Wolff: Überflutete Keller und kein Strom, Keine Heizung. In: Uetersener Nachrichten, 18. Februar 2012, Sturmflut 1962 / Die große Flut vor 50 Jahren am 16. und 17. Februar
  79. Denkmal: Eine Warnung. In: Deutsches Ärzteblatt
  80. Euthanasie. In: Die Zeit, Nr. 11/1986
  81. Freiwillige Feuerwehr Uetersen: 125 Jahre Freiwillige Feuerwehr der Stadt Uetersen, Versuch einer Chronik (2002), Seite 58
  82. Freiwillige Feuerwehr Uetersen: 125 Jahre Freiwillige Feuerwehr der Stadt Uetersen, Versuch einer Chronik (2002), Seite 70/71
  83. taz Hamburg vom 20. Januar 2003: Proteste gegen Neonazis. Zusammenstöße zwischen Polizei und Antifas in Uetersen (Seite 22)
    taz Hamburg vom 20. Januar 2003: Geduckt aus der Stadt geflüchtet, Neonazi-Aufmarsch in Uetersen wird nach heftigem Gegenprotest an die Peripherie gedrängt und endet im Chaos (Seite 22)
  84. Frankfurter Rundschau vom 20. Januar 2003 (document info)
  85. NDR: Krankenhaus Uetersen schließt trotz Protest (Link nicht mehr abrufbar) (2004)
  86. Hamburger Abendblatt: Kampf ums Krankenhaus (Link nicht mehr abrufbar) (2000)
  87. Hamburger Abendblatt: Das Krankenhaus Uetersen schließt – vorübergehend? (2004)
  88. Property-Magazine: Regio-Kliniken-Fälle für den Staatsanwalt
  89. Hamburger Abendblatt: Regio-Kliniken droht ein Defizit von neun Millionen Euro
  90. Welt Online: Kreistag Pinneberg billigt Verkauf der Regio-Kliniken
  91. Uetersener Nachrichten vom 26. Juni 2006: Uetersener sind ganz vorne
  92. Wedel-Schulauer Tageblatt vom 16. Juni 2006: Sie sind die süßesten Fans-WM-Gesichter kommen aus Uetersen
    UeNa Tip vom 2. August 2006: Joshua und Jennifer gaben der WM ein Gesicht
  93. Pinneberger Zeitung vom 3. August 2006: Joshua und Jennifer – die Gesichter der WM
    Pinneberger Tageblatt vom 18 September: Siegerkind heißt Joshua
  94. Hamburger Abendblatt vom 12. Januar 2007: 300 Wohnungen beschlagnahmt
    Uetersener Nachrichten vom 11. Januar 2007: Zwangsverwaltung für Thormählen-Häuser
  95. Bildergalerie vom Hochwasser
  96. Bilder vom Hochwasser
  97. Es knallte am Ausbildungsende. (PDF) In: Uetersener Nachrichten, 29. Juni 2008.
  98. Katastrophenübung in Uetersen
  99. Bombenanschlag in Chemiefabrik
  100. Staatsanwalt klagt „Horrorvermieter“ an. In: Hamburger Abendblatt, 9. Dezember 2009
    Wedel-Schulauer Tageblatt vom 9. Dezember 2009: „Horror-Vermieter“ muss vor Gericht
  101. Vermieter zahlt nicht – Heizung wird abgedreht. In: Hamburger Abendblatt, 31. Dezember 2009.
  102. Uetersener Nachrichten vom 25. Februar 2010: Milde Strafe für Thormählen
    Pinneberger Tageblatt vom 25. Februar: „Horror-Vermieter“ bleibt auf freiem Fuß
  103. Wedel-Schulauer Tageblatt vom 25. Februar: Das Phantom tat ein Gesicht/„Horror-Vermieter“ will sich zum Gas-Drama nicht äußern & Zivilprozess: E.ON pocht aufs Geld
  104. Hamburger Abendblatt vom 24. Dezember 2010: Hochhäuser an der Klosterkoppel verkauft
  105. Uetersener Nachrichten vom 25. September 2009: Gerberzentrum gerichtet media-road.com
  106. Atomkraftgegner setzen Signal. Rund 30.000 Menschen demonstrierten im Kreis Pinneberg gegen Atomkraft. In: Uetersener Nachrichten, 26. April 2010
  107. Demo:„Rote Karte für Atomkraft“ In: Pinneberger Tageblatt, 24. April 2010
  108. Mehr als 50.000 Teilnehmer erwartet. In: Uetersener Nachrichten, 24. April 2010
    Hand in Hand gegen die Atomkraft (30.00 Portestieren im Kreisgebiet gegen Verlängerung der Laufzeit). In: Wedel-Schulauer Tageblatt, 26. April 2010
  109. Uetersener Nachrichten vom 7. April 2011: Flagge zeigen gegen AKW
  110. Lothar Mosler: Blickpunkt Uetersen, Geschichte und Geschichten 1234 bis 1984. Seite 15–16.
  111. Lothar Mosler: Blickpunkt Uetersen, Geschichte und Geschichten 1234 bis 1984 (Anna Catharina von Sparre-Legende und Wirklichkeit/Offizielle Klage gegen Anna Catharina von Sparre erhoben)
    Hans Ferdinand Bubbe: Heimatbuch Uetersen (Versuch einer Chronik der Stadt und des Klosters Uetersen) Band II: General Stenbrock und Fräulein von Sparre
  112. Lothar Mosler: Blickpunkt Uetersen, Geschichte und Geschichten 1234 bis 1984 (Fräulein v. Hammerstein, genannt der „Klostergeist“, brachte den Uetersenern das Gruseln bei)
  113. Datenquelle: Hans Ferdinand Bubbe: Heimatbuch Uetersen (Versuch einer Chronik der Stadt und des Klosters Uetersen) (1803–1925)
    Datenquelle: Ernst Brütt, Gerhard Schafenberg: Uetersen und seine Einwohner in den letzten 150 Jahren (1933–1951)
  114. Datenquelle: Statistikamt Nord: Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden Schleswig-Holsteins (1987–2007)
    Datenquelle: Statistikamt Nord: Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden Schleswig-Holsteins 2008
  115. Datenquelle: Statistikamt Nord: Bevölkerung der Gemeinden in Schleswig-Holstein am 31. März 2009
  116. Datenquelle: Statistikamt Nord: Bevölkerung der Gemeinden in Schleswig-Holstein am 31. Dezember 2010
  117. Statistisches Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein: Statistischer Bericht A 18-2007 A
  118. Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag vom 16. Februar 2011: Uetersen: Eine Braut, die sich traut
  119. Noch keine Krise am Arbeitsmarkt. In: Uetersener Nachrichten, 1. Oktober 2009
  120. Uetersener Nachrichten vom Freitag dem 26. Mai 2006: Geburtstagsfahrt im Oldtimer
  121. Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag vom 03. Januar 2010 : Mit den Augen des Alters / Adolfine Ladiges geboren am 1.5.1903 in Uetersen
  122. Hamburger Abendblatt: Wolfgang Wiech und die magische Zahl 13 (2003)
  123. Hamburger Abendblatt: Es wird einsam um Wolfgang Wiech (2006)
  124. Ergebnis Bundestagswahl 2009 ZweitSt – SM
  125. Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein
  126. Uetersener Nachrichten (2007)
  127. Viva con Aqua/Aktionen: Viva con Rock stillt den Durst
  128. Uetersener Nachrichten vom 23. November 2011: „Viva con Rock“ in der Mensa - Rockmusik: Konzert an der Bleekerstraße zugunsten der Initiative „Viva con Agua“
  129. Datenquelle: Uetersener Nachrichten vom 15. Januar 2010: Der Meister und sein Museum
  130. ISBN 3-87682-040-5, S. 124.
  131. Internationale Gartenschau Hamburg/Rosarium Uetersen
  132. Lothar Mosler: Blickpunkt Uetersen, Geschichte und Geschichten 1234 bis 1984 (Vergnügungssucht in allen Schichten / Tanzwut vor 150 Jahren-Uetersen in Sündenbabel?)
  133. Pinneberger Tageblatt vom 11. Dezember 2009: Zum Feiern geht’s nach Uetersen (abgerufen am 29. September 2010)
  134. Linda Büscher: Wenn ich Nächstenliebe ausüben will, darf ich meinen Mitmenschen nicht schaden (Die Zeugen Jehovas in Uetersen zur Zeit des Nationalsozialismus) (Kiel 2009)
  135. Moin zu jeder Tageszeit, Abruf: 11. Juli 2009.
  136. Rosen für die reiche Welt. In: Die Zeit, Nr. 30/2005.
  137. Pinneberger Tageblatt vom 30. Juni 2011: K 22: Jetzt droht Streit mit dem Land (abgerufen am 30. Juni 2011)
  138. Datenquelle:Verkehrsstatistik Schleswig-Holstein 2011 vom 8. März 2012 (abgerufen am 9. März 2012)
  139. Quelle: Zählstellen Bundesstraße 431, K 20, L 106, L 107 und L 108 und HSB 2001/2005
  140. Was ist Uetersen der Hafen wert In: Uetersener Nachrichten, 14. Januar 2009:
  141. Uetersener Nachrichten vom 19. August 2011: Fliegender Botschafter für die Rosenstadt/Eurowings-Jet wird auf den Namen „Uetersen“ getauft
  142. Pinneberger Tageblatt vom 19. August 2011: Jetzt geht Uetersen in die Luft/Flugzeug der Lufthansa wird auf dem Namen „Uetersen“ getauft
  143. Pinneberger Tageblatt vom 27. August 2011: Uetersen schwebt über den Wolken/Eurowings-Maschine in Hamburg auf den Namen „Uetersen“ getauft
  144. Datenquelle: Uetersener Nachrichten: Serie 775 Jahre Uetersen, Beiträge zur Geschichte: Uetersen in der Literatur… oder…Bücher, die von Uetersen erzählen
  145. In der Datenbank Titelstichwörter Uetersen eingeben. ca. 130 Titel


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Schleswig-Holstein

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Schleswig-Holstein (Begriffsklärung) aufgeführt.
Land Schleswig-Holstein
Über dieses Bild
Flagge
Wappen
Wahlspruch: Up ewig ungedeelt
(„Auf ewig ungeteilt“)
Historisches Schlagwort unter Bezugnahme auf den Vertrag von Ripen (1460), symbolisiert die Verbindung von Schleswig und Holstein
Sprache: Hochdeutsch (ca. 2,7 Mio.),
Plattdeutsch (ca. 1,3 Mio.),
Dänisch[1] (ca. 65.000[2]),
Friesisch (ca. 10.000),
Romanes (ca. 5000)[3]
Landeshauptstadt: Kiel
Fläche: 15.799,38 (12.) km²
Einwohnerzahl: 2,838 Mio.(31. Oktober 2011)[4]
Bevölkerungsdichte: 179 Einwohner pro km²
Arbeitslosenquote: 7,4 % (März 2012)[5]
Gründung: 23. August 1946
Schulden: 27,0 Mrd. EUR (31. Dezember 2010)[6]
ISO 3166-2: DE-SH
Kontakt:
Website: www.schleswig-holstein.de
Politik:
Ministerpräsident: Peter Harry Carstensen (CDU)
Regierende Parteien: CDU und FDP
Sitzverteilung im Landtag: CDU 34
SPD 25
FDP 14
B’90/Grüne 12
Linke 6
SSW 4
Letzte Wahl: 27. September 2009
Nächste Wahl: 6. Mai 2012
Parlamentarische Vertretung:
Stimmen im Bundesrat: 4

Schleswig-Holstein (dänisch Slesvig-Holsten, friesisch Slaswik-Holstiinj, niederdeutsch Sleswig-Holsteen, Abkürzung SH) ist das nördlichste Land der Bundesrepublik Deutschland und wird als das Land zwischen den Meeren – Nord- und Ostsee – bezeichnet. Die Landeshauptstadt ist Kiel seit Gründung des Landes am 23. August 1946. Nach dem Saarland ist Schleswig-Holstein das zweitkleinste Flächenland. Es grenzt im Norden mit der Bundesgrenze an die dänische Region Syddanmark, im Süden an die Länder Hamburg und Niedersachsen sowie im Südosten an Mecklenburg-Vorpommern.

Inhaltsverzeichnis

Schleswig-Holstein aus dem All
Satellitenaufnahme von Schleswig-Holstein.

Geografisch stellt Schleswig-Holstein den südlichen Abschluss der Halbinsel Jütland und den nördlichen Teil der Norddeutschen Tiefebene dar. Es ist eingeschlossen zwischen der Nordsee im Westen, der Ostsee und Mecklenburg-Vorpommern im Osten, Hamburg und Niedersachsen im Süden und Dänemark im Norden. Die Küstenlinie des Landes hat einen Anteil von 3,2 % an der gesamten europäischen Küstenlinie. Im Städtchen Nortorf befindet sich der geografische Mittelpunkt.

Historisch besteht Schleswig-Holstein aus den Herzogtümern Schleswig und Holstein, der Hansestadt Lübeck und dem ehemaligen Herzogtum Lauenburg; die Grenze zwischen den Landesteilen Schleswig und Holstein wird durch die Flüsse Eider und Levensau (knapp nördlich von Kiel) markiert, sie bildete bis 1806 bzw. 1864 (deutsch-dänischer Krieg) auch die Nordgrenze des Heiligen Römischen Reiches bzw. des Deutschen Bundes. Nachdem aus den Herzogtümern Schleswig und Holstein eine preußische Provinz gebildet worden war, wurde 1876 das Herzogtum Lauenburg als Landkreis angegliedert. Im Rahmen einer Gebietsarrondierung (Groß-Hamburg-Gesetz) fielen 1937 das bis dahin oldenburgische ehemalige Fürstbistum Eutin, die Hansestadt Lübeck und die vormals Hamburger Exklaven Geesthacht, Großhansdorf und Schmalenbeck an Schleswig-Holstein. Im Tausch dafür gingen die holsteinischen Städte Altona (bis dahin größte Stadt des Landes) und Wandsbek sowie mehrere Landgemeinden, darunter Blankenese, an Hamburg.

Naturlandschaften in Schleswig-Holstein

Die Landschaft Schleswig-Holsteins gliedert sich von West nach Ost in die Marsch, die hohe und niedere Geest und das Schleswig-Holsteinische Hügelland (auch Östliches Hügelland genannt).[7] Diese Landschaft und auch die Geest sind in der letzten Eiszeit als Endmoränenlandschaft entstanden. Weiter östlich befindet sich die ebenfalls zum Land gehörende Insel Fehmarn, welche auch in der letzten Eiszeit entstand, allerdings als Grundmoränenlandschaft. Größter Fluss des Landes ist die Eider, höchste Erhebung der Bungsberg (168 m).

Landgewinnung hinter dem Deich: Beltringharder Koog an der Westküste
Marschlandschaft auf der Halbinsel Eiderstedt
Das Ostholsteinische Hügelland vom Bungsberg aus gesehen
Typische Geestlandschaft in Aukrug

Die Westküste ist durch das Wattenmeer geprägt, wobei im Norden (Nordfriesland) neben den Nordfriesischen Inseln zahlreiche Halligen vorgelagert sind, die Halbinsel Eiderstedt ins Meer hineinragt. Die Landschaftsnamen der Wiedingharde und der Bökingharde sind heute noch als Bezeichnung von Ämtern erhalten. Südlich davon und schon teilweise in der Geest liegt die Nordergoesharde, die Südergoesharde ist eine reine Geestlandschaft. Zu der Landschaft der Inseln und Halligen gehört ebenfalls die Insel Helgoland.

Südlich von Nordfriesland liegt zwischen Eider- und Elbmündung die Landschaft Dithmarschen, die sich aus den Gebieten Norderdithmarschen und Süderdithmarschen zusammensetzt. Daran schließen dann die Elbmarschen mit der Wilstermarsch und der Kremper Marsch an.

Die ebenfalls sehr fruchtbare Ostküste ist durch Förden und Buchten in die hügeligen Halbinseln Angeln, Schwansen, Dänischer Wohld und Wagrien gegliedert. Die Landschaft um die großen Holsteinischen Seen wird als Holsteinische Schweiz bezeichnet. Die Landschaft der Hüttener Berge liegt im Binnenland an der Grenze zur Geest.

Die Geest selbst konnte aufgrund der für den Ackerbau wenig geeigneten Böden erst spät erschlossen werden – selbst die Versuche der Heide- und Moorkolonisation im 18. Jahrhundert können noch als gescheitert angesehen werden. Entsprechend dünn gesät sind hier die traditionellen Landschaften. Dabei sind besonders die Schleswigsche Geest auf der schon früh für den Verkehr wichtigen Landenge zwischen Schlei und der Eider mit der bereits genannten Südergosharde und der Landschaft Stapelholm zu nennen. Bei Neumünster liegt der Naturpark Aukrug und östlich von Hamburg die Landschaft Stormarn, deren östlicher Teil heute den Kreis Stormarn bildet.

National- und Naturparks in Schleswig-Holstein

Das Land beherbergt mit dem Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer den größten Nationalpark Mitteleuropas, der zum Teil auch als Biosphärenreservat ausgewiesen ist. Außerdem liegt mit den Naturschutzgebieten „Hohes Elbufer zwischen Tesperhude und Lauenburg“ und „Lauenburger Elbvorland“ als Kerngebieten ein – wenn auch geringer – Teil des Biosphärenreservats Flusslandschaft Elbe in Schleswig-Holstein.[8]

Insgesamt wurden in den letzten 80 Jahren durch Landesverordnungen insgesamt 189 Naturschutzgebiete und 275 Landschaftsschutzgebiete festgelegt. Ohne den Nationalpark nehmen die Gebiete 2000 km² ein, wovon etwa 1600 km² Meer- oder Wattgebiete sind. Oft betreuen Naturschutzverbände die Gebiete aufgrund eines Vertrages mit dem Land. Zusätzlich bestehen sechs Naturparks: Naturpark Schlei, Naturpark Hüttener Berge, Naturpark Westensee, Naturpark Aukrug, Naturpark Holsteinische Schweiz und Naturpark Lauenburgische Seen. Keiner schließt Meeres- oder Küstengebiete ein. Unmittelbar an den Naturpark Lauenburgische Seen schließt in Mecklenburg-Vorpommern das Biosphärenreservat Schaalsee an.

Siehe auch
Liste der Gewässer in Schleswig-Holstein
Liste von Erhebungen in Schleswig-Holstein
Liste der Naturschutzgebiete in Schleswig-Holstein
Liste der naturräumlichen Einheiten in Schleswig-Holstein

Schleswig-Holstein hat 2,82 Millionen Einwohner, die Bevölkerungsdichte von 179 Einwohnern/km² ist die siebtdünnste in Deutschland. Altersaufbau und Geschlechterverteilung entsprechen weitgehend dem Bundesdurchschnitt. Von den Frauen sind 45,7 % verheiratet, 12,9 % verwitwet und 6,4 % geschieden. Bei den Männern sind es 47,7 %, 2,6 % und 5,4 %. Die Bevölkerungsdichte ist ungleichmäßig verteilt. Neben den kreisfreien Städten ist das Hamburger Umland, insbesondere die Kreise Pinneberg und Stormarn dicht besiedelt, der Landesteil Schleswig und der Kreis Dithmarschen dagegen vergleichsweise dünn.

In Schleswig-Holstein lebt sowohl eine dänische (im Landesteil Schleswig) als auch eine friesische (im Landesteil Schleswigs an der Nordseeküste) Minderheit. Die historisch angestammte Bevölkerung ist (nieder-)sächsischen, anglischen, jütischen und friesischen Ursprungs.

Schleswig-Holstein nahm während und nach dem Zweiten Weltkrieg von allen westdeutschen Bundesländern bezogen auf die Einwohnerzahl am meisten Flüchtlinge bzw. Vertriebene aus Hinterpommern und Ostpreußen auf. So wuchs die Bevölkerung zwischen 1944 und 1949 um 1,1 Millionen. Die Integration dieser verschiedenen Mentalitäten war vor allem in ländlichen Regionen von Konflikten geprägt.

Wegen der geografisch abgeschiedenen Lage und der eher schwachen Wirtschaftsentwicklung hat Schleswig-Holstein unter den westdeutschen Ländern den niedrigsten Anteil von Ausländern. (1994: 5,1 %). Von den 140.000 hier lebenden Ausländern kommen gut drei Viertel aus Europa, davon 22 % der gesamten Ausländer aus den alten Ländern der Europäischen Union. Die größte Gruppe aller Ausländer stellen (1999) mit 42.000 Türken und die zweitgrößte mit 14.000 Personen aus dem ehemaligen Jugoslawien.

„Nur drei Menschen haben die holsteinische Frage begriffen – Prinzgemahl Albert, der ist tot; ein deutscher Professor, der ist wahnsinnig geworden; und ich, nur habe ich alles darüber vergessen.“

Henry John Temple, 3. Viscount Palmerston, Premierminister

Megalithanlagen

Schleswig-Holstein wurde nach der letzten Eiszeit von Jägern und Sammlern besiedelt. Ab etwa 4000 v. Chr. kamen Ackerbauern ins Land, die zwischen 3500 und 2800 Megalithanlagen errichteten, von denen nur noch über 100 erhalten sind. Vermutlich bereits seit der Bronzezeit führte der Ochsenweg durch das Land, der in historischen Zeiten dem Handel der nordjütischen Viehbestände diente.

In der Zeit der Völkerwanderungen verließen zahlreiche der zu den Germanen zählenden Volksgruppen das Land, so wanderten zwischen dem 3. und dem 5. Jahrhundert die Angeln aus dem gleichnamigen Gebiet nördlich der Schlei nach Britannien aus, wo sie sich mit anderen Völkern zu den Angelsachsen vereinigten und namensgebend für das spätere England wurden. Schleswig-Holstein war zu der Zeit sehr gering besiedelt.

Bis zum frühen Mittelalter entwickelten sich im heutigen Schleswig-Holstein vier Völker- und Sprachgruppen: Im nördlichen Teil bis zu einer Linie Eider – Treene – Eckernförde germanische Jüten[9] und nordgermanische Dänen, im nordwestlichen Teil seit dem 7. Jahrhundert westgermanische Friesen, im östlichen Teil slawische Abodriten, im südwestlichen Teil bis zur Linie Eider – Kiel – Preetz – Eutin – Elbe westgermanische Sachsen, deren Stamm der Holsten später namensgebend für den südlichen Landesteil Holstein wurden.

Nach der Auswanderungswelle der Angeln drangen dänische und jütische Siedler nordöstlich ins Land vor. Sie gründeten um 770 mit Haithabu einen der bedeutendsten Handelsplätze des frühen Mittelalters und errichteten mit dem Danewerk einen Schutzwall gegen die Sachsen. Im Zuge der Sachsenkriege kam der südliche Teil des Landes unter den Einfluss des Frankenreichs. Zwischen 768 und 811 kam es immer wieder zu Konfrontationen zwischen dem König des Frankenreiches und späteren christlichen Kaiser Karl dem Großen und den heidnischen Nordgermanen, in deren Zuge auch das Danewerk ausgebaut wurde. 811 wurde in einem Friedensvertrag die Eider als Grenze zwischen dem Karolinger- und dem Dänenreich festgeschrieben.

Mit der zunehmenden Besiedlung im 12. und 13. Jahrhundert verlor die Eidergrenze ihre tatsächliche Bedeutung als Trennungslinie, sie blieb aber bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches 1806 bzw. bis 1864 als Grenze zwischen Schleswig und Holstein bestehen. Bis zur Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuchs 1900 war sie zudem eine juristische Grenze, da in Schleswig bis zu diesem Zeitpunkt noch das Jütische Recht Dänemarks galt. Ab 1111 wuchs beiderseits der Eider die Eigenständigkeit, aus der die Herzogtümer Schleswig und Holstein (damals noch als Grafschaft) hervorgingen. Zugleich wurden zwischen den beiden Gebieten immer engere politische und wirtschaftliche Verbindungen geknüpft.

Im frühen 13. Jahrhundert versuchte der dänische König, auch Holstein in sein Reich zu integrieren, er scheiterte nach anfänglichen Erfolgen jedoch 1227 in der Schlacht von Bornhöved am Widerstand norddeutscher Fürsten. Ab 1250 entwickelte sich die Hanse zu einem bedeutenden Macht- und Wirtschaftsfaktor und Lübeck wurde zu einer der bedeutendsten Städte Nordeuropas. Ab 1386 zeigten sich Schleswig und Holstein erstmals vereint im Wappen, als die Schauenburger Grafen Schleswig als dänisches Lehen erhielten und so die südliche Grafschaft und das nördliche Herzogtum unter einem Landesherrn banden.[10] Nachdem holsteinische Grafen im 14. Jahrhundert ihren Einfluss weit nach Jütland hinein ausdehnen konnten, gelang es Margrete I. um 1400, wieder die dänische Lehnshoheit in Schleswig zu erlangen. Aber auch sie musste die Besitzansprüche der holsteinischen Adligen in Schleswig anerkennen.

Durch zahlreiche Erbteilungen und Heimfälle ist die Territorialgeschichte Schleswigs und Holsteins sehr verwickelt. Der Dynastie der Schauenburger gelang es jedoch, eine schleswig-holsteinische Herrschaft zu errichten, sodass im Spätmittelalter von Schleswig-Holstein als einem faktisch zusammenhängenden Territorium gesprochen werden kann. 1474 wurde aus der Grafschaft Holstein das gleichnamige Herzogtum.

Schleswig-Holstein 1559
Schleswig-Holstein um 1650; die Herzogtümer sind einem Flickenteppich gleich in zahlreiche Hoheitsgebiete aufgeteilt, von denen die königlichen und die herzoglichen Anteile sowie die gemeinschaftlich regierten Güterbezirke die größte Fläche einnehmen

1460 wählte die Schleswig-Holsteinische Ritterschaft nach dem Aussterben der Schauenburger in direkter Linie den dänischen König Christian I. aus dem Haus Oldenburg zum Landesherrn, er war ein Neffe des letzten Schauenburgers Adolf VIII. Die im Vertrag von Ripen beschlossene Regelung bestimmte für die Herzogtümer, „dat se bliven ewich tosamende ungedelt“ (dass sie ewig ungeteilt zusammenbleiben), eine Satzung, die schon bald gebrochen wurde. Der dänische König regierte Schleswig und Holstein nicht in seiner Eigenschaft als König, sondern als Herzog der beiden Gebiete, wobei das Herzogtum Schleswig ein königlich-dänisches Lehen blieb, während das Herzogtum Holstein zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation gehörte und damit ein Reichslehen war. Christian I. und seine Nachfolger auf dem Thron waren demnach dänische Könige und deutsche Reichsfürsten in Personalunion. Die dänische Vorherrschaft bestand bis 1864.

Christian III. führte 1542 mit der Kirchenordnung von Johannes Bugenhagen die Reformation ein. Schon 1544 brach der König den Vertrag von Ripen und übergab Teile der schleswig-holsteinischen Herzogtümer an seine jüngeren Halbbrüder Johann und Adolf I., wodurch die Teilherzogtümer Schleswig-Holstein-Gottorf und Schleswig-Holstein-Hadersleben entstanden. 1564 übergab sein Sohn, König Friedrich II., ebenfalls Teile seines Besitzes in den Herzogtümern an seinen Bruder Johann, womit ein weiteres Teilherzogtum in Schleswig-Holstein entstand, das Herzogtum Schleswig-Holstein-Sonderburg. Dieses Mal verweigerten die Stände ihre Zustimmung zum erneuten Bruch des Vertrags von Ripen und versagten ihm die Huldigung, sodass der Herzog von Sonderburg zum ersten der Abgeteilten Herren ohne Regierungsrechte wurde. Der Sonderburger Anteil zerfiel im Folgenden in zahlreiche abgeteilte Duodezherzogtümer. Das Haderslebener Herzogtum wurde aufgrund fehlender männlicher Erben schon 1580 wieder aufgelöst, das Herzogtum Schleswig-Holstein-Gottorf jedoch entwickelte sich zu einem bedeutenden politischen und kulturellen Machtfaktor. Unter den Gottorfer Herzögen wurden unter anderem die Schlösser von Husum, Reinbek und Tönning errichtet, die Schlösser von Kiel und Gottorf erneuert und vergrößert und außerdem die Universität Kiel gegründet. Weiter stellte die Familie die Fürstbischöfe von Lübeck.

Der Gegensatz zwischen königlichem Anteil und herzoglichen – also Gottorfschen Anteil – prägte die Politik der Herzogtümer der nächsten zwei Jahrhunderte. Die Verwaltungsgebiete der einzelnen Herrschaftsbereiche, die sogenannten Ämter, Harden und Landschaften wurden unter anderem nach der Höhe der Steuerkraft aufgeteilt, sodass weder der königliche, noch der herzogliche Anteil über vollständig zusammenhängende Gebiete verfügten und Schleswig-Holstein sich in einen Flickenteppich kleinerer Einheiten gliederte. Während der herzogliche Anteil direkt durch die Gottorfer Linie aus dem namensgebenden Schloss Gottorf regiert wurde, setzte das dänische Königshaus stellvertretend für die Verwaltung seines Anteils die sogenannten Statthalter ein. Einen Ausnahmestatus hatten die Güterbezirke inne, weitgehend selbstständige Bereiche, die sich zumeist im Besitz der uradeligen Familien befanden und die abwechselnd unter königlicher und herzoglicher Oberhoheit standen. Die Güter standen in hoher wirtschaftlicher Blüte und der Landadel erlebte in dieser Epoche Schleswig-Holsteins sein „Goldenes Zeitalter“.[11] Weitere Sonderrollen im schleswig-holsteinischen Staatsgefüge hatten das Fürstbistum Lübeck, die Grafschaft Holstein-Pinneberg und die hieraus hervorgehende Grafschaft Rantzau, das erst 1559 eroberte Dithmarschen sowie das damals noch nicht zu Holstein zählende Herzogtum Sachsen-Lauenburg.

Während im Süden des Reiches 1618 der Dreißigjährige Krieg ausbrach, blieben Schleswig und Holstein vorerst von Kampfhandlungen verschont und erlebten, bedingt durch die ertragreiche Agrarwirtschaft, eine Hochphase. 1625 griff Dänemark in die Kriegshandlungen ein, wodurch sich die Kampfhandlungen ab 1627 auch in die Herzogtümer verlagerten. Besonders die Festungen in Holstein, wie Krempe, Glückstadt und Breitenburg, waren Ziel der Angriffe. Der Dreißigjährige Krieg in Schleswig und Holstein endete 1629 vorerst mit dem Frieden von Lübeck. Die Herzogtümer, die bisher weniger schwer verwüstet waren als andere Landstriche des Deutschen Reichs, erholten sich in der Folge, bis sie ab 1643 durch den Torstenssonkrieg erneut in die Kampfhandlungen eingezogen und verwüstet wurden.[12]

Im Laufe des 17. Jahrhunderts führte der Gegensatz zwischen herzoglichem und königlichem Anteil zu zunehmenden Konflikten zwischen beiden Parteien. Das Gottorfer Herzogtum forderte größere Souveränität und wandte sich von Dänemark ab und stattdessen dem Königreich Schweden zu. Dies gipfelte zum Ende des Jahrhunderts in einer mehrfachen Besetzung des herzoglichen Anteils durch Dänemark. Mit Beginn des 18. Jahrhunderts brach der Große Nordische Krieg aus. Gottorf stand auf der Seite Schwedens, was nach der Niederlage des Königsreichs 1713 zu einer vollständigen Annektierung des herzoglichen Anteils in Schleswig durch Dänemark führte. Das einstige Gottorfer Herzogtum verfügte im Folgenden nur noch über die Besitzungen in Holstein, die Annexion wurde 1720 im Frieden von Frederiksborg als rechtmäßig erklärt.

Im Laufe des 18. Jahrhunderts bemühte sich Dänemark, sein Herrschaftsgebiet zu einen und den sogenannten Gesamtstaat zu vollenden. Die zahlreichen Teilherzogtümer Schleswig-Holsteins, die aus dem Sonderburger Anteil hervorgegangen waren, wurden im Falle eines ausbleibenden Erben bereits nicht mehr als neues Lehen vergeben, sondern dem dänischen Königreich zugeführt. Nachdem der Gottorfer Anteil in Holstein durch Erbgänge in Personalunion mit dem russischen Zarentitel vereinigt wurde, wurde 1773 der Vertrag von Zarskoje Selo ausgehandelt, durch den Schleswig und Holstein fast ganz unter die Herrschaft des dänischen Königs gerieten. 1779 wurde mit Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg (ältere Linie) das letzte abgeteilte Herzogtum aufgelöst.

Denkmal in Hohenlockstedt

Im Jahre 1800 befand sich ganz Schleswig-Holstein – mit Ausnahme des Fürstentums Lübeck und des zu dieser Zeit noch eigenständigen Herzogtums Sachsen-Lauenburg – unter dänischer Verwaltung. Die Stadt Altona, heute ein Bezirk Hamburgs, galt als zweitgrößte Stadt des Königreichs nach Kopenhagen. Der sowohl in Dänemark wie auch in Deutschland aufkommende Nationalismus führte zu einem Gegensatz hinsichtlich der Zugehörigkeit der sogenannten Elbherzogtümer, der in zwei Kriegen mündete. Umstritten war dabei nicht das ausschließlich deutsch besiedelte Holstein, das ja seit dem frühen Mittelalter zum Heiligen Römischen Reich und nach 1815 auch zum Deutschen Bund gehörte und lediglich vom dänischen König regiert wurde, sondern das Herzogtum Schleswig. Sowohl in Deutschland wie in Dänemark wurde das Land von den national gesinnten Liberalen zur Gänze beansprucht, obwohl es in einen überwiegend dänischsprachigen und dänischgesinnten Norden und einen überwiegend deutschsprachigen und deutschgesinnten Süden geteilt war.

In dem Sylter Nordfriesen Uwe Jens Lornsen fand der deutschsprachige und deutschgesinnte Süden Schleswigs 1830 einen ersten wortgewaltigen Fürsprecher; er und seine Mitstreiter schrieben oft „Schleswigholstein“, um die Zusammengehörigkeit der beiden Gebiete auch in der Schreibweise auszudrücken. Ab 1840 versuchten sowohl deutsche als auch dänische Nationalliberale verstärkt in Schleswig Einfluss zu gewinnen, sodass sich ein Konflikt abzeichnete. Dieser brach im Zusammenhang mit der Märzrevolution 1848 offen aus: In Kiel wurde eine provisorische Regierung ausgerufen, die die Aufnahme eines vereinten Schleswig-Holsteins in den Deutschen Bund verlangte, während gleichzeitig in Kopenhagen eine nationalliberale Regierung ernannt wurde, der mehrere sogenannte Eiderdänen angehörten, deren Ziel die verfassungsmäßige Eingliederung Schleswigs in das Dänische Reich und die Trennung des Gebiets vom unbestritten deutschen Holstein war.

Die Unvereinbarkeit beider Forderungen führte zum Schleswig-Holsteinischen Krieg (1848–1851), in dem deutschgesinnte Schleswig-Holsteiner (letztlich vergeblich) versuchten, die dänische Oberhoheit zu beenden. Nach dem Willen der deutschen Nationalliberalen sollte auch Schleswig Mitglied des Deutschen Bundes werden und vereint mit Holstein ein souveräner Staat unter Regierung des Augustenburger Herzogs Christian August sein. Nach deutscher Auffassung galt das salische Recht auch in Schleswig, womit der Augustenburger Herzog legitimer Erbe in beiden Herzogtümern gewesen wäre, nachdem der dänische König und Herzog Friedrich VII. keine Nachkommen hatte. Nach dänischer Auffassung könnte der Herzog von Augustenburg als Thronerbe in Holstein gelten, jedoch nicht in Schleswig, wo nach dänischem Recht auch die Erbfolge durch die weibliche Linie bestand.

Zunächst wurde die schleswig-holsteinische Erhebung von der Paulskirchenversammlung unterstützt, doch auf Druck der europäischen Großmächte zogen sich die preußischen Armeen und die Bundestruppen zurück und überließen die selbsternannte Kieler Regierung ihrem Schicksal. Der dänische Sieg bei Idstedt 1850 beendete vorerst die deutschen Hoffnungen auf ein deutsches Schleswig-Holstein, der status quo ante wurde wiederhergestellt – auch auf internationalen Druck. Am 2. Juli 1850 wurde schließlich der Frieden von Berlin zwischen dem Deutschen Bund und Dänemark geschlossen. Eine Antwort auf die Schleswig-Holsteinische Frage konnte jedoch nicht gefunden werden.

Schleswig-Holstein 1898

Im dänischen Gesamtstaat herrschte seit Einführung des Grundgesetzes 1849 eine konstitutionelle Monarchie im Königreich und Absolutismus in Holstein, jedoch mit einem gemeinsamen Staatsrat, was die Gesetzgebung erschwerte. Dänemark verabschiedete im November 1863 eine Verfassung, die neben den einzelnen Verfassungen des Königreichs und des Herzogtums Schleswigs für die gemeinsamen Angelegenheiten der beiden gelten sollte. Da die Friedensbestimmungen von 1851 damit gebrochen waren, ergriff der preußische Kanzler Bismarck die Chance, die schleswigsche Frage im deutschen Sinne zu lösen. Nach der Verstreichung eines sehr kurzen Ultimatums erklärten Preußen und Österreich Dänemark den Krieg. Den Deutsch-Dänischen Krieg konnten Preußen und Österreich im April 1864 für sich entscheiden. Verhandlungen über eine Teilung Schleswigs führten nicht zu einer Lösung, so dass Schleswig und Holstein von den Siegern zunächst gemeinsam als Kondominium verwaltet wurden. Nach der Gasteiner Konvention 1865 kamen Schleswig und Lauenburg unter preußische Verwaltung, Holstein unter die Österreichs. Nur kleine Teile im Norden Schleswigs blieben dänisch: die Insel Ærø, sieben Kirchspiele südlich von Kolding und ein Streifen um Ribe; dafür gab Dänemark seine Ansprüche auf die königlichen Enklaven an der schleswigschen Westküste auf.

Nach dem Preußisch-Österreichischen Krieg 1866 wurde Schleswig-Holstein 1867 als Ganzes eine preußische Provinz. Im Gegensatz zu den ursprünglichen Hauptzielen der meisten deutschen Schleswig-Holsteiner – Loslösung von Dänemark und Mitgliedschaft als eigenständiges Staatsgebilde innerhalb des Deutschen Bundes – erreichten die Herzogtümer also nur die Loslösung vom dänischen Gesamtstaat, nicht jedoch ihre Unabhängigkeit. 1871 wurde das Deutsche Reich gegründet. Die Schleswig-Holsteinische Frage war ein zentraler Aspekt der Politik Bismarcks, die schließlich zur Reichseinigung führte.

Karte der Kimbrischen Halbinsel

Abgeschlossen wurde die völkerrechtliche Auseinandersetzung mit Dänemark jedoch erst 1920. Im Prager Frieden 1866 war zwischen Preußen und Österreich auf Intervention Napoleons III. in Artikel 5 eine Volksabstimmung in Nordschleswig vorgesehen gewesen, derzufolge es den Nordschleswigern frei gestanden hätte, sich für Dänemark oder Preussen /Österreich zu entscheiden. Diese Klausel wurde 1879 von den beiden Vertragsparteien einvernehmlich annulliert. Das musste Dänemark widerstrebend zur Kenntnis nehmen.[13] Schon vorher hatte Preussen sich die Herzogtümer als Provinz einverleibt. Dänemark war damit nicht einverstanden gewesen. Die ursprünglich vorgesehene Volksabstimmung in Nordschleswig wurde dann nach dem Ersten Weltkrieg auf Druck und unter Aufsicht der Siegermächte des Ersten Weltkriegs nachträglich vollzogen. Es wurde ein internationale Kommission mit einem englischen, französischen, schwedischen und norwegischen Vertreter gebildet, die die Verwaltung in den Abstimmungsgebieten ausübte. Sie saß in Flensburg, besaß eine neu gebildete Polizei und hatte englische und französische Truppen zu ihrer Unterstützung. Bei der Abstimmung ergab sich eine dänische Mehrheit im nördlichen Landesteil und eine deutsche im südlichen Teil. Der mittlere Stimmbezirk (mit Flensburg) war besonders hart umstritten, entschied sich dann aber deutlich für die Zugehörigkeit zum Deutschen Reich. Daher wurde am 6. Juli 1920 ein Übertragungsvertrag in Paris geschlossen, der das nördliche Schleswig Dänemark zusprach und den südlichen Teil Deutschland.[14]

NSDAP-Ergebnisse bei den Reichstagswahlen
Wahl Schleswig-Holstein Deutsches Reich
1924 (I) 7,4 % 6,6 %
1924 (II) 2,7 % 3,0 %
1928 4,0 % 2,6 %
1930 27,0 % 18,3 %
1932 (I) 51,0 % 37,4 %
1932 (II) 45,7 % 33,1 %
1933 53,2 % 43,9 %

Schleswig-Holstein war eine frühe Hochburg des Nationalsozialismus. Hohe Wahlergebnisse erzielte die NSDAP schon 1928 in Dithmarschen. Die von den Nazis sogenannte Blutnacht von Wöhrden 1929 und der Altonaer Blutsonntag 1932 wurden von der NSDAP überregional zu Propagandazwecken ausgeschlachtet. Bekannte schleswig-holsteinische Autoren zählten zu den geistigen Wegbereitern des Nationalsozialismus: der aus Nordschleswig stammende Julius Langbehn sowie die Dithmarscher Adolf Bartels und – eingeschränkt – Gustav Frenssen.

Es gab einige Außenlager des KZ Neuengamme in Schleswig-Holstein: u. a. das KZ Kaltenkirchen, das KZ-Außenlager Kiel, das KZ Ladelund und das KZ Neustadt in Holstein. Eines der ersten Konzentrationslager war das KZ Wittmoor: Am 10. März 1933 wurden die ersten Häftlinge, mehrheitlich Mitglieder der KPD, dort eingesperrt. Andere frühe (auch als wilde bezeichnete) Konzentrationslager entstanden 1933 in Eutin, Glückstadt, Rickling/Kuhlen, Falkenriedt, Ahrensbök, Altona und Wandsbek.[15] In der Reichspogromnacht am 9./10. November 1938 wurden Synagogen und Geschäfte von jüdischen Bürgern in Lübeck, Elmshorn, Rendsburg, Kiel, Bad Segeberg, Friedrichstadt, Kappeln und Satrup von SA und SS – unter Duldung oder Mithilfe der Polizei – überfallen und zerstört.[16]

Sowjetische Kriegsgefangene kamen in Schleswig-Holstein in einem erbärmlichen Zustand an, da sie nur unzureichend ernährt wurden. In Heidkaten bei Kaltenkirchen (Herbst 1941 bis April 1944) und Gudendorf (April 1944 bis Kriegsende) wurden Lager eingerichtet, die Gerhard Hoch als „Sterbelager“ bezeichnete. In Gudendorf starben 1944 und 1945 3000 sowjetische Kriegsgefangene.[17] In der Kinderfachabteilung Schleswig wurden zwischen 1939 und 1945 mindestens 216 Kinder ermordet.[18] Am 3. Mai 1945 bombardierte die britische Royal Air Force irrtümlich die manövrierunfähigen Schiffe Cap Arcona, Thielbek und Deutschland IV in der Neustädter Bucht. Etwa 7000 Menschen starben. Die SS hatte circa 10.000 KZ-Häftlinge auf den Schiffen zusammengepfercht. Höchstwahrscheinlich beabsichtigte die SS, die Häftlinge zu versenken.[19]

Zur Jahreswende 1945/46 ernannte die britische Militärregierung beratende deutsche Entnazifizierungsausschüsse. Im Massenverfahren wurden 406 500 Menschen entnazifiziert: In die Kategorie I der Hauptschuldigen und die Kategorie II der Schuldigen wurde in Schleswig-Holstein aber niemand eingestuft. 2217 stufte man in die Kategorie III der Belasteten ein, dazu gehörte auch der ehemalige Gauleiter Hinrich Lohse. 66 500 kamen in die Kategorie IV als Mitläufer und 206 000 in die Kategorie V als Entlastete.[20]

Herrenhaus Altenhof: Residenz des Britischen Regional/Land Commissioner

Nach dem Zweiten Weltkrieg war Schleswig-Holstein Hauptansiedlungsgebiet für Vertriebene, insbesondere aus Ostpreußen und Pommern und Hamburger Ausgebombte. Die Bevölkerungszahl, die 1939 noch 1,6 Millionen Einwohner betragen hatte, stieg bis 1949 auf 2,7 Millionen Einwohner. Unter allen Flächenländern war der Anteil an Flüchtlingen im Vergleich zur eingesessenen Bevölkerung in Schleswig-Holstein am höchsten.

Schleswig-Holstein war auch nach 1945 zunächst formell noch eine preußische Provinz. Der Christdemokrat Theodor Steltzer, der dem militärischen Widerstand gegen das NS-Regime nahegestanden hatte, wurde im November als Oberpräsident an die Spitze der Verwaltung berufen, später zum ersten Ministerpräsidenten ernannt. Am 26. Februar 1946 trat der erste Landtag zusammen, der noch nicht gewählt, sondern von der Militärregierung ernannt worden war, die sich zunächst vertreten durch ihren Regional Commissioner für Schleswig-Holstein den Luftmarschall im Ruhestand Hugh Vivian Champion de Crespigny letzte Entscheidungen vorbehielt. Mit der Verordnung Nr. 46 der britischen Militärregierung vom 23. August 1946 „Betreffend die Auflösung der Provinzen des ehemaligen Landes Preußen in der Britischen Zone und ihre Neubildung als selbständige Länder“ erhielt das Land Schleswig-Holstein seine rechtlichen Grundlagen. Als Hauptstadt setzte sich Kiel gegen Schleswig durch; Dienstsitz des Britischen Regional, später Land Commissioner war das sog. Somerset-House in Kiel, Residenz das Herrenhaus Altenhof (bei Eckernförde). Am 20. April 1947 wurde erstmals ein Landtag gewählt. Land wurde Schleswig-Holstein mit der 1949 von diesem Landtag verabschiedeten Landessatzung, die am 12. Januar 1950 in Kraft trat. Erst die nach der Verfassungsreform am 30. Mai 1990 vom Landtag verabschiedete Verfassung trug auch den Namen Landesverfassung.

Siehe auch: Geschichte der deutschen Länder

Am 29. März 1955 wurden die Bonn-Kopenhagener Erklärungen unterzeichnet, in der die Bundesrepublik und Dänemark jeweils für die jeweilige Minderheit der anderen Nationalität auf ihrem Gebiet Schutzrechte vereinbarten und zugleich das freie Bekenntnis jedes Bürgers zu einer Volksgruppe als von Amts wegen nicht bestreitbar und nicht überprüfbar festschrieb. Dieses Abkommen gilt bis heute als Modell für die einvernehmliche Lösung von Minderheitenfragen.

Bis 1959 konnte Werner Heyde, der als ehemaliger Leiter des NS-Euthanasieprogramms zum Massenmörder wurde, unter dem Namen Fritz Sawade als Arzt in Flensburg arbeiten. 1961 benannte der Untersuchungsausschuss in seinem Abschlussbericht achtzehn Personen aus Justiz, Verwaltung und Medizin, die über die wahre Identität Sawades informiert waren.[21]

Einige der heftigsten Proteste gegen Atomkraftwerke in Deutschland fanden Ende der 1970er bis Anfang der 1980er Jahre um die Baustelle des Kernkraftwerks Brokdorf statt. Einschneidendstes Naturereignis in der Landesgeschichte dürfte die Schneekatastrophe am Jahreswechsel 1978/79 gewesen sein.

Den größten Skandal der Nachkriegsgeschichte stellte die Barschel-Affäre 1987/88 dar. Dieser Skandal erfuhr dann 1993 noch eine Fortsetzung mit der Schubladen-Affäre, als deren Folge Heide Simonis die erste Frau an der Spitze eines Bundeslandes wurde. Zuletzt rückte Schleswig-Holstein in den Mittelpunkt des Interesses, als im März 2005 die Wiederwahl von Simonis zur Ministerpräsidentin spektakulär im Landtag scheiterte, was zu einer Großen Koalition unter Ministerpräsident Peter-Harry Carstensen (CDU) in Kiel führte, die jedoch nur bis Juli 2009 hielt und durch Neuwahlen im September 2009 beendet wurde. Die Regierung wird seit 27. Oktober 2009 von einer schwarz-gelben Koalition unter dem alten und neuen Ministerpräsidenten Carstensen getragen.

Mit Entscheidung vom 29. August 2010 hat jedoch das Landesverfassungsgericht Schleswig-Holsteins das der Landtagswahl zugrundeliegende Landeswahlgesetz für verfassungswidrig erklärt. Dem Landtag wurde daraufhin angeordnet, bis zum Mai 2011 ein neues Gesetz zu beschließen. Ferner wurden Neuwahlen bis spätestens September 2012 angeordnet.[22]

  • Uwe Danker, Astrid Schwabe: Schleswig-Holstein und der Nationalsozialismus, Neumünster 2005
  • Kurt-Dietmar Schmidtke: Die Entstehung Schleswig-Holsteins. 3. Aufl., Wachholtz, Neumünster 1995, ISBN 3-529-05316-3
  • Ulrich Lange (Hrsg.): Geschichte Schleswig-Holsteins. Wachholtz, Neumünster 2003, ISBN 3-529-02440-6
  • Jann Markus Witt/Heiko Vosgerau (Hrsg.): Schleswig-Holstein von den Ursprüngen bis zur Gegenwart. Eine Landesgeschichte. Convent-Verlag, Hamburg 2002, ISBN 3-934613-39-X
  • Jürgen H. Ibs/Eckart Dege/Henning Unverhau (Hrsg.): Historischer Atlas Schleswig-Holstein. Bd. I–III, Wachholtz, Neumünster
  • Robert Bohn: Geschichte Schleswig-Holsteins, Verlag C. H. Beck, München 2006, ISBN 978-3-406-50891-2
  • Thomas Riis: Up ewig ungedeelt. Ein Schlagwort und sein Hintergrund. In: ISBN 3-515-08252-2, S. 158-167, (Historische Mitteilungen Beiheft 47).
Landeswappen Wappenzeichen Landesflagge Landesdienstflagge Kfz-Stander des Ministerpräsidenten (seit 1957)

Die Landesflagge besteht aus drei horizontalen Streifen. Der obere Streifen ist blau, der mittlere weiß und der untere rot. Die Farben sind aus dem Landeswappen genommen und sind 1840 zum ersten Mal von den deutschen Schleswig-Holsteinern im sich abzeichnenden deutsch-dänischen Konflikt um Schleswig verwendet worden. Im Jahre 1949 wurde die Flagge offiziell von den Alliierten anerkannt. Die Dienstflagge enthält im Gegensatz zur Landesflagge das Landeswappen. Bei offizieller Beflaggung wird die Dienstflagge gehisst. Die Dienstflagge darf nur von den entsprechenden Behörden benutzt werden, die Landesflagge dagegen kann von jedermann frei benutzt werden, wovon großzügig Gebrauch gemacht wird – etwa in Form von Flaggen im Vorgarten. Schiffe führen eine Erkennungsflagge in den Farben der Landesflagge.

Siehe auch: Flagge Schleswig-Holsteins

Das Wappen umfasst heraldisch (also vom Wappen aus gesehen) links das holsteinische Nesselblatt und heraldisch rechts die Schleswigschen Löwen.

Eine genauere Beschreibung findet sich unter: Wappen Schleswig-Holsteins

Das Schleswig-Holstein-Lied heißt offiziell Wanke nicht, mein Vaterland – der umgangssprachliche Name ist jedoch Schleswig-Holstein meerumschlungen. Den Text hat Matthäus Friedrich Chemnitz verfasst, die Melodie ist von Carl Gottlieb Bellmann

Hauptartikel: Sprachen und Dialekte in Schleswig-Holstein

Allgemeine[23] Amtssprache ist Deutsch, wobei juristisch unklar ist, ob damit nur die hochdeutsche Sprache gemeint ist oder auch das Niederdeutsch.[24] Die Niederdeutsche Sprache, meist als Plattdeutsch bezeichnet, ist (zumindest) nach der europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen als Regionalsprache gemäß Teil III der Charta, die dänische Sprache (meist in Form des Sydslesvigdansk) und die friesische Sprache (in den Dialekten des Nordfriesischen) als Minderheitensprachen gemäß Teil III sowie Romanes als Minderheitensprache gemäß Teil II der Charta im Land Schleswig-Holstein anerkannt. In grenznahen Gemeinden zwischen Niebüll und Flensburg wird daneben noch Südjütisch (Plattdänisch) gesprochen, das allgemein als Dialekt der Dänischen Sprache angesehen wird, darüber hinaus im Flensburger Raum Petuh, teilweise auch Missingsch. Damit ist Schleswig-Holstein das an traditionell gesprochenen Sprachen reichste Land. Als ausgestorben gelten hingegen die einst in Friedrichstadt gesprochene niederländische Sprache und das in einzelnen Städten bis zur Nazizeit teilweise gesprochene Jiddisch; wie hoch der Anteil der Jiddischsprecher unter den heute wieder knapp 2000 Bewohnern jüdischen Glaubens ist, ist unbekannt.[25]

Nach Annahme des Friisk Gesäts durch den Landtag im Jahr 2004 gilt im Kreis Nordfriesland und auf Helgoland (Kreis Pinneberg) friesisch als Amtssprache. Im Kreis Nordfriesland finden sich so auch zweisprachige Ortsschilder, zum Beispiel wird dem Besucher von Niebüll die Stadt auch als Naibel angekündigt.

Der Südosten des Landes war bis ins 12. Jahrhundert von slawischen Völkern besiedelt, was sich heute noch an einigen slawischstammigen Ortsnamen erkennen lässt (zum Beispiel Lübeck, Laboe, Eutin, Preetz, Ratzeburg)

Siehe auch: Schleswigsche Ortsnamen

Religionszugehörigkeit in Prozent

Schleswig-Holstein ist ein protestantisch geprägtes Land. 2006 gehörten 54,3 % der Bevölkerung der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche an, 6,1 % waren 2007 römisch-katholisch. Über 39 % der Bürger gehören keiner der großen Religionsgemeinschaften an.[26] Die evangelischen Freikirchen zählen etwa 15.000 Mitglieder. Die Evangelisch-reformierte Kirche ist mit einer einzelnen Gemeinde in Lübeck, die Remonstranten mit einer Gemeinde in Friedrichstadt vertreten.

Die Nordelbische Kirche gliedert sich in zwei Sprengel: Schleswig und Holstein, sowie Hamburg-Lübeck, an deren Spitze jeweils ein Bischof beziehungsweise eine Bischöfin steht. Eine Fusion der Nordelbischen Kirche mit den beiden Landeskirchen Mecklenburg-Vorpommerns zu einer vereinigten Nordkirche im Ostseeraum befindet sich im Prozess der Diskussion und Vorbereitung,[27] am 5. Februar 2009 wurde ein Fusionsvertrag unterzeichnet, der die Bildung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland zu Pfingsten 2012 vorsieht.

Neben der nordelbischen Landeskirche bestehen in Schleswig-Holstein auch Gemeinden der altkonfessionell verfassten Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche und im Norden des Landes der Dänischen Kirche in Südschleswig. Die Dänische Kirche in Südschleswig umfasst etwa 6.500 Mitglieder [28].

Die Gemeinden der Römisch-Katholischen Kirche in Schleswig-Holstein unterstehen dem Erzbistum Hamburg. Neben der Römisch-Katholischen Kirche gibt es auf der nordfriesischen Insel Nordstrand zudem eine altkatholische Gemeinde [29]

Unter den in Schleswig-Holstein vertretenen evangelischen Freikirchen sind Evangelisch-Freikirchliche Gemeinden (Baptisten), Methodisten, Mennoniten, Freie evangelische Gemeinden, die Heilsarmee, Siebenten-Tags-Adventisten und mehrere Pfingstgemeinden zu nennen. Schon im 16. Jahrhundert bildeten sich auf Eiderstedt erste Mennonitengemeinden. Die erste Baptistengemeinde Schleswig-Holsteins gründete sich im Februar 1849 im holsteinischen Pinneberg.[30]

In der Neuapostolischen Kirche zählt Schleswig-Holstein mit zum Apostelbereich Hamburg und umfasst auf schleswig-holsteinischem Territorium fünf Bezirke mit ca. 10.000 Mitgliedern.

Ungefähr 1900 Bewohner des Landes sind Mitglieder[31] in jüdischen Gemeinden. Die jüdischen Gemeinden verteilen sich auf zwei Landesverbände: die eher orthodox geprägte Jüdische Gemeinschaft Schleswig-Holstein und den eher liberalen Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Schleswig-Holstein.

25.000 Schleswig-Holsteiner bekennen sich zum Islam.

Schleswig-Holstein Gliederung
1900 1959 1994 2009
Kreise 17 11 11 11
Ämter 199 119 87
Gemeinden 1371 1131 1116
Verwaltungsstruktur für Schleswig-Holstein

Schleswig-Holstein erfuhr 1970/74 eine Gebietsreform. Die Zahl der Landkreise wurde von 17 (siehe Provinz Schleswig-Holstein) auf elf gesenkt; die Zahl der Gemeinden sank mittelfristig von 1371 (1959) auf 1131 (1994) und die bisher 199 Ämter wurden in 119 Ämter zusammengefasst. Gleichzeitig wurden die Flächen der vier kreisfreien Städte erheblich erweitert.

Schleswig-Holstein besteht heute (Stand: 1. Januar 2009) aus insgesamt elf Kreisen, 87 Ämtern und 1116 Gemeinden. Von diesen Gemeinden haben 910 weniger als 2000 Einwohner und werden deshalb von einem ehrenamtlichen Bürgermeister verwaltet. 63 Gemeinden besitzen das Stadtrecht. Stadtrecht kann eine Gemeinde erhalten, die mindestens 10.000 Einwohner besitzt, Städte, die dieses aus alter Zeit haben, verlieren es aber nicht. In diesen Städten leben 1,5 Millionen der etwa 2,7 Millionen Einwohner des Landes. Der Kreis Pinneberg ist mit 300.000 Einwohnern der bevölkerungsreichste des Landes, der Kreis Rendsburg-Eckernförde mit knapp 2200 km² der größte und damit fast so groß wie das Saarland.

Um 2000 herum diskutierten einige Kreise in der Metropolregion Hamburg den Zusammenschluss zu einem großen Hamburger Umlandkreis. Auch auf Landesebene gab es im politischen Raum Überlegungen, die Zahl der Kreise auf vier bis sechs und die Zahl der kreisfreien Städte auf zwei oder keine zu reduzieren. Ab 2008 wurde dies geplant aber immer wieder verschoben.

(in Klammern die Kreisstädte und die Kfz-Kennzeichen)

  • Dithmarschen (Heide, HEI)
  • Herzogtum Lauenburg (Ratzeburg, RZ)
  • Nordfriesland (Husum, NF)
  • Ostholstein (Eutin, OH)
  • Pinneberg (Pinneberg, PI)
    (mit Helgoland)
  • Plön (Plön, PLÖ)
  • Rendsburg-Eckernförde (Rendsburg, RD)
  • Schleswig-Flensburg (Schleswig, SL)
  • Segeberg (Bad Segeberg, SE)
  • Steinburg (Itzehoe, IZ)
  • Stormarn (Bad Oldesloe, OD)

(in Klammern die Kfz-Kennzeichen)

  • Flensburg (FL)
  • Kiel (KI)
  • Lübeck (HL)
  • Neumünster (NMS)

Einen Sonderstatus nimmt seit dem 1. Januar 2005 die Stadt Norderstedt als „Große kreisangehörige Stadt“ an, der gem. § 135 a Gemeindeordnung Schleswig-Holstein eine Experimentierklausel ermöglicht wurde. Dies bedeutet, dass einige Aufgaben über einen öffentlich-rechtlichen Vertrag vom Kreis (hier: Segeberg) an die Stadt übertragen werden können.

Blick auf das Kieler Rathaus
Lübecker Holstentor
Flensburger Ostufer

Größte Städte und Gemeinden

Stadt/
Gemeinde
Kreis Einwohner
31. Dezember 2000
Einwohner
31. Dezember 2007
Kiel kreisfrei 232.612 236.902
Lübeck kreisfrei 213.399 211.541
Flensburg kreisfrei 84.281 87.792
Neumünster kreisfrei 79.831 77.595
Norderstedt Segeberg 71.523 71.903
Elmshorn Pinneberg 47.391 48.052
Pinneberg Pinneberg 39.423 42.301
Itzehoe Steinburg 33.549 32.800
Wedel Pinneberg 32.060 32.033
Ahrensburg Stormarn 29.117 30.663
Geesthacht Herzogtum Lauenburg 29.106 29.295
Rendsburg Rendsburg-Eckernförde 29.321 28.391
Henstedt-Ulzburg Segeberg 24.950 26.560
Reinbek Stormarn 24.570 25.516
Bad Oldesloe Stormarn 23.314 24.172
Schleswig Schleswig-Flensburg 25.093 24.036
Eckernförde Rendsburg-Eckernförde 23.304 22.915
Husum Nordfriesland 20.994 22.327
Heide Dithmarschen 20.530 20.827
Quickborn Pinneberg 19.875 20.136

Schleswig-Holstein zeichnet sich durch eine große Zahl von Gemeinden mit weniger als 500 Einwohnern aus. Im Gegensatz zu den meisten anderen Bundesländern änderte daran auch die durchgeführte Gebietsreform nichts. 1036 kleinere Städte und Gemeinden sind in 87 Ämtern zusammengefasst, um die Verwaltungsaufgaben effektiver zu gestalten (Stand: 25. Mai 2008).

Arnis ist mit seinen rund 300 Einwohnern die kleinste Stadt Deutschlands. Wiedenborstel ist die kleinste eigenständige Gemeinde Deutschlands. Sie besteht aus einem Gutshof und hatte in den letzten Jahren zwischen zwei und sieben Einwohnern.

Siehe auch: Liste der Städte und Gemeinden in Schleswig-Holstein, Liste der aktuellen und ehemaligen Städte von Schleswig-Holstein

  • Angeln
  • Dänischer Wohld
  • Dithmarschen
  • Eiderstedt
  • Holsteinische Schweiz
  • Holsteinische Elbmarschen
  • Herzogtum Lauenburg
  • Nordfriesland
  • Probstei
  • Schleswigsche Geest
  • Schwansen
  • Kreis Ostholstein
  • Steinburg
  • Stormarn
  • Wagrien
  • Mittelholstein

Schleswig-Holstein ist laut Artikel 1 seiner Verfassung vom 12. Januar 1950 ein Gliedstaat der Bundesrepublik Deutschland. In Folge der Barschel-Affäre 1987 wurden vom Untersuchungsausschuss strukturelle Änderungen angeregt. Eine eingesetzte Enquete-Kommission erstellte Vorschläge zu einer Verfassungs- und Parlamentsreform und legte 1989 ihren Schlussbericht vor. Daraufhin wurde die Verfassung geändert und auch von Landessatzung in Landesverfassung umbenannt. Sie wurde am 30. Mai 1990 vom Landtag verabschiedet. Die Verfassung enthält seitdem auch Staatszielbestimmungen, z. B. den Minderheitenschutz der friesischen und der dänischen Volksgruppe im Land (Art. 5), die Förderung der Gleichstellung von Mann und Frau (Art. 6), den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen (Art. 7) oder Schutz und Förderung der Kultur einschließlich der plattdeutschen Sprache (Art. 9).

Im Vergleich zu anderen deutschen Landesverfassungen hat die Verfassung weitreichende Elemente der direkten Demokratie. Wie in allen anderen deutschen Ländern geht die Staatsgewalt vom Volke aus, das heißt, das Volk bekundet seinen Willen in Wahlen und Abstimmungen im Lande, in den Gemeinden und den Gemeindeverbänden.

Die Verfassung verliert vorbehaltlich anderweitiger bundesgesetzlicher Regelung ihre Geltung an dem Tag, an dem eine Neugliederung des Bundesgebietes in Kraft tritt.

Landeshaus mit Plenarsaal

Der Landtag Schleswig-Holstein ist das vom Landesvolk gewählte oberste Organ der politischen Willensbildung und führt somit die legislative Gewalt aus. Der Landtag wählt die Ministerpräsidentin oder den Ministerpräsidenten. Der Landtag besteht in der Regel (ohne Überhangmandate) aus 69 Abgeordneten (siehe Tabelle). Sie werden nach einem Verfahren gewählt, das die Persönlichkeitswahl mit den Grundsätzen der Verhältniswahl verbindet.

Justizministerium Schleswig-Holstein in Kiel.

Die Landesregierung ist im Bereich der vollziehenden Gewalt oberstes Leitungs-, Entscheidungs- und Vollzugsorgan. Sie besteht aus der Ministerpräsidentin oder dem Ministerpräsidenten und den Landesministerinnen und Landesministern. Die Ministerpräsidentin oder der Ministerpräsident wird vom Landtag ohne Aussprache gewählt. Sie oder er beruft und entlässt die Landesministerinnen und Landesminister und bestellt aus diesem Kreis für sich eine Vertreterin oder einen Vertreter. Zur Ministerpräsidentin oder zum Ministerpräsidenten ist gewählt, wer die Stimmen der Mehrheit der Mitglieder des Landtages auf sich vereinigt (absolute Mehrheit). Erhält im ersten Wahlgang niemand diese Mehrheit, so findet ein neuer Wahlgang statt. Kommt die Wahl auch im zweiten Wahlgang nicht zustande, so ist gewählt, wer in einem weiteren Wahlgang die meisten Stimmen erhält.

Die rechtsprechende Gewalt ist den Richterinnen und Richtern anvertraut; sie wird im Namen des Volkes ausgeübt. Die Richterinnen und Richter sind unabhängig und nur dem Gesetz unterworfen.

Als kleines Land verfügt Schleswig-Holstein lediglich über ein einziges Oberlandesgericht mit Sitz in Schleswig. Ein eigenes Oberverwaltungsgericht wurde erst 1991 mit dem Schleswig-Holsteinischen Oberverwaltungsgericht in Schleswig errichtet. Bis dahin war das OVG Lüneburg aufgrund eines Staatsvertrages zwischen Niedersachsen und Schleswig-Holstein gem. § 3 Abs. 2 VwGO als gemeinsames Oberverwaltungsgericht für die Länder Niedersachsen und Schleswig-Holstein zuständig.

Schleswig-Holstein verfügt als letztes Land erst seit dem 1. Mai 2008 über ein eigenes Landesverfassungsgericht.[32] Zuvor war die Verfassungsgerichtsbarkeit gemäß Artikel 44 der Landesverfassung und gemäß Artikel 99 des Grundgesetzes die Entscheidung von Verfassungsstreitigkeiten innerhalb des Landes dem Bundesverfassungsgericht übertragen.

Siehe auch: Schleswig-Holsteinisches Landesverfassungsgericht

Alle Bürgerinnen und Bürger haben das Recht, den Landtag im Rahmen seiner Entscheidungszuständigkeit mit bestimmten Gegenständen der politischen Willensbildung zu befassen. Einer Initiative kann auch ein mit Gründen versehener Gesetzentwurf zugrunde liegen; er darf den Grundsätzen des demokratischen und sozialen Rechtsstaates nicht widersprechen. Die Initiativen müssen von mindestens 20.000 Stimmberechtigten unterzeichnet sein. Ihre Vertreterinnen und Vertreter haben das Recht auf Anhörung. Initiativen über den Haushalt des Landes, über Dienst- und Versorgungsbezüge sowie über öffentliche Abgaben sind jedoch unzulässig.

Stimmt der Landtag dem Gesetzentwurf oder der Vorlage innerhalb einer Frist von vier Monaten nicht zu, so sind die Vertreterinnen und Vertreter der Volksinitiative berechtigt, die Durchführung eines Volksbegehrens zu beantragen. Der Landtag entscheidet nun, ob das beantragte Volksbegehren zulässig ist. Ein Volksbegehren ist dann zustande gekommen, wenn mindestens 5 % der Stimmberechtigten innerhalb eines halben Jahres dem Volksbegehren zugestimmt haben.

Ist ein Volksbegehren zustande gekommen, so muss innerhalb von neun Monaten über den Gesetzentwurf oder die andere Vorlage ein Volksentscheid herbeigeführt werden. Der Landtag kann einen eigenen Gesetzentwurf oder eine andere Vorlage zur gleichzeitigen Abstimmung stellen. Ein Volksentscheid findet nicht statt, wenn der Landtag das Gesetz schon verabschiedet hat, sodass ein Volksentscheid überflüssig geworden ist und wenn das Bundesverfassungsgericht auf Antrag des Landtages oder der Landesregierung das Volksbegehren als verfassungswidrig eingestuft hat.

Der Gesetzentwurf oder die andere Vorlage ist durch Volksentscheid angenommen, wenn die Mehrheit derjenigen, die ihre Stimme abgegeben haben, jedoch mindestens ein Viertel der Stimmberechtigten, zugestimmt hat. Eine Verfassungsänderung durch Volksentscheid bedarf der Zustimmung von zwei Dritteln derjenigen, die ihre Stimme abgegeben haben, jedoch mindestens die Hälfte der Stimmberechtigten. In der Abstimmung zählen nur die gültigen Ja- und Nein-Stimmen.

Die Gesetzentwürfe werden von der Landesregierung oder von einzelnen oder mehreren Abgeordneten des Landtages oder durch Initiativen aus dem Volk eingebracht. Die Gesetze werden durch den Landtag oder durch Volksentscheid beschlossen. Gesetze, die die Verfassung ändern, bedürfen der Zustimmung von zwei Dritteln der Mitglieder des Landtages sowie der Zustimmung des Volkes. Außerdem müssen sie den Wortlaut des ändernden Verfassungstextes ausdrücklich ändern und ergänzen.

Sitzverteilung im Landtag

Schleswig-Holstein ist ein ländlich und protestantisch geprägtes Land. In der Nachkriegszeit konnte der Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten zeitweise fast 25 % der Wähler hinter sich bringen. Mit dem Abgleiten in die bundespolitische Bedeutungslosigkeit aufgrund der fortschreitenden Integration der Heimatvertriebenen in die westdeutsche Gesellschaft verlor er aber auch hier die meisten Wähler. In den 1960er Jahren (NPD) und in den 1990er Jahren (DVU) konnten rechtsextreme Parteien Wahlerfolge bei Landtagswahlen verbuchen, diese aber nicht wiederholen.

In Schleswig-Holstein sind die Stimmenanteile der FDP und der Grünen meist geringer als in den anderen westdeutschen Ländern. Die regionale Stimmenverteilung innerhalb des Landes ist sehr verschieden. Tendenziell ist der Stimmenanteil der SPD in den kreisfreien Städten und im Umland Hamburgs höher, der Stimmenanteil der CDU ist tendenziell höher in den Kreisen Nordfriesland und Dithmarschen sowie in den ländlichen Gemeinden der Kreise Steinburg, Rendsburg-Eckernförde und Segeberg.

Eine Besonderheit in der Parteienlandschaft Schleswig-Holsteins ist der Südschleswigsche Wählerverband. Er vertritt die Interessen der dänischen und eines Teils der friesischen Minderheit und ist bei Landtagswahlen von der 5-Prozent-Hürde nach dem Wahlgesetz für den Landtag von Schleswig-Holstein ausgenommen.[33]

Siehe auch Ergebnisse der Landtagswahlen in der Bundesrepublik Deutschland.

Die Landespolitik in Schleswig-Holstein setzt auf die Kooperation mit dem wirtschaftlich stärkeren Nachbarn Hamburg, steht aber dem vom Nachbarn angeregten Nordstaat skeptisch gegenüber. Nach einer repräsentativen Umfrage der Unternehmerverbände Nord, die bereits grenzüberschreitend arbeiten, waren jüngst 52 % der Bevölkerung für das Zusammengehen mit Hamburg in einem neuen Land.

Die Regierung wird seit der Landtagswahl in Schleswig-Holstein am 27. September 2009 von einer Koalition aus CDU und FDP getragen, die über nur eine Stimme Mehrheit verfügt.[34]

Zum Kabinett von Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) gehören:

  • Heiner Garg (FDP), Minister für Arbeit, Soziales und Gesundheit und zugleich Stellvertreter des Ministerpräsidenten
  • Rainer Wiegard (CDU), Minister für Finanzen
  • Klaus Schlie (CDU), Innenminister
  • Emil Schmalfuß (parteilos, von der FDP nominiert), Minister für Justiz, Gleichstellung und Integration
  • Juliane Rumpf (CDU), Ministerin für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume
  • Jost de Jager (CDU), Minister für Wissenschaft, Wirtschaft und Verkehr
  • Ekkehard Klug (FDP), Minister für Bildung und Kultur

Im Juli 2009 kündigte die CDU unter Ministerpräsident Carstensen aufgrund koalitionsinterner Querelen die Zusammenarbeit mit der SPD auf und strebte Neuwahlen für den 27. September 2009, den Tag der Bundestagswahl 2009, an. Nachdem am 20. Juli 2009 der CDU-Antrag auf Selbstauflösung des Landtags nicht die notwendige Zweidrittelmehrheit erreichte, da die SPD-Fraktion geschlossen dagegen stimmte, stellte der Ministerpräsident die Vertrauensfrage. Anschließend entließ er alle vier SPD-Minister. Die verwaisten Ressorts wurden bis zur Regierungsneubildung von den übrigen Ministern kommissarisch verwaltet. Nach Artikel 36[35] der Landesverfassung kann der Ministerpräsident bei verlorener Abstimmung über die Vertrauensfrage binnen zehn Tagen die Wahlperiode beenden und das Parlament auflösen.

Ministerpräsidenten des Landes Schleswig-Holstein
Nr. Name Lebensdaten Partei Beginn der Amtszeit Ende der Amtszeit
1 Theodor Steltzer 1885−1967 CDU 1946 1947
2 Hermann Lüdemann 1880−1959 SPD 1947 1949
3 Bruno Diekmann 1897−1982 SPD 1949 1950
4 Walter Bartram 1893−1971 CDU 1950 1951
5 Friedrich-Wilhelm Lübke 1887−1954 CDU 1951 1954
6 Kai-Uwe von Hassel 1913−1997 CDU 1954 1963
7 Helmut Lemke 1907−1990 CDU 1963 1971
8 Gerhard Stoltenberg 1928−2001 CDU 1971 1982
9 Uwe Barschel 1944−1987 CDU 1982 1987
10 Henning Schwarz 1928−1993 CDU 1987 1988
11 Björn Engholm *1939 SPD 1988 1993
12 Heide Simonis *1943 SPD 1993 2005
13 Peter Harry Carstensen *1947 CDU 2005 im Amt

Im Gespräch ist immer wieder eine Fusion zweier oder mehrerer norddeutscher Länder, die auch Schleswig-Holstein einbeziehen würde. So wird insbesondere ein Zusammenschluss der Länder Schleswig-Holstein und Hamburg regelmäßig ins Gespräch gebracht.

Siehe auch: Nordstaat
Partnerschaften des Landes Schleswig-Holstein[36]
Sønderjylland Dänemark 2001
Pays de la Loire Frankreich 1992
Woiwodschaft Pommern Polen 1992
Oblast Kaliningrad Russland 2004
Präfektur Hyōgo Japan 1995/2005
Maryland Vereinigte Staaten 2002

Darüber hinaus betreibt das Land seit 1995 "Schleswig-Holstein-Büros" im Ostseeraum zur Stärkung der traditionell engen Beziehung zwischen den Ländern des Ostseeraums. Schleswig-Holstein-Büros befinden sich in Danzig, Kaliningrad, St. Petersburg, Vilnius, Riga und Tallinn[37].

Howaldtswerke-Deutsche Werft AG in Kiel

Schleswig-Holstein ist traditionell ein strukturschwaches Land mit nur zwei Großstädten, Kiel und Lübeck. Verhältnismäßig viele Einwohner arbeiten weiterhin in der Landwirtschaft. Produzierende Industrie entwickelte sich hier relativ spät und wurde schon früh wieder vom einsetzenden Strukturwandel betroffen. Auch die Wiedervereinigung von 1990, durch die Schleswig-Holstein vom Nehmer- zum Geberland im Länderfinanzausgleich wurde, hatte ökonomisch ungünstige Folgen; der Abbau von Bundeswehr und Marine traf die Wirtschaft des Bundeslandes besonders hart. In ökonomischer Hinsicht lassen sich drei Großräume unterscheiden: das prosperierende Hamburger Umland in der Metropolregion Hamburg, auch „Speckgürtel“ genannt (mit Maschinenbau und Dienstleistungen), die besonders strukturschwache Westküste (Landwirtschaft, Tourismus, Windenergie) und die Hafenstädte an der Ostküste (insbesondere Flensburg, Kiel und Lübeck) mit Handel, Verkehr, Schiffbau und Windenergie.[38]

In den letzten Jahren gewinnt der Seehandel mit Ostseeanrainer wieder an Bedeutung. Eine besondere Rolle spielen dabei die Jütlandlinie und die Vogelfluglinie wie auch der Lübecker Hafen als Wege nach Skandinavien, Finnland, Russland und das Baltikum. Der Lübecker Hafen ist - über 30 Millionen. Tonnen Umschlag im Jahr 2007 - der größte deutsche Hafen an der Ostsee, in Kiel und Hamburg haben die Kreuzfahrtanläufe in den letzten Jahren Rekordhöhen erreicht.

In Schleswig-Holstein sind gut zwei Drittel der gesamten deutschen Fischereiflotte stationiert. Rund ein Viertel der deutschen Reedereien sind im Land angesiedelt; etwa 20 % des deutschen Umsatzes im Schiffbau werden hier erwirtschaftet. Die HDW (Howaldtswerke-Deutsche Werft) in Kiel ist auch international sehr erfolgreich.

Schleswig-Holstein hat an drei Standorten Kernkraftwerke, in Brunsbüttel, Brokdorf und Krümmel. Nur noch das KKW Brokdorf ist aktiv; die beiden anderen wurden nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima (März 2011) ausgeschaltet und bleiben nach einer Änderung des Atomgesetzes ("Atomausstieg") endgültig abgeschaltet. Zur Realisierung einer Energiewende wurde und wird der Ausbau von Offshore-Windparks in Nordsee und Ostsee forciert.

Die GMSH nimmt als AöR die Bauherren- und Planungsaufgaben des Landes Schleswig-Holstein und des Bundes innerhalb Schleswig-Holsteins wahr.

Der Tourismus in Schleswig-Holstein hat eine weit größere Bedeutung als in den meisten anderen Ländern. Im Jahr 2002 erwirtschafteten etwa 80.000 Beschäftigte einen Umsatz von 5,2 Milliarden Euro. Der Beitrag des Tourismus zum Volkseinkommen betrug damit 4,6 % (im Gegensatz zum Bundesschnitt von 2,8 %). Besonders die nordfriesischen Inseln (allen voran Sylt) erfreuen sich großer Beliebtheit bei den – zumeist deutschen – Touristen, doch auch die Ostseebäder (z. B. Grömitz, Timmendorfer Strand, Ostseebad Laboe, Eckernförde oder Glücksburg) sind von Bedeutung.

Im Vergleich mit dem BIP der EU ausgedrückt in Kaufkraftstandards erreicht Schleswig-Holstein einen Index von 104.1 (EU-27:100) (2004).[39]

2010 betrug die Wirtschaftsleistung im Bundesland Schleswig-Holstein gemessen am BIP rund 75,6 Milliarden Euro. Der Schuldenstand belief sich Ende 2010 auf rund 26 Milliarden Euro.

Nach der Anzahl der Mitarbeiter waren 2006 die zehn größten Arbeitgeber in Schleswig-Holstein:

  1. Bundeswehr, ca. 25.700 Mitarbeiter ab 2010
  2. Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Kiel und Lübeck, 10.706 Mitarbeiter
  3. Possehl Gruppe, Lübeck, 7.117 Mitarbeiter
  4. Deutsche Post DHL, Bonn, 7.050 Mitarbeiter
  5. coop eG, Kiel, 6.385 Mitarbeiter
  6. Deutsche Telekom AG, Bonn, 5.637 Mitarbeiter
  7. Drägerwerk AG, Lübeck, 3.488 Mitarbeiter
  8. Deutsche Bahn AG, Berlin, 3.150 Mitarbeiter
  9. Howaldtswerke-Deutsche Werft GmbH, Kiel, 2.974 Mitarbeiter

Das Flächenland Schleswig-Holstein verbindet Deutschland mit Dänemark und damit mit Skandinavien. Die Hauptverkehrsströme laufen dabei entlang der Jütlandlinie (Hamburg–Flensburg–Fredericia–Kopenhagen), der Vogelfluglinie (Hamburg–Lübeck–Puttgarden–Rödby–Kopenhagen), über die Westküstenachse (Hamburg–Itzehoe–Heide–Husum–Sylt/Esbjerg) und in Ost-West-Richtung über den Nord-Ostsee-Kanal (NOK), die Elbe und die Landwege Hamburg-Berlin. Wichtige Knoten stellen die Häfen Kiel und Lübeck sowie im Landverkehr Neumünster dar. Während der landgebundene Verkehr (Straße und Schiene) vor allem in Nord-Süd-Richtung auf Hamburg hin konzentriert verläuft, ist die Hauptachse des Schiffsverkehrs der ost-westlich verlaufene Nord-Ostsee-Kanal. Die Häfen mit dem stärksten Umschlag liegen in Lübeck in Richtung Ostsee und in Brunsbüttel in Richtung Nordsee. Der Flughafen Lübeck-Blankensee gewinnt in jüngerer Zeit Bedeutung als Landeplatz für Niedrigpreisflieger wie Ryanair.

Anteilsmäßig transportierten einzelne Verkehrssysteme im Jahr 2004[40]:

  • Straße: 162,4 Millionen Tonnen (+ 50 % seit 1998)
  • Schiene: 5,7 Millionen Tonnen
  • Schifffahrt:
    • Binnenschifffahrt: 3,8 Millionen Tonnen
    • Nord-Ostsee-Kanal: 80,6 Millionen Tonnen (+ 100 % seit 1998)

Die wichtigsten Autobahnen des Landes gehen von Hamburg aus. Es sind die A 1 nach Lübeck, die weiter über die Vogelfluglinie die Öresundregion Kopenhagen/Malmö anbindet, die A 7 über Neumünster und Rendsburg nach Flensburg mit einem Abzweig nach Kiel, der A 215, und die A 23 nach Heide mit Anschluss nach Husum und den Nordfriesischen Inseln. Die zum Teil noch im Bau befindliche A 20 führt bisher von Lübeck an die Mecklenburg-Vorpommersche Ostseeküste und soll in Zukunft bei Glückstadt die Elbe queren. Die A 24 verbindet die Metropolregion Hamburg mit der Metropolregion Berlin/Brandenburg. Die 18 Kilometer lange A 25 verbindet Geesthacht mit Hamburg.

Schleswig-Holsteins Straßennetz umfasst 498 km Autobahnen, 1.601 km Bundesstraßen, 3.669 km Landesstraßen und 4112 km Kreisstraßen.

Das gut entwickelte Überland-Omnibus-Netz Schleswig-Holsteins wird im Wesentlichen von der Autokraft GmbH betrieben.

Die Eisenbahn hat in Schleswig-Holstein trotz der Tatsache, dass es ein Flächenland ist, eine relativ große Bedeutung für den Tourismus und für Berufspendler in die Zentren Hamburg, Lübeck und Kiel. Ersteres führt dazu, dass einige Strecken – insbesondere die Relation Hamburg–Sylt – im Sommer oft überlastet sind.

Die Hauptstrecken der Eisenbahn beginnen in Hamburg. Von dort führen sie nach Kiel, Lübeck und Flensburg. Auch die Marschbahn beginnt in Hamburg und endet in Westerland auf Sylt. Von Bedeutung war seit den 1960er Jahren die Eisenbahnfähre von Fehmarn nach Lolland im Verlauf der Vogelfluglinie. Seit der Eröffnung der festen Beltquerung in Dänemark ist der Güterverkehr über diese Verbindung zum Erliegen gekommen. Entlang der Westküste verläuft die unelektrifizierte Hauptstrecke Hamburg–Itzehoe–Heide–Husum–Sylt/Esbjerg. Von ihr zweigen in Heide, Husum und Niebüll verschiedene Nebenbahnen ab, die die Fremdenverkehrsorte erschließen:

  • Bahnstrecke Heide–Büsum
  • Bahnstrecke Husum–Bad St. Peter-Ording
  • Bahnstrecke Niebüll–Dagebüll

Eine weitere wichtige Hauptachse ist die Bahnstrecke Hamburg-Altona–Kiel, von der in Neumünster die Bahnstrecke Neumünster–Flensburg abzweigt, die weiter über die Bahnstrecke Flensburg–Fredericia nach Dänemark führt. Diese drei elektrifizierten und weitgehend zweigleisigen Strecken können als Teil der Jütlandlinie gesehen werden.

Die Ostküste wird durch weitgehend eingleisige, unelektrifizierte Strecken erschlossen, von Nord nach Süd sind dies:

  • Bahnstrecke Kiel–Flensburg
  • Bahnstrecke Kiel–Lübeck
  • Bahnstrecke Lübeck–Puttgarden
  • Bahnstrecke Lübeck–Lübeck-Travemünde Strand – seit Dezember 2008 elektrifiziert
  • Bahnstrecke Lübeck–Bad Kleinen

Von Lübeck aus bestehen weiterhin zwei Verbindungen nach Hamburg:

  • Bahnstrecke Lübeck–Lüneburg, mit Umstieg in Büchen auf die Berlin-Hamburger Bahn
  • Bahnstrecke Lübeck–Hamburg

Auf Letzterer gibt es die größte Zahl Bahnreisender in Schleswig-Holstein.

Im nördlichen Teil Schleswig-Holsteins gibt es seit Stilllegung der Bahnstrecke Flensburg–Niebüll in den 1980er Jahren nur noch zwei reine Ostwest-Verbindungen:

  • Bahnstrecke Husum–Kiel
  • Bahnstrecke Neumünster–Heide

Im Hamburger Umland bestehen noch einige Verbindungen der AKN und die Bahnstrecke Neumünster–Bad Oldesloe.

Ferner existieren drei auf den Saison- und Museumsverkehr ausgerichtete Strecken:

  • Bahnstrecke Süderbrarup–Kappeln
  • Kiel-Schönberger Eisenbahn
  • Bahnstrecke Malente-Gremsmühlen–Lütjenburg
  • Bergedorf-Geesthachter Eisenbahn

Wichtigste Eisenbahnunternehmen sind die DB Regio, die AKN und die Nord-Ostsee-Bahn. Darüber hinaus gibt es noch weitere Privatbahnen in Schleswig-Holstein. Bedeutendster der Bahnhöfe Schleswig-Holsteins ist der Lübecker Hauptbahnhof.

Der Regionalverkehr im Land ist vertaktet, sodass auf jeder Strecke mindestens alle zwei Stunden Züge verkehren. Auf den meisten Strecken gibt es einen Stundentakt, teilweise sogar einen Halbstundentakt. Eine Ausnahme bildet die Strecke Niebüll–Dagebüll, die aufgrund des Fährfahrplans nicht vertaktet ist.

Der unvertaktete Fernverkehr ist mit einigen InterCity-Zugpaaren auf der Marschbahn am dichtesten. ICE-Züge erreichen Lübeck und Kiel jeweils über Hamburg und nach Kiel über Neumünster. Seit 2007 fahren auch Diesel-ICE bis Kopenhagen über Lübeck, Oldenburg in Holstein und Puttgarden sowie bis Århus über Neumünster, Rendsburg und Flensburg.

Das Land hat insgesamt 46 öffentliche Häfen und Anlegestellen, von denen vier überregionale Transitfunktionen erfüllen: Kiel, Lübeck/Travemünde und Puttgarden an der Ostsee, Brunsbüttel an der Nordsee. Kiel und Lübeck sind ebenso für den Güterverkehr nach Skandinavien sowie zunehmend nach Osteuropa wichtig. Lübeck-Travemünde und auch Kiel sind zudem wichtige Fähr- und Kreuzfahrerhäfen. Puttgarden ist der deutsche Hafen der Vogelfluglinie nach Dänemark. Brunsbüttel ist ein wichtiger Hafen für Massengüter und entwickelt sich derzeit außerdem zu einer bedeutenden Basis für die Offshore-Windenergieindustrie. Gemessen am Güterumschlag waren 2006 die größten Häfen[40]:

  • Lübeck (einschließlich Lübeck-Travemünde): 30,6 Millionen Tonnen
  • Brunsbüttel: 7,7 Millionen Tonnen
  • Kiel: 5,0 Millionen Tonnen
  • Puttgarden: 3,8 Millionen Tonnen

Der Nord-Ostsee-Kanal ist mit über 41.000 Schiffsbewegungen jährlich die meistgenutzte künstliche Wasserstraße der Welt. Der Schiffsverkehr auf dem Kanal hat sich zwischen 1998 und 2006 knapp verdreifacht.

Karte der Flughäfen und Landeplätze in Schleswig-Holstein und Hamburg

Die beiden größeren zivilen Flughäfen des Landes befinden sich in Kiel und in Lübeck. Während der Kieler Flughafen derzeit keine Linienflüge anbietet, ist der Flughafen Lübeck mit 697.559 Passagieren im Jahr 2009 auch für den Ferntourismus von Bedeutung, da er regelmäßig von sogenannten Billigfluggesellschaften angeflogen wird. Zunehmende Bedeutung erlangte in letzter Zeit der Flughafen Sylt; er wird seit 2005 mehrmals täglich von großen Fluggesellschaften im Liniendienst angeflogen und hatte 2009 ein Passagieraufkommen von 157.000. Der Flugplatz in Uetersen gewinnt ebenfalls weiter an Bedeutung: Der Personenverkehr wächst stetig an und auch die landenden Flugzeuge werden immer größer. Es gibt zudem kleinere Flugplätze, u. a. bei Flensburg und Hartenholm. Sonderlandeplätze befinden sich auf den Inseln Helgoland und Fehmarn. Der weitaus wichtigste Verkehrsflughafen für das Land ist jedoch der Flughafen Hamburg, nur wenige Kilometer südlich der Landesgrenze gelegen.

Schleswig-Holstein verfügt über drei Universitäten, wobei aber nur die traditionsreiche, 1665 gegründete Christian-Albrechts-Universität zu Kiel eine Volluniversität ist. Daneben ist in Lübeck eine Universität mit medizinischer und technisch-naturwissenschaftlicher Fakultät und in Flensburg eine Universität, die aus der pädagogischen Hochschule hervorgegangen ist. Ferner gibt es im Land eine Kunsthochschule, eine Musikhochschule in Lübeck, vier Fachhochschulen (Kiel, Lübeck, Flensburg und Heide) und eine Verwaltungsfachhochschule. Darüber hinaus gibt es in Schleswig-Holstein drei private Hochschulen (Elmshorn, Pinneberg und Wedel). Insgesamt studierten im Wintersemester 2003/2004 in Schleswig-Holstein 45.542 Personen, davon 26.510 an Universitäten und 16.973 an Fachhochschulen.

Im Schuljahr 2007/2008 besuchten 36 % der 335.473 Schüler an allgemeinbildenden Schulen eine Grundschule, 25 % ein Gymnasium, 18 % eine Realschule, 11 % eine Hauptschule, 6 % eine Gesamtschule und 3 % eine Sonderschule. Weiterhin gibt es freie Waldorfschulen (1 % der Schüler) und Abendgymnasien (0,1 %).[41]

Eine Besonderheit an der schleswig-holsteinischen Bildungslandschaft sind die insgesamt 48 dänischen Schulen im Landesteil Schleswig, die vom Dänischen Schulverein für Südschleswig getragen werden. Die hier erworbenen zweisprachigen Schulabschlüsse werden ohne Weiteres in Deutschland als auch in Dänemark anerkannt.

Die Universitäten des Landes bilden mit der Wissenserzeugung und -vermittlung ein starkes Rückgrat des Forschungssystems in Schleswig-Holstein, das durch zahlreiche außeruniversitäre Forschungsinstitute ergänzt wird. Forschung auf anerkannt hohem und internationalem Niveau wird in Schleswig-Holstein in Bereichen wie Meeresforschung, Biomedizin und Medizintechnik sowie in den Natur- und Ingenieurwissenschaften betrieben. Außeruniversitäre Forschungsinstitute spannen dabei den Bogen von der Grundlagenforschung zum Anwendungsbezug bis hin zum Wissens- und Technologietransfer. Die Forschungsinstitute gehören mehrheitlich den großen nationalen Forschungsorganisationen wie Max-Planck-Gesellschaft, Leibniz-Gemeinschaft und Fraunhofer-Gesellschaft an. Zwei der schleswig-holsteinischen außeruniversitären Forschungseinrichtungen sind Teil der größten deutschen Wissenschaftsorganisation, der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren: Die Biologische Anstalt Helgoland (Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung) und das GKSS-Forschungszentrum Geesthacht im Kreis Herzogtum Lauenburg.

Die Kultur Schleswig-Holsteins ist – bedingt nicht zuletzt durch die dänischen und friesischen Einflüsse – recht vielfältig. Sie ist geprägt von historisch-geografischen Faktoren wie der Lage zwischen den beiden Meeren Nordsee und Ostsee sowie der primär bäuerlichen Kultur. Besonders im Norden des Landes ist der skandinavische Einfluss in der Architektur und Wohnkultur erkennbar. Schwerpunkte des kulturellen Lebens sind die Städte Lübeck und Schleswig.

Schleswig-Holstein ist ein Land mit reicher literarischer Tradition. Dafür stehen Namen wie Johann Heinrich Voß, Matthias Claudius, Friedrich Hebbel, Theodor Storm, Klaus Groth sowie Heinrich und Thomas Mann. Letzterer hat mit seinem Roman „Die Buddenbrooks“ der Stadt Lübeck zu literarischem Weltruhm verholfen. Auch zahlreiche zeitgenössische schleswig-holsteinische Autoren haben deutsche Literaturgeschichte geschrieben. Dazu gehören der Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass (wohnhaft im Kreis Herzogtum Lauenburg), der schleswig-holsteinische Ehrenbürger Siegfried Lenz (wohnhaft bei Rendsburg), der Schriftsteller Günter Kunert oder die Dichterin Sarah Kirsch.

In musikalischer Hinsicht beheimatet das Land mit dem 1986 von Justus Frantz gegründeten Schleswig-Holstein Musik Festival das größte Klassikfestival Europas. Es präsentiert alljährlich im Juli und August ca. 130 Konzerte vor über 100.000 Besuchern, verteilt auf 30–50 Spielstätten im ganzen Land. Daneben findet im Rahmen der Orchesterakademie im Landeskulturzentrum Salzau, der Meisterkurse an der Musikhochschule Lübeck sowie der Chorakademie eine international renommierte Nachwuchsförderung von Hochbegabten aus aller Welt statt. Jedes Jahr gestaltet das Festival einen thematischen Schwerpunkt, in den letzten Jahren waren dies spanische und lateinamerikanische Musik (2002), Großbritannien (2003), Tschechien (2004), Japan (2005) und Niederlande (2006).

Die Eutiner Festspiele (Oper im Schlossgarten) wurden 1951 aus Anlass des 125. Todestages des in Eutin geborenen Komponisten Carl Maria von Weber gegründet. Ausgehend von Aufführungen der Weber-Oper „Der Freischütz“ hat sich eine Veranstaltungsreihe (pro Jahr drei Opern in 22–25 Aufführungen im Eutiner Schlosspark) entwickelt, die jährlich fast 50.000 Besucher nach Ostholstein zieht.

International bekannt ist das alljährliche Wacken Open Air-Festival, das weltgrößte Festival der Heavy-Metal-Szene. Seit 1989 findet in Eutin um Pfingsten ein Bluesfest statt, das von bis zu 15.000 Bluesliebhabern besucht wird.

Schleswig Holstein besitzt – neben einer Vielzahl kleinerer Bühnen – drei große Mehrspartentheater: das Theater Lübeck, das Theater Kiel sowie das Schleswig-Holsteinische Landestheater mit Sitz in Schleswig.

Mit großer Beliebtheit findet in Hohenwestedt das seit 1998 ins Leben gerufene „Mittelalterlich Spectaculum“ statt. Jedes Jahr zu Pfingsten wird dem Besucher ein dreitägiges Spektakel samt Markt und Ritterturnier geboten. Die Atmosphäre im buchenbestandenen Park Wilhelmshöhe unterstützt den mittelalterlichen Flair der Veranstaltung.

Das Spektrum der rund 250 schleswig-holsteinischen Museen ist breit gefächert: Es reicht von den zentralen Landesmuseen der Stiftung Schloss Gottorf über die historischen Schlösser und großen Häuser in den Städten bis hin zu einer Vielzahl sehenswerter Heimatmuseen, die lebensnah Vergangenheit und Eigenheit von Land und Leuten vermitteln.

Einen guten und fundierten Überblick über das Leben, den Alltag, die Sprache, Trachten und Bräuche der Inselfriesen gewährt das Carl-Haeberlin-Friesenmuseum in Wyk auf Föhr.

Die Nordischen Filmtage in Lübeck schließlich sind eines der traditionsreichsten und größten norddeutschen Filmfestivals überhaupt. Sie sind ausschließlich dem Kino des Nordens gewidmet; zu sehen sind Produktionen aus Dänemark, Schweden, Norwegen, Island und Finnland sowie Estland, Lettland und Litauen.

Siehe auch: Liste historischer Orte in Schleswig-Holstein, Liste schleswig-holsteinischer Komponisten klassischer Musik

Durch die langen Küsten ist der Wassersport ebenso populär wie das Angeln, vor allem aber ist Kiel eine der Weltmetropolen des Segelns, anerkannt durch die Segelwettbewerbe der Olympischen Sommerspiele 1936 und 1972. Mit der Kieler Woche und der Travemünder Woche ist das Land Ausrichter zweier der größten und traditionsreichsten Segelwettbewerbe der Welt. Auf der Flensburger Förde tragen die Segler traditionell während der herbstlichen Förde Woche die letzten Segelwettkämpfe des Jahres aus. Höhepunkt sind die Wettfahrten um des Blauen Bands und das Blaugelbe Band (Förde). Die älteste Regatta des Landes dürfte die Aalregatta sein, die lange Zeit als Eröffnungsregatta in die Kieler Woche integriert war. Insgesamt sind im Land in 230 Vereinen etwa 32.000 Segler organisiert. Sylt und Fehmarn sind das Mekka vieler Surfer, außerdem lädt das Land zum Wandern und Rad fahren ein. In der Ruder-Stadt Ratzeburg befinden sich ein Bundesleistungszentrum und der Olympiastützpunkt, an dem viele erfolgreiche mannschaften regelmäßig trainieren. Unter anderem wurde der erfolgreiche Deutschlandachter von 1960 und 1968 in Ratzeburg gebildet. Seit einigen Jahren hat sich des Weiteren Kitesurfen an Ost- und Westküste etabliert. St. Peter-Ording wurde dabei zum meistgewählten Strand für Wettbewerbe.

Schleswig-Holstein beheimatet zwei Handballvereine, die regelmäßig an der Spitze der Bundesliga, des europäischen und des Welthandballs spielen: den THW Kiel und die SG Flensburg-Handewitt. Diesen Anspruch konnten sie im Jahr 2007 mit einem rein schleswig-holsteinischen Champions-League-Finale untermauern, das die Kieler „Zebras“ gegen den Rivalen von der dänischen Grenze für sich entscheiden konnten. Bundesligisten im Handball waren zeitweise auch der VfL Bad Schwartau, TSB Flensburg, die SG Weiche-Handewitt und der TSV Altenholz; der Handewitter SV aus der ehemaligen Spielgemeinschaft Weiche-Handewitt bildet jetzt zusammen mit dem TSB Flensburg die SG Flensburg-Handewitt.

Bundesweit bekannt sind die Traditionsvereine VfB Lübeck (Regionalliga Nord, Stadion an der Lohmühle) und Holstein Kiel, (Regionalliga Nord, Holstein-Stadion), der 1912 Deutscher Fußballmeister war.

Schleswig-Holstein ist das einzige westdeutsche Land, das nie durch einen Verein in der Fußball-Bundesliga vertreten war. Vor Gründung der 1. Liga 1963 spielten Holstein Kiel (1947–1963) und der VfB Lübeck (1947–1950, 1952–1954, 1957/58, 1959–1961 und 1962/63) in der Oberliga Nord, der damals höchsten Spielklasse. Neben den beiden spielten außerdem der Itzehoer SV (1950/51), der Heider SV (1956/57 und 1960/61), der VfR Neumünster (1955–1963) und der 1. FC Phönix Lübeck (1957–1960) in der Oberliga und zuvor waren insgesamt 14 Clubs in der Gauliga Nordmark und Gauliga Schleswig-Holstein erstklassig. Der TSV Uetersen wurde 1950 Meister der drittklassigen Hamburger Germania-Staffel und stieg in die Hamburger Amateurliga auf, deren Meistertitel 1956/57 errungen wurde. Der VfB Lübeck stieg jeweils 1995 und 2002 für kurze Zeit in die Zweite Bundesliga auf und erreichte 2004 das Halbfinale des DFB-Pokals.

Mit den Kiel Baltic Hurricanes des ASC Kiel hat Schleswig-Holstein auch einen Erstligisten im American Football. Die Mannschaft spielt in der GFL, der höchsten nationalen Liga. Am 9. Oktober 2010 standen die Hurricanes gegen die Berlin Adler im Endspiel (German Bowl), welches sie mit 17:10 gewannen. Weiterhin spielt mit den Lübeck Cougars ein Verein in der 2. Bundesliga, der GFL2.

Beim VfB Lübeck wird neben Fuß- und Handball auch Tischtennis gespielt, sowohl Damen als auch Herren waren lange Zeit in der Bundesliga vertreten, die Herren gewannen sogar 1x den Europapokal (ETTU-Cup).

Unter dem Dach des VfB Lübeck wird ebenfalls sehr erfolgreich Badminton gespielt, dort befindet sich sogar ein Bundesnachwuchsstützpunkt.

Lübeck, Kiel und Flensburg sind historisch traditionsreiche Stätten des Boxsports.

Mitgliedsstärkster Sportverein im Landessportverband Schleswig-Holstein ist der VfL Pinneberg.

An der Westküste in Nordfriesland und Dithmarschen ist das Boßeln heute noch recht populär.

In Timmendorfer Strand wird seit Ende der 1980er Jahre Eishockey gespielt. Der Verein, der seinen Höhepunkt Anfang der 1990er Jahre hatte, ist momentan der einzige aktive Verein in Schleswig-Holstein.

  • Schleswig-Holstein Musik Festival
  • Schleswig-Holstein-Tag
  • Kieler Woche
  • Travemünder Woche
  • Windsurf World Cup Sylt in Westerland auf Sylt
  • Nordische Filmtage Lübeck
  • Karl-May-Spiele Bad Segeberg
  • Wacken Open Air
  • NORLA (Landwirtschaftsmesse in Rendsburg)
  • Beachvolleyball-Meisterschaft (Deutschland) in Timmendorfer Strand
  • Glückstädter Matjeswochen in Glückstadt / Elbe
  • Kappelner Heringstage in Kappeln

Fünf Personen sind Ehrenbürger von Schleswig-Holstein:

  • Helmut Schmidt, 1998, früherer deutscher Bundeskanzler, MdB,
  • Uwe Ronneburger, 2000, früherer stv. Bundesvorsitzender und schleswig-holsteinischer Landesvorsitzender der FDP, MdB,
  • Gerhard Stoltenberg, postum 2002, früherer Ministerpräsident von Schleswig-Holstein und früherer Bundesminister der Verteidigung und der Finanzen, MdB,
  • Siegfried Lenz, 2004, bekannter deutscher Autor (viele seiner Geschichten spielen in Schleswig-Holstein), der einen Teil des Jahres in Tetenhusen bei Rendsburg lebt, und
  • Armin Mueller-Stahl, 2010, Schauspieler, der in Schleswig-Holstein lebt und sich für die Musikhochschule Lübeck und verschiedene Schleswig-Holsteiner Museen engagiert [42].
Siehe auch: Liste der Ehrenbürger Schleswig-Holsteins und Liste der Persönlichkeiten (Schleswig-Holstein)
  • Landespolizei Schleswig-Holstein
  • Liste der Wappen in Schleswig-Holstein
  • Volker Griese: Schleswig-Holstein. Denkwürdigkeiten der Geschichte. Historische Miniaturen, Norderstedt 2012, ISBN 3-978-3-8448-1283-1
  • Gregor Gumpert und Ewald Tucai (Hrsg.): Schleswig-Holstein. Ein literarisches Porträt, Wachholtz, Neumünster 2010, ISBN 3-529-06122-0
  • Bartholomäus Figatowski (Hrsg.): Wenn die Biiken brennen. Phantastische Geschichten aus Schleswig-Holstein, Verlag 71, Plön 2009, ISBN 978-3-928905-76-3
  • Bernd Hoefer: Gesetze des Landes Schleswig-Holstein 3. Auflage 2009, ISBN 978-3-936773-47-7
  • Eckardt Opitz: Schleswig-Holstein. Das Land und seine Geschichte – in Bildern, Texten und Dokumenten, Ellert & Richter, Hamburg 2008, ISBN 978-3-8319-0084-8
  • Robert Bohn: Geschichte Schleswig-Holsteins, München 2006: C. H. Beck. ISBN 978-3-406-50891-2
  • Klaus-Joachim Lorenzen-Schmidt, Ortwin Pelc (Hrsg.): Das neue Schleswig-Holstein Lexikon, Wachholtz. Neumünster 2006, 2. Auflage. ISBN 3-529-02441-4
  • Hanswilhelm Haefs: Ortsnamen und Ortsgeschichten in Schleswig-Holstein, Norderstedt 2004. ISBN 3-8334-0509-0
  • Ulrich Lange (Hrsg.): Geschichte Schleswig-Holsteins, Wachholtz, Neumünster 2003, ISBN 3-529-02440-6
  • Jann Markus Witt, Heiko Vosgerau (Hrsg.): Schleswig-Holstein von den Ursprüngen bis zur Gegenwart. Eine Landesgeschichte, Hamburg 2002: Convent. ISBN 3-934613-39-X
  • Uwe Carstens: Parteiendemokratie in Schleswig-Holstein, in: „Demokratie in Schleswig-Holstein. Historische Aspekte und aktuelle Fragen“, hrsg. von Göttrik Wewer, Opladen 1998, ISBN 3-8100-2028-1
  • Uwe Carstens: Das Flüchtlingsproblem in Schleswig-Holstein, Veröffentlichung des Schleswig-Holsteinischen Landesarchivs, Schleswig 1997, ISBN 3-931292-51-7
  • Otto Brandt und Wilhelm Klüver: Geschichte Schleswig-Holsteins, Mühlau, Kiel 1981, 8. Auflage
  • Hippolyt Haas, Hermann Krumm u. Fritz Stoltenberg: Schleswig-Holstein meerumschlungen in Wort und Bild, Kiel 1896
  • Johann Friedrich Camerer, Vermischte historisch-politische Nachrichten in Briefen von einigen merkwürdigen Gegenden der Herzogthümer Schleßwig und Hollstein, ihrer natürlichen Geschichte und andern seltenen Alterthümern (Flensburg und Leipzig 1758–1762) (Inseln, Westküste, Nordmarsch, Uetersen mit Kloster, Eiderstedt, Stapelholm, nordische Geschichte, Sylt, Tondern sowie Grafschaft Rantzau, Rellingen, Seestermühe, Ulzburg, Leezen, Oldeslohe und Helgoland)
  • Johann Friedrich Camerer, Sechs Schreiben von einigen Merkwürdigkeiten der Holsteinischen Gegenden (Leipzig, Meissner 1756) Vor- und Frühgeschichte Sylt, Schleswig, Rendsburg, Husum und Umgebung, Belagerung der Festung Rendsburg, Grabhügel bei Ostenfeld
  1. Standarddänisch, Sydslesvigdansk und Sønderjysk
  2. Dänische Minderheit: ca. 50.000, dänische Staatsbürger: ca. 7000, Deutsche, die nicht zur dänischen Minderheit zählen (grenznahe Orte; Sprache erlernt in Schulen, Volkshochschulen, Hochschulen): mehrere Tausend
  3. Dies sind die offiziell anerkannten Sprachen, daneben traditionell auch Jiddisch, Petuh, Missingsch sowie die Sprachen der neuen Minderheiten wie vor allem Türkisch (rund 40.000, davon rund 13.000 mit deutscher Staatsangehörigkeit); Belege für die Zahlenangaben unter Sprachen und Dialekte in Schleswig-Holstein
  4. Statistikamt Nord: Bevölkerung am Monatsende insgesamt in Schleswig-Holstein
  5. Arbeitslosenquoten im März 2012 – Länder und Kreise. In: arbeitsagentur.de. Bundesagentur für Arbeit, abgerufen am 29. März 2012.
  6. Statistikamt Nord: Öffentliche Finanzen
  7. Die Einteilung in Landschaften beruht auf: Bundesrepublik Deutschland, 1:1.000.000, Landschaften – Namen und Abgrenzungen, bearbeitet und herausgegeben vom Institut für angewandte Geodäsie 1985, 2. Auflage 1994, im Internet wiedergegeben im Genealogienetz
  8. InfoNet-Umwelt Schleswig-Holstein: Umweltbericht des Landes Schleswig-Holstein: Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe
  9. Meyers Neues Lexikon (Mannheim 1979) und Meyers Enzyklopädisches Lexikon (Mannheim 1975) definieren die Jüten als nordgermanisch, während der Atlas zur Universalgeschichte von Oldenbourg/Westermann die Jüten als westgermanisch beschreibt; Brockhaus (Mannheim 2006), die Encyclopædia Britannica (Chicago 2005), das Duden-Lexikon (1980), das dtv-Lexikon (München 1971) und Meyers Lexikon online beschreiben die Jüten allgemeiner als germanischen Stamm in Jütland
  10. Geschichte des Landes Schleswig-Holstein
  11. J. Habich, D. Lafrenz, H. Schulze, L. Wilde: Schlösser und Gutsanlagen in Schleswig-Holstein, Seite 19. L&H Verlag, Hamburg 1998.
  12. Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte: Der Dreißigjährige Krieg
  13. Troels Fink: Geschichte des schleswigschen Grenzlandes. Munksgaard, København 1958. Seite 178
  14. Troels Fink: Geschichte des schleswigschen Grenzlandes. Munksgaard, København 1958. Seite 192 ff.
  15. Uwe Danker, Astrid Schwabe: Schleswig-Holstein und der Nationalsozialismus, Neumünster 2005, Seite 38
  16. Uwe Danker, Astrid Schwabe: Schleswig-Holstein und der Nationalsozialismus, Neumünster 2005, Seite 104–107
  17. Uwe Danker, Astrid Schwabe: Schleswig-Holstein und der Nationalsozialismus, Neumünster 2005, Seite 139
  18. Uwe Danker, Astrid Schwabe: Schleswig-Holstein und der Nationalsozialismus, Neumünster 2005, Seite 114
  19. Uwe Danker, Astrid Schwabe: Schleswig-Holstein und der Nationalsozialismus, Neumünster 2005, Seite 152/153
  20. Uwe Danker, Astrid Schwabe: Schleswig-Holstein und der Nationalsozialismus, Neumünster 2005, Seite 175–178
  21. Uwe Danker, Astrid Schwabe: Schleswig-Holstein und der Nationalsozialismus, Neumünster 2005, Seite 181
  22. http://www.otto-schmidt.de/news_17733.html
  23. In Schleswig-Holstein gibt es auch weitere partielle Amtssprachen (Niederdeutsch, Dänisch, Nordfriesisch); unter der juristischen Auslegung des Begriffes Deutsche Sprache als Oberbegriff ist die Niederdeutsche Sprache ebenfalls eine generelle Amtssprache
  24. Siehe dazu Sprachen und Dialekte in Schleswig-Holstein, Abschnitt: rechtliches Verhältnis zwischen Hoch- und Niederdeutsch
  25. In acht jüdischen Gemeinden; Informationen zur politischen Bildung, Heft 307: Jüdisches Leben in Deutschland, Seite 69, 2/2010
  26. http://www.ekd.de/download/kirchenmitglieder_2007.pdf
  27. epd: „Nordkirche“: Nordelbische Synode für Fusionsverhandlungen
  28. Religionen in Deutschland: Mitgliederzahlen
  29. Willkommen bei den Altkatholiken auf Nordstrand. Alt-Katholische Pfarrgemeinde Nordstrand, abgerufen am 2. Februar 2012.
  30. Christuskirche Uetersen: Die Geschichte der Christuskirche
  31. ZWST: Mitgliederstatistik der jüdischen Gemeinden und Landesverbände in Deutschland für das Jahr 2008 (Auszug)
  32. Schleswig-Holstein: Landesverfassungsgericht
  33. § 3 Abs. 1 Satz 2
  34. FAZ: Schwarz-gelbe Mehrheit in Kiel schrumpft 31. Dezember 2009
  35. Beendigung der Wahlperiode durch den Ministerpräsidenten
  36. Partnerregionen des Landes Schleswig-Holstein auf den Seiten des Landesregierung
  37. Übersicht der "Schleswig-Holstein-Büros"
  38. zeit.de: Schleswig-Holstein setzt voll auf den Ausbau von Windkraft. Die Branche freut's, aber die Bürger sind entrüstet. An vielen Orten rebellieren sie.
  39. Eurostat News Release 23/2007: [1], PDF-Datei
  40. a b Bericht der Landesregierung Schleswig-Holstein „Logistikkonzept für Schleswig-Holstein“, Landtagsdrucksache 16/1406 als PDF-Datei
  41. Statistische Berichte des Statistisches Amtes für Hamburg und Schleswig-Holstein Die allgemeinbildenden Schulen in Schleswig-Holstein – Mehrjährige Übersichten der Schuljahre 1998/99 bis 2007/2008 – – Eckdaten nach Kreisen im Schuljahr 2007/2008 (abgerufen am 6. Aug. 2009)
  42. Schleswig-Holstein Kulturportal

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Software

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Software (Begriffsklärung) aufgeführt.

Software ['s?f(t)w??] (dt. = weiche Ware [von] soft = leicht veränderbare Komponenten [...], Komplement zu 'Hardware' für die physischen Komponenten)[1] ist ein Sammelbegriff für ausführbare Programme und die zugehörigen Daten.[2] Sie dient dazu, Aufgaben zu erledigen, indem sie von einem Prozessor ausgewertet wird und so softwaregesteuerte Geräte in ihrer Arbeit beeinflusst.[3]

In diesem Sinne wurde der Begriff erstmals 1958 von John W. Tukey benutzt.[4] Durch das softwaregesteuerte Arbeitsprinzip kann eine starre Hardware individuell arbeiten.[3] Es wird heutzutage nicht nur in klassischen Computern angewendet, sondern auch in vielen anderen Systemen, wie beispielsweise in Waschmaschinen, Handys, Navigationssystemen und modernen Fernsehgeräten.

Inhaltsverzeichnis

Als Terminus wird 'Software' in zwei typischen Entgegensetzungen gebraucht:

Eine uneingeschränkte Definition beschreibt Software als 'Gegenstück zu Hardware', wobei Software hier jede Art von digitalen Daten umfasst, die auf einer Hardware gespeichert sein können,[5] von der Firmware (z. B. dem BIOS), dem Betriebssystem, den Anwendungsprogrammen bis hin zu allen (möglichen) Dateien eines softwaregesteuerten Gerätes.

Die physischen Bestandteile eines Computersystems (die Geräte selbst, zuzüglich Kabel, etc.) werden unter dem Begriff 'Hardware' zusammengefasst. Ein Datenträger ist Teil der Hardware. Auf ihm wird Software zu Informationszwecken gespeichert. Sie ist dafür gedacht, von einem Prozessor interpretiert zu werden: Sie beschreibt in Form von Anweisungen, was der Prozessor tun soll (z. B. "x + y") und konkretisiert darüber hinaus den genauen Verlauf der Abarbeitung anhand weiterer Daten (z. B. "5 + 3"). In diesem vollen Umfang wird Software von einem Prozessor interpretiert, weshalb in der Veranschaulichung von Software als Gegenstück zur Hardware der Programmcode und die zur Verarbeitung bestimmten Daten zusammen als Software betrachtet werden.

Je nach Zusammenhang ist bei der Entgegensetzung eine oder mehrere der folgenden Bedeutungen gemeint:

  • Leicht veränderbare Komponente (Software) vs. schwer veränderbare Komponente (Hardware) in einem Computerdesign[1]
  • Universelle Maschine (Hardware) vs. Instruktionskode (Software)
  • Nicht-greifbar im Sinne von Funktionsbestandteilen eines Computersystems, die sich „nicht anfassen lassen[6] (Software) im Gegensatz zu den greifbaren Komponenten (Hardware). Software ließe sich über eine Telefonleitung übertragen, Hardware dagegen nicht.

Die Gegensätze sind in der englischsprachigen Begriffprägung (soft=weich, hard=hart) beabsichtigt.

Im allgemeinen Sprachgebrauch und in der Literatur zu Softwaretechnik wird die Definition von 'Software' eingeschränkt auf Computerprogramme und die mit ihnen eng verbundenen Ressourcen, wie z. B. Konfigurationsdaten neben Icons und Schriftarten, die zum Betrieb notwendig sind.[7] Die zur Verarbeitung bestimmten Daten (z. B. digitalisierte Musikstücke) werden hier meist nicht als Software verstanden.[8] Nach dieser Definition wird Software auch als Softwaresystem oder Softwareprodukt bezeichnet,[9] das als Beiwerk zusätzlich Bestandteile wie z. B. die Softwaredokumentation in der digitalen oder gedruckten Form eines Handbuchs enthalten kann.[10]

Auch die Begriffe Programm und Daten können einander entgegensetzt gebraucht werden, wobei 'Programm' dann die Funktion des Programms im Sinne als ausführende Instanz meint, 'Daten' das Bearbeitete.

Diese Rollen können ggfls. je nach Lage der Dinge vertauscht werden. Ein Quellprogramm, das von einem Übersetzer in ein Maschinenprogramm umgewandelt wird, tritt wie das erzeugte Binärprogramm als Daten auf. Ähnlich wie Hardware ein (als Daten aufgefasstes) Binärprogramm in dessen Funktion (Aktivität) umwandelt, kann dies auch ein Interpreter mit einem Quellprogramm oder ein Emulator mit dem Binärprogramm.

Dieser Zusammenhang, dass ein Programm sowohl als Daten als auch als Funktion auftreten kann, ist zentral in verschieden Disziplinen der Informatik, darunter die theoretische Informatik (u. a. Rekursionstheorie, Automatentheorie, Domaintheorie), und die technische Informatik (z. B. Von-Neumann-Architektur).

In den 1950er Jahren waren Software und Hardware noch verbunden und als Einheit wahrgenommen. Die Software war dabei Teil der Hardware und wurde als Programmcode bezeichnet. 1958 prägte der Statistiker John W. Tukey den Begriff Software erstmalig.[4]

Später sorgte dann die Entscheidung der US-Regierung in den 1970er Jahren für eine Neuheit, dass IBM auf Rechnungen Software und Hardware getrennt zu berechnen und aufzuführen habe. Dies entsprach einer Anerkennung der Einzelhaftigkeit von Software von offizieller Seite und einer endgültigen Aufspaltung von Hardware und Software bzw. einer Abgrenzung der Software von der Hardware.

Dieser Entwicklung folgte dann in den 1970er Jahren die Gründung von Firmen, die erstmalig nur mit Software handelten und nur Software und keine Hardware entwickelten. Zu diesen Firmen gehörte in den USA Microsoft und in Deutschland SAP. Die Existenz solcher Firmen erscheint im 21. Jahrhundert als Selbstverständlichkeit, stellte damals jedoch eine erhebliche Neuentwicklung dar.

Der logische Übergang zwischen Hard- und Software lässt sich an den ersten Spielhallenspielen verdeutlichen, wie das Spiel Breakout. Einstmals bestand deren komplettes Programm (der Ablauf, die Logik) bildlich gesehen aus „vorverdrahteten Schalttafeln“.[11] Sie verwendeten keinen Prozessor. Erst später, als solche Spiele für Computer programmiert wurden, und man anfing bei prozessorgesteuerten Geräten zwischen den Begriffen 'Hardware' und 'Software' zu unterscheiden, gab es diese Spiele als Software. Das Spiel bestand nicht mehr aus „vorverdrahteten Schalttafeln“, sondern aus Anweisungen für einen Prozessor inklusive der für die Abarbeitung notwendigen weiteren Informationen, die gemeinsam auf einem Datenträger hinterlegt wurden.

Software ist immateriell[6] und besteht aus den Sprachen und Notationen, in denen sie formuliert ist.[3] Software kann zwar auf bestimmten Medien gespeichert, gedruckt, angezeigt oder transportiert werden. Diese sind aber nicht die Software, sondern enthalten sie nur.

Auch physisch gesehen können sogar die Bits, die die Software abbilden, immateriell sein. So weisen Datenträger als der Teil der Hardware eine bestimmte Beschaffenheit auf. In einem für Computer üblichen Binärsystem manifestiert sich die gemeinte Beschaffenheit in Form von gesetzten oder gelöschten Bits (den digitalen Daten), die darauf gespeichert werden. Elektronisch gesetzte Bits haben für sich keine Substanz und lassen sich somit „nicht anfassen“. Zur Veranschaulichung lässt sich ein Computer vorstellen, auf dem eine andere Variante des Betriebssystems installiert wird. Dafür muss die Hardware nicht erweitert oder ausgetauscht werden, was bedeutet, dass das Gerät äußerlich unverändert wirkt. Tatsächlich wird nur die Eigenschaft der Datenträger verändert; es werden Bits elektronisch gesetzt beziehungsweise gelöscht. Dennoch arbeitet das System dank der aktualisierten Software anders als zuvor, weil die gesetzten (geänderten) Eigenschaften vom Prozessor interpretiert werden.

Es ist zwar vorstellbar, Bits sichtbar und greifbar auf einem Trägermedium zu hinterlegen, doch grundsätzlich ist 'Software' ein abstrakter, von Trägermedien unabhängiger Begriff. Das trifft für den Gattungsbegriff ohnehin zu, aber auch für konkrete Ausprägungen wie ein bestimmtes Anwendungsprogramm.[12] Als Analogie dazu ist es für den Begriff 'Oper' oder 'Zauberflöte' nicht begriffsbestimmend, ob sie im Theater aufgeführt, über Radio/TV übertragen oder als CD verkauft oder gehört wird, ob sie im Opernführer beschrieben oder in der Partitur aufgezeichnet ist.

Innerhalb der Softwaretechnik wird eine einheitliche solide, konsistente und systematische Begriffsbildung durch eine hohe Innovationsgeschwindigkeit und Praxisnähe behindert.[13] So wird je nach gegebenem Zusammenhang unter 'Software' Unterschiedliches verstanden, zum Beispiel:

  • Im Zusammenhang mit der Ausführung auf einem Computer wird unter Software primär alles verstanden, was auf dem Rechner ausgeführt werden kann (das Programm im engeren Sinn, bestehend aus Befehlen und Datendefinitionen). Hinzu kommen die „mit [den Programmen] eng verbundenen Ressourcen, die zum Betrieb der Software zwingend erforderlich sind“.[14] Dies sind zum Beispiel Konfigurationsdateien, Schriftart-Dateien, Lookup-Tabellen, Datenstrukturen für Datenbanken und Datenbestände.
  • In engstem Sinn wäre unter 'Software' nur von der Hardware ausführbarer Maschinencode zu verstehen. Jedoch fällt darunter auch alles, was durch beliebige 'interpretierende Systeme', die Teil der Systemsoftware sind, ausgeführt werden kann, wie das bei Verwendung höherer Programmiersprachen und Entwicklungsumgebungen nahezu immer der Fall ist.[3]
  • Weiterhin können mit 'Software' unterschiedliche Mengen gemeint sein: Im engeren Sinn ist einzelnes Programm 'Software'. Jedoch wird etwa eine aus einer Vielzahl von Einzelprogrammen bestehende Buchhaltungsanwendung ebenfalls 'Software' genannt. Ebenso ein (nicht selbstständig lauffähiges) Unterprogramm, alle Anwendungen eines Unternehmens als Gesamtheit, die zum Betrieb der Programme gehörenden Daten(bank)strukturen und die verschiedensten Komponenten der Systemsoftware inkl. dem Betriebssystem.[15]
  • Im Zusammenhang mit dem Urheberrechtsschutz für Software gilt i. d. R. der 'Quellcode' als Schutzgegenstand.[16]
  • Im Kontext Erwerb von Software (als 'Softwareprodukt') gehört auch die Dokumentation zur 'Software'.[17]
  • Im weitesten Sinn und aus der Entstehungsgeschichte abgeleitet, ist Software alles, was nicht Hardware ist.[3] In diesem Zusammenhang gilt zum Beispiel auch jede Form von Daten als Software.

Der Begriff 'Software' wird also sowohl für konkrete einzelne Aspekte benutzt, als Gattungsbegriff für unterschiedliche Arten von Software und als Sammelbegriff für beliebige Mengen.

Software kann aus vielen unterschiedlichen Gesichtspunkten betrachtet werden, zum Beispiel:

Softwar: Typisierung, Zusammenhänge, Überblick

„Zwischen Hard- und Software besteht eine gewisse Aufgabenverteilung: Die Hardware garantiert [...] Quantität, also Tempo und Speicherkapazität, die Software sorgt für [...] die Abbildung der Anforderungen [...] auf die strukturell primitive Hardware“.[3]

Obwohl dem Begriff 'Software' teilweise Attribute wie Flexibilität, Individualität, Leistungsfähigkeit etc. zugeschrieben werden, wird letztlich alles, was der Computer 'tatsächlich tut', nicht von der Software, sondern ausschließlich durch die Hardware ausgeführt. Software 'beschreibt' lediglich, was getan werden soll und in welcher Form dies geschieht.

Dazu wird auf unterster Ebene der Maschinencode der Software über das Betriebssystem (d. h. ebenfalls durch dessen Maschienbefehle) in den Hauptspeicher des Computers geladen und dem Rechenwerk Schritt für Schritt (siehe Befehlszähler) zur Ausführung zugeführt.

Der Maschinencode muss hierzu in einer Form/Struktur vorliegen, die von der Hardware über deren darin implementierte Schnittstelle interpretiert und ausgeführt werden kann.[18] Inhalt und Struktur der Befehle zeigen an, was zu tun ist, welche Datenbereiche im Hauptspeicher dabei benutzt oder verändert werden sollen (über die im Befehlscode enthaltenen Registerangaben) und ggf. an welcher Stelle das Programm fortzusetzen ist.

Dieses Arbeitsprinzip gilt für jede Art von Software, auch wenn sie z. B. von Interpretern ausgeführt wird: Diese sind ebenfalls Software, die über ihren Maschinencode an der Hardwareschnittstelle wie beschrieben ausgeführt wird, was auch für Compiler und jede andere Systemsoftware gilt. Bei der Ausführung wirken also viele Schichten zusammen und führen als Gesamtheit zu Zustandsänderungen in der Hardware bzw. final zu den vorgesehenen Ergebnissen, etwa der Ausgabe einer Druckzeile, einem Datenzugriff oder der Anzeige eines Feldinhalts am Bildschirm. Bei in höheren Programmiersprachen entwickelten Anwendungen können so schon für relativ einfache Funktionen (wie Lesen aus der Datenbank) oft Hunderttausende oder Millionen von Maschinenbefehlen durchlaufen werden.

Das in modernen Computern mögliche parallele Ausführen mehrerer Programme/Prozesse wird im Wesentlichen durch das Betriebssystem bewirkt, das bei bestimmten Ereignissen den Wechsel von einer zur anderen 'Task einleitet und verwaltet. Siehe auch Multitasking.

Im systematischen Zusammenwirken vieler Komponenten, das nur unter Anwendung klar definierter Schnittstellen möglich ist, „gehört Software also zu den komplexesten Artefakten, die Menschen bislang geschaffen haben“.[3]

Hauptartikel: Softwaretechnik
  • Software wird unter Nutzung bestimmter Verfahren, Methoden und 'Werkzeuge' entwickelt. Dabei werden unterschiedliche Entwicklungsstadien durchlaufen, in denen jeweils unterschiedliche Zwischenstände der Software entstehen: Analysetätigkeiten (zahlreiche Entwicklungsdokumente) > Programmierung (Quellcode) > im Betrieb (Maschinencode oder ausführbarer Code). Im engeren Sinn der Ausführung auf dem Computer gilt lediglich Letzteres als 'Software'. Siehe auch Softwareentwicklung.
  • In diesem Zusammenhang ist Software Bearbeitungsgegenstand von Systemprogrammen: Wenn z. B. ein Compiler den Quellcode eines Programms liest, verarbeitet und einen Maschinen- oder Zwischencode erzeugt, so sind das aus dessen Sicht 'Daten'.
  • Einmal erzeugte Software kann mit verhältnismäßig geringen Kosten vervielfältigt werden, die meist durch Datenträger, Werbung und dem Herstellen von Verpackung und zu Papier gebrachten Dokumentationen anfallen.
  • Software verschleißt nicht durch Nutzung, unterliegt jedoch mit der Zeit der Softwarealterung.
  • Software ist meist austauschbar, fähig zur Aktualisierung, korrigierbar und erweiterbar, insbesondere dann, wenn bestehende Richtlinien eingehalten werden und der Quelltext verfügbar ist.
  • Software tendiert dazu, umso mehr Fehler zu enthalten, je komplexer sie ist. Fehler werden in aktualisierten Softwareversionen oder mithilfe eines Patches und i.d.R. nach Durchführung von Softwaretests behoben. Softwarefehler bezeichnet man auch als Bugs.
  • Weil Software unter Einsatz vieler unterschiedlicher Programmiersprachen und in vielen unterschiedlichen Betriebssystemen und Systemumgebungen entwickelt werden kann, sind Softwarestandards erforderlich, um Informationen system- und unternehmensübergreifend 'verstehbar' und austauschbar zu machen. Siehe auch Elektronischer Datenaustausch (Beispiele), Programmierstil.
Hauptartikel: Software-Akquisition

In der Entscheidung zur Anschaffung von Software lässt sich i. W. der Einsatz von Standardsoftware oder die eigene Herstellung (Individualsoftware) unterscheiden. Besonders im betrieblichen Umfeld zieht diese Entscheidung häufig hohe Kosten nach sich. Auch können solche Entscheidungen Grundlage zur Umsetzung der Unternehmensstrategie sein oder sollen Unternehmensprozesse maßgeblich verbessern. Zur Vermeidung von Fehlinvestitionen sollte der Anschaffung ein systematischer Entscheidungsprozess vorausgehen.

Hauptartikel: IT-Service-Management
  • Der Einsatz von Software erfordert je nach Einsatzbereich ein gewisses Maß an Organisation, um die zusammengehörenden Teile richtig einzusetzen und durch neue Versionen abzulösen (zum Beispiel in größeren Unternehmen im Releasemanagement).
  • Mitunter kann Software vorkonfiguriert werden, um so eine Neuinstallation zu beschleunigen und um Fehler bei der Konfiguration zu minimieren.

Im Wesentlichen für betriebliche Anwendungssoftware geltend kann Software aus (betriebs-)wirtschaftlicher Sicht als 'im Voraus geleistete geistige Arbeit', also als Investition betrachtet werden. Zum Beispiel erarbeiten die Programmautoren ein Lösungsverfahren für die korrekte Trennung aller deutschen Wörter in einem Textverarbeitungsprogramm. Damit ist im Voraus, also bevor diese Tätigkeit tatsächlich anfällt, schon für alle Schreiber, die mit diesem Textverarbeitungsprogramm arbeiten, die geistige Arbeit „korrektes Trennen deutscher Wörter“ geleistet. Dabei wird die Eigenschaft von Computern genutzt, auf sie verlagerte Aufgaben erheblich schneller und zuverlässiger ausführen zu können als dies bisher Menschen möglich war. Besonders auch in der Softwareentwicklung wird intensiv auf „im Voraus“ entwickelte Algorithmen und Codeteile zurückgegriffen werden ('Software-Wiederverwendung').

Ein ähnlicher Zusammenhang wird in der Arbeitssoziologie gesehen: Derartige softwarebasierte Maßnahmen sind geeignet, Arbeitsinhalte und -Abläufe erheblich zu verändern. Die Bandbreite reicht dabei vom Bereitstellen einfacher Hilfsmittel (etwa zur Summierung oder Durchschnittsermittlung) bis hin zur völligen Umgestaltung von Prozessen (durch Konzentration früher getrennter oder durch Zerlegung früher zentralisierter Arbeitsabläufe) – oder gar bis zu deren vollständigen Ersatz durch IT-Lösungen. Brödner et al nennen dies in[19] »materialisierte« Kopfarbeit. Siehe auch Rationalisierung, Optimierung, Taylorismus.

Software lässt sich nach verschiedenen Kriterien unterscheiden.

Unterteilung nach der Nähe zur Hardware beziehungsweise Anwender
  • Systemsoftware, die für grundlegende Funktionen des Computers erforderlich ist. Hierzu zählen insbesondere das Betriebssystem sowie Gerätetreiber.
  • systemnahe Software, der Bereich zwischen Betriebssystem und Anwendungssoftware z. B. Dienstprogramme, Datenbank-Verwaltungswerkzeuge, Programmierwerkzeuge und Middleware.
  • Anwendungssoftware, die den Benutzer bei der Ausführung seiner Aufgaben unterstützt und ihm dadurch erst den eigentlichen, unmittelbaren Nutzen stiftet
Unterteilung nach Art der Herstellung
  • Standardsoftware: Wird von einem Softwareanbieter erstellt, und kann von Kunden erworben werden
  • Individualsoftware: für einen (oder von einem) einzelnen Anwender individuell erstellt

Rechtlich wird beim Erwerb von Software zwischen Individualsoftware und Standardsoftware unterschieden: Für Individualsoftware wird ein Werkvertrag bzw. Werklieferungsvertrag abgeschlossen, der Erwerb von Standardsoftware gilt als Sachkauf.

Siehe auch: Seriennummer, Spyware, Langzeitarchivierung, Gebraucht-Software

Software nach der Art der Einbettung
  • nicht eingebettete Software (Software, die installiert wird)
  • fest in einem Gerät zu dessen Steuerung untergebrachte Software (z. B. in einem ROM), bezeichnet man als Firmware oder auch Eingebettete Software.
Einstufung nach Nutzungsrecht (Lizenz)
  • Adware
  • Beerware
  • Cardware (auch Postcardware)
  • Careware
  • Crippleware
  • Donationware
  • Freeware
  • Nagware
  • Shareware
  • Freie Software
Unterteilung nach Quellcode-Veränderbarkeit
  • Freie Software
  • Open Source
  • Proprietäre Software
Einstufung nach Verfügbarkeit
  • Abandonware
  • Vaporware
Andere Unterteilungen
  • Portable Software
  • Bananenware (unausgereifte Software)
  • Schlangenöl (Programm ohne echte Funktion, wird aber als Wundermittel angepriesen)
  • Shovelware (Sammlung von Software, wobei die Quantität zählt)
  • Riskware
  • Bloatware (mit Funktionen ohne synergetischen Nutzen überladene Software)

Die Verbreitung und Nutzung von Software unterliegt dem Urheberrecht. Es gibt in diesem Zusammenhang mehrere typische Überlassungsmodelle:

Verkauf
Der vollständige Verkauf von Software, inklusive der Überlassung von Weiterverbreitungsrechten, kommt praktisch nur zwischen Unternehmen vor, in der Regel im Rahmen von Auftragsprogrammierung oder beim Verkauf eines Softwareentwicklungsunternehmens.
Nutzungsrecht
Bei der meisten Software, die zum Beispiel für PCs „gekauft“ werden kann, wird in Wirklichkeit nur ein Nutzungsrecht überlassen. Dieses Modell ist auch bei der Auftragsprogrammierung üblich, bei der ein Unternehmen ein Programm für den Eigengebrauch eines anderen Unternehmens speziell entwickelt. Bei Freeware ist dieses Recht kostenlos, was nicht mit freier Software verwechselt werden darf.
Software as a Service
Die Software wird bei einem Dienstleister gehostet, die eigentliche Nutzung der Software kann entweder pro Zeitraum oder pro Nutzungseinheit berechnet werden und kann oft mit einem einfachen PC und z. B. per Webbrowser genutzt werden.
Freie Software/Open Source/GPL
Freie Software darf von jedem genutzt, beliebig verändert und weiterverbreitet werden. Oft unterliegt dieses Recht gewissen Einschränkungen, wie zum Beispiel der Nennung des Autors oder die Verpflichtung, veränderte Versionen unter die gleiche Lizenz zu stellen (GPL). Software, die nicht zu dieser Gruppe zählt, wird proprietär genannt.

Zwischen den oben genannten Hauptformen der Softwareverbreitung gibt es zahlreiche Zwischen- und Mischstufen.

Siehe auch: Lizenzen der freien Software, Lizenzmanagement

Hauptartikel: Freie Software und Open Source

‚Freie Software’ ist eine soziale Bewegung, die unfreie Software als gesellschaftliches Problem begreift.[20] Wobei „frei“ hier nicht „kostenlos“ bedeutet (‚Freie Software’ ist nicht dasselbe wie ‚Freeware’), sondern die Freiheiten für die Gesellschaft meint, die ein derart lizenziertes (auch kommerzielles) Produkt bietet. In den Augen der von Richard Stallman 1985 gegründeten Free Software Foundation (FSF) ist die Entscheidung für oder gegen freie Software deshalb primär eine ethische und soziale Entscheidung.

Dagegen begreift die 1998 gegründete Open Source Initiative (OSI) quelloffene Software als bloßes Entwicklungsmodell, wobei die Frage, ob Software quelloffen sein sollte, dort eine rein praktische und keine ethische Frage ist. Die FSF wirft der OSI daher eine Ablenkung von den wesentlichen Punkten vor.[21] Eric S. Raymond hat den Begriff ‚Open Source’ in der Annahme eingeführt, dass das unpopuläre Thema ‚Freiheit’ Geldgeber für solche Projekte abschrecken könne.

Auch wenn es sich heute um zwei unterschiedliche Bewegungen mit unterschiedlichen Ansichten und Zielen handelt, verbindet sie die gemeinsame Wertschätzung für quelloffenen Code, was in zahlreichen Projekten mündet, in denen sie zusammenarbeiten.

Hauptartikel: Softwaretechnik

Die Entwicklung von Software ist ein komplexer Vorgang. Dieser wird durch die Softwaretechnik, einem Teilgebiet der Informatik, systematisiert. Hier wird die Erstellung der Software schrittweise in einem Prozess von der Analyse über die Softwaremodellierung bis hin zum Testen als wiederholbarer Prozess beschrieben.

In aller Regel wird die Software nach der Entwicklung mehrfach angepasst und erweitert. Der Software-Lebenszyklus kann durchaus mehrere Jahre betragen.

  • Softwareunternehmen
  • Softwarekrise
  • Softwarequalität, Softwarequalität nach ISO
  • John W. Tukey: The Teaching of Concrete Mathematics. In: The American Mathematical Monthly. Vol. 65, no. 1 (Jan. 1958), pp 1–9. (Erstmalige Verwendung des Begriffs Software im heutigen Sinn)
  • F. R. Shapiro: Origin of the term software: Evidence from the JSTOR electronic journal archive. In: IEEE Annals of the History of Computing. 22 (April–June 2000), 69.
  • Sebastian von Engelhardt: Die ökonomischen Eigenschaften von Software. In: Jenaer Schriften zur Wirtschaftswissenschaft. 14/2006, Friedrich-Schiller-Universität Jena, Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät, ISSN 1611-1311.
  1. ISBN 3-411-05232-5
  2. ISBN 978-3-409-12725-7
  3. [1]
  4. a b linfo.org – Software Definition, 1958, Januar-Ausgabe des American Mathematical Monthly (Titel: The Teaching of Concrete Mathematics). Tukey schreibt: „Today the "software" comprising the carefully planned interpretive routines, compilers, and other aspects of automative programming are at least as important to the modern electronic calculator as its "hardware" of tubes, transistors, wires, tapes and the like.“
  5. linfo.org – Software Definition, Zitat: „[…] In a broader sense it can also refer to all information (i.e., both programs and data) in electronic form, and it can provide a distinction from hardware, which refers to media and systems on which software can exist and be used […]“
  6. ISBN 978-3-8274-1705-3, 2009, 3. Auflage, S. 9: „Software ist ein immaterielles Produkt. Software kann man nicht anfassen und nicht sehen.“
  7. http://www.wissen.de/wde/generator/wissen/ressorts/technik/computer/index,page=1207964.html
  8. Auszug aus lexikon.meyer.de: „[...] Im allgemeinen Sprachgebrauch wird die Bezeichnung Software meist nur auf Programme bezogen, nicht aber auf andere Daten [...]“ (eine Verlinkung dahin ist nicht mehr möglich, da „Meyers Lexikon Online“ zum 23. März 2009 eingestellt wurde).
  9. ISBN 978-3-8350-0197-8.
  10. Lehr- und Übungsbuch Informatik 1. Hanser Verlag, 2003, Seite 311
  11. ISBN 978-3-423-34507-1, S. 144-149
  12. ISBN 978-3-941875-29-6, S. 35: „Weil Software Gegenstand einer schöpferischen Leistung ist, die man nicht anfassen kann, wird ihr zum Teil die Sachqualität abgesprochen.“
  13. ISBN 978-3-8274-1705-3, 2009, 3. Auflage, S. 3
  14. Wissen.de [2]
  15. dpunkt.de, in Kap. "Software spiegelt die Realität": Software-Systeme werden nicht monolithisch gebaut, sondern bestehen aus Modulen oder Komponenten, die miteinander die Gesamtfunktionalität des Systems bieten.
  16. softwarepatents.eu, "Programmcode in seiner linguistischen Form als Sprachwerk"
  17. Hanser Verlag Lehr- und Übungsbuch Informatik 1.' 2003, Seite 311
  18. Klaus Wüst Mikroprozessortechnik Kap. 7.5.4 ISA - Instruction Set Architecture [3] Die ISA [Diese Form] ist genau das, was für die Erstellung von Maschinenprogrammen bekannt sein muss.
  19. ISBN 3-8031-2082-9
  20. The Selected Essays of Richard Stallman (aktualisierte Fassung): "Open Source ist ein Entwicklungsmodell. Freie Software ist eine soziale Bewegung. Für die Open-Source-Bewegung ist nicht-freie Software eine suboptimale Lösung. Für die Freie-Software-Bewegung ist nicht-freie Software ein soziales Problem und freie Software ist die Lösung."; ursprüngliche Fassung: "Für die Freie-Software-Bewegung ist freie Software ein ethisches Gebot ... nicht-freie Software ist ein gesellschaftliches Problem ..."
  21. http://www.gnu.org/philosophy/free-software-for-freedom.de.html


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Softwareentwickler

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Softwareentwickler ist ein Begriff zur Stellenbeschreibung für Menschen, die – egal mit welcher Ausbildung – im Bereich der Softwaretechnik, also am Design und der Implementierung der Software arbeiten. Der Begriff wird synonym mit Softwareingenieur (engl. software engineer) verwendet. Beide Begriffe sind zumindest in Deutschland und Österreich keine geschützten Berufsbezeichnungen. Nach deutschem Recht darf die Berufsbezeichnung Softwareingenieur jedoch nur führen, wer ein technisches Studium mit Erfolg abgeschlossen hat[1].

Inhaltsverzeichnis

Die Hauptaufgabe eines Softwareentwicklers ist das technische Design und die Implementierung der an die Software gestellten Anforderungen, gepaart mit dem Modultest (Unit-Test) der dafür implementierten Komponenten. Dazu benötigt der Softwareentwickler Kenntnisse über den gesamten Softwareentwicklungsprozess und muss Software-Prinzipien sowie die Methoden der Softwaretechnik beherrschen.

Darüber hinaus übernehmen Softwareentwickler oft Aufgaben, die synonym auch mit anderen Begriffen und Stellenbeschreibungen besetzt sind. Dazu gehört die reine Programmierung (siehe Programmierer) – d. h. Beschränkung auf die Implementierung der Software ohne Überlegungen zum technischen Design der Software und die Erarbeitung der Softwarearchitektur (siehe Softwarearchitekt).

Auf Grund von Ressourcenknappheit werden Softwareentwickler zudem auch noch für Aufgaben eingesetzt, die ihrem eigentlichen Tätigkeitsfeld nicht zuzurechnen sind. Dazu gehören Analysetätigkeiten, also die Erarbeitung der Anforderungen an die Software, Testtätigkeiten wie beispielsweise die Erarbeitung und Durchführung von Testplänen, Projektmanagementtätigkeiten wie die Planung der Umsetzung oder auch Design der Benutzerschnittstellen wie Entwurf und Abstimmung von Bildschirmmasken und so weiter.

Softwareentwickler haben oft ein Studium in einem Informatikstudiengang an einer Hochschule oder einer Berufsakademie absolviert. Auch ein Studium in einem ingenieur- bzw. naturwissenschaftlichen Studiengang bietet Einstiegsmöglichkeiten in die Softwareentwicklung.

Des Weiteren gibt es die Möglichkeit, sich über eine Ausbildung in einem informationstechnischen Ausbildungsberuf z. B. zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung an einer Berufsfachschule (siehe beispielsweise IHK), an einer Fachschule für Datenverarbeitung und Organisation (z. B. ADV Böblingen) oder einem Berufskolleg zum Softwareentwickler, Softwareingenieur oder Softwarearchitekten zu qualifizieren. Daneben üben viele Quereinsteiger diese Tätigkeit auch aufgrund von autodidaktisch erlernten oder durch verschiedene Schulungen (auch Umschulung) erworbenen Fähigkeiten aus.

  • Duale Ausbildung
  • Mort, Elvis, Einstein
  1. Siehe 'Gesetz zum Schutze der Berufsbezeichnung „Ingenieur und Ingenieurin“ (Ingenieurgesetz – IngG)' welches in der Gesetzgebungskompetenz der Bundesländern liegt und für das jeweilige Bundesland in der geltenden Fassung heranzuziehen ist. Um die Bezeichnung „Ingenieur“ zu tragen, muss man das Studium nicht zwingend als „Ingenieur“ abschließen. Aus dem Gesetz des Bundeslandes Bayern geht zum Beispiel hervor, dass es für die Berufsbezeichnung „Ingenieur“ ausreicht, wenn man ein mindestens dreijähriges Studium an einer technischen oder naturwissenschaftlichen Fachrichtung mit Erfolg abgeschlossen hat.


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Softwaretechnik

aus www.ifq.de, der freien Enzyklopädie

Die Softwaretechnik ist eine deutschsprachige Übersetzung des engl. Begriffs software engineering und beschäftigt sich mit der Herstellung bzw. Entwicklung von Software, der Organisation und Modellierung der zugehörigen Datenstrukturen und dem Betrieb von Softwaresystemen. Eine Definition von Helmut Balzert beschreibt das Gebiet als

Zielorientierte Bereitstellung und systematische Verwendung von Prinzipien, Methoden und Werkzeugen für die arbeitsteilige, ingenieurmäßige Entwicklung und Anwendung von umfangreichen Softwaresystemen.“ (Lit.: Balzert, S.36)

Softwaretechnik umfasst eine Vielzahl von Teilgebieten, die in ihrer Gesamtheit die Softwareentwicklung begleiten. Wichtig ist auch die experimentelle Untersuchung von Softwaretechnik, um ihren praktischen Nutzen zu messen und zu verbessern. Zur Beschreibung des „Standes der Technik“ des Fachgebiets gibt es verschiedene Ansätze, unter anderem den „Guide to the Software Engineering Body of Knowledge“ (SWEBOK) der IEEE Computer Society.

In erweitertem Sinn umfasst die Softwaretechnik – neben dem Entwickeln – auch das Betreiben der Software unter Nutzung der Informationstechnik.

Inhaltsverzeichnis

Aufgrund des hohen Aufwandes zur Erstellung und Wartung komplexer Software erfolgt die Entwicklung durch Softwareentwickler anhand eines strukturierten (Projekt-)Planes. Dieser Plan (das Vorgehensmodell) unterteilt den Entwicklungsprozess in überschaubare, zeitlich und inhaltlich begrenzte Phasen. Die Software wird somit Schritt für Schritt fertiggestellt. Die Phasen sind während des ganzen Entwicklungsprozesses eng miteinander verzahnt. In der Praxis werden auch Verfahren eingesetzt, welche die Mehrstufigkeit von Systemanalyse, Systemdesign/Konzept und anschließender Implementierung und Testen aufgeben, siehe z. B. unter Prototyping, Agile Softwareentwicklung.

Die Softwaretechnik beinhaltet den gesamten Prozess von der Identifizierung des Bedarfs bis hin zur Inbetriebnahme einer konkreten IT-Lösung, zum Teil auch darüber hinaus. Hauptgegenstand ist die Bereitstellung und Einführung einer Anwendungssoftware, teilweise zzgl. der benötigten Hardware und Netzwerke.

Die zu implementierende Software kann entweder eine Individualsoftware oder eine Kombination und Konfiguration von Standardsoftware sein.

Projekte werden oftmals von oder mit externen Dienstleistungsunternehmen, häufig aber auch als Eigenentwicklung geleistet. Dementsprechend vielfältig, auch abhängig von der Projektart, sind auch die Vorgehensweisen bei der Projektentwicklung: Von einer sehr strukturierten Herangehensweise, siehe Wasserfallmodell, über verschiedene Mischformen bis hin zu sehr flexiblen, offenen Methoden wie der Agilen Softwareentwicklung. Entsprechend wird auch zwischen Top-Down- und Bottom-Up-Ansätzen unterschieden.

Im Folgenden werden einige wichtige Aspekte und typische Stufen/Phasen der Projektentwicklung beschrieben, die in der Praxis mehr oder weniger ausgeprägt zum Tragen kommen.

Die Phasen und ihre Aufgabenstellungen sind in der folgenden Tabelle aufgeführt:

Kernprozesse

1. Planung

  • Anforderungserhebung
  • Lastenheft (Anforderungsdefinition)
  • Pflichtenheft (Mit technischen Ansätzen verfeinertes Lastenheft)
  • Aufwandsschätzung (z. B. mittels Function-Point-Verfahren oder COCOMO)
  • Vorgehensmodell

2. Analyse

  • Auswertung
  • Mock-up
  • Prozessanalyse / Prozessmodell
  • Systemanalyse
  • Strukturierte Analyse (SA)
  • Objektorientierte Analyse (OOA)

3. Entwurf

  • Softwarearchitektur
  • Strukturiertes Design (SD)
  • Objektorientiertes Design (OOD)
  • Unified Modeling Language (UML)
  • Fundamental Modeling Concepts (FMC)

4. Programmierung

  • Normierte Programmierung
  • Strukturierte Programmierung
  • Objektorientierte Programmierung (OOP)
  • Funktionale Programmierung

5. Validierung und Verifikation

  • Modultests (Low-Level-Test)
  • Integrationstests (Low-Level-Test)
  • Systemtests (High-Level-Test)
  • Akzeptanztests (High-Level-Test)

Unterstützungsprozesse

6. Anforderungsmanagement

7. Projektmanagement

  • Risikomanagement
  • Projektplanung
  • Projektverfolgung und -steuerung
  • Management von Lieferantenvereinbarungen

8. Qualitätsmanagement

  • Capability Maturity Model
  • Spice (Norm) (Software Process Improvement and Capability Determination)
  • Incident Management
  • Problem Management
  • Softwaremetrik (Messung von Softwareeigenschaften)
  • statische Analyse (Berechnung von Schwachstellen)
  • Softwareergonomie

9. Konfigurationsmanagement

  • Versionsverwaltung
  • Änderungsmanagement / Veränderungsmanagement
  • Release Management
  • Application Management (ITIL)

10. Softwareeinführung

11. Dokumentation

  • Technische Dokumentation
  • Softwaredokumentation
  • Software-Dokumentationswerkzeug
  • Betriebsdokumentation (Betreiber/Service)
  • Bedienungsanleitung (Anwender)
  • Geschäftsprozesse (Konzeption der Weiterentwicklung)
  • Verfahrensdokumentation (Beschreibung rechtlich relevanter Softwareprozesse)

Die oben genannten Teilschritte der Softwareentwicklung werden nicht zwangsläufig bei jedem Projekt komplett durchlaufen. Vielmehr werden einzelne Prozesse spezifisch für die jeweilige Anforderung gewählt. Dies ist aus Sicht der Kosten- und Verwaltungsreduzierung notwendig.

Der gesamte Prozess einer Projektentwicklung unterliegt meist einem mehr oder weniger stark ausgeprägten Projektmanagement. Im Falle der Realisierung durch einen IT-Dienstleister wird meist sowohl auf Auftraggeber- als auch auf Auftragnehmer-Seite ein jeweils eigenständiges Projektmanagement betrieben. Um Konflikte zwischen den beiden Projektleitern aufzulösen, wird dem übergeordnet oftmals noch ein aus dem Management von Auftraggeber und Auftragnehmer zusammengesetztes Kontrollgremium (Project Board) eingesetzt.

Typischerweise wird für größere Projekte auch ein größerer Projektmanagement-Aufwand betrieben, während mittlere oder kleinere Projekte häufig „nebenbei“ abgewickelt werden.

In allen Phasen der Projektentwicklung ist das IT-Consulting (oder auf Deutsch „Konzeptionen und Beratung“) durch externe Beraterfirmen üblich.

Das Qualitätsmanagement innerhalb des Projekts wird als Teilbereich des Projektmanagements verstanden.[1] Es umfasst die Teilgebiete:

  • Qualitätsplanung, das heißt Identifizierung der für das Projekt relevanten Qualitätskriterien und der Methoden, mit denen sie erfüllt werden können.
  • Qualitätssicherung, das heißt regelmäßige und regelgerechte Bewertung der Projektleistung, damit das Projekt die Qualitätsstandards erfüllt.
  • Qualitätslenkung, das heißt Überwachen der Projektergebnisse, um festzustellen, ob die Qualitätsstandards erfüllt werden, und um die Ursachen unzureichender Leistungen zu beseitigen.

Das Qualitätsmanagement im Projekt muss sowohl die Leistung des Projekts als auch die Qualität des Projektprodukts ansprechen. Modernes Qualitätsmanagement und modernes Produktmanagement ergänzen sich. Beide Disziplinen erkennen die Bedeutung von

  • Kundenzufriedenheit
  • Prävention geht vor Überprüfung
  • Managementverantwortung

an. Qualitätsverbesserungsprogramme, die von der Trägerorganisation durchgeführt werden, beispielsweise nach TQM oder nach ISO 9000, können integriert werden, um die Qualität des Projekts und die des Produkts zu verbessern.[1]

Magisches Dreieck

Wie generell im Projektmanagement ist dem permanenten Zielkonflikt zwischen Qualität, Kosten und Zeit Rechnung zu tragen.[2]. Speziell in Softwareprojekten steht die Projektleitung häufig unter hohem Termindruck und ist einem besonders hohen Risiko ausgesetzt, die Qualität zu vernachlässigen.[3]

Aufgrund der Komplexität von Informationssystemen sind „absolute“ Sicherheit bzw. Qualität nicht ökonomisch realisierbar. Daher werden zur Kategorisierung und Priorisierung häufig Methoden des Risikomanagements eingesetzt, um für das jeweilige Projekt ein adäquates Maß an Systemsicherheit und -qualität zu gewährleisten.

Aspekte des Risikomanagements sollten über den gesamten System-Lebenszyklus, also beginnend mit dem Konzept, über die Entwicklung oder Programmierung, Implementierung und Konfiguration und während des Betriebes bis hin zur Stilllegung des Systems berücksichtigt werden.

Im Zusammenhang mit der Projektentwicklung ist hier die Systemanalyse zur Projektvorbereitung gemeint. Gegenstand ist die inhaltliche Erfassung der Anforderungen durch Befragung künftiger Anwender sowie die systematische Untersuchung weiterer sachlicher und technischer Anforderungen und Randbedingungen (Schnittstellen zu Drittsystemen, gesetzliche Anforderungen u.dgl.). Ergebnis ist meist ein Fachkonzept, oftmals auch gleich ein Lastenheft.

Ein Pflichtenheft enthält sämtliche Funktionen und Anforderungen an ein Programm. Darin wird festgelegt, welche Funktionen verlangt sind und was diese genau tun. Anhand dieser Übersicht werden die grundlegenden technischen Entwurfsentscheidungen getroffen, und daraus wird die Systemarchitektur abgeleitet. Im Falle einer Beauftragung eines Dienstleistungsunternehmens ist das Pflichtenheft die vertragliche Grundlage für die vereinbarten Leistungen. Deshalb ist die Vollständigkeit und Richtigkeit der darin getroffenen Festlegungen und Anforderungen von besonderer Bedeutung für den Auftraggeber.

Ein Systemanalytiker bzw. -designer, bei kleineren Projekten auch der Programmierer, legt anhand des Pflichtenhefts die Programmarchitektur fest. Soweit Standardsoftwareprodukte zum Einsatz kommen, erfolgt in dieser Phase auch eine Spezifikation der geplanten Produkteinbindung bzw. -anpassung. Für neu zu entwickelnde Software erfolgt der Entwurf des Datenmodells und der einzelnen Funktionen und Algorithmen bzw. der Objekt- und Klassenstruktur. Falls bereits vorhandene Software angepasst (adaptiert) werden muss, so wird in dieser Phase festgelegt, welche Veränderungen und Erweiterungen erforderlich sind. Das Ergebnis des Systemdesigns wird auch DV-Konzept genannt.

In der Implementierungsphase wird die zuvor konzipierte Anwendungslösung technisch realisiert, indem Softwareprodukte konfiguriert, vorhandene Software angepasst oder Programme bzw. Programmteile vollständig neu erstellt werden.

Eine Neuerstellung von Software erfolgt meist durch Programmierung, d. h. die einzelnen Funktionen, Objekte, Klassen u.s.w. werden in einer Programmiersprache mit Hilfe einer Integrierten Entwicklungsumgebung codiert.

Die Software wird im Softwaretest in zweierlei Hinsicht getestet, zum einen

  • technisch, d. h. auf eine korrekte Umsetzung des DV-Konzepts und auf Programmfehler, und zum anderen
  • inhaltlich, d. h. auf Vollständigkeit bezüglich des Pflichtenhefts und Eignung für den vorgesehenen Zweck.

Während der Systemtest eine alleinige Angelegenheit des Auftragnehmers ist, erfolgt der Verfahrenstest meist in Zusammenarbeit mit den Endanwendern des Auftraggebers.

Es gilt in der Softwareentwicklung als normal, dass Programme fehlerhaft sind. Gelegentlich müssen sogar ganze Teile vollständig neu umgesetzt, also neu programmiert werden. Da in komplexeren Applikationen nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden kann, dass geänderte Programmteile nicht etwa andere Programmfunktionen beeinflussen können (Nebeneffekte), sollte nach der Fehlerbeseitigung ein erneuter vollständiger Test des Gesamtsystems erfolgen. Bis zur endgültigen Freigabe der Software sind meist mehrere Test- und Fehlerbeseitigungszyklen (iteratives Vorgehen) erforderlich.

Die fertiggestellte Software nebst eventuell erforderlicher Standardsoftwareprodukte, Hardware u. ä. wird sodann im Zuge der Installation auf den Computersystemen des Auftraggebers oder des Betreibers (eines Application Service Providers) aufgespielt und betriebsbereit gemacht. Hierbei wird oftmals zwischen parallelen „Produktiv“-, „Test“-, „Schulungs“- und „Entwicklungs“-Installationen unterschieden.

Je nach technischer Plattform erfolgt die Installation auf Zentralrechnern (Server) oder auf den Arbeitsplatzrechnern oder beides. Bei Datenbankanwendungen erfolgt ggf. noch ein Tuning der Datenbank. In einigen Fällen erfolgt noch eine Migration aus älteren Anwendungslösungen.

Bei größeren Projekten erfolgt oftmals zunächst nur eine Installation auf einem Testsystem bzw. bei wenigen Pilot-Anwendern. Die nachfolgende Ausweitung (Installation und Inbetriebnahme) auf weitere Standorte nennt man Rollout.

Wesentlicher Teil des Projekts ist die Einführungsunterstützung, insbesondere in Form von Schulung bzw. Einweisung der Endanwender, Power User und Administratoren.

Nach der Inbetriebnahme einer Softwarelösung ist eine kontinuierliche Weiterbetreuung erforderlich und üblich. Diese umfasst sowohl eine Unterstützung der Anwender z. B. per Hotline im laufenden Betrieb als auch Erweiterungen der Software bei Bedarf. Bei externer Softwareerstellung / Projektabwicklung wird beides in einem Support-Vertrag geregelt.

Dabei wird zwischen einem First-level-Support und einem Second-level-Support unterschieden. Der First-level Support (auch Helpdesk) ist erste Anlaufstelle für alle eingehenden Unterstützungsfragen und nimmt alle Problemmeldungen entgegen. Er leitet aber nur schwerwiegende Probleme an den Second-level-Support, bei Standardsoftware z. B. beim Produkthersteller, weiter.

Die laufende Anpassung der Software an sich ändernde Anforderungen oder Umgebungsbedingungen, z. B. an neue Versionen verwendeter Standardsoftware, wird als „Softwarepflege“ bezeichnet. Größere Veränderungen werden über eigene Wartungsprojekte bearbeitet, kleinere Anpassungen häufig als Wartungsaufgaben mit einfacheren Prozessregeln. Das Management des nachträglichen Einbringens von Änderungen in ein laufendes System nennt man Veränderungsmanagement.

  • ISBN 3-8274-0480-0.
  • ISBN 3-89864-268-2.
  • ISBN 3-446-22429-7.
  • ISBN 0-321-21026-3.
  • Thomas Grechenig, Mario Bernhart, Roland Breiteneder, Karin Kappel: Softwaretechnik – Mit Fallbeispielen aus realen Projekten Pearson Studium, München 2009, ISBN 3-86894-007-3.
  1. ISBN 978-1-930699-21-2, S. 95–103
  2. Kessler, Heinrich; Winkelhofer, Georg: Projektmanagement. 4. Auflage. Heidelberg 2004, Springer. S. 55–56
  3. Wendt, Dierk (Sprecher der Arbeitsgruppe): Klassische Fehler in der Software-Entwicklung, TU Ilmenau, Version vom 6. Oktober 2005, abgerufen am 9. Februar 2011


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Projektmanagement

aus www.ifq.de, der freien Enzyklopädie

Unter dem Begriff Projektmanagement (PM) versteht man das Planen, Steuern und Kontrollieren von Projekten.

Viele Begriffe und Verfahrensweisen im Projektmanagement sind mittlerweile etabliert und standardisiert. Im Rahmen der meisten universitären Studiengänge im Ingenieur-, Wirtschafts- und Informatikbereich werden Grundkenntnisse des Projektmanagements vermittelt. Weltweit gibt es einige Verbände, welche sich dem Thema Projektmanagement verschrieben haben. Die drei bekanntesten sind:

  • das amerikanische Project Management Institute (PMI) mit der PMP-Zertifizierung
  • die International Project Management Association (IPMA) mit der IPMA-Zertifizierung

Deren Vertretungen in den Ländern, in Deutschland z. B. die GPM, bieten (u. a.) Zertifizierungen auf unterschiedlichen Levels an; Details dazu stehen in den Artikeln zu den Verbänden.

Ihre PM-Verfahren sind grundsätzlich unabhängig von Branche und Projektinhalt, jedoch werden, aufbauend auf diesen Verfahren, häufig individuelle Vorgehensmodelle abgeleitet, in denen Spezifika des Projektprodukts (beispielsweise Software vs. Brücke) oder des Projekttyps (beispielsweise Software-Neuentwicklung, Wartung, Prozesseveränderung im Unternehmen), häufig auch Gepflogenheiten im einzelnen Unternehmen berücksichtigt werden.

Inhaltsverzeichnis

Projektmanagement wird je nach Quelle textlich unterschiedlich, inhaltlich aber weitgehend übereinstimmend definiert:

Verzahnung des Projektmanagements mit dem Gesamtprojekt
  • DIN-Norm (DIN 69901-5:2009-01): „Gesamtheit von Führungsaufgaben, -organisation, -techniken und -mitteln für die Initiierung, Definition, Planung, Steuerung und den Abschluss von Projekten“.
  • Project Management Institute (PMI): Project Management is the application of knowledge, skills, tools and techniques to project activities to meet project requirements (Projektmanagement ist die Anwendung von Wissen, Können, Werkzeugen und Techniken auf Projektaktivitäten, um Projektanforderungen zu erfüllen.).
  • Gesellschaft für Informatik: „Das Projekt führen, koordinieren, steuern und kontrollieren.“
  • ICB: U. a.: „Führung der Projektbeteiligten zur sicheren Erreichung der Projektziele.“ ICB versteht die Methodik des Projektmanagements sogar als Führungsprinzip im sog. Management by Projects.
  • Etymologie: proiectum (Latein): das nach vorne Geworfene und manum agere (Latein): an der Hand führen

Der Projektmanager hat die Aufgabe, die Erwartungen der Stakeholder an das Projekt so weit wie möglich zu erfüllen. Die für die Erhebung der Erwartungen meist verwendete Methode ist die Projektumfeldanalyse. Als Stakeholder bezeichnet man dabei jede Person oder Organisation, deren Interessen durch den Verlauf oder das Ergebnis des Projekts betroffen sind.

Magisches Dreieck

Der Projektmanager bewegt sich dabei zwischen den Größen

  • Zeit: Projektdauer und Termine
  • Kosten
  • Inhalt, Umfang und Qualität des Projekts und seiner Ergebnisse

Diese drei Größen werden von den Stakeholdern oft unterschiedlich und evtl. widersprüchlich gesehen. Um den Projekterfolg zu gewährleisten, muss der Projektmanager also zunächst die Interessen der Stakeholder transparent machen und dann gemeinsam mit ihnen eine Projektplanung erstellen. Letztendlich wird mit dem Auftraggeber eine Priorität dieser Größen festgelegt, auf der dann die Projektsteuerung aufgebaut wird. Das Projektreporting beschreibt das Projekt (oder die einzelnen Ergebnistypen des Projekts) dann immer in Bezug auf diese drei Größen.

Wenn die Organisationsform eines Unternehmens Ressourcenkonflikte erwarten lässt (zum Beispiel Matrixorganisation), wird manchmal eine vierte Steuergröße „Personal“ beschrieben. Auch wenn Personal sonst ein Teil der Kosten ist (Personalkosten), kann es entscheidend sein, bestimmte Personen im Projekt zu haben. Dies sollte explizit beschrieben und allen Stakeholdern transparent sein. Abweichungen werden im Projektreporting transparent gemacht.

Das magische Dreieck zeigt auch, dass eine Änderung an einer der Steuergrößen automatisch zu Änderungen an einer oder beiden anderen Größen führt.

Die Leitung des Projekts liegt beim Projektmanager, der häufig auch Projektleiter genannt wird. Er ist gegenüber dem Auftraggeber für das Projekt verantwortlich und berichtspflichtig. Gegenüber dem Projektteam ist er sachlich, aber nicht disziplinarisch weisungsberechtigt.

Zur erfolgreichen Projektdurchführung benötigt der Projektmanager

  • Kenntnisse des Projektmanagements,
  • allgemeines Managementwissen,
  • produktspezifisches Wissen,
  • Ausdauer und Belastbarkeit,
  • eine ganzheitliche und nachhaltige Denkweise,
  • zwischenmenschliche und kommunikative Fähigkeiten.

Neben dem methodischen Können sind die sozialen Fähigkeiten eines Projektmanagers für den Projekterfolg entscheidend. Projektmanagement ist immer auch Risiko- oder Chancenmanagement: In jedem Projekt treten ungeplante Situationen auf. Einen guten Projektmanager macht aus, dass er solche Situationen früh erkennt, mit wenig Reibungsverlusten wieder in den Griff bekommt und die sich stellenden Möglichkeiten nutzt. Projektmanager sollten daher über Erfahrungen verfügen, die auf zwischenmenschlicher Ebene die Gebiete von Kommunikation und Konfliktmanagement, Teambildung und Motivation umfassen. Anreizsysteme spielen dabei eine zentrale Rolle.[1]

Bei intern nicht vorhandenen Kapazitäten kann die Rolle des Projektmanagers auch extern vergeben werden.

Je nach Größe und Komplexität des Projektes können Aufgaben im Projektmanagement delegiert, geteilt oder in Personalunion bearbeitet werden:

  • Eine Möglichkeit besteht darin, das Projekt in Teilprojekte zu unterteilen, die klar voneinander abgegrenzt sein müssen. Jeweils ein Teilprojektleiter übernimmt dann die Steuerung dieser Teilprojekte und berichtet an den Projektmanager.
  • Eine andere Möglichkeit ist die Teilung nach Aufgabenbereichen. Beispielsweise können das Termin- und das Kostenmanagement oder das Risiko- und das Qualitätsmanagement jeweils bestimmten Personen mit entsprechender Qualifikation zugeordnet werden.

Aufgrund verschiedener Strukturen und Methoden des Projektmanagements (PM) (siehe auch Abschnitt 4.3f, PM-Systeme und Projektphasen), für die teilweise eigene Vorgehensmodelle existieren, richtet sich die Wahl der Vorgehensweise zur Durchführung eines Projekts (inkl. des Projektmanagements) meist nach:

  • Vorgaben der Organisation oder des Auftraggebers (Richtlinien)
  • Größe des Projekts (zum Beispiel Anzahl Personentage)
  • Komplexität des Projekts, wobei man nach technischer und sozialer Komplexität unterscheidet
  • Branche des Projekts, falls ein branchen-/produktspezifisches Vorgehensmodell verwendet wird
  • weiteren Projektart-Kategorisierungen wie zum Beispiel Entwicklungsprojekt, Lernprojekt, Wartungsprojekt, ...

Mit der Projektdurchführung kann eine einzige, aber auch mehrere tausend Personen befasst sein. Entsprechend reichen die Werkzeuge des Projektmanagements von einfachen To-Do-Listen bis hin zu komplexen Organisationen mit ausschließlich zu diesem Zweck gegründeten Unternehmen und massiver Unterstützung durch Projektmanagementsoftware. Daher ist eine der Hauptaufgaben des Projektmanagements vor Projektbeginn die Festlegung, welche Projektmanagementmethoden in genau diesem Projekt angewendet und gewichtet werden sollen. Eine Anwendung aller Methoden in einem kleinen Projekt würde zur Überadministrierung führen, also das Kosten-Nutzen-Verhältnis in Frage stellen.

Werden mehrere Projekte gleichzeitig gesteuert und koordiniert, spricht man von Multiprojektmanagement. Multiprojektmanagement, das häufig etwa bei großen Unternehmen anzutreffen ist, stellt besondere Herausforderungen an die Beteiligten, weil hier Zusammenhänge, z. B. konkurrierende Ressourcen, über mehrere Projekte hinweg koordiniert werden müssen. Ein Spezialfall wird z. T. auch „Enterprise Project Management“ (EPM) genannt; dabei sind diese Projekte unternehmensweit und organisationsübergreifend zu steuern.

Vom Multiprojektmanagement abzugrenzen ist der Begriff des Programmmanagements. Unter einem Programm versteht man in diesem Fall ein Bündel inhaltlich zusammengehörender Projekte. Programmmanagement ist im Gegensatz zu Multiprojektmanagement aber zeitlich limitiert, ähnlich wie ein Projekt. Multiprojektmanagement kann als Form der unternehmensweiten Ressourcensteuerung hingegen unbegrenzt eingesetzt werden.

Großprojektmanagement ist dem Programmmanagement ähnlich, wobei das Programmmanagement in der Regel Einzelprojekte eines Themenbereichs steuert und das Großprojektmanagement die Teilprojekte eines Großprojekts koordiniert.

Im Projektportfoliomanagement werden die Projekte eines Unternehmens verwaltet. Das Portfoliomanagement konsolidiert Kennzahlen aller Projekte eines Unternehmens, sowohl laufender als auch geplanter. Damit liefert es dem Unternehmensmanagement projektübergreifende Information zur Steuerung des Gesamtbestandes an Projekten.

Nahezu alle Teilbereiche des Projektmanagements werden heutzutage durch Projektmanagementsoftware unterstützt. Sie gestattet dem Projektmanager, die Planinhalte für das Projekt vorzugeben, so dass anschließend alle Beteiligten dort ihre jeweiligen Arbeitsaufgaben und -fortschritte abfragen bzw. eintragen können. Sie ermöglichen eine Auswertung des aktuellen Projektstands nach diversen Gesichtspunkten (beispielsweise hinsichtlich Frist- oder Budgeteinhaltung), auch mit Hilfe von grafischen Darstellungen (beispielsweise Gantt-Diagrammen). Zu vorab definierten Meilensteinen oder zum Abschluss werden Reports generiert.

Während für manche Teilbereiche des Projektmanagements speziell darauf ausgerichtete Systeme eingesetzt werden können, kommt für zahlreiche Zwecke vielfach allgemeingültige Software (wie Textbearbeitung, Tabellenkalkulation ...) zum Einsatz, zum Teil unter Verwendung von Mustervorlagen. Zur Kommunikation werden praktisch immer Mailsysteme benutzt, in virtuellen Projektteams oder mit verteilten Stakeholdern häufig auch Webkonferenzsysteme und elektronische Meetingsysteme, die die Durchführung von Meetings und Workshops über das Internet ermöglichen.

Wikis werden unter anderem für das Wissensmanagement ebenfalls als Werkzeuge im Projektmanagement eingesetzt.[2]

Die Unternehmen und Organisationen wenden PM-Werkzeuge in der Praxis in hohem Maß unterschiedlich an. Dabei wird teilweise auch ERP-Software verwendet, die das ganze Unternehmen abbildet und gleichzeitig über Projektmanagementfunktionen verfügt.

Um das häufige Scheitern von Projekten (siehe auch Chaos-Studie) gibt es immer wieder anhaltende Diskussionen um die Erfolgsfaktoren von Projekten. Als wesentlicher Faktor wird dabei das Projektmanagement genannt.

Projektmanagement als Erfolgsfaktor:

Das professionelle Management ist als zentrales Erfolgskriterium von Projekten zu sehen. Insbesondere sind

  • die Projektgrenzen und die Projektziele adäquat zu definieren
  • Projektpläne zu entwickeln und einem periodischen Controlling zu unterziehen
  • Projekte prozessorientiert zu strukturieren
  • die Projektorganisation und Projektkultur projektspezifisch zu gestalten.
  • eine spezifische Projektkultur zu entwickeln und
  • die Beziehungen des Projekts zum Projektkontext zu gestalten.

Projektmanagement leistet einen Beitrag zur Sicherung des Projekterfolgs, kann diesen aber nicht allein sichern, da es auch weitere Faktoren wie z.B. die Unternehmensstrategie, Wettbewerbssituation, etc. gibt, die den Projekterfolg beeinflussen.
Quelle: IPMA nach Gareis bzw. Patzak, Rattay

Solche Voraussetzungen für erfolgreiches PM, die nur außerhalb des Projektmanagements erfüllt werden können, sind z. B.:

  • Commitment der Stakeholder: 'Sponsor' für das Projekt, Akzeptanz des Projekts und seiner Ziele
  • Angemessene Projekt-Infrastruktur: Organisation, Methoden und Werkzeuge sind verfügbar
  • Kompetenz der dem Projekt zugeteilten Personen

Darüber hinaus erschöpft sich 'Projekte erfolgreich führen' nicht im Beherrschen der PM-Methodik. Vielmehr wird der Erfolg in hohem Maß auch von den persönlichen Eigenschaften und Fähigkeiten ("weiche Faktoren") aller Beteiligten inkl. der Projektmanager bestimmt.

In den Normen und Standards sind Projektmanagement-Methoden und Vorgehensmodelle zu unterscheiden. Während sich erstere auf bestimmte Teildisziplinen des Projektmanagements (Risiken, Anforderungen, Terminplanung ...) beziehen, versucht man mit sog. Vorgehensmodellen die Abfolge der Tätigkeiten, also die Prozesse für das Projekt und das PM möglichst präzise festzulegen; weit verbreitet ist das V-Modell.

Die Aufgabenstellungen, Methoden, Instrumente und Ebenen des Projektmanagements sind im Wesentlichen gut bekannt und dokumentiert. Ziel sollte es jedoch sein, eine möglichst weit verbreitete, einheitliche Begriffsbasis und Terminologie zu etablieren und zu fördern. Dieser Aufgabe stellen sich diverse Normierungsinstitute und PM-Verbände:

  • Insbesondere ist hier das amerikanische Project Management Institute (PMI) zu nennen, das mit seinem Guide to the Project Management Body of Knowledge (PMBOK Guide) das englischsprachige Standardwerk zum Projektmanagement herausgegeben hat. Viele der folgenden Informationen beziehen sich auf den PMBOK Guide, da er sich durch die sehr strukturierte Darstellung eignet, um die Besonderheiten von Projekten und Projektmanagement darzustellen.
  • Für Deutschland finden insbesondere die Normen DIN 69901 Anwendung.
  • Als internationaler Leitfaden für Qualitätsmanagement in Projekten ist die Norm ISO 10006:2003 veröffentlicht worden.

Für den Praxiseinsatz legen Unternehmen / Organisationen in der Form von PM-Handbüchern, PM-Leitfäden etc. fest, wie das PM in ihren Projekten anzuwenden ist. Die einzelnen Vorgaben beziehen sich dabei i. d. R. auf Standards wie sie in diesem Kapitel genannt werden, sie werden dabei aber häufig unternehmens- oder situationsspezifisch (Projektart und -Größe etc.) angepasst (reduziert, vereinfacht, individuell ergänzt, auf Werkzeuge adaptiert, ...).

  • IPMA Competence Baseline (ICB 3.0): PM-Standard des Projektmanagementverbandes International Project Management Association (IPMA); dezentral organisiert, in Deutschland durch die GPM
  • PMBOK Guide: ursprünglich US-amerikanischer PM-Standard des Projektmanagementverbandes Project Management Institute (PMI)
  • PRINCE2: inzwischen weit verbreitete Projektmanagementmethode aus Vereinigten Königreich
  • DIN 69901: findet derzeit international großen Anklang und geht stark in die ISO 21500 ein

Um die Arbeits- und Organisationsform Projektmanagement in einem Unternehmen zu verankern, sind entsprechende Rahmenbedingungen und Spielregeln notwendig. Es müssen ganzheitliche, leistungsfähige Projektmanagement-Systeme geschaffen werden, die im Regelfall Standards, Maßnahmen und Tools in folgenden Bereichen enthalten:

  • Organisation: Die organisatorische Verankerung des Projektmanagements muss im jeweiligen Unternehmen eindeutig geklärt sein. Hierzu zählen beispielsweise die Definition von klaren Rollen, Kompetenzen und Verantwortlichkeiten (insbesondere das Zusammenspiel Linie - Projekt), die Einrichtung einer zentralen Organisationseinheit für Projektmanagement (zum Beispiel Project Management Office, Project Competence Center) oder die Festlegung von PM-Karrierepfaden und Anreizsystemen.
  • Methodik: Im Bereich der Methodik werden Standards, Instrumente, Methoden, Richtlinien und Prozesse definiert, die bei Projekten zur Anwendung kommen sollen. Die Methodik wird in der Regel individuell für die jeweilige Organisation festgelegt. In vielen Fällen wird die verwendete Methodik in einem Projektmanagementhandbuch dokumentiert.
  • Qualifizierung: Damit Projektmanagement erfolgreich angewendet werden kann, müssen Führungskräfte, Projektleiter und -mitarbeiter entsprechend für ihre Rolle vorbereitet und dafür qualifiziert werden. Seminare, Training-on-the-Job oder Projekt-Coaching sind weit verbreitete Instrumente zur Qualifizierung.
  • Software: Es müssen IT-gestützte Strukturen geschaffen werden, die einen effizienten Informations- und Kommunikationsfluss gewährleisten sowie die Projektplanung und -steuerung über den gesamten Projektverlauf unterstützen. Am Markt existieren eine Vielzahl von PM-Tools und umfangreichen PM-Lösungen, die diverse Funktionalitäten bieten.

Außerdem hat die Organisationsform der Trägerorganisation Einfluss auf die Projekte. Die bekanntesten Organisationsformen sind:

  • Linienorganisation (funktionsbezogene Organisation)
  • Matrixorganisation (Mischsicht)
  • Projektorientierte Organisation

Hauptartikel: Projektphase

Projektphasen sind zeitliche Abschnitte, die im Vorgehensmodell für ein Projekt festgelegt sind. Die Phasen bilden den Rahmen, in dem jeweils einzelne Aktivitäten mit ihrem Arbeitsinhalt (was tun?) und ihren Ergebnissen festgelegt werden. Diese Aktivitäten werden im Projektmanagement (Teilbereich Aufgabenmanagement) gesteuert und kontrolliert. Üblicherweise enden die Projektphasen mit definierten Meilensteinen. Je nach Projektart, Projektprodukt, Branche etc. sind Phasenmodelle i. d. R. individuell auf die Aufgabenstellung ausgerichtet.

Die Gliederung der Projektaktivitäten in Phasen ist in Reinform eine Vorgehensweise nach dem Wasserfallmodell, alternativ kann sie jedoch auch iterativ angelegt sein, z. B. um Projektergebnisse bei bestimmten Situationen nochmal zu überarbeiten.

Ein Beispiel für ein Phasenmodell im Allgemeinen (mit Aufzählung darin anfallender PM-Aufgaben) ist:

  • Projektdefinition: Das Ziel des Projekts wird festgelegt, Chancen und Risiken werden analysiert und die wesentlichen Inhalte festgelegt. Kosten, Ausmaß und Zeit werden grob geschätzt; bei großen Projekten kann dies durch eine Machbarkeitsstudie unterstützt werden. Am Ende dieser Phase steht der formelle Projektauftrag.
  • Projektplanung: In dieser Phase wird das Team organisiert, und es werden Aufgabenpläne, Ablaufpläne, Terminpläne, Kapazitätspläne, Kommunikationspläne, Kostenpläne, Qualitätspläne und das Risikomanagement festgelegt. Hierbei spielen so genannte Meilensteine eine wichtige Rolle.
  • Projektdurchführung und -kontrolle: Diese Phase umfasst, abgesehen von der Durchführung selbst, für das Projektmanagement die Kontrolle des Projektfortschritts und die Reaktion auf projektstörende Ereignisse. Erkenntnisse über gegenwärtige oder zukünftige Abweichungen führen zu Planungsänderungen und Korrekturmaßnahmen.
  • Projektabschluss: Die Ergebnisse werden präsentiert und in dokumentierter Form übergeben. In einem Review wird das Projekt rückblickend bewertet; die gemachten Erfahrungen werden häufig in einem Lessons-Learned-Bericht festgehalten. Der Projektleiter wird vom Auftraggeber entlastet.
  • Unter Umständen Projektabbruch: Das Projekt wird abgebrochen, ohne dass die Projektziele erreicht sind.

Ähnlich kurz definiert auch der als Demingkreis bekannte PDCA-Zyklus ein allgemeines 4-Phasen-Vorgehen, das nach Plan, Do, Check und Act (i. S. Einführung) unterscheidet. Dieses allgemeine Vorgehen kann 'generisch', für ganze Projekte oder auch für einzelne Projektabschnitte (Phasen) angewendet werden.

Ein Phasenmodell für die Softwareentwicklung könnte eine feinere Phasenstruktur aufweisen und zum Beispiel wie folgt aussehen. Die Aufgaben des Projektmanagements sind dabei nicht als Projektphase definiert, sondern werden als global wahrzunehmende Projekt-Rolle unterstellt:

  • Analyse
  • Machbarkeitsstudie
  • Entwurf
  • Umsetzung
  • Test
  • Pilotierung
  • Rollout bei den Anwendern
  • Abschluss

In der aktuellen Projektmanagement-Literatur wird die strenge Phaseneinteilung („Wasserfallmodell“) in Frage gestellt. In der Praxis können Phasenverläufe sich überlappen oder zirkulär angelegt sein. Methoden wie Rapid Prototyping oder Agile Softwareentwicklung versuchen, andere Wege zu gehen.

Auch wird kritisiert, dass ein universell gültiger Phasenansatz der Unterschiedlichkeit von Projekten nicht gerecht werde. „One size doesn’t fit all.“ Dennoch baut auch die neue DIN-Normenreihe 69900 darauf auf. Eine PM-Aufgabe ist deshalb, das Vorgehen für ein konkretes Projekt, ausgehend von Standardmodellen, zweckentsprechend zu adaptieren; z. B. Projektphasen zusammenzufassen und nicht erforderliche Projektaktivitäten auszuklammern.

Werden die Projektmanagementprozesse von den Projektphasen abstrahiert, dann lassen sich die Projektmanagementprozesse in Prozessgruppen zusammenfassen.

In der Prozessgruppe Initiierung steht der Initiierungsprozess. Er wird zum Projektstart und dann wieder zum Start jeder Projektphase durchlaufen.

Prozessgruppen im Projektmanagement

Wichtige Ziele der Initiierung sind:

  1. Verteilung der notwendigen Informationen, damit von Anfang an effektiv/effizient gearbeitet wird,
  2. Nachlässigkeiten in frühen Projektphasen führen später zu (teuren) Schwierigkeiten, daher werden die Ziele und die Arbeitsweise der jeweiligen Projektphase geklärt,
  3. die Informationen über das Projekt werden ausgetauscht und unter den Stakeholdern angeglichen,
  4. das Projekt bzw. die nächste Projektphase wird in allen Teilen und Zusammenhängen betrachtet (nicht in allen Details).
  5. Zu allen Fragen soll möglichst früh eine Übereinstimmung aller Beteiligten erreicht werden.

Wie bei allen Prozessgruppen wiederholen sich die Prozesse und interagieren miteinander. Die sequentielle Darstellung ist eine Vereinfachung.

Gerade während der Initiierung werden durch Klärung und Festlegung der Projektziele die Weichen für den weiteren Projektverlauf und den Projekterfolg gestellt. Die Qualität der Projektziele/Phasenziele (Transparenz) und die Unterstützung der Stakeholder (Verbindlichkeit) entscheiden über den Projekterfolg.

Unter Planung werden alle Prozessschritte zur Planung des Projekts oder zur Detaillierung der jeweiligen Projektphase zusammengefasst. Alle Schritte orientieren sich am definierten Ziel des Projektes. Ggf. werden Handlungsalternativen geprüft und ausgewählt. Die wichtigsten Projektmanagementprozesse in der Prozessgruppe Planung sind:

  1. Planung Inhalt und Umfang
  2. Definition Inhalt und Umfang
  3. Definition der Vorgänge
  4. Festlegen der Vorgangsfolgen
  5. Einsatzmittelbedarfsplanung
  6. Schätzung der Vorgangsdauern
  7. Kostenschätzung
  8. Risikomanagementplanung
  9. Entwickeln des Terminplans
  10. Kostenplanung
  11. Zusammenstellung des Projektplans

Hierzu gibt es noch eine Reihe von Hilfsprozessen, wie Qualitätsplanung, Beschaffungsplanung, usw.

Unter Ausführung versteht man die Koordination der Mitarbeiter und anderer Ressourcen und deren Zuordnung zu den Vorgängen im Projektplan, damit das Projektziel erreicht wird. Hierzu gehören Prozesse, wie die Arbeitspaketfreigabe. Unterstützt wird die Ausführung von Hilfsprozessen, wie Qualitätssicherung, Informationswesen, Teamentwicklung oder Lieferantenauswahl, usw.

Diese Prozessgruppe beschäftigt sich mit der kontinuierlichen Überwachung der Zielerreichung im Projekt. Interessanterweise wäre das englischsprachige control processes in der deutschen PMBOK Guide Version besser als „Kontrolle“ anstatt als „Steuerung“ übersetzt worden (was wörtlich gesehen natürlich falsch gewesen wäre). In der Prozessgruppe Steuerung gibt es zwei Hauptprozesse:

  1. Berichtswesen, zur Sammlung und Verteilung (Stakeholderorientierung!) der Projektleistung und
  2. die integrierte Änderungssteuerung, um die Änderungen zu koordinieren.

Die Hauptprozesse werden durch eine Vielzahl von Hilfsprozessen unterstützt; dazu gehören Abnahmeprozesse für Anforderungen und andere Ergebnistypen, Termin- und Kostensteuerung und Risikoüberwachung.

Die abschließenden Prozesse beschäftigen sich mit

  1. Vertragsbeendigung und
  2. dem administrativen Abschluss des Projekts.

Bei ersterem muss dafür gesorgt werden, dass die Verträge alle ordentlich beendet, bezahlt, usw. werden. Beim administrativen Abschluss geht es um die interne Beendigung des Projekts im Unternehmen. Hierzu gehören Abschlussbericht, Lessons Learned Workshops und – nach PMI ganz wichtig – die Befüllung der „Datenbank mit historischen Projektdaten“, um das erworbene Wissen auch zukünftigen Projekten (und Projektmanagern) zur Verfügung zu stellen.

Zusammenspiel Prozessgruppen und Projektphasen

Die Hauptprozessgruppen wiederholen sich wiederkehrend in allen Projektphasen – jedoch in unterschiedlicher Ausprägung.

Beispiele

  • Die Detailplanung für jede Phase wird jeweils am Phasenanfang durchgeführt.
  • Für unterschiedliche Phasen wird eine neue Personalplanung erforderlich, da andere Fähigkeiten benötigt werden.
  • Jede Phase wird mit einem Phasenkickoff gestartet, um alle Stakeholder über die Aufgaben und Ziele der nächsten Projektphase zu informieren.
Integrations-
management
Umfangs-
management
Termin-
management
Kosten-
management
Qualitäts-
management
Personal-
management
Kommunikations-
management
Risiko-
management
Beschaffungs-
management

Projektmanagement hat im Wesentlichen die folgenden Tätigkeitsbereiche (nach Project Management Institute 'Wissensbereiche' genannt) abzudecken:

  • Integrationsmanagement: Hier wird die Integration des Projekts sichergestellt und koordiniert. Beteiligte und Betroffene (Grafikbeispiel siehe „Projektlandschaft“) sind dabei entsprechend der Art ihrer Beteiligung einzubeziehen. Die Einhaltung von Projekt-Standards erleichtert dies.
  • Inhalts- und Umfangsmanagement: Das Management des Projektrahmens (auch Scope Management, Anforderungsmanagement) sorgt dafür, dass die gesetzten Projektziele erreicht werden. Es sorgt allerdings nicht nur für die Ergebnisorientierung in Bezug auf die ursprünglichen Ziele, sondern hat insbesondere zur Aufgabe, notwendige Abweichungen von diesen Zielen, die im Projektverlauf deutlich werden, in das Projekt einzusteuern sowie entsprechende Neuplanungen zu veranlassen.
  • Terminmanagement: Zielt auf die Einhaltung des Zeitrahmens ab und sollte alle beteiligten Zielgruppen einbinden. Der Projektplan dient dabei v. a. als Kommunikationsmedium.
  • Kostenmanagement: Zielt auf die Budgeteinhaltung ab. Hierfür ist (zum Beispiel durch Projektkostenrechnung) der Kostenverlauf zu erfassen. Gegebenenfalls sind Gegenmaßnahmen einzuleiten.
  • Qualitätsmanagement: Projektspezifisches Qualitätsmanagement umfasst die Standardisierung von Projekt-Prozessen, Dokumentation der Arbeiten und Ergebnisse, sowie ein geeignetes Maßnahmenmanagement.
  • Personalmanagement: Enthält die effiziente Zuordnung der Ressourcen nach Fähigkeiten und verfügbaren Kapazitäten auf die Projektaufgaben, aber auch die Teamentwicklung.
  • Kommunikationsmanagement: Nimmt häufig bis zu 50 % der Projektarbeit ein und schließt alle Beteiligten und Betroffenen ein; auch im Veränderungsmanagement (Change Management) zu berücksichtigen.
  • Risikomanagement: Projektspezifisches Risikomanagement. Enthält Risikoanalysen, präventive Maßnahmen und Notfallkonzepte. Insbesondere bei komplexen Projekten ist dies von Bedeutung.
  • Beschaffungsmanagement: Integration und Zusammenarbeit mit Partnern und Lieferanten.

Die einzelnen Aktivitäten / Tätigkeiten im Projektmanagement sind auf diese Inhalte ausgerichtet und betreffen dabei ggf. mehrere Wissensbereiche gleichzeitig.
Beispiel: Das Aufgabenmanagement behandelt Inhalte aus dem Termin- und dem Personalmanagement.
Die Wissensgebiete erstrecken sich grundsätzlich über das gesamte Projekt, jedoch mit phasenspezifischen Schwerpunkten.
Beispiel: Definieren von Risiken oder Terminen in der Planungsphase, deren lfd. Überwachung in der Durchführung.

Wichtiger Hinweis: Die Wissensgebiete sind zwar im Wortlaut identisch mit entsprechenden Äquivalenten im allgemeinen Management, jedoch sind die Themen hier projektspezifisch ausgerichtet: Projektmanagement hat durch die projektspezifischen Eigenschaften (Einmaligkeit der Produkterstellung, zeitliche Beschränkung, Stakeholderorientierung und iterative Herangehensweise) spezielle Managementprozesse (siehe Projektmanagement Prozessgruppen), welche sich von den allgemeinen Management-Wissensgebieten erheblich unterscheiden.

„Projektplanung gibt es, seit Menschen größere Vorhaben gemeinschaftlich durchführen. Weder ein militärischer Feldzug, noch die Errichtung großer Gebäude (Tempel, Festungen), noch beispielsweise eine lange Seereise zur Entdeckung der Westpassage nach Indien sind vorstellbar, ohne dass die Verantwortlichen diese Projekte detailliert geplant hätten. Doch geschah dies lange Zeit formlos, allein aufgrund der Erfahrungen und Kenntnisse der Verantwortlichen; erst im 20. Jahrhundert sollten diese informellen Verfahren zusammengetragen, systematisiert und in die wissenschaftlich aufbereitete Form gebracht werden, unter der heute Projektmanagement betrieben wird.“[3]

Henry Gantt entwickelte 1910 den Balkenplan (auch Gantt-Diagramm genannt). Unabhängig davon hatte Karol Adamiecki eine ähnliche Methode mit den Namen Harmonogram und Harmonograf bereits 1896 entwickelt. Gantts Methode kam erstmals bei einem größeren Bauvorhaben, der Errichtung des 1935 fertiggestellten Hoover-Staudamms, zum Einsatz. Die erste Dokumentation der Vorgehensweise beim Projektmanagement wurde vermutlich im Rahmen des Manhattan-Projekts vorgenommen.[4]

Eine weitere Entwicklung des Projektmanagements war dann für den Wettlauf ins All erforderlich – vor allem für das Apollo-Programm.[5]

  • Eine ausführliche Literaturliste ist hinterlegt unter: Projektmanagement-Literatur
  • WikiProjekt Projektmanagement.
  1. ISBN 978-1434816269
  2. ISBN 978-3-86815-286-9
  3. Madauss, Bernd J.: Handbuch Projektmanagement: mit Handlungsanleitungen für Industriebetriebe, Unternehmensberater und Behörden, 6., überarb. und erw. Aufl., Stuttgart: Schäffer-Poeschel, 2000.
  4. ISBN 978-0070688018
  5. http://www.wdr.de/tv/quarks/global/pdf/Q_Mond.pdf


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Softwareeinführung

aus www.ifq.de, der freien Enzyklopädie

Softwareeinführung (auch Software-Rollout) ist der projektartige Vorgang der Etablierung einer Software in größeren Organisationen (z. B. Unternehmen oder Öffentliche Verwaltung). Dazu gehören die Schritte Softwareverteilung, Installation, Konfiguration, Erfassung von Daten, Einrichtung der IT-Betriebsorganisation (Operating), die Schulung von Mitarbeitern, sowie die Umstellung firmeninterner Prozesse. Soll die Software ein Altsystem ablösen, so kann zudem eine Datenmigration und ein Abschalten des Altsystems hinzukommen. Bei Standardsoftware kann das Customizing in das gesamte Softwareeinführungsprojekt eingebettet sein, bei Individualsoftware ist die Softwareeinführung der Schritt nach der Softwareentwicklung.

Prinzipiell gibt es zwei Strategien zur Einführung von Software: Der Big Bang und die iterative Einführung.

Die neue Software wird vollständig implementiert und zu einem einzigen, klar definierten Zeitpunkt (üblicherweise zu Zeiten, an denen die Nichtverfügbarkeit eines Systems weitgehend unkritisch ist, beispielsweise an einem Wochenende oder Jahreswechsel) in Betrieb genommen, so dass sie anschließend vollständig verfügbar sind. Zur Risikominimierung erfordert diese Art der Softwareeinführung umfangreiche Planungen und Vorbereitungen im Vorfeld (umfangreicher Softwaretest, Schulung der Administratoren, des Operatings und der Endbenutzer). Für den Fall dass kurzfristig nicht behebbare oder unvorhergesehene Fehlersituationen auftreten, sollte ein Rollback geplant werden.

Ein Risiko dieser Strategie ist, dass die Software nie oder mit großer Verspätung fertig implementiert und eingesetzt wird (etwa, weil sich die Anforderungen an die Software häufig und kurzfristig ändern, so dass ständig nachgebessert werden muss). Darüber hinaus lassen sich technische Schwierigkeiten (Lastsituationen, Performance) im Vorfeld oftmals nur schlecht abschätzen, wodurch sich oftmals erst nach Inbetriebnahme zeigt, ob die Lösung tatsächlich für den produktiven Betrieb geeignet ist.

Dem Big Bang gegenüber steht eine iterative Einführung eines neuen Systems, also die Einführung in mehreren, kleineren Schritten. Im Vorfeld sind kleinere Bestandteile, sowie die Abhängigkeiten zwischen diesen zu identifizieren und zu analysieren. Beides ist bei der iterativen Einführung entsprechend zu berücksichtigen (so kann beispielsweise eine Webanwendung nicht installiert werden, bevor der dafür benötigte Web- oder Application Server nicht installiert ist).

Durch den iterativen Ansatz sollen Risiken durch einen möglichen Ausfall des gesamten Systems reduziert werden. Weiterhin gibt es den Benutzern der Software die Möglichkeit, frühzeitig Erfahrungen mit Teilen des Systems zu sammeln, die wiederum bei der Entwicklung und Einführung der nächsten Teile berücksichtigt werden können. Oftmals wird man allerdings über einen längeren Zeitraum mit unvollständigen Zwischenlösungen leben müssen. Gibt es ein Altsystem in dem Daten eingegeben werden, dann ist eine iterative Einführung schwierig. Unter Umständen sind die Mitarbeiter in der Übergangszeit gezwungen mit zwei Systemen zu arbeiten.

Ein nicht zu unterschätzendes Risiko bei der iterativen Einführung eines neuen Systems sind firmenpolitische Veränderungen während der Entwicklung: Projekte werden aus Kostengründen gestoppt/verkleinert, eine Firmenumstrukturierung erfordern neue Planungen, die Firmenleitung setzt neue Schwerpunkte. Diese kann dazu führen, dass das Gesamtsystem in seiner ursprünglichen Planung, niemals vollständig eingeführt wird und somit als Ganzes nur stark eingeschränkt verwendbar oder schlimmstenfalls unbrauchbar ist.



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