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Software Engineering und Software-Entwicklung in Eckernförde, Schleswig-Holstein, Deutschland

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Software Entwicklung für das Internet in Eckernförde, Schleswig-Holstein

 

 

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Eckernförde

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Wappen Deutschlandkarte
54.4733333333339.83222222222223Koordinaten: 54° 28′ N, 9° 50′ O
Basisdaten
Bundesland: Schleswig-Holstein
Kreis: Rendsburg-Eckernförde
Höhe: 3 m ü. NN
Fläche: 18,39 km²
Einwohner:

22.614 (31. Dez. 2010)[1]

Bevölkerungsdichte: 1230 Einwohner je km²
Postleitzahl: 24340
Vorwahl: 04351
Kfz-Kennzeichen: RD
Gemeindeschlüssel: 01 0 58 043
Adresse der
Stadtverwaltung:
Rathausmarkt 4-6
24340 Eckernförde
Webpräsenz: www.eckernfoerde.de
Bürgermeister: Jörg Sibbel (parteilos)
Lage der Stadt Eckernförde im Kreis Rendsburg-Eckernförde
Hafen mit Holzbrücke

Eckernförde (andersprachliche Bezeichnungen siehe Tabelle) ist eine über 700 Jahre alte Mittelstadt im Landesteil Schleswig, Bundesland Schleswig-Holstein, etwa 25 Kilometer nordnordwestlich der Landeshauptstadt Kiel. Von 1867 bis 1970 war Eckernförde Kreisstadt des Kreises Eckernförde. Im engeren Sinne findet der Begriff Eckernförde vor Ort auch als Abgrenzungsbegriff zum Stadtteil Borby weiterhin Verwendung.

Sprache Bezeichnung
Dänisch Egernførde
Dänisch (selten) Ekernførde, Egernfjord
Niederdeutsch Eckernföör, Eckernför
Angeldänisch Nysted
Latein Ekerenforda, Ekelenforda

Inhaltsverzeichnis

Von den rund 23.000 Bürgern Eckernfördes leben rund 11.000 in den nördlichen Stadtteilen (davon zwischen 8.000 und 9.000 in Borby), unter 3.000 in der Stadtmitte und knapp 10.000 in den südlichen Stadtteilen der Stadt.

Da Eckernförde auf eine offizielle Einteilung in Stadtteile und die Wahl von Ortsbeiräten verzichtet hat, sind die Stadtteilbezeichnungen historischen Ursprungs. Während die Abgrenzung der einzelnen Stadtteile in der Mitte und im Norden der Stadt auch heute noch keine größeren Probleme bereitet, ist die genaue Zuordnung aufgrund der regen Bautätigkeit nach dem Zweiten Weltkrieg im Süden innerhalb und außerhalb der damaligen Stadtgrenzen heute zum Teil schwierig.

Zum Ende des Zweiten Weltkrieges zählte man neben der Stadtmitte (Altstadt, zu der man traditionell auch die Preußerstraße und die Berliner Straße bis zum Bahnübergang rechnet):

  • im Norden Borby, den südlich des damaligen Jungmannweges (heute: „Am Ort“) samt der Verlängerungsstraße im ehemaligen TVA-Nord-Gebiet gelegenen Teil von Louisenberg, das traditionelle Eckernförde-Nord (die Gebiete westlich von Borby, die vor der Eingemeindung Borbys zu Eckernförde gehörten wie u. a. die Schleswiger Straße) sowie Carlshöhe.
  • im Süden das traditionelle Eckernförde-Süd (u. a. Rendsburger Straße bis an den Brennofenweg heran, Kakabellenweg, Ostteil des Windebyer Wegs), Sandkrug (bis einschließlich Hoheluft und heutigem Feldstedt, Am Eichberg) und Sophienhöh (die vom Kreuzungsbereich Rendsburger Straße/Domstag/Wulfsteert ausgehende Bebauung samt u. a. Bismarckstraße und später „Rendsburger Lager“ und die damals abseits gelegenen Weidenstraße) als Eckernförder Stadtteile. Zwischen diesen Stadtteilen klafften noch überwiegend erhebliche Baulücken (so waren zum Beispiel die Mittelteile des Domstags und der Sehestedter Straße noch unbebaut, am Brennofenweg standen nur wenige Häuser nahe der Rendsburger Straße, die Nettelbeckstraße existierte noch nicht).

Noch außerhalb von Eckernförde lagen zum Zeitpunkt der Beendigung des Zweiten Weltkrieges:

  • im Norden: der Nordteil Louisenbergs, Grasholz (gehörte bis 1637 ursprünglich zu Eckernförde) und Schnaap (mit unter 20 Einwohnern der bevölkerungskleinste Stadtteil). Grasholz und Schnaap wurden 1970 eingemeindet, der Nordteil Louisenbergs 1974.
  • im Süden Wilhelmstal (ein Gut damals, dessen Flächen wenige Meter vor der Rendsburger Straße endeten), Windeby-Mühle (der Ort lag in der Gegend des heutigen Möhlenkamps, die dazu gehörige Fläche umfasst rund 2/3 der heutigen Diestelkamp-Wulfsteert-Bebauung), die Flächen des Goosefelder Ortsteils Marienthal, die heute zu Eckernförde gehören (Gewerbegebiet Marienthaler Straße), das Gebiet der heutigen Domsland-Siedlung sowie das Gebiet der heutigen Broosbyer Koppel (wurde in den 1960er bis 1970er Jahren teilweise als neuer Stadtteil bezeichnet und war wohl auch dem Gebiet Windeby-Mühle zuzuordnen). Die Eingemeindungen im Süden der Stadt fanden zwischen Anfang der 1960er Jahre bis in die 1990er Jahre statt.

Grasholz verfügt über einen Ortsteil (Sophienruh), Borby über mehrere – das sind unter anderen: Borbyhof, Feldwegsiedlung, Püschenwinkel, Borbyer Hagen (heute kaum noch gebräuchliche Bezeichnung für das Gebiet, in dem unter anderem der Kösliner Ring und der neue Borbyer Friedhof liegen).

Eckernförde liegt an der Ostsee am Ende der Eckernförder Bucht. Die Innenstadt wird in Form einer Sanduhr von der Ostsee im Osten und dem Windebyer Noor im Westen umschlossen. Von den insgesamt 1.797 Hektar Gemeindefläche entfallen 405 Hektar auf das Windebyer Noor und 22 Hektar auf die beiden Schnaaper Seen. Die größte Ausdehnung hat die Stadt mit über sieben Kilometern etwa entlang der Bundesstraße 76 in Nordwest-Südost-Richtung.

Maximale Eisrandlage (Brandenburger Stadium) der Weichseleiszeit in Norddeutschland (rote Linie). Die gelbe Linie zeigt zusätzlich die größte Ausdehnung der Vergletscherung der älteren Saaleeiszeit.

Die Geologie des Eckernförder Raumes und damit der Stadt Eckernförde ist vorwiegend durch die Weichseleiszeit geprägt. Der weichseleiszeitliche Ostseegroßgletscher teilte sich in Schleswig-Holstein in einen „Holsteiner Lobus“ und einen „Eckernförder Lobus“. Der „Eckernförder Lobus“ dehnte sich vom heutigen Angeln bis in die heutige Probstei aus und teilte sich im heutigen Eckernförder Gebiet unter Ausnutzung einer (nach Ansicht einiger Geologen schon vor der Eiszeit angelegten) Tiefenlinie der Eckernförder Bucht in eine nördliche („Windebyer Noor-Zunge“) und eine südliche („Wittensee-Goossee-Zunge“) Teileiszunge. Die nördliche Zunge formte u. a. die Hüttener –, die südliche die Duvenstedter Berge.

Mehr noch als die Eiszeit selbst waren es die diversen Abschmelzstadien des „Eckernförder Lobus“, die für die heutige Landschaftsgestalt in und direkt um Eckernförde verantwortlich sind. Zur hohen morphologischen Vielfalt innerhalb der Stadtgrenzen gehören noch existente Eiszungenbecken (Goossee-Niederung, Windebyer Noor samt angrenzender Verlandungsflächen), übersandete Grundmoränenlandschaften und Toteisformen (Eckernförde-Süd, Gebiet der Schnaaper Seen, Borby, Gallberg u. a.) zum Teil mit vermoorten Senken wie dem Domslandmoor, dem Marienthaler Wald oder der Wulfsteert-Senke, Seitenmoränen (insbesondere eingeschlossen in die Grundmoränenlandschaft des südlichen Eckernfördes, wo die Stadt im Gebiet des Brennofenweges mit 42 Metern ihren höchsten Punkt hat, sowie am Windebyer Noor) und tief gelegene (Möhlwischtal, Lachsenbachtal, Koseler Au u. a.) wie abfallende (Einschnitte wie zum Beispiel der heutige Liliencronweg) Schmelzwasserrinnen. Ehemalige Steilküsten oder Kliffs findet man im Eckernförder Stadtgebiet sowohl an der Ostsee (im Süden und in Borby) als auch am Windebyer Noor.

Die Altstadt von Eckernförde liegt hingegen auf einer auf wahrscheinlich moorigem Untergrund postglazial über mehrere tausend Jahre hinweg durch Sandanspülungen entstandenen Nehrung, deren Bildung anfangs durch tiefere Wasserstände der Ostsee begünstigt sein dürfte. Diese trennt heute das Windebyer Noor von der Ostsee. Die von Süden her kommende Sandströmung führt derzeit vor allem zur Verbreiterung der Stadt im Bereich des Vorhafens; im 17. Jahrhundert war der gesamte heutige Jungfernstieg noch ein Strand und selbst Mitte des 19. Jahrhunderts grenzte die zwischenzeitlich angelegte Straße seewärts teilweise immer noch an den Strand.

Nachbargemeinden sind die dem Amt Schlei-Ostsee (Sitz in Eckernförde) angehörenden Gemeinden Barkelsby, Gammelby, Windeby, Goosefeld und Altenhof (aufgelistet von Norden nach Süden gegen den Uhrzeigersinn).

Naheliegende Städte (alle zwischen 20 und 30 km von Eckernförde entfernt; von Nord nach Süd gegen den Uhrzeigersinn:). Kappeln, Arnis (kleinste Stadt Deutschlands), Schleswig, Büdelsdorf (2008 zur Stadt erhoben), Rendsburg und Kiel.

erster bekannter Stadtplan Eckernfördes von Braun/Hogenberg, wahrscheinlich um 1620
dänischsprachiger Stadtplan von C.F. Woisolofsky aus dem Jahre 1768
Eckernförde: Rathausmarkt
Marktplatz (Ende 19. Jh.)
Eckernförde, Panorama um 1915
Hauptartikel: Geschichte der Stadt Eckernförde

Die Herkunft des Stadtnamens Eckernförde ist nicht genau belegt und auch streitig. Der erste Namensteil Eckern weist möglicherweise auf Bucheckern hin, da Rotbuchen im heutigen Stadtgebiet früher ein geschlossenes Waldgebiet bildeten. Daher wohl auch das Eichhörnchen (dänisch egern, altdänisch ikorni) im Wappen, nach anderer Namensdeutung ist es das Eichhörnchen selbst, das zum ersten Namensteil geführt hat. Der zweite Namensteil -förde < vorde dürfte die Furt am Ende der Landzunge bezeichnen (vgl. niedersächs.-westfäl. Bremervörde, Lemförden, Herford usw.); der Eckernförder Historiker Jann Markus Witt nennt allerdings zwei Möglichkeiten der Namensdeutung: entweder „Förde bei der Eckernburg“ oder „Eichhörnchenfurt“. In den frühen Dokumenten schwankt der altdänische Name und wird gelegentlich mit -burg gebildet („Ykælænborg“ oder „Ykernæburgh“ = etwa „Eichhörnchenburg“).

Das genaue Gründungsdatum der Siedlung Eckernförde ist unbekannt; als der dänische Unionskönig Erich v. Pommern die Stadt 1416 im Krieg gegen die Grafen von Holstein niederbrannte, gingen angeblich alle Urkunden verloren. Der Name Ekerenvorde wurde zuerst im Jahr 1197 erwähnt. Ende des 12. Jahrhundert errichteten die Dänen am Ende der Eckernförder Bucht eine Burg, die 1231 im Erdbuch von König Waldemar II. als Ykernaeburgh (Eichhörnchenburg) erwähnt wurde. Hierauf weist noch der Stadtteil Borby hin (dänisch Borreby von borg, Burg). Um 1210 wurde mit dem Bau der zunächst einschiffigen nach dem Heiligen Nicolaus benannten Kaufmannskirche begonnen. Zu dieser Zeit gehörte Eckernförde zum Verwaltungsgebiet Fræzlæt, das von Eckernförde aus verwaltet wurde.

1302 wurde Eckernförde erstmals zweifelsfrei als Stadt erwähnt.

Im 18. Jahrhundert erlebte die Stadt einen ersten wirtschaftlichen Aufschwung als Fischereihafen und Industriestandort (zum Beispiel die Eckernförder Fayencemanufaktur). Vor allem der Kaufmann und Fabrikant Friedrich Wilhelm Otte war erfolgreich und weithin bekannt.

Mit der Gründung des Seebades 1831 im später eingemeindeten Fischerort Borby beginnt die touristische Tradition Eckernfördes, wobei die Fischerei aufgrund des gut gelegenen Hafens noch lange bis ins 20. Jahrhundert ein wichtiger Wirtschaftsfaktor blieb. Vor allem Räuchereibetriebe machten die Stadt weithin bekannt, obwohl die Sprotten bis heute vor allem mit der südlichen Nachbarstadt Kiel verbunden werden.

1848 brach der Bürgerkrieg im Herzogtum Schleswig aus. Eckernförde geriet schnell unter die Kontrolle der Schleswig-Holsteiner. Am 5. April 1849 wurde Eckernförde im Schleswig-Holsteinischem Krieg Ziel eines dänischen Landungsversuches, dem Gefecht bei Eckernförde, der zugleich die zweite Phase des drei Jahre währenden Krieges einleitete. Dabei wurden das dänische Linienschiff Christian VIII. und die Fregatte Gefion von den Strandbatterien der Aufständischen beschossen, wobei das Linienschiff explodierte, die Fregatte sich ergeben musste und von den Schleswig-Holsteinern übernommen wurde. Der deutschen Öffentlichkeit wurden vor allem Ernst II. als ranghöchster Kommandant und Eduard Julius Jungmann aufgrund ihrer militärischen Leistungen bekannt. Nach der Niederlage der schleswig-holsteinischen Aufständischen 1850 wurde der Gesamtstaat unter der dänischen Krone wiederhergestellt.

Mit der Lostrennung von der dänischen Monarchie und Anschluss an Preußen (1864) büßte Eckernförde den größten Teil seines Handels ein. Immer stärker geriet es in den Schatten des sich rasant entwickelnden Marinestandorts Kiel.

Bei der großen Sturmflut vom 13. November 1872 trug Eckernförde von allen Küstenorten der Ostsee aufgrund seiner Lage an der weit nach Nordosten geöffneten Bucht die schwersten Schäden davon. Das gesamte Stadtgebiet war tagelang meterhoch überflutet, 78 Häuser zerstört, 138 Häuser beschädigt und 112 Familien obdachlos geworden.

Jahr Einwohner
1769 1.450 über 12 Jahren[2]
1890 5.896[3]
1910 6.797
1925 7.322
1934[4] 10.150
1935 10.424
1939 12.478
Anfang 1945 16.200
Mai 1945 bis zu 60.000[5]
Ende 1945 26.187
1960 20.368
1970 21.299
1976 22.969
1980 23.081
1990 22.426
2000 23.304
2003 23.384
2004 23.249
2005 23.144
2008 22.793

Seit 1912 ist Eckernförde Garnisonsstadt und Marinestützpunkt sowie Sitz einer Torpedoversuchsanstalt (TVA Eckernförde) mit zeitweise zwei Arealen in Eckernförde (TVA Nord und TVA Süd) und mehreren Außenstellen außerhalb von Eckernförde (siehe Wehrtechnische Dienststelle 71).

Der Kapp-Putsch im März 1920 führte in Eckernförde zu blutigen Straßenschlachten zwischen den einmarschierten Putschisten und einer aus rund 1.600 Eckernfördern und Borbyern zusammengestellten „Arbeiterwehr“.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurde der spätere Ministerpräsident von Schleswig-Holstein Helmut Lemke als NSDAP-Mitglied Bürgermeister von Eckernförde. Am 5. April 1933 wurden zahlreiche Sozialdemokraten, Kommunisten und aktive „freie“ TVA-Gewerkschafter in Eckernförde verhaftet und in mehrmonatige „Schutzhaft“ genommen. Bei einer zweiten Verhaftungswelle 1936 wurden Widerständler aus dem Raum Kiel, Rendsburg und – vor allem – Eckernförde in Zuchthäuser oder Konzentrationslager verbracht. Der braune Terror begann allerdings schon vor der „Machtergreifung“ durch die Nationalsozialisten, als am 10. Juli 1932 bei einem SA- und SS-Überfall auf das Gewerkschaftshaus in Borby zwei Gewerkschafter ermordet wurden. Eine dritte Verhaftungswelle nach dem 20. Juli 1944 führte zum tragischen Tod des noch im März 1933 wiedergewählten Borbyer SPD-Bürgermeisters und Gewerkschaftssekretärs Richard Vosgerau. Über das Schicksal der nur sehr wenigen in Eckernförde lebenden Juden ist definitiv nur bekannt, dass mit Emmy Massmann eine Jüdin die Konzentrationslager Auschwitz und Bergen-Belsen überlebt hat.

Das Seebad Borby wurde am 1. April 1934 auf Betreiben Lemkes hin in die Stadt Eckernförde eingemeindet. Mit der Eingemeindung stieg die Einwohnerzahl der Stadt von knapp 8.000 auf über 10.000.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 gehörte Eckernförde zur Britischen Besatzungszone. Die britische Militärverwaltung richtete ein DP-Lager ein zur Unterbringung so genannter Displaced Persons (DP). Das Lager mit der Verwaltungsnummer 1206 bestand aus drei Teillagern und wurde von einem Team der UNRRA betreut. 1947 lebten über 2.500 DPs im Lager Eckernförde. Die Lager wurden im Dezember 1949 aufgelöst.

Der Zustrom von über 10.000 Flüchtlingen aus den ehemaligen Ostgebieten Deutschlands in den letzten Kriegsmonaten und nach dem Zweiten Weltkrieg in das von Bomben fast verschont gebliebene Eckernförde bescherte der Stadt teilweise bis in die 1970er Jahre hinein eine große Wohnungsnot: schon für den Zustrom von TVA-Beschäftigten im Zweiten Weltkrieg gebaute Lager mit einer Kapazität von mindestens 6.000 Plätzen im Jahre 1943 wurden als Flüchtlingslager genutzt teilweise erweitert, es entstanden weitere Lager. Insgesamt verdreifachte sich die Bevölkerungszahl zwischen 1935 und 1947 durch den Zuzug von TVA-Beschäftigen, Flüchtlingen und Ausgebombten fast von knapp über 10.000 auf unter 28.000; allein im Kalenderjahr 1945 wuchs die Einwohnerzahl von über 16.000 zu Beginn des Jahres auf über 26.000 am Ende; im Mai 1945 betrug sie nach einer Schätzung sogar rund 60.000. Dennoch avancierte die Stadt in den ersten Nachkriegsjahren auf manchen Gebieten auch zu einem „Kriegsgewinner“; zu nennen sind beispielsweise Um- und Ansiedelungen von Gewerbebetrieben (u. a. die Waffenfabrik J. P. Sauer & Sohn), die Gründung eines ersten Sinfonieorchesters für Schleswig-Holstein nach dem Krieg mit Sitz in Eckernförde („Schleswig-Holsteinisches Konzertorchester“), die Aufstellung der Bereitschaftspolizei 1951 (verlegt nach Eutin 1956) sowie die sportlichen Erfolge des Eckernförder SV.

In den letzten 20 Jahren ist Eckernförde von einer beschaulichen Hafenstadt zu einem touristischen Zentrum an der Ostseeküste geworden. Seit 1989 stieg die Einwohnerzahl von damals 22.347, mit Ausnahme der Jahre 1996 bis 1998, kontinuierlich auf 23.249 (2004).

Die Ratsversammlung von Eckernförde besteht in der Regel aus 27 ehrenamtlichen Mitgliedern, die alle fünf Jahre neu gewählt werden. Durch Überhang- und Ausgleichsmandate sind es in der Wahlperiode von 2008 bis 2013 insgesamt 34 Ratsherren und -frauen. Vertreten sind seit der Kommunalwahl 2008 die CDU mit 14 Sitzen bei einem Stimmenanteil von 37,7 Prozent (-1 Sitz, -11,1 % gegenüber 2003), die SPD mit 9 Sitzen bei 26,6 Prozent (+1, -1,0 %), Bündnis 90/Die Grünen mit 3 Sitzen bei einem Wähleranteil von 10,2 Prozent (+1,+0,6 %), der SSW mit 3 Sitzen und 10,0 Prozent Wähleranteil (+1,+1,0 %), die FDP mit 3 Sitzen und 8,1 Prozent (+2, +2,9 %) und Die Linke mit 2 Sitzen und 7,5 Prozent der Stimmen (war 2003 noch nicht angetreten). Anfang März 2009 trat einer der CDU-Ratsherren aus seiner Partei und der CDU-Ratsfraktion aus und gehört inzwischen der Ratsversammlung als fraktionsloses Mitglied an. Wie sehr auch auf der Ebene einer Kommune der Stimmenanteil der einzelnen Parteien voneinander abweichen kann, zeigt sich am Beispiel der 15 Eckernförder Wahlkreise: der Stimmenanteil der CDU lag zwischen 27,8 und 48,4 %, der der SPD zwischen 17,9 und 32,8 %, der der Grünen zwischen 6,3 und 13,8 %, der des SSW zwischen 6,5 und 14,0 %, der der FDP zwischen 5,4 und 11,3 % und der der Linken zwischen 6,4 und 12,3 %. Neben den genannten Parteien gehörten seit Ende des Zweiten Weltkriegs der Eckernförder Ratsversammlung auch KPD, BHE, SHWG[6], AVP (durch Übertritt eines FDP-Ratsherrn Mitte der 1970er Jahre) und STATT-Partei an. Aus der Mitte der Ratsversammlung wählen die Mitglieder einen Vorsitzenden, den Bürgervorsteher. Dieser leitet die Sitzungen und vertritt die Ratsversammlung gegenüber dem Bürgermeister. Amtierende Bürgervorsteherin ist Karin Himstedt (CDU).

  • 1931–1933: Wilhelm Sievers, NSDAP
  • 1933–1937: Helmut Lemke, NSDAP
  • 1938-1943: Friedrich Böhm, NSDAP (offizielle Amtszeit bis 1945)
  • 1943-1945: Heinz Loewer, NSDAP (offiziell kommissarisch)
  • ab 8. Juni 1945: Rechtsanwalt Hans Ohm (kommissarisch)
  • Nachfolger: ab 1. August 1945 Ewald Wendenburg (kommissarisch)
  • ab 2. April 1946: Heinrich Schumacher, KPD
  • ab September 1946: Daniel Hinrichsen, CDU
  • ab April 1950-September 1952: Wendenburg, CDU
  • 1952-1966 Werner Schmidt, GKG[7] - dann parteilos - dann FDP
  • 1966-1969: Wiedemann, parteilos
  • 1969–1987: Kurt Schulz, SPD
  • 1987–1998: Klaus Buß, SPD
  • 1998–1999: Ingrid Ehlers, SPD (kommissarisch)
  • 1999–2006: Susanne Jeske-Paasch, SPD
  • seit 2007: Jörg Sibbel, parteilos

Aus der Wahl vom 24. September 2006 ging der parteilose Jörg Sibbel, damals Bürgermeister von Osterrönfeld, mit 65,7 Prozent der Stimmen als Sieger hervor. Er trat das Amt zum Jahresbeginn 2007 an und beendete damit eine rund 35 Jahre andauernde Epoche sozialdemokratischer Bürgermeister.

Blasonierung: „In Gold über drei blauen Wellenleisten ein breiter, gemauerter blauer Zinnenturm mit geschlossenem Tor, auf dessen Zinnen ein rotes Eichhörnchen läuft.“[8]

  • Macclesfield in England (seit 1953)
  • Hässleholm in Schweden (seit 1958)
  • Tanga in Tansania (seit 1963)
  • Nakskov in Dänemark (seit 1969)
  • Brzeg (Brieg) in Polen (seit 1989)
  • Bützow in Mecklenburg-Vorpommern (seit 1990)
  • Freundschaftliche Beziehungen zu Baltijsk (Pillau) in Russland (seit 1955)
Eckernförder Altstadt
Der Altar von Hans Gudewerth d.J. in der St. Nicolaikirche

Eckernförde verfügt über eine ganze Reihe von in das Denkmalbuch eingetragenen Kulturdenkmalen von besonderer Bedeutung. Das sind diverse Gebäude, dazu einige Monumente und Parkanlagen. Das älteste als Denkmal eingetragene Bauwerk ist die Borbyer Kirche, das jüngste das neue Fachhochschulgebäude am Lorenz-von-Stein-Ring. Zu den diversen eingetragenen Gebäuden gehören auch die Sankt-Nicolai-Kirche, das Alte Rathaus (heute Museum), das Rundsilo, die so genannte Ritterburg sowie zahlreichen Wohnhäuser und ehemalige Räuchereien in der Altstadt.

Die Altstadt mit ihren engen Gassen und restaurierten Fischerhäuschen liegt zwischen Hafen und Strand. Das Ensemble dreier Wahrzeichen von Eckernförde: die Holzbrücke, das Rundsilo von 1931 und das ehemalige Siegfried-Werft-Gelände mit Holz- und Steinbauten ist am Hafen gelegen. Die Fußgängerzone Kieler Straße hat sich das kleinstädtische Flair erhalten und verläuft parallel zum kaum 150 Meter entfernten Strand. Im neuen Ostsee Info-Center am Übergang zwischen Strand und Hafen (Eröffnung Mai 2008) lernen Jung und Alt die Ostsee und ihre Bewohner kennen. Das „Museum Eckernförde“ im Alten Rathaus aus dem 15. Jh. bietet einen Einblick in die Stadtgeschichte. Der Rathausmarkt als kultureller Mittelpunkt der Stadt ist in seiner Bausubstanz nach dem Zweiten Weltkrieg weitgehend erhalten geblieben und bietet eine historische Kulisse für Wochenmarkt und sonstige Veranstaltungen.

Eckernförde hat drei evangelische Kirchen: die Sankt-Nicolai-Kirche mit ihrem frühbarocken Altar des Eckernförder Bildschnitzers Hans Gudewerth des Jüngeren und zahlreichen Epitaphien aus Renaissance und Barock, sowie die Kirche Borby und die dänische Egernførde Danske Kirke, außerdem die katholische Sankt-Peter-und-Paul-Kirche und eine neuapostolische Kirche.

Im Umland der Stadt befinden sich zahlreiche Gutshöfe, die sich weitestgehend in altem Familienbesitz befinden. Im Mai prägt die Rapsblüte die Landschaft. Im Winter bietet das Windebyer Noor manchmal die Möglichkeit zum Schlittschuhlaufen.

Eckernförde ist eine mehrsprachige Stadt: Neben der Amtssprache Hochdeutsch werden umgangssprachlich auch Dänisch (vor allem in Sydslesvigdansk, einer Variante des Reichsdänischen) und Plattdeutsch (überwiegend im Schwansener Platt, einem Kleindialekt des Schleswigsch) gesprochen. Eckernförder Amtssprache war bis etwa 1350 Latein, danach Plattdeutsch, seit 1625 Hochdeutsch; staatliche Amtssprache war über Jahrhunderte hinweg auch Dänisch. Historisch reichte der Sprachraum des Südjütischen im Mittelalter bis an die Linie Eckernförde-Treene-Husum.

Während seit 1912 in Eckernförde sich vor allem die Johann-Hinrich-Fehrs-Gill um die Pflege und Erhaltung der niederdeutschen Sprache sowie des Brauchtums zur Aufgabe gemacht hat (u.a. mit Theater- und Trachtengruppen), verfügt die dänische Minderheit über eine ganze Reihe von Einrichtungen zur Sprach- und Brauchtumspflege wie beispielsweise eine Schule (Jes-Kruse-Skolen), zwei Kindergärten, ein Versammlungshaus (Medborgerhuset) und eine Kirche (Egernførde danske Kirke).

Die traditionelle Mehrsprachigkeit führte auch dazu, dass Ortsbezeichnungen innerhalb der Stadt von Stadt- und Ortsteilbezeichnungen (z.B. Borby dänischer Herkunft) bis hin zu den offiziellen Straßenbezeichnungen unterschiedlicher sprachlicher Herkunft sind; zum Teil handelt es sich auch um Mischformen (die Straße Klintbarg z.B. aus dän.: Klint = Steilküste und plattdt.: Barg = Berg). Neben den offiziellen Straßenbezeichnungen liegen teilweise auch inoffizielle Synonymbezeichnungen in den Minderheitensprachen vor (z.B. plattdt.: Peermarkt für Pferdemarkt, dän.: Langebroegade für Langebrückstraße[9])

Die Ortseingangstafeln in Eckernförde wurden Anfang 2008 durch zweisprachige Ortsschilder mit der niederdeutschen Ortsnamensform Eckernföör ausgetauscht.[10]

  • Kakabelle-Bier: das seit wenigen Jahren wieder in geringen Mengen zu bestimmten Anlässen (jetzt von der „Ricklinger Landbrauerei“) gebraute Bier war im späten Mittelalter (bis 1503 unter dem Namen „Quackeltheiß“) und in der frühen Neuzeit ein Eckernförder Exportschlager und wurde auch von dänischen Königen gerne getrunken. Das vom dänischen König Christian IV. 1622 erlassene Importverbot für ausländische Biere (gemeint: das Königreich, nicht der Staat Dänemark) soll vor allem dem Schutz des Kakabelle-Biers gegolten haben. Wie das Bier zu seinem Namen kam, berichtet Heinrich Rantzau: Eckernförde sei bekannt auch durch sein
bekömmliches Bier. Man nennt es, dem Kardinal Raimund (erg. Peraudi) folgend, Cacabille, weil es nach seinen Worten – mit Verlaub – das Kacken angenehm macht. Er hatte es auf Italienisch Cacabelle genannt; daraus machten die Einwohner dann Cacabille.[11]
  • Kieler Sprotte: Die Räucherfischspezialität Kieler Sprotte stammt aus Eckernförde und erhielt ihren Namen nur, weil sie im 19. Jahrhundert bei der Verfrachtung den Frachtstempel des Kieler Bahnhofs erhielt. Die Kieler Sprotte ist eines der Räucherfischprodukte, auf die sich der Spruch „In Eckernför, dor hebbt se't rut, ut Sülver Gold to maken“ (In Eckernförde haben sie's raus, aus Silber Gold zu machen) bezieht: gemeint ist die goldene Farbe, die silberne Fische durch den Räuchervorgang bekommen.
  • Küstennebel: Der Küstennebel ist ein seit 1985 von der Spirituosenfirma Behn hergestellter Anisschnaps. Die jahrelang nicht überarbeitete Nebelschallanlagensatzung der Stadt führte bis Mai 1984 dazu, dass in Eckernförde de jure permanent Küstennebel herrschte; denn der herrschte laut örtlicher Satzung, wenn das Gebäude der Firma Sauer und Sohn von der Mole aus nicht mehr zu erkennen ist, der Blick auf dieses Gebäude aber war inzwischen längst durch einen Neubau verstellt und außerdem gehörte es inzwischen der Bundeswehr – die Firma Sauer & Sohn war Anfang der 1970er Jahre in einen anderen Stadtteil umgezogen.
Szene vom Konzert der Fantastischen Vier im Rahmen des Eckernförde Strand-Festivals 2010
  • April: Musicaltage Eckernförde
  • Ostern: Osterfeuer und Drachenfest am Südstrand
  • Pfingsten: Aalregatta (bis 2005 als Teil der Kieler Woche) mit großem Hafenfest
  • 1. Juni Wochenende: Motoküstika
  • Mitte Juni: Welcome Race Auftaktregatta der Kieler Woche
  • Juli und August: Veranstaltungsreihe Musik auf dem Rathausmarkt
  • 2. Juli Wochenende: Sprottentage mit großem Stadtteilwettkampf im Hafen
  • 1. August Wochenende: Piratenspektakel (1997–2006 unter dem Namen „Piratentage“) Saisonhighlight
  • Juli oder August: Eckernförder Strand-Festival seit 2007 jährlich mit namhaften Interpreten wie z. B. Joe Cocker, Rod Stewart, Ich & Ich, Culcha Candela oder Die Fantastischen Vier am Südstrand (2011 kein Strand Festival)
  • Anfang September: Internationales Naturfilmfestival GREEN SCREEN
  • Ende November bis Weihnachten: Weihnachtsmarkt rund um die St. Nicolai Kirche
  • Wilhelm-Lehmann-Tage, jährlich zu Ehren des Dichters und Ehrenbürgers, veranstaltet von der Wilhelm-Lehmann-Gesellschaft und dem Kulturamt der Stadt Eckernförde, dabei seit 2009 Vergabe des Wilhelm-Lehmann-Preises

In Eckernförde gibt es rund 50 Sportvereine[12]. Der größte von ihnen ist mit über 2.300 Mitgliedern und 16 Sparten der Eckernförder Männer-Turnverein von 1864 (EMTV). Die anderen Sportvereine sind Ein- oder Zwei-Sparten-Vereine. Die Palette der angebotenen Sportarten reicht von populären wie Fußball, Handball oder Tennis bis hin zu in mehreren Vereinen angebotenen unterschiedlichen asiatischen Kampfsportarten. Fast schon selbstverständlich ist es, dass sich in einer Stadt an der Küste etliche Sportvereine diversen Wassersportarten wie Angeln, Schwimmen, Rudern, Segeln, Tauchen oder Surfen widmen. Dänische Sportvereine sind Eckernförde IF und der Egernførde Badmintonklub.

Überregional beachtete Erfolge kann vor allem der Segelclub Eckernförde (SCE) aufweisen – insbesondere sind die Namen Horst Dittrich und Holger Jess zu nennen. Die Crew von Horst Dittrich konnte in der Folkeboot-Klasse mehrfach (1982, 1998, 1999, 2000 – zuletzt in der Besetzung Horst Dittrich, Knut Nommels, Heinz Schacht) den Deutschen Meisterschaftstitel und auch internationale Erfolge erringen, zum Beispiel 1984 die inoffizielle Weltmeisterschaft dieser Bootsklasse, dem Goldpokal, mit dem Boot Mareike (Horst Dittrich, Hartwig Sulkiewicz, Peter Lehr); zweimal (1986, 2000) wurde dieser Wettbewerb in Eckernförde ausgetragen. Der inzwischen für den Potsdamer Yachtclub startende Holger Jess wurde – seit 1999 zusammen mit Dr. Wolfgang Hunger – mehrfach in der 505er-Bootsklasse Deutscher Meister (1995, 1996, 1997, 1998, 1999, 2001, 2002, 2003) und darüber hinaus Europameister (2004) und Weltmeister (2001, 2003, 2005). Weitere Meisterschaften im Segeln: Wolfgang Titze 1976 Skandinavische Meisterschaft der 1/4-Tonner, Heinrich Dittrich 1978 Deutsche Meisterschaft der Folkeboot-Klasse, Christian Blenckner 1983 Deutsche Meisterschaft der Folkeboot-Klasse; Andreas Föh wurde 1993 als Crewmitglied der Rubin XII Gewinner des Admiral’s Cups für das deutsche Team, das sich aus den Booten Pinta, Rubin XII und Behälter zusammensetzte.

Auch der Tanzclub Eckernförde e.V. (TCE) mit knapp 200 ständigen Mitgliedern kann auf die Ausrichtung Deutscher Meisterschaften und Meisterschaftstitel aus seinen Reihen verweisen.

Zu den Klassikern jährlich stattfindender Eckernförder Sportveranstaltungen gehören die „Aalregatta“ (Vom SCE ausgetragen; bis 2005 als Teil der „Kieler Woche“) und das Radrennen „Rund um das alte Seminar“ (ausgetragen von der Radsportgemeinschaft Eckernförde von 1887 e.V.), jüngeren Datums sind der „Eckernförder Stadtlauf“ (Ausrichter: EMTV) und das Beachbasketball-Turnier am ersten Wochenende im August. Daneben findet in der Nachbargemeinde Altenhof jährlich auch das CSI-Reitturnier statt. Das einzige rein Eckernförder Fußball-Erstliga-Stadtderby fand übrigens am 10. September 1944 in der Gauliga zwischen den beiden Aufsteigern Eckernförder SV und der Betriebssportgemeinschaft TVA Eckernförde statt und endete mit einem 4:2-Sieg des ESV.

Neben den zivilen Sportvereinen und Sportarten gibt es in Eckernförde mit der „Sportfördergruppe Eckernförde“ der Bundesmarine und der von ihr ausgeübten Sportart „Maritimer Fünfkampf“ noch eine militärische Variante. Die „Sportfördergruppe Eckernförde“ wurde seit 1983 mehrmals Welt- und Europameister sowohl in der Mannschafts- wie auch in der Einzelwertung in dieser rein militärischen Disziplin; 1983 und 1996 wurde die CISM-Weltmeisterschaft, 2004 die CISM-Europameisterschaft in Eckernförde ausgetragen.

Eckernförde gehörte zur "Technologie-Region K.E.R.N.".

Seit 2008 verfügt die Stadt Eckernförde über ein professionelles Stadtmarketing. Die Aufgabe wird durch die Eckernförde Touristik & Marketing GmbH betreut. Zum Stadtmarketingprozess gehören diverse Arbeitskreise und Schwerpunktaufgaben wie z.B. die Vermarktung des Innenstadt Wochenmarktes, der Freiflächenvermarktung, Wirtschaftsförderung und der Projektsteuerung. Seit 2008 wurden bereits mehr als 60 Projekte erfolgreich umgesetzt.

Der lokale Zusammenschluss von Unternehmern (Handels- und Gewerbeverein) nennt sich in Eckernförde Wirtschaftskreis. Aktuell vertritt der Verein ca. 90 Mitglieder bzw. Firmen.

In Eckernförde sind nur wenige größere Industriebetriebe beheimatet. Dazu zählen der Ventilatorräder- und Lufttechnikhersteller Punker (ca. 270 Beschäftigte), der Handfeuerwaffenproduzent Sauer & Sohn (ca. 330 Beschäftigte) und der Getränkehersteller Waldemar Behn GmbH & Co. KG (ca. 240 Beschäftigte). Die Wirtschaftsstruktur der Stadt ist insgesamt von über 1.400 Klein- und Mittelbetrieben geprägt, von denen 77 Prozent keine Gewerbesteuer zahlen. Trotz des Truppenabbaus auch in Eckernförde (eine Kaserne wurde vollkommen stillgelegt) ist die Bundeswehr weiterhin mit rund 2.200 Arbeitsplätzen in den verbliebenen zwei Kasernen und der Wehrtechnischen Dienststelle (WTD 71, vormals TVA) der größte Arbeitgeber Eckernfördes. Die Arbeitslosenquote im Bereich des Arbeitsamtes Eckernförde, der den Altkreis Eckernförde umfasst, lag im Oktober 2006 bei 7,6 Prozent und damit niedriger als im Umkreis.

Die Kaufkraftzahl (auch: Kaufkraftkennziffer oder Kaufkraftindex) liegt im gesamten Kreis Rendsburg-Eckernförde (2005: 103,6) und auch in der Stadt Eckernförde selbst kontinuierlich oberhalb des bundesrepublikanischen Durchschnittswertes von 100. Das Handels-Einzugsgebiet der Stadt ist sowohl für die periodische kurzfristige Bedarfsdeckung (Nahrungs- und Genussmittel u. a.) als auch für die aperiodisch gehobene Bedarfsdeckung (Non-Food) durch die Einzugsbereiche der Städte Kappeln, Schleswig, Rendsburg samt Büdelsdorf und vor allem dem Oberzentrum Kiel, bei der periodischen Bedarfsdeckung auch vom Einzugsgebiet Gettorfs auf halber Strecke zwischen Kiel und Eckernförde, begrenzt und umfasst ein Gebiet mit knapp 45.000 Einwohnern, von denen mehr als 50 Prozent direkt in Eckernförde leben. Die Touristen in den Sommermonaten beleben den Handel zusätzlich. Neben dem traditionellen Einkaufszentrum Innenstadt hat sich in den vergangenen 20 Jahren immer mehr der Süden der Stadt (zwischen Domstag, Rendsburger Straße und Sauerstraße) zu einem zweiten Einkaufszentrum (mit SB-Warenhäusern, Discountern, Baumarkt, Einzelhandelsgeschäften etc.) entwickelt. Obwohl schon seit über zwei Jahrzehnten gutachterlich Eckernförde in einzelnen Branchen ein Überangebot an Verkaufsfläche/Einwohner attestiert wurde (zum Beispiel UNIVERSA-Gutachten von 1982), hat sich diese Entwicklung seither verstärkt und in einzelnen Branchen Züge eines Verdrängungswettbewerbs (Baustoffhandel als Beispiel) angenommen.

Größtes Kreditinstitut vor Ort und in der Region ist die am 1. Januar 2007 aus der Fusion der Sparkasse Eckernförde mit der Sparkasse Kiel und der Sparkasse Kreis Plön hervorgegangene Förde Sparkasse, gefolgt von der Eckernförder Bank (vormals: Volksbank Eckernförde). Natürlich sind in Eckernförde auch die üblichen Ketten wie beispielsweise die großen Automobilhersteller mit ihren Autohäusern oder die überall anzutreffenden Discount-, Super- oder Drogeriemärkte präsent.

Die touristischen Attraktionen, neben der Ostsee und dem 4 km langen Sandstrand, sind folgende:

  • Ostsee Info-Center: Informationen über Meerestiere an der Ostsee, am Strand gelegen
  • Stadtmuseum: städtische Historie und Wechselausstellungen, Im alten Rathaus
  • Meerwasser Wellenbad: ab 2012 mit neuer Saunalandschaft, 75 m Rutsche, Wellengang alle 30 min.
  • Erlebnishafen: Fisch vom Kutter, Ausflugsfahrten
  • Bonbonkocherei: Livevorführungen, Bonbons, Frau Clara Straße
  • Hochseilgarten Eckernförde: klettern auf 10 Strecken, bis zu 25 m hoch - Altenhof

Die Hauptinformation ist an der Strandpromenade gelegen (Am Exer 1). Seit Oktober 2011 gibt es zudem den Tourist Info Punkt in der Innenstadt (Kieler Straße 59).

Die Übernachtungskapazität beträgt insgesamt rund 1700 Betten, davon rund 400 in typischen Beherbergungsbetrieben wie Hotels und Pensionen, rund 1100 in Privatquartieren einschließlich Ferienwohnungen und -häusern sowie 172 in der Jugendherberge[13] und 73 im Gästehaus der DLRG LV Schleswig-Holstein[14].

Im Jahr 2011 wurden ca. 40.000 Gästeankünfte verzeichnet. Diese Gäste übernachten im Durchschnitt ca. 3,5 Tage, so dass sich hieraus ca. 140.000 Übernachtungen ergeben haben. Der Trend der letzten drei Jahre zeigt, dass die Urlaubsdestination Eckernförde Bucht an Nachfrage zulegen konnte. Die Region wird immer beliebter. Dementsprechend konnten sich die touristischen Kennzahlen deutlich verbessern. die aktuellen Zahlen veröffentlicht die Eckernförde Touristik & Marketing GmbH.

Der insgesamt rund vier Kilometer lange Ostseestrand aus feinem Quarzsand unterteilt sich in den rund drei Kilometer langen Hauptstrand und den etwa einen Kilometer langen Südstrand im Süden der Stadt. Diese sind ganzjährig kurtaxfrei. Ein 160 Meter langer Teil des Strandes ist als Hundestrand ausgewiesen. Eckernförde verfügt zudem über einen ca. 500 m langen, schmalen Ostseestrandabschnitt in Borby, eine Badestelle am Großen Schnaaper See sowie das Meerwasser Wellenbad.

Das Verwaltungshaushaltsvolumen der Stadt beträgt 2007 rund 33 Millionen Euro, was gegenüber dem Vorjahr einer Steigerung von etwa 1,5 Millionen Euro und 4,73 Prozent entspricht. Der Vermögenshaushalt beträgt rund 9,5 Millionen Euro – gegenüber 2006 eine Steigerung von über 1 Million Euro und einem Plus von 13,36 Prozent. Die Verschuldung der Stadt beträgt knapp 6,5 Millionen Euro. Mit einer Pro-Kopf-Verschuldung von 275,90 Euro liegt Eckernförde weit unter dem Durchschnittswert der Mittelstädte Schleswig-Holsteins (631,00 Euro), obwohl die Steuerkraft mit 471,00 Euro/Einwohner gleich um gut 34 Prozent unter dem Durchschnitt der Mittelstädte des Landes (714,29 Euro) liegt. Die jährliche Zunahme der Pro-Kopf-Verschuldung lag im Durchschnitt der vergangenen 25 Jahre bei etwas weniger als zwei DM bzw. bei unter einem Euro.

Die Stadtwerke Eckernförde GmbH und die Eckernförde Touristik GmbH sind Eigenbetriebe der Stadt mit einem Stammkapital von insgesamt etwa 4,6 Millionen Euro.

Der Bahnhof Eckernförde liegt an der Bahnstrecke Kiel–Flensburg, die seit 1881 - zunächst als Privatbahn (Kiel-Eckernförde-Flensburger Eisenbahn-Gesellschaft) - verkehrt. Mit Kiel besteht teilweise eine halbstündliche, nach Flensburg eine stündliche Verbindung. Bei Realisierung des StadtRegioBahn Kiel-Projektes werden künftig stündlich vier Züge den Bahnhof in Richtung Kiel verlassen, je zwei auf der bisherigen Strecke und auf einer neuen Strecke über die Kieler Universität mit einer zusätzlichen Station in Eckernförde-Süd[15]. Zu diesem Zweck soll die Eisenbahnstrecke bis Eckernförde elektrifiziert werden.

Die Linien der Eckernförder Kreisbahnen nach Kappeln und Owschlag (an der Bahnstrecke Neumünster–Flensburg) wurden Ende der 1950er Jahre eingestellt. Neben dem Anfang der 1970er Jahre erbauten neuen Bahnhofsgebäude gibt es auch einen ZOB. Mehrere Buslinien des Stadtverkehrs Eckernförde durchqueren nahezu das gesamte Stadtgebiet. Eine der wenigen innerdeutschen Fernbuslinien führt von Eckernförde nach Berlin. Die wichtigsten Überlandbusverbindungen verkehren in Richtung Kiel, Rendsburg (Schnellbus, Mo–Fr im Stundentakt), Schleswig sowie Kappeln.

Sowohl die Bundesstraße 76 als auch die Bundesstraße 203 führen, teilweise auf gemeinsamer Trasse, durch den Ort. Von der Bundesautobahn 7 gibt es zwei Abfahrten nach Eckernförde bei Rendsburg/Büdelsdorf und Owschlag.

In Eckernförde gibt es insgesamt vier Häfen sowie einen Schiffsanleger an der Torpedoschießanstalt im Süden (Sandkrug) der Stadt: Der Eckernförder Stadthafen – meist nur als Hafen bezeichnet – dient unter anderem als Fischerei-, Traditionssegler- und Frachthafen (vor allem Getreideumschlag). An der Hafeneinfahrt befindet sich der Vorhafen – ein Yachthafen vor allem für Motoryachten. Der Kranzfelder-Hafen, benannt nach Alfred Kranzfelder, ist ein Tiefseehafen im Stadtteil Louisenberg der Bundesmarine, in dem inzwischen sämtliche deutsche U-Boote stationiert sind. Auf der Stadtteilgrenze zwischen Louisenberg und Borby gibt es den Segelyachthafen des SC Eckernförde. Die Ringelnatter – eine Boje – grenzt in der Eckernförder Bucht den Gesamtbereich der Eckernförder Häfen inklusive der Reede-Seeflächen ab. Noch in den 1980er Jahren reichte eine Umrundung der Ringelnatter mit einem Passagierschiff oder Fischkutter zum zollfreien Einkauf.

In Eckernförde erscheinen die Tageszeitungen Eckernförder Zeitung und die Kieler Nachrichten (mit der Regionalausgabe Eckernförder Nachrichten). Jährlich erscheint das Jahrbuch der Heimatgemeinschaft Eckernförde, das sich mit Historischem wie Aktuellem aus dem Bereich des ehemaligen Kreises Eckernförde beschäftigt.

Museum Eckernförde im Alten Rathaus
  • Amtsgericht
  • Dänische Bücherei (in der Jes Kruse-Skole)
  • Finanzamt Eckernförde-Schleswig
  • Kfz-Zulassungsstelle für den Kreis Rendsburg-Eckernförde
  • Kreiskrankenhaus
  • Stadthalle mit Stadtbücherei
  • Meerwasser Wellenbad
  • Ostsee Info-Center (Aquarium)
  • das „Haus“ mit kommunalem Kino
  • Konsulat der Republik Niger

private Einrichtungen

  • Galerie „nemo“ für zeitgenössische Kunst mit Kupferdruckwerkstatt
  • Frisörmuseum
  • Kinocenter „Stadt Hamburg“
  • Albert-Schweitzer-Schule (Grund- und Hauptschule), benannt nach Albert Schweitzer
  • Fachbereich Bauwesen der Fachhochschule Kiel (umgangssprachlich als Bauschule bekannt, wurde auf Beschluss der Landesregierung im September 2007 geschlossen und der Fachhochschule Lübeck zugeschlagen; derzeit gibt es Pläne dort eine privat finanzierte Hochschule unter Leitung der Uni Flensburg und zweier chinesischer Hochschulen entstehen zu lassen)
  • Berufliche Schulen
  • Fritz-Reuter-Schule (Grund- und Regionalschule), benannt nach Fritz Reuter
  • Gorch-Fock-Schule (Grundschule), benannt nach Gorch Fock
  • Gudewerdt-Schule (Realschule), benannt nach der Bildschnitzer-Familie
  • Peter-Ustinov-Schule (Gesamtschule), benannt nach Peter Ustinov
  • Jungmannschule (Gymnasium), benannt nach Eduard Julius Jungmann
  • Pestalozzi-Schule (Förderschule), benannt nach Johann Heinrich Pestalozzi
  • Richard-Vosgerau-Schule (Grundschule), benannt nach Richard Vosgerau, 1929–1933 Bürgermeister im damals noch selbständigen Borby
  • Volkshochschule Eckernförde
  • Freie Waldorfschule Eckernförde, (Grund- und Gesamtschule mit Förderzentrum)
  • Heimatgemeinschaft Eckernförde
  • Zentralstelle für Landeskunde (Schleswig-Holsteinischer Heimatbund)
  • Jürgen Anbuhl (* 1940), langjähriger Bürgervorsteher der Stadt, ehemaliges Mitglied des Bundestages für den Wahlkreis Eckernförde, ehemaliger Schulleiter
  • Wilhelm Lehmann (1882–1968), Lehrer und Schriftsteller
  • Kurt Schulz (* 1922), ehemaliger Bürgermeister der Stadt Eckernförde, langjähriges Mitglied des Landtages für den Wahlkreis Eckernförde und ehemaliger Landesbeauftragter für das Grenzland, Minderheiten und die niederdeutsche Sprache
  • Hans Friedrich Baasch (1784–1853), Maler
  • Walter von Bülow-Bothkamp (1894–1918), Jagdflieger im Ersten Weltkrieg und Träger des Ordens Pour le Mérite
  • Ritha Elmholt (* 1947), (geborene Roswitha Ceglars) Malerin und Autorin.
  • Eskil Lille (Eskil der Kleine) (um 1300), Schiffseigner – ein ihm gehörendes vor Lübeck 1302 aufgefundenes Schiff war Anlass einer Korrespondenz, aus der hervorgeht, dass Eckernförde zweifelsfrei Stadt war
  • Arissa Ferkic (* 1984), Schauspielerin
  • Lone Fischer (* 1988), Handballerin
  • Tony Franck, geb. Thiedemann (1827–1875), Pianistin
  • Sebastian Fuchs (* 1986), Volleyballspieler
  • Godescalcus de Ekerenvorde und Nikolaus de Ekerenvorde (um 1200), Ritter, Ersterwähnung Eckernfördes 1197 im Zusammenhang mit den beiden Rittern
  • Hans Gudewerth I. oder Hans Gudewerth der Ältere (1570–1642), Bildschnitzer
  • Hans Gudewerth II. oder Hans Gudewerth der Jüngere (1599/1600–1671), Bildschnitzer
  • Hans Gudewerth III. (1639/1640–nach 1709), Bildschnitzer
  • Willi Harwerth (1894–1982), Grafiker und Illustrator
  • Stefan Heine (*1969), Rätselmacher - Autor und Herausgeber von Rätselbüchern und -zeitschriften
  • Peter Jochimsen (* 1950), u.a. Autor und Fachhochschulrektor
  • Thomas Jonigk (* 1966), Dramaturg
  • Nikolaus Jürgensen (1901–1971), Politiker
  • Jes Kruse (1805–1859), Befürworter eines dänischen Schleswigs
  • Anja Klafki (* 1967), Grafikerin
  • Lorenz Luden (1592–1654), Professor der Rechte, Geschichte, Rhetorik, Poesie
  • Christian Otte (1674–1747), Großkaufmann, Reeder, Stifter
  • Friedrich Wilhelm Otte (1715–1766), Großkaufmann, Unternehmer, Bürgermeister
  • Friedrich Rathgen (1862–1942), Chemiker
  • Sönke Rix (* 1975), Politiker, Mitglied des 16. Deutschen Bundestages für den Wahlkreis Eckernförde
  • Karl Friedrich Samwer (1819–1882) Staatsrechtsprofessor und Gothaer Staatsminister
  • Hansjörg Schneider (* 1960), Grafiker und Designer
  • Grietje Staffelt (* 1975), Politikerin, MdB
  • Lorenz von Stein (1815–1890), Staatsrechtslehrer und Nationalökonom
  • Karl Wilhelm Valentiner (1845–1931), Astronom
  • Rüdiger Wolff (* 1953), Schlagersänger
  • Hans Ambs (1898–1962), Politiker (KPD), Gewerkschafter
  • Jürgen Anbuhl (* 1940), Politiker, ehemaliges Mitglied des Bundestages für den Wahlkreis Eckernförde, langjähriger Bürgervorsteher und Schulleiter a. D.
  • Johann Joseph Beckh (1635–1692), Schäferdichter und Dramatiker der Barockzeit, Stadtschreiber
  • Carl Bössenroth (1863–1935), Maler
  • Otto Bernhardt (* 1942), Mitglied des Deutschen Bundestages für den Wahlkreis Eckernförde
  • Klaus Buß (* 1942), Politiker, langjähriger Bürgermeister und ehemaliger Landesminister
  • Iver Callø (1888–1972), Politiker und Kaufmann
  • Gerald Eckert (* 1960), Komponist, Musiker, Künstler
  • Ewerdt Friis (1619–1672), Bildschnitzer
  • Bernd Hadewig (* 1946) Politiker und Waldorfpädagoge
  • Eduard Julius Jungmann (1815–1862), deutscher Hauptmann im Schleswig-Holsteinischem Krieg
  • Hans-Christian Knuth (*1940), Bischof, zuvor Propst des Kirchenkreises Eckernförde
  • Eugen Lechner (1903–1971), Politiker
  • Helmut Lemke (1907–1990), Bürgermeister zur Zeit des Nationalsozialismus
  • Ulrike Mehl (* 1956), Politikerin, ehemaliges Mitglied des Bundestages für den Wahlkreis Eckernförde
  • Lianne Paulina-Mürl (1944–1992), Politikerin, langjähriges Mitglied des Landtages für den Wahlkreis Eckernförde, ehemalige Landtagspräsidentin
  • Ludwig Theodor Preußer (1822–1849), verteidigte Eckernförde im Krieg gegen die Dänen
  • Kurt Prokscha (1919–1998), Dirigent
  • Ulrike Rodust (* 1949), Politikerin, Mitglied des Landtages für den Wahlkreis Eckernförde
  • Wilhelm Sievers (1896–1966), Bürgermeister
  • Heide Simonis (* 1943), Politikerin, ehemalige Landesministerin und langjährige Ministerpräsidentin von Schleswig-Holstein, ehemaliges Mitglied des Bundestages für den Wahlkreis Eckernförde
  • Jens Skwirblies (* 1965), Musiker
  • Wilhelm Spethmann (1861–1926), Reichstagsabgeordneter, Verleger und Druckereibesitzer
  • Gerhard Stoltenberg (1928–2001), Politiker, langjähriges Mitglied des Bundestages für den Wahlkreis Eckernförde
  • Johann Jakob Thiedemann (1794–1844), Pädagoge
  • Marianne Tralau (* 1935), Künstlerin und Galeristin
  • Wilhelm Dreesen (1840–1926), Fotograf
  • Jens Hilbert (* 1966), Rekordtaucher
  • Alfred Kranzfelder (1908–1944), Korvettenkapitän und Widerstandskämpfer, nach ihm wurde der „Kranzfelder-Hafen“ benannt
  • Rüdiger Nehberg (* 1935), Abenteurer, Aktivist für Menschenrechte
  • Charlotte Niese (1854–1935), Schriftstellerin und Lehrerin
  • Wolfgang E. Nolting (* 1948), Vizeadmiral und Inspekteur der Bundesmarine
  • Martin Pörksen (1903–2002), Theologe und Politiker
  • Graf von Saint Germain (1696–1784), Alchemist, Okkultist, Violinist und Komponist

Seit dem 14. Mai 1986 ist Eckernförde „UNO-Stadt“. 1994/1995 war Eckernförde „Bundeshauptstadt für Natur- und Umweltschutz“. Der Titel „Umweltfreundliche Gemeinde“ wurde in den Jahren 1988, 1992, 1996 und 2000 errungen. 2006 gewann Eckernförde Bronze beim Bundeswettbewerb Unsere Stadt blüht auf.

In den Kirchenbüchern der Sankt-Nicolaikirche gibt es einen Eintrag über den Tod des Grafen von Saint Germain. Das Grab soll durch die Sturmflut 1872 zerstört worden sein.

Der Europäische Fernwanderweg E6 führt durch Eckernförde. Außerdem beginnt hier der Naturparkweg, der die fünf Naturparks in Schleswig-Holstein für Wanderer verbindet.

Die Spezialisierten Einsatzkräfte Marine, die Kampfschwimmer und die Minentaucher der Deutschen Marine sind in Eckernförde stationiert. Eine Wehrtechnische Dienststelle der Bundeswehr für Schiffe und Marinewaffen befindet sich in Eckernförde. In der Preußer-Kaserne war zeitweise eine Einheit der Luftwaffe stationiert.

Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft Schleswig-Holstein zog Anfang der 1960er-Jahre mit ihrem Sitz von Kiel nach Eckernförde. Unterhalb des "großen" Leuchtturms baute die DLRG zwischen 1960 und 1963 ihr Landeszentrum. Dieses wurde von 1985 bis 1987 erweitert und erhielt 2008/2009 einen weiteren Anbau. Eckernförde ist Sitz der Landesgeschäftsstelle. Zudem finden nahezu alle relevanten Fachaus- und Weiterbildungen der Wasserretter in Eckernförde statt.

Das Fischereikennzeichen der Fischkutter mit Heimathafen Eckernförde lautet „ECKE“.

Das frühere Kfz-Kennzeichen (bis 1970) lautete ECK.

  • Svanen, ein in Eckernförde gebautes Segelschiff, dass 18. und 19. Jahrhundert Islands Verbindung nach Europa war[16]
  • SMS Gefion, zeitweise Eckernförde, dänische, später preußische Segelfregatte
  • Planet
  • Minentauchboot Mühlhausen
  • U-Bootgeschwader der Bundesmarine
  • Alster, Oste, Oker Flottendienstboot
  • Taucherschulboot Langeoog
  • Seenotrettungsboot (SRB) Eckernförde
  • Roald Amundsen, eine Brigg von 1952
  • Freiwillige Feuerwehr Eckernförde, Ölwehrboot 2001 (Landesgerät)
  • Uwe Beitz: Eckernförde und die Ostsee. Sutton Verlag, Erfurt 2004 ISBN 3-89702-694-5
  • Karl Friedrich Schinkel: Eckernförde – ein Spaziergang durch die Stadtgeschichte. Verleger: Dr. Rolf Stuhr, 42781 Haan, 3. Auflage 2009 (Leseproben)
  • Heinz-Herbert Schöning: Die Eckernförder Kreisbahnen. Kenning, Nordhorn 1998 ISBN 3-927587-70-2
  • Horst Slevogt: Eckernförde – Die Geschichte einer deutschen Kaufmannsstadt im Herzogtum Schleswig. Band 1: Von den Anfängen bis zur Reformation. Husum Verlag, Husum 1997, ISBN 978-3-89876-183-3
  • Heinz Teufel & Christoph Rohde: Eckernförde – Portrait der Ostseestadt. Medien-Verlag Schubert, Hamburg 1994 ISBN 3-929229-21-8
  • Jann Markus Witt (Hrsg.): Eckernförde. Geschichte einer Hafen- und Marinstadt. Convent, Hamburg 2006 ISBN 3-934613-96-9
  1. Statistikamt Nord: Bevölkerung in Schleswig-Holstein am 31. Dezember 2010 nach Kreisen, Ämtern, amtsfreien Gemeinden und Städten (PDF-Datei; 500 kB) (Hilfe dazu)
  2. Karl Friedrich Schinkel, 2. Auflage, Seite 467
  3. Angaben für 1890, 1925, 1934 und 1939 gemäß http://www.verwaltungsgeschichte.de/eckernfoerde.html
  4. nach Eingemeindung Borbys; Angabe "1933" in http://www.verwaltungsgeschichte.de/eckernfoerde.html ist falsch
  5. für einen der Tage liegt eine Schätzung von rund 45.000 Flüchtlingen vor
  6. Schleswig-Holsteinische Wählergemeinschaft, u.a. bestehend aus Deutsche Partei (DP) und Gemeinschaft der Kriegsgeneration (GKG), später zusammen mit dem BHE als Deutsche Wahlgemeinschaft (DWG) firmierend
  7. Gemeinschaft der Kriegsgeneration innerhalb der Schleswig-Holsteinischen Wählergemeinschaft (SHWG)
  8. Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein
  9. vgl. auch dänischsprachige Stadtpläne Eckernfördes, wie dem von C.F. Woisolofsky aus dem Jahre 1768
  10. Kieler Nachrichten, 9. Januar 2008
  11. In: Heinrich Rantzau (1526–1598) Statthalter in Schleswig und Holstein. Ein Humanist beschreibt sein Land S. 255, lat. Originaltext S. 132. Katalog einer Ausstellung des Landesarchivs Schleswig-Holstein 1999
  12. Rund um den Sport Eckernförde, 6. Auflage 2010 (Sportvereinverzeichnis der Stadtverwaltung)
  13. Räume und Ausstattung der Jugendherberge Website
  14. Räume und Ausstattung DLRG-Gästehaus Website
  15. http://www.stadtregionalbahn-kiel.de/uploads/media/Streckennetz_15.pdf
  16. siehe dazu auch Artikel: Ólafsvík


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Schleswig-Holstein

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Schleswig-Holstein (Begriffsklärung) aufgeführt.
Land Schleswig-Holstein
Über dieses Bild
Flagge
Wappen
Wahlspruch: Up ewig ungedeelt
(„Auf ewig ungeteilt“)
Historisches Schlagwort unter Bezugnahme auf den Vertrag von Ripen (1460), symbolisiert die Verbindung von Schleswig und Holstein
Sprache: Hochdeutsch (ca. 2,7 Mio.),
Plattdeutsch (ca. 1,3 Mio.),
Dänisch[1] (ca. 65.000[2]),
Friesisch (ca. 10.000),
Romanes (ca. 5000)[3]
Landeshauptstadt: Kiel
Fläche: 15.799,38 (12.) km²
Einwohnerzahl: 2,838 Mio.(31. Oktober 2011)[4]
Bevölkerungsdichte: 179 Einwohner pro km²
Arbeitslosenquote: 7,4 % (März 2012)[5]
Gründung: 23. August 1946
Schulden: 27,0 Mrd. EUR (31. Dezember 2010)[6]
ISO 3166-2: DE-SH
Kontakt:
Website: www.schleswig-holstein.de
Politik:
Ministerpräsident: Peter Harry Carstensen (CDU)
Regierende Parteien: CDU und FDP
Sitzverteilung im Landtag: CDU 34
SPD 25
FDP 14
B’90/Grüne 12
Linke 6
SSW 4
Letzte Wahl: 27. September 2009
Nächste Wahl: 6. Mai 2012
Parlamentarische Vertretung:
Stimmen im Bundesrat: 4

Schleswig-Holstein (dänisch Slesvig-Holsten, friesisch Slaswik-Holstiinj, niederdeutsch Sleswig-Holsteen, Abkürzung SH) ist das nördlichste Land der Bundesrepublik Deutschland und wird als das Land zwischen den Meeren – Nord- und Ostsee – bezeichnet. Die Landeshauptstadt ist Kiel seit Gründung des Landes am 23. August 1946. Nach dem Saarland ist Schleswig-Holstein das zweitkleinste Flächenland. Es grenzt im Norden mit der Bundesgrenze an die dänische Region Syddanmark, im Süden an die Länder Hamburg und Niedersachsen sowie im Südosten an Mecklenburg-Vorpommern.

Inhaltsverzeichnis

Schleswig-Holstein aus dem All
Satellitenaufnahme von Schleswig-Holstein.

Geografisch stellt Schleswig-Holstein den südlichen Abschluss der Halbinsel Jütland und den nördlichen Teil der Norddeutschen Tiefebene dar. Es ist eingeschlossen zwischen der Nordsee im Westen, der Ostsee und Mecklenburg-Vorpommern im Osten, Hamburg und Niedersachsen im Süden und Dänemark im Norden. Die Küstenlinie des Landes hat einen Anteil von 3,2 % an der gesamten europäischen Küstenlinie. Im Städtchen Nortorf befindet sich der geografische Mittelpunkt.

Historisch besteht Schleswig-Holstein aus den Herzogtümern Schleswig und Holstein, der Hansestadt Lübeck und dem ehemaligen Herzogtum Lauenburg; die Grenze zwischen den Landesteilen Schleswig und Holstein wird durch die Flüsse Eider und Levensau (knapp nördlich von Kiel) markiert, sie bildete bis 1806 bzw. 1864 (deutsch-dänischer Krieg) auch die Nordgrenze des Heiligen Römischen Reiches bzw. des Deutschen Bundes. Nachdem aus den Herzogtümern Schleswig und Holstein eine preußische Provinz gebildet worden war, wurde 1876 das Herzogtum Lauenburg als Landkreis angegliedert. Im Rahmen einer Gebietsarrondierung (Groß-Hamburg-Gesetz) fielen 1937 das bis dahin oldenburgische ehemalige Fürstbistum Eutin, die Hansestadt Lübeck und die vormals Hamburger Exklaven Geesthacht, Großhansdorf und Schmalenbeck an Schleswig-Holstein. Im Tausch dafür gingen die holsteinischen Städte Altona (bis dahin größte Stadt des Landes) und Wandsbek sowie mehrere Landgemeinden, darunter Blankenese, an Hamburg.

Naturlandschaften in Schleswig-Holstein

Die Landschaft Schleswig-Holsteins gliedert sich von West nach Ost in die Marsch, die hohe und niedere Geest und das Schleswig-Holsteinische Hügelland (auch Östliches Hügelland genannt).[7] Diese Landschaft und auch die Geest sind in der letzten Eiszeit als Endmoränenlandschaft entstanden. Weiter östlich befindet sich die ebenfalls zum Land gehörende Insel Fehmarn, welche auch in der letzten Eiszeit entstand, allerdings als Grundmoränenlandschaft. Größter Fluss des Landes ist die Eider, höchste Erhebung der Bungsberg (168 m).

Landgewinnung hinter dem Deich: Beltringharder Koog an der Westküste
Marschlandschaft auf der Halbinsel Eiderstedt
Das Ostholsteinische Hügelland vom Bungsberg aus gesehen
Typische Geestlandschaft in Aukrug

Die Westküste ist durch das Wattenmeer geprägt, wobei im Norden (Nordfriesland) neben den Nordfriesischen Inseln zahlreiche Halligen vorgelagert sind, die Halbinsel Eiderstedt ins Meer hineinragt. Die Landschaftsnamen der Wiedingharde und der Bökingharde sind heute noch als Bezeichnung von Ämtern erhalten. Südlich davon und schon teilweise in der Geest liegt die Nordergoesharde, die Südergoesharde ist eine reine Geestlandschaft. Zu der Landschaft der Inseln und Halligen gehört ebenfalls die Insel Helgoland.

Südlich von Nordfriesland liegt zwischen Eider- und Elbmündung die Landschaft Dithmarschen, die sich aus den Gebieten Norderdithmarschen und Süderdithmarschen zusammensetzt. Daran schließen dann die Elbmarschen mit der Wilstermarsch und der Kremper Marsch an.

Die ebenfalls sehr fruchtbare Ostküste ist durch Förden und Buchten in die hügeligen Halbinseln Angeln, Schwansen, Dänischer Wohld und Wagrien gegliedert. Die Landschaft um die großen Holsteinischen Seen wird als Holsteinische Schweiz bezeichnet. Die Landschaft der Hüttener Berge liegt im Binnenland an der Grenze zur Geest.

Die Geest selbst konnte aufgrund der für den Ackerbau wenig geeigneten Böden erst spät erschlossen werden – selbst die Versuche der Heide- und Moorkolonisation im 18. Jahrhundert können noch als gescheitert angesehen werden. Entsprechend dünn gesät sind hier die traditionellen Landschaften. Dabei sind besonders die Schleswigsche Geest auf der schon früh für den Verkehr wichtigen Landenge zwischen Schlei und der Eider mit der bereits genannten Südergosharde und der Landschaft Stapelholm zu nennen. Bei Neumünster liegt der Naturpark Aukrug und östlich von Hamburg die Landschaft Stormarn, deren östlicher Teil heute den Kreis Stormarn bildet.

National- und Naturparks in Schleswig-Holstein

Das Land beherbergt mit dem Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer den größten Nationalpark Mitteleuropas, der zum Teil auch als Biosphärenreservat ausgewiesen ist. Außerdem liegt mit den Naturschutzgebieten „Hohes Elbufer zwischen Tesperhude und Lauenburg“ und „Lauenburger Elbvorland“ als Kerngebieten ein – wenn auch geringer – Teil des Biosphärenreservats Flusslandschaft Elbe in Schleswig-Holstein.[8]

Insgesamt wurden in den letzten 80 Jahren durch Landesverordnungen insgesamt 189 Naturschutzgebiete und 275 Landschaftsschutzgebiete festgelegt. Ohne den Nationalpark nehmen die Gebiete 2000 km² ein, wovon etwa 1600 km² Meer- oder Wattgebiete sind. Oft betreuen Naturschutzverbände die Gebiete aufgrund eines Vertrages mit dem Land. Zusätzlich bestehen sechs Naturparks: Naturpark Schlei, Naturpark Hüttener Berge, Naturpark Westensee, Naturpark Aukrug, Naturpark Holsteinische Schweiz und Naturpark Lauenburgische Seen. Keiner schließt Meeres- oder Küstengebiete ein. Unmittelbar an den Naturpark Lauenburgische Seen schließt in Mecklenburg-Vorpommern das Biosphärenreservat Schaalsee an.

Siehe auch
Liste der Gewässer in Schleswig-Holstein
Liste von Erhebungen in Schleswig-Holstein
Liste der Naturschutzgebiete in Schleswig-Holstein
Liste der naturräumlichen Einheiten in Schleswig-Holstein

Schleswig-Holstein hat 2,82 Millionen Einwohner, die Bevölkerungsdichte von 179 Einwohnern/km² ist die siebtdünnste in Deutschland. Altersaufbau und Geschlechterverteilung entsprechen weitgehend dem Bundesdurchschnitt. Von den Frauen sind 45,7 % verheiratet, 12,9 % verwitwet und 6,4 % geschieden. Bei den Männern sind es 47,7 %, 2,6 % und 5,4 %. Die Bevölkerungsdichte ist ungleichmäßig verteilt. Neben den kreisfreien Städten ist das Hamburger Umland, insbesondere die Kreise Pinneberg und Stormarn dicht besiedelt, der Landesteil Schleswig und der Kreis Dithmarschen dagegen vergleichsweise dünn.

In Schleswig-Holstein lebt sowohl eine dänische (im Landesteil Schleswig) als auch eine friesische (im Landesteil Schleswigs an der Nordseeküste) Minderheit. Die historisch angestammte Bevölkerung ist (nieder-)sächsischen, anglischen, jütischen und friesischen Ursprungs.

Schleswig-Holstein nahm während und nach dem Zweiten Weltkrieg von allen westdeutschen Bundesländern bezogen auf die Einwohnerzahl am meisten Flüchtlinge bzw. Vertriebene aus Hinterpommern und Ostpreußen auf. So wuchs die Bevölkerung zwischen 1944 und 1949 um 1,1 Millionen. Die Integration dieser verschiedenen Mentalitäten war vor allem in ländlichen Regionen von Konflikten geprägt.

Wegen der geografisch abgeschiedenen Lage und der eher schwachen Wirtschaftsentwicklung hat Schleswig-Holstein unter den westdeutschen Ländern den niedrigsten Anteil von Ausländern. (1994: 5,1 %). Von den 140.000 hier lebenden Ausländern kommen gut drei Viertel aus Europa, davon 22 % der gesamten Ausländer aus den alten Ländern der Europäischen Union. Die größte Gruppe aller Ausländer stellen (1999) mit 42.000 Türken und die zweitgrößte mit 14.000 Personen aus dem ehemaligen Jugoslawien.

„Nur drei Menschen haben die holsteinische Frage begriffen – Prinzgemahl Albert, der ist tot; ein deutscher Professor, der ist wahnsinnig geworden; und ich, nur habe ich alles darüber vergessen.“

Henry John Temple, 3. Viscount Palmerston, Premierminister

Megalithanlagen

Schleswig-Holstein wurde nach der letzten Eiszeit von Jägern und Sammlern besiedelt. Ab etwa 4000 v. Chr. kamen Ackerbauern ins Land, die zwischen 3500 und 2800 Megalithanlagen errichteten, von denen nur noch über 100 erhalten sind. Vermutlich bereits seit der Bronzezeit führte der Ochsenweg durch das Land, der in historischen Zeiten dem Handel der nordjütischen Viehbestände diente.

In der Zeit der Völkerwanderungen verließen zahlreiche der zu den Germanen zählenden Volksgruppen das Land, so wanderten zwischen dem 3. und dem 5. Jahrhundert die Angeln aus dem gleichnamigen Gebiet nördlich der Schlei nach Britannien aus, wo sie sich mit anderen Völkern zu den Angelsachsen vereinigten und namensgebend für das spätere England wurden. Schleswig-Holstein war zu der Zeit sehr gering besiedelt.

Bis zum frühen Mittelalter entwickelten sich im heutigen Schleswig-Holstein vier Völker- und Sprachgruppen: Im nördlichen Teil bis zu einer Linie Eider – Treene – Eckernförde germanische Jüten[9] und nordgermanische Dänen, im nordwestlichen Teil seit dem 7. Jahrhundert westgermanische Friesen, im östlichen Teil slawische Abodriten, im südwestlichen Teil bis zur Linie Eider – Kiel – Preetz – Eutin – Elbe westgermanische Sachsen, deren Stamm der Holsten später namensgebend für den südlichen Landesteil Holstein wurden.

Nach der Auswanderungswelle der Angeln drangen dänische und jütische Siedler nordöstlich ins Land vor. Sie gründeten um 770 mit Haithabu einen der bedeutendsten Handelsplätze des frühen Mittelalters und errichteten mit dem Danewerk einen Schutzwall gegen die Sachsen. Im Zuge der Sachsenkriege kam der südliche Teil des Landes unter den Einfluss des Frankenreichs. Zwischen 768 und 811 kam es immer wieder zu Konfrontationen zwischen dem König des Frankenreiches und späteren christlichen Kaiser Karl dem Großen und den heidnischen Nordgermanen, in deren Zuge auch das Danewerk ausgebaut wurde. 811 wurde in einem Friedensvertrag die Eider als Grenze zwischen dem Karolinger- und dem Dänenreich festgeschrieben.

Mit der zunehmenden Besiedlung im 12. und 13. Jahrhundert verlor die Eidergrenze ihre tatsächliche Bedeutung als Trennungslinie, sie blieb aber bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches 1806 bzw. bis 1864 als Grenze zwischen Schleswig und Holstein bestehen. Bis zur Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuchs 1900 war sie zudem eine juristische Grenze, da in Schleswig bis zu diesem Zeitpunkt noch das Jütische Recht Dänemarks galt. Ab 1111 wuchs beiderseits der Eider die Eigenständigkeit, aus der die Herzogtümer Schleswig und Holstein (damals noch als Grafschaft) hervorgingen. Zugleich wurden zwischen den beiden Gebieten immer engere politische und wirtschaftliche Verbindungen geknüpft.

Im frühen 13. Jahrhundert versuchte der dänische König, auch Holstein in sein Reich zu integrieren, er scheiterte nach anfänglichen Erfolgen jedoch 1227 in der Schlacht von Bornhöved am Widerstand norddeutscher Fürsten. Ab 1250 entwickelte sich die Hanse zu einem bedeutenden Macht- und Wirtschaftsfaktor und Lübeck wurde zu einer der bedeutendsten Städte Nordeuropas. Ab 1386 zeigten sich Schleswig und Holstein erstmals vereint im Wappen, als die Schauenburger Grafen Schleswig als dänisches Lehen erhielten und so die südliche Grafschaft und das nördliche Herzogtum unter einem Landesherrn banden.[10] Nachdem holsteinische Grafen im 14. Jahrhundert ihren Einfluss weit nach Jütland hinein ausdehnen konnten, gelang es Margrete I. um 1400, wieder die dänische Lehnshoheit in Schleswig zu erlangen. Aber auch sie musste die Besitzansprüche der holsteinischen Adligen in Schleswig anerkennen.

Durch zahlreiche Erbteilungen und Heimfälle ist die Territorialgeschichte Schleswigs und Holsteins sehr verwickelt. Der Dynastie der Schauenburger gelang es jedoch, eine schleswig-holsteinische Herrschaft zu errichten, sodass im Spätmittelalter von Schleswig-Holstein als einem faktisch zusammenhängenden Territorium gesprochen werden kann. 1474 wurde aus der Grafschaft Holstein das gleichnamige Herzogtum.

Schleswig-Holstein 1559
Schleswig-Holstein um 1650; die Herzogtümer sind einem Flickenteppich gleich in zahlreiche Hoheitsgebiete aufgeteilt, von denen die königlichen und die herzoglichen Anteile sowie die gemeinschaftlich regierten Güterbezirke die größte Fläche einnehmen

1460 wählte die Schleswig-Holsteinische Ritterschaft nach dem Aussterben der Schauenburger in direkter Linie den dänischen König Christian I. aus dem Haus Oldenburg zum Landesherrn, er war ein Neffe des letzten Schauenburgers Adolf VIII. Die im Vertrag von Ripen beschlossene Regelung bestimmte für die Herzogtümer, „dat se bliven ewich tosamende ungedelt“ (dass sie ewig ungeteilt zusammenbleiben), eine Satzung, die schon bald gebrochen wurde. Der dänische König regierte Schleswig und Holstein nicht in seiner Eigenschaft als König, sondern als Herzog der beiden Gebiete, wobei das Herzogtum Schleswig ein königlich-dänisches Lehen blieb, während das Herzogtum Holstein zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation gehörte und damit ein Reichslehen war. Christian I. und seine Nachfolger auf dem Thron waren demnach dänische Könige und deutsche Reichsfürsten in Personalunion. Die dänische Vorherrschaft bestand bis 1864.

Christian III. führte 1542 mit der Kirchenordnung von Johannes Bugenhagen die Reformation ein. Schon 1544 brach der König den Vertrag von Ripen und übergab Teile der schleswig-holsteinischen Herzogtümer an seine jüngeren Halbbrüder Johann und Adolf I., wodurch die Teilherzogtümer Schleswig-Holstein-Gottorf und Schleswig-Holstein-Hadersleben entstanden. 1564 übergab sein Sohn, König Friedrich II., ebenfalls Teile seines Besitzes in den Herzogtümern an seinen Bruder Johann, womit ein weiteres Teilherzogtum in Schleswig-Holstein entstand, das Herzogtum Schleswig-Holstein-Sonderburg. Dieses Mal verweigerten die Stände ihre Zustimmung zum erneuten Bruch des Vertrags von Ripen und versagten ihm die Huldigung, sodass der Herzog von Sonderburg zum ersten der Abgeteilten Herren ohne Regierungsrechte wurde. Der Sonderburger Anteil zerfiel im Folgenden in zahlreiche abgeteilte Duodezherzogtümer. Das Haderslebener Herzogtum wurde aufgrund fehlender männlicher Erben schon 1580 wieder aufgelöst, das Herzogtum Schleswig-Holstein-Gottorf jedoch entwickelte sich zu einem bedeutenden politischen und kulturellen Machtfaktor. Unter den Gottorfer Herzögen wurden unter anderem die Schlösser von Husum, Reinbek und Tönning errichtet, die Schlösser von Kiel und Gottorf erneuert und vergrößert und außerdem die Universität Kiel gegründet. Weiter stellte die Familie die Fürstbischöfe von Lübeck.

Der Gegensatz zwischen königlichem Anteil und herzoglichen – also Gottorfschen Anteil – prägte die Politik der Herzogtümer der nächsten zwei Jahrhunderte. Die Verwaltungsgebiete der einzelnen Herrschaftsbereiche, die sogenannten Ämter, Harden und Landschaften wurden unter anderem nach der Höhe der Steuerkraft aufgeteilt, sodass weder der königliche, noch der herzogliche Anteil über vollständig zusammenhängende Gebiete verfügten und Schleswig-Holstein sich in einen Flickenteppich kleinerer Einheiten gliederte. Während der herzogliche Anteil direkt durch die Gottorfer Linie aus dem namensgebenden Schloss Gottorf regiert wurde, setzte das dänische Königshaus stellvertretend für die Verwaltung seines Anteils die sogenannten Statthalter ein. Einen Ausnahmestatus hatten die Güterbezirke inne, weitgehend selbstständige Bereiche, die sich zumeist im Besitz der uradeligen Familien befanden und die abwechselnd unter königlicher und herzoglicher Oberhoheit standen. Die Güter standen in hoher wirtschaftlicher Blüte und der Landadel erlebte in dieser Epoche Schleswig-Holsteins sein „Goldenes Zeitalter“.[11] Weitere Sonderrollen im schleswig-holsteinischen Staatsgefüge hatten das Fürstbistum Lübeck, die Grafschaft Holstein-Pinneberg und die hieraus hervorgehende Grafschaft Rantzau, das erst 1559 eroberte Dithmarschen sowie das damals noch nicht zu Holstein zählende Herzogtum Sachsen-Lauenburg.

Während im Süden des Reiches 1618 der Dreißigjährige Krieg ausbrach, blieben Schleswig und Holstein vorerst von Kampfhandlungen verschont und erlebten, bedingt durch die ertragreiche Agrarwirtschaft, eine Hochphase. 1625 griff Dänemark in die Kriegshandlungen ein, wodurch sich die Kampfhandlungen ab 1627 auch in die Herzogtümer verlagerten. Besonders die Festungen in Holstein, wie Krempe, Glückstadt und Breitenburg, waren Ziel der Angriffe. Der Dreißigjährige Krieg in Schleswig und Holstein endete 1629 vorerst mit dem Frieden von Lübeck. Die Herzogtümer, die bisher weniger schwer verwüstet waren als andere Landstriche des Deutschen Reichs, erholten sich in der Folge, bis sie ab 1643 durch den Torstenssonkrieg erneut in die Kampfhandlungen eingezogen und verwüstet wurden.[12]

Im Laufe des 17. Jahrhunderts führte der Gegensatz zwischen herzoglichem und königlichem Anteil zu zunehmenden Konflikten zwischen beiden Parteien. Das Gottorfer Herzogtum forderte größere Souveränität und wandte sich von Dänemark ab und stattdessen dem Königreich Schweden zu. Dies gipfelte zum Ende des Jahrhunderts in einer mehrfachen Besetzung des herzoglichen Anteils durch Dänemark. Mit Beginn des 18. Jahrhunderts brach der Große Nordische Krieg aus. Gottorf stand auf der Seite Schwedens, was nach der Niederlage des Königsreichs 1713 zu einer vollständigen Annektierung des herzoglichen Anteils in Schleswig durch Dänemark führte. Das einstige Gottorfer Herzogtum verfügte im Folgenden nur noch über die Besitzungen in Holstein, die Annexion wurde 1720 im Frieden von Frederiksborg als rechtmäßig erklärt.

Im Laufe des 18. Jahrhunderts bemühte sich Dänemark, sein Herrschaftsgebiet zu einen und den sogenannten Gesamtstaat zu vollenden. Die zahlreichen Teilherzogtümer Schleswig-Holsteins, die aus dem Sonderburger Anteil hervorgegangen waren, wurden im Falle eines ausbleibenden Erben bereits nicht mehr als neues Lehen vergeben, sondern dem dänischen Königreich zugeführt. Nachdem der Gottorfer Anteil in Holstein durch Erbgänge in Personalunion mit dem russischen Zarentitel vereinigt wurde, wurde 1773 der Vertrag von Zarskoje Selo ausgehandelt, durch den Schleswig und Holstein fast ganz unter die Herrschaft des dänischen Königs gerieten. 1779 wurde mit Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg (ältere Linie) das letzte abgeteilte Herzogtum aufgelöst.

Denkmal in Hohenlockstedt

Im Jahre 1800 befand sich ganz Schleswig-Holstein – mit Ausnahme des Fürstentums Lübeck und des zu dieser Zeit noch eigenständigen Herzogtums Sachsen-Lauenburg – unter dänischer Verwaltung. Die Stadt Altona, heute ein Bezirk Hamburgs, galt als zweitgrößte Stadt des Königreichs nach Kopenhagen. Der sowohl in Dänemark wie auch in Deutschland aufkommende Nationalismus führte zu einem Gegensatz hinsichtlich der Zugehörigkeit der sogenannten Elbherzogtümer, der in zwei Kriegen mündete. Umstritten war dabei nicht das ausschließlich deutsch besiedelte Holstein, das ja seit dem frühen Mittelalter zum Heiligen Römischen Reich und nach 1815 auch zum Deutschen Bund gehörte und lediglich vom dänischen König regiert wurde, sondern das Herzogtum Schleswig. Sowohl in Deutschland wie in Dänemark wurde das Land von den national gesinnten Liberalen zur Gänze beansprucht, obwohl es in einen überwiegend dänischsprachigen und dänischgesinnten Norden und einen überwiegend deutschsprachigen und deutschgesinnten Süden geteilt war.

In dem Sylter Nordfriesen Uwe Jens Lornsen fand der deutschsprachige und deutschgesinnte Süden Schleswigs 1830 einen ersten wortgewaltigen Fürsprecher; er und seine Mitstreiter schrieben oft „Schleswigholstein“, um die Zusammengehörigkeit der beiden Gebiete auch in der Schreibweise auszudrücken. Ab 1840 versuchten sowohl deutsche als auch dänische Nationalliberale verstärkt in Schleswig Einfluss zu gewinnen, sodass sich ein Konflikt abzeichnete. Dieser brach im Zusammenhang mit der Märzrevolution 1848 offen aus: In Kiel wurde eine provisorische Regierung ausgerufen, die die Aufnahme eines vereinten Schleswig-Holsteins in den Deutschen Bund verlangte, während gleichzeitig in Kopenhagen eine nationalliberale Regierung ernannt wurde, der mehrere sogenannte Eiderdänen angehörten, deren Ziel die verfassungsmäßige Eingliederung Schleswigs in das Dänische Reich und die Trennung des Gebiets vom unbestritten deutschen Holstein war.

Die Unvereinbarkeit beider Forderungen führte zum Schleswig-Holsteinischen Krieg (1848–1851), in dem deutschgesinnte Schleswig-Holsteiner (letztlich vergeblich) versuchten, die dänische Oberhoheit zu beenden. Nach dem Willen der deutschen Nationalliberalen sollte auch Schleswig Mitglied des Deutschen Bundes werden und vereint mit Holstein ein souveräner Staat unter Regierung des Augustenburger Herzogs Christian August sein. Nach deutscher Auffassung galt das salische Recht auch in Schleswig, womit der Augustenburger Herzog legitimer Erbe in beiden Herzogtümern gewesen wäre, nachdem der dänische König und Herzog Friedrich VII. keine Nachkommen hatte. Nach dänischer Auffassung könnte der Herzog von Augustenburg als Thronerbe in Holstein gelten, jedoch nicht in Schleswig, wo nach dänischem Recht auch die Erbfolge durch die weibliche Linie bestand.

Zunächst wurde die schleswig-holsteinische Erhebung von der Paulskirchenversammlung unterstützt, doch auf Druck der europäischen Großmächte zogen sich die preußischen Armeen und die Bundestruppen zurück und überließen die selbsternannte Kieler Regierung ihrem Schicksal. Der dänische Sieg bei Idstedt 1850 beendete vorerst die deutschen Hoffnungen auf ein deutsches Schleswig-Holstein, der status quo ante wurde wiederhergestellt – auch auf internationalen Druck. Am 2. Juli 1850 wurde schließlich der Frieden von Berlin zwischen dem Deutschen Bund und Dänemark geschlossen. Eine Antwort auf die Schleswig-Holsteinische Frage konnte jedoch nicht gefunden werden.

Schleswig-Holstein 1898

Im dänischen Gesamtstaat herrschte seit Einführung des Grundgesetzes 1849 eine konstitutionelle Monarchie im Königreich und Absolutismus in Holstein, jedoch mit einem gemeinsamen Staatsrat, was die Gesetzgebung erschwerte. Dänemark verabschiedete im November 1863 eine Verfassung, die neben den einzelnen Verfassungen des Königreichs und des Herzogtums Schleswigs für die gemeinsamen Angelegenheiten der beiden gelten sollte. Da die Friedensbestimmungen von 1851 damit gebrochen waren, ergriff der preußische Kanzler Bismarck die Chance, die schleswigsche Frage im deutschen Sinne zu lösen. Nach der Verstreichung eines sehr kurzen Ultimatums erklärten Preußen und Österreich Dänemark den Krieg. Den Deutsch-Dänischen Krieg konnten Preußen und Österreich im April 1864 für sich entscheiden. Verhandlungen über eine Teilung Schleswigs führten nicht zu einer Lösung, so dass Schleswig und Holstein von den Siegern zunächst gemeinsam als Kondominium verwaltet wurden. Nach der Gasteiner Konvention 1865 kamen Schleswig und Lauenburg unter preußische Verwaltung, Holstein unter die Österreichs. Nur kleine Teile im Norden Schleswigs blieben dänisch: die Insel Ærø, sieben Kirchspiele südlich von Kolding und ein Streifen um Ribe; dafür gab Dänemark seine Ansprüche auf die königlichen Enklaven an der schleswigschen Westküste auf.

Nach dem Preußisch-Österreichischen Krieg 1866 wurde Schleswig-Holstein 1867 als Ganzes eine preußische Provinz. Im Gegensatz zu den ursprünglichen Hauptzielen der meisten deutschen Schleswig-Holsteiner – Loslösung von Dänemark und Mitgliedschaft als eigenständiges Staatsgebilde innerhalb des Deutschen Bundes – erreichten die Herzogtümer also nur die Loslösung vom dänischen Gesamtstaat, nicht jedoch ihre Unabhängigkeit. 1871 wurde das Deutsche Reich gegründet. Die Schleswig-Holsteinische Frage war ein zentraler Aspekt der Politik Bismarcks, die schließlich zur Reichseinigung führte.

Karte der Kimbrischen Halbinsel

Abgeschlossen wurde die völkerrechtliche Auseinandersetzung mit Dänemark jedoch erst 1920. Im Prager Frieden 1866 war zwischen Preußen und Österreich auf Intervention Napoleons III. in Artikel 5 eine Volksabstimmung in Nordschleswig vorgesehen gewesen, derzufolge es den Nordschleswigern frei gestanden hätte, sich für Dänemark oder Preussen /Österreich zu entscheiden. Diese Klausel wurde 1879 von den beiden Vertragsparteien einvernehmlich annulliert. Das musste Dänemark widerstrebend zur Kenntnis nehmen.[13] Schon vorher hatte Preussen sich die Herzogtümer als Provinz einverleibt. Dänemark war damit nicht einverstanden gewesen. Die ursprünglich vorgesehene Volksabstimmung in Nordschleswig wurde dann nach dem Ersten Weltkrieg auf Druck und unter Aufsicht der Siegermächte des Ersten Weltkriegs nachträglich vollzogen. Es wurde ein internationale Kommission mit einem englischen, französischen, schwedischen und norwegischen Vertreter gebildet, die die Verwaltung in den Abstimmungsgebieten ausübte. Sie saß in Flensburg, besaß eine neu gebildete Polizei und hatte englische und französische Truppen zu ihrer Unterstützung. Bei der Abstimmung ergab sich eine dänische Mehrheit im nördlichen Landesteil und eine deutsche im südlichen Teil. Der mittlere Stimmbezirk (mit Flensburg) war besonders hart umstritten, entschied sich dann aber deutlich für die Zugehörigkeit zum Deutschen Reich. Daher wurde am 6. Juli 1920 ein Übertragungsvertrag in Paris geschlossen, der das nördliche Schleswig Dänemark zusprach und den südlichen Teil Deutschland.[14]

NSDAP-Ergebnisse bei den Reichstagswahlen
Wahl Schleswig-Holstein Deutsches Reich
1924 (I) 7,4 % 6,6 %
1924 (II) 2,7 % 3,0 %
1928 4,0 % 2,6 %
1930 27,0 % 18,3 %
1932 (I) 51,0 % 37,4 %
1932 (II) 45,7 % 33,1 %
1933 53,2 % 43,9 %

Schleswig-Holstein war eine frühe Hochburg des Nationalsozialismus. Hohe Wahlergebnisse erzielte die NSDAP schon 1928 in Dithmarschen. Die von den Nazis sogenannte Blutnacht von Wöhrden 1929 und der Altonaer Blutsonntag 1932 wurden von der NSDAP überregional zu Propagandazwecken ausgeschlachtet. Bekannte schleswig-holsteinische Autoren zählten zu den geistigen Wegbereitern des Nationalsozialismus: der aus Nordschleswig stammende Julius Langbehn sowie die Dithmarscher Adolf Bartels und – eingeschränkt – Gustav Frenssen.

Es gab einige Außenlager des KZ Neuengamme in Schleswig-Holstein: u. a. das KZ Kaltenkirchen, das KZ-Außenlager Kiel, das KZ Ladelund und das KZ Neustadt in Holstein. Eines der ersten Konzentrationslager war das KZ Wittmoor: Am 10. März 1933 wurden die ersten Häftlinge, mehrheitlich Mitglieder der KPD, dort eingesperrt. Andere frühe (auch als wilde bezeichnete) Konzentrationslager entstanden 1933 in Eutin, Glückstadt, Rickling/Kuhlen, Falkenriedt, Ahrensbök, Altona und Wandsbek.[15] In der Reichspogromnacht am 9./10. November 1938 wurden Synagogen und Geschäfte von jüdischen Bürgern in Lübeck, Elmshorn, Rendsburg, Kiel, Bad Segeberg, Friedrichstadt, Kappeln und Satrup von SA und SS – unter Duldung oder Mithilfe der Polizei – überfallen und zerstört.[16]

Sowjetische Kriegsgefangene kamen in Schleswig-Holstein in einem erbärmlichen Zustand an, da sie nur unzureichend ernährt wurden. In Heidkaten bei Kaltenkirchen (Herbst 1941 bis April 1944) und Gudendorf (April 1944 bis Kriegsende) wurden Lager eingerichtet, die Gerhard Hoch als „Sterbelager“ bezeichnete. In Gudendorf starben 1944 und 1945 3000 sowjetische Kriegsgefangene.[17] In der Kinderfachabteilung Schleswig wurden zwischen 1939 und 1945 mindestens 216 Kinder ermordet.[18] Am 3. Mai 1945 bombardierte die britische Royal Air Force irrtümlich die manövrierunfähigen Schiffe Cap Arcona, Thielbek und Deutschland IV in der Neustädter Bucht. Etwa 7000 Menschen starben. Die SS hatte circa 10.000 KZ-Häftlinge auf den Schiffen zusammengepfercht. Höchstwahrscheinlich beabsichtigte die SS, die Häftlinge zu versenken.[19]

Zur Jahreswende 1945/46 ernannte die britische Militärregierung beratende deutsche Entnazifizierungsausschüsse. Im Massenverfahren wurden 406 500 Menschen entnazifiziert: In die Kategorie I der Hauptschuldigen und die Kategorie II der Schuldigen wurde in Schleswig-Holstein aber niemand eingestuft. 2217 stufte man in die Kategorie III der Belasteten ein, dazu gehörte auch der ehemalige Gauleiter Hinrich Lohse. 66 500 kamen in die Kategorie IV als Mitläufer und 206 000 in die Kategorie V als Entlastete.[20]

Herrenhaus Altenhof: Residenz des Britischen Regional/Land Commissioner

Nach dem Zweiten Weltkrieg war Schleswig-Holstein Hauptansiedlungsgebiet für Vertriebene, insbesondere aus Ostpreußen und Pommern und Hamburger Ausgebombte. Die Bevölkerungszahl, die 1939 noch 1,6 Millionen Einwohner betragen hatte, stieg bis 1949 auf 2,7 Millionen Einwohner. Unter allen Flächenländern war der Anteil an Flüchtlingen im Vergleich zur eingesessenen Bevölkerung in Schleswig-Holstein am höchsten.

Schleswig-Holstein war auch nach 1945 zunächst formell noch eine preußische Provinz. Der Christdemokrat Theodor Steltzer, der dem militärischen Widerstand gegen das NS-Regime nahegestanden hatte, wurde im November als Oberpräsident an die Spitze der Verwaltung berufen, später zum ersten Ministerpräsidenten ernannt. Am 26. Februar 1946 trat der erste Landtag zusammen, der noch nicht gewählt, sondern von der Militärregierung ernannt worden war, die sich zunächst vertreten durch ihren Regional Commissioner für Schleswig-Holstein den Luftmarschall im Ruhestand Hugh Vivian Champion de Crespigny letzte Entscheidungen vorbehielt. Mit der Verordnung Nr. 46 der britischen Militärregierung vom 23. August 1946 „Betreffend die Auflösung der Provinzen des ehemaligen Landes Preußen in der Britischen Zone und ihre Neubildung als selbständige Länder“ erhielt das Land Schleswig-Holstein seine rechtlichen Grundlagen. Als Hauptstadt setzte sich Kiel gegen Schleswig durch; Dienstsitz des Britischen Regional, später Land Commissioner war das sog. Somerset-House in Kiel, Residenz das Herrenhaus Altenhof (bei Eckernförde). Am 20. April 1947 wurde erstmals ein Landtag gewählt. Land wurde Schleswig-Holstein mit der 1949 von diesem Landtag verabschiedeten Landessatzung, die am 12. Januar 1950 in Kraft trat. Erst die nach der Verfassungsreform am 30. Mai 1990 vom Landtag verabschiedete Verfassung trug auch den Namen Landesverfassung.

Siehe auch: Geschichte der deutschen Länder

Am 29. März 1955 wurden die Bonn-Kopenhagener Erklärungen unterzeichnet, in der die Bundesrepublik und Dänemark jeweils für die jeweilige Minderheit der anderen Nationalität auf ihrem Gebiet Schutzrechte vereinbarten und zugleich das freie Bekenntnis jedes Bürgers zu einer Volksgruppe als von Amts wegen nicht bestreitbar und nicht überprüfbar festschrieb. Dieses Abkommen gilt bis heute als Modell für die einvernehmliche Lösung von Minderheitenfragen.

Bis 1959 konnte Werner Heyde, der als ehemaliger Leiter des NS-Euthanasieprogramms zum Massenmörder wurde, unter dem Namen Fritz Sawade als Arzt in Flensburg arbeiten. 1961 benannte der Untersuchungsausschuss in seinem Abschlussbericht achtzehn Personen aus Justiz, Verwaltung und Medizin, die über die wahre Identität Sawades informiert waren.[21]

Einige der heftigsten Proteste gegen Atomkraftwerke in Deutschland fanden Ende der 1970er bis Anfang der 1980er Jahre um die Baustelle des Kernkraftwerks Brokdorf statt. Einschneidendstes Naturereignis in der Landesgeschichte dürfte die Schneekatastrophe am Jahreswechsel 1978/79 gewesen sein.

Den größten Skandal der Nachkriegsgeschichte stellte die Barschel-Affäre 1987/88 dar. Dieser Skandal erfuhr dann 1993 noch eine Fortsetzung mit der Schubladen-Affäre, als deren Folge Heide Simonis die erste Frau an der Spitze eines Bundeslandes wurde. Zuletzt rückte Schleswig-Holstein in den Mittelpunkt des Interesses, als im März 2005 die Wiederwahl von Simonis zur Ministerpräsidentin spektakulär im Landtag scheiterte, was zu einer Großen Koalition unter Ministerpräsident Peter-Harry Carstensen (CDU) in Kiel führte, die jedoch nur bis Juli 2009 hielt und durch Neuwahlen im September 2009 beendet wurde. Die Regierung wird seit 27. Oktober 2009 von einer schwarz-gelben Koalition unter dem alten und neuen Ministerpräsidenten Carstensen getragen.

Mit Entscheidung vom 29. August 2010 hat jedoch das Landesverfassungsgericht Schleswig-Holsteins das der Landtagswahl zugrundeliegende Landeswahlgesetz für verfassungswidrig erklärt. Dem Landtag wurde daraufhin angeordnet, bis zum Mai 2011 ein neues Gesetz zu beschließen. Ferner wurden Neuwahlen bis spätestens September 2012 angeordnet.[22]

  • Uwe Danker, Astrid Schwabe: Schleswig-Holstein und der Nationalsozialismus, Neumünster 2005
  • Kurt-Dietmar Schmidtke: Die Entstehung Schleswig-Holsteins. 3. Aufl., Wachholtz, Neumünster 1995, ISBN 3-529-05316-3
  • Ulrich Lange (Hrsg.): Geschichte Schleswig-Holsteins. Wachholtz, Neumünster 2003, ISBN 3-529-02440-6
  • Jann Markus Witt/Heiko Vosgerau (Hrsg.): Schleswig-Holstein von den Ursprüngen bis zur Gegenwart. Eine Landesgeschichte. Convent-Verlag, Hamburg 2002, ISBN 3-934613-39-X
  • Jürgen H. Ibs/Eckart Dege/Henning Unverhau (Hrsg.): Historischer Atlas Schleswig-Holstein. Bd. I–III, Wachholtz, Neumünster
  • Robert Bohn: Geschichte Schleswig-Holsteins, Verlag C. H. Beck, München 2006, ISBN 978-3-406-50891-2
  • Thomas Riis: Up ewig ungedeelt. Ein Schlagwort und sein Hintergrund. In: ISBN 3-515-08252-2, S. 158-167, (Historische Mitteilungen Beiheft 47).
Landeswappen Wappenzeichen Landesflagge Landesdienstflagge Kfz-Stander des Ministerpräsidenten (seit 1957)

Die Landesflagge besteht aus drei horizontalen Streifen. Der obere Streifen ist blau, der mittlere weiß und der untere rot. Die Farben sind aus dem Landeswappen genommen und sind 1840 zum ersten Mal von den deutschen Schleswig-Holsteinern im sich abzeichnenden deutsch-dänischen Konflikt um Schleswig verwendet worden. Im Jahre 1949 wurde die Flagge offiziell von den Alliierten anerkannt. Die Dienstflagge enthält im Gegensatz zur Landesflagge das Landeswappen. Bei offizieller Beflaggung wird die Dienstflagge gehisst. Die Dienstflagge darf nur von den entsprechenden Behörden benutzt werden, die Landesflagge dagegen kann von jedermann frei benutzt werden, wovon großzügig Gebrauch gemacht wird – etwa in Form von Flaggen im Vorgarten. Schiffe führen eine Erkennungsflagge in den Farben der Landesflagge.

Siehe auch: Flagge Schleswig-Holsteins

Das Wappen umfasst heraldisch (also vom Wappen aus gesehen) links das holsteinische Nesselblatt und heraldisch rechts die Schleswigschen Löwen.

Eine genauere Beschreibung findet sich unter: Wappen Schleswig-Holsteins

Das Schleswig-Holstein-Lied heißt offiziell Wanke nicht, mein Vaterland – der umgangssprachliche Name ist jedoch Schleswig-Holstein meerumschlungen. Den Text hat Matthäus Friedrich Chemnitz verfasst, die Melodie ist von Carl Gottlieb Bellmann

Hauptartikel: Sprachen und Dialekte in Schleswig-Holstein

Allgemeine[23] Amtssprache ist Deutsch, wobei juristisch unklar ist, ob damit nur die hochdeutsche Sprache gemeint ist oder auch das Niederdeutsch.[24] Die Niederdeutsche Sprache, meist als Plattdeutsch bezeichnet, ist (zumindest) nach der europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen als Regionalsprache gemäß Teil III der Charta, die dänische Sprache (meist in Form des Sydslesvigdansk) und die friesische Sprache (in den Dialekten des Nordfriesischen) als Minderheitensprachen gemäß Teil III sowie Romanes als Minderheitensprache gemäß Teil II der Charta im Land Schleswig-Holstein anerkannt. In grenznahen Gemeinden zwischen Niebüll und Flensburg wird daneben noch Südjütisch (Plattdänisch) gesprochen, das allgemein als Dialekt der Dänischen Sprache angesehen wird, darüber hinaus im Flensburger Raum Petuh, teilweise auch Missingsch. Damit ist Schleswig-Holstein das an traditionell gesprochenen Sprachen reichste Land. Als ausgestorben gelten hingegen die einst in Friedrichstadt gesprochene niederländische Sprache und das in einzelnen Städten bis zur Nazizeit teilweise gesprochene Jiddisch; wie hoch der Anteil der Jiddischsprecher unter den heute wieder knapp 2000 Bewohnern jüdischen Glaubens ist, ist unbekannt.[25]

Nach Annahme des Friisk Gesäts durch den Landtag im Jahr 2004 gilt im Kreis Nordfriesland und auf Helgoland (Kreis Pinneberg) friesisch als Amtssprache. Im Kreis Nordfriesland finden sich so auch zweisprachige Ortsschilder, zum Beispiel wird dem Besucher von Niebüll die Stadt auch als Naibel angekündigt.

Der Südosten des Landes war bis ins 12. Jahrhundert von slawischen Völkern besiedelt, was sich heute noch an einigen slawischstammigen Ortsnamen erkennen lässt (zum Beispiel Lübeck, Laboe, Eutin, Preetz, Ratzeburg)

Siehe auch: Schleswigsche Ortsnamen

Religionszugehörigkeit in Prozent

Schleswig-Holstein ist ein protestantisch geprägtes Land. 2006 gehörten 54,3 % der Bevölkerung der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche an, 6,1 % waren 2007 römisch-katholisch. Über 39 % der Bürger gehören keiner der großen Religionsgemeinschaften an.[26] Die evangelischen Freikirchen zählen etwa 15.000 Mitglieder. Die Evangelisch-reformierte Kirche ist mit einer einzelnen Gemeinde in Lübeck, die Remonstranten mit einer Gemeinde in Friedrichstadt vertreten.

Die Nordelbische Kirche gliedert sich in zwei Sprengel: Schleswig und Holstein, sowie Hamburg-Lübeck, an deren Spitze jeweils ein Bischof beziehungsweise eine Bischöfin steht. Eine Fusion der Nordelbischen Kirche mit den beiden Landeskirchen Mecklenburg-Vorpommerns zu einer vereinigten Nordkirche im Ostseeraum befindet sich im Prozess der Diskussion und Vorbereitung,[27] am 5. Februar 2009 wurde ein Fusionsvertrag unterzeichnet, der die Bildung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland zu Pfingsten 2012 vorsieht.

Neben der nordelbischen Landeskirche bestehen in Schleswig-Holstein auch Gemeinden der altkonfessionell verfassten Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche und im Norden des Landes der Dänischen Kirche in Südschleswig. Die Dänische Kirche in Südschleswig umfasst etwa 6.500 Mitglieder [28].

Die Gemeinden der Römisch-Katholischen Kirche in Schleswig-Holstein unterstehen dem Erzbistum Hamburg. Neben der Römisch-Katholischen Kirche gibt es auf der nordfriesischen Insel Nordstrand zudem eine altkatholische Gemeinde [29]

Unter den in Schleswig-Holstein vertretenen evangelischen Freikirchen sind Evangelisch-Freikirchliche Gemeinden (Baptisten), Methodisten, Mennoniten, Freie evangelische Gemeinden, die Heilsarmee, Siebenten-Tags-Adventisten und mehrere Pfingstgemeinden zu nennen. Schon im 16. Jahrhundert bildeten sich auf Eiderstedt erste Mennonitengemeinden. Die erste Baptistengemeinde Schleswig-Holsteins gründete sich im Februar 1849 im holsteinischen Pinneberg.[30]

In der Neuapostolischen Kirche zählt Schleswig-Holstein mit zum Apostelbereich Hamburg und umfasst auf schleswig-holsteinischem Territorium fünf Bezirke mit ca. 10.000 Mitgliedern.

Ungefähr 1900 Bewohner des Landes sind Mitglieder[31] in jüdischen Gemeinden. Die jüdischen Gemeinden verteilen sich auf zwei Landesverbände: die eher orthodox geprägte Jüdische Gemeinschaft Schleswig-Holstein und den eher liberalen Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Schleswig-Holstein.

25.000 Schleswig-Holsteiner bekennen sich zum Islam.

Schleswig-Holstein Gliederung
1900 1959 1994 2009
Kreise 17 11 11 11
Ämter 199 119 87
Gemeinden 1371 1131 1116
Verwaltungsstruktur für Schleswig-Holstein

Schleswig-Holstein erfuhr 1970/74 eine Gebietsreform. Die Zahl der Landkreise wurde von 17 (siehe Provinz Schleswig-Holstein) auf elf gesenkt; die Zahl der Gemeinden sank mittelfristig von 1371 (1959) auf 1131 (1994) und die bisher 199 Ämter wurden in 119 Ämter zusammengefasst. Gleichzeitig wurden die Flächen der vier kreisfreien Städte erheblich erweitert.

Schleswig-Holstein besteht heute (Stand: 1. Januar 2009) aus insgesamt elf Kreisen, 87 Ämtern und 1116 Gemeinden. Von diesen Gemeinden haben 910 weniger als 2000 Einwohner und werden deshalb von einem ehrenamtlichen Bürgermeister verwaltet. 63 Gemeinden besitzen das Stadtrecht. Stadtrecht kann eine Gemeinde erhalten, die mindestens 10.000 Einwohner besitzt, Städte, die dieses aus alter Zeit haben, verlieren es aber nicht. In diesen Städten leben 1,5 Millionen der etwa 2,7 Millionen Einwohner des Landes. Der Kreis Pinneberg ist mit 300.000 Einwohnern der bevölkerungsreichste des Landes, der Kreis Rendsburg-Eckernförde mit knapp 2200 km² der größte und damit fast so groß wie das Saarland.

Um 2000 herum diskutierten einige Kreise in der Metropolregion Hamburg den Zusammenschluss zu einem großen Hamburger Umlandkreis. Auch auf Landesebene gab es im politischen Raum Überlegungen, die Zahl der Kreise auf vier bis sechs und die Zahl der kreisfreien Städte auf zwei oder keine zu reduzieren. Ab 2008 wurde dies geplant aber immer wieder verschoben.

(in Klammern die Kreisstädte und die Kfz-Kennzeichen)

  • Dithmarschen (Heide, HEI)
  • Herzogtum Lauenburg (Ratzeburg, RZ)
  • Nordfriesland (Husum, NF)
  • Ostholstein (Eutin, OH)
  • Pinneberg (Pinneberg, PI)
    (mit Helgoland)
  • Plön (Plön, PLÖ)
  • Rendsburg-Eckernförde (Rendsburg, RD)
  • Schleswig-Flensburg (Schleswig, SL)
  • Segeberg (Bad Segeberg, SE)
  • Steinburg (Itzehoe, IZ)
  • Stormarn (Bad Oldesloe, OD)

(in Klammern die Kfz-Kennzeichen)

  • Flensburg (FL)
  • Kiel (KI)
  • Lübeck (HL)
  • Neumünster (NMS)

Einen Sonderstatus nimmt seit dem 1. Januar 2005 die Stadt Norderstedt als „Große kreisangehörige Stadt“ an, der gem. § 135 a Gemeindeordnung Schleswig-Holstein eine Experimentierklausel ermöglicht wurde. Dies bedeutet, dass einige Aufgaben über einen öffentlich-rechtlichen Vertrag vom Kreis (hier: Segeberg) an die Stadt übertragen werden können.

Blick auf das Kieler Rathaus
Lübecker Holstentor
Flensburger Ostufer

Größte Städte und Gemeinden

Stadt/
Gemeinde
Kreis Einwohner
31. Dezember 2000
Einwohner
31. Dezember 2007
Kiel kreisfrei 232.612 236.902
Lübeck kreisfrei 213.399 211.541
Flensburg kreisfrei 84.281 87.792
Neumünster kreisfrei 79.831 77.595
Norderstedt Segeberg 71.523 71.903
Elmshorn Pinneberg 47.391 48.052
Pinneberg Pinneberg 39.423 42.301
Itzehoe Steinburg 33.549 32.800
Wedel Pinneberg 32.060 32.033
Ahrensburg Stormarn 29.117 30.663
Geesthacht Herzogtum Lauenburg 29.106 29.295
Rendsburg Rendsburg-Eckernförde 29.321 28.391
Henstedt-Ulzburg Segeberg 24.950 26.560
Reinbek Stormarn 24.570 25.516
Bad Oldesloe Stormarn 23.314 24.172
Schleswig Schleswig-Flensburg 25.093 24.036
Eckernförde Rendsburg-Eckernförde 23.304 22.915
Husum Nordfriesland 20.994 22.327
Heide Dithmarschen 20.530 20.827
Quickborn Pinneberg 19.875 20.136

Schleswig-Holstein zeichnet sich durch eine große Zahl von Gemeinden mit weniger als 500 Einwohnern aus. Im Gegensatz zu den meisten anderen Bundesländern änderte daran auch die durchgeführte Gebietsreform nichts. 1036 kleinere Städte und Gemeinden sind in 87 Ämtern zusammengefasst, um die Verwaltungsaufgaben effektiver zu gestalten (Stand: 25. Mai 2008).

Arnis ist mit seinen rund 300 Einwohnern die kleinste Stadt Deutschlands. Wiedenborstel ist die kleinste eigenständige Gemeinde Deutschlands. Sie besteht aus einem Gutshof und hatte in den letzten Jahren zwischen zwei und sieben Einwohnern.

Siehe auch: Liste der Städte und Gemeinden in Schleswig-Holstein, Liste der aktuellen und ehemaligen Städte von Schleswig-Holstein

  • Angeln
  • Dänischer Wohld
  • Dithmarschen
  • Eiderstedt
  • Holsteinische Schweiz
  • Holsteinische Elbmarschen
  • Herzogtum Lauenburg
  • Nordfriesland
  • Probstei
  • Schleswigsche Geest
  • Schwansen
  • Kreis Ostholstein
  • Steinburg
  • Stormarn
  • Wagrien
  • Mittelholstein

Schleswig-Holstein ist laut Artikel 1 seiner Verfassung vom 12. Januar 1950 ein Gliedstaat der Bundesrepublik Deutschland. In Folge der Barschel-Affäre 1987 wurden vom Untersuchungsausschuss strukturelle Änderungen angeregt. Eine eingesetzte Enquete-Kommission erstellte Vorschläge zu einer Verfassungs- und Parlamentsreform und legte 1989 ihren Schlussbericht vor. Daraufhin wurde die Verfassung geändert und auch von Landessatzung in Landesverfassung umbenannt. Sie wurde am 30. Mai 1990 vom Landtag verabschiedet. Die Verfassung enthält seitdem auch Staatszielbestimmungen, z. B. den Minderheitenschutz der friesischen und der dänischen Volksgruppe im Land (Art. 5), die Förderung der Gleichstellung von Mann und Frau (Art. 6), den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen (Art. 7) oder Schutz und Förderung der Kultur einschließlich der plattdeutschen Sprache (Art. 9).

Im Vergleich zu anderen deutschen Landesverfassungen hat die Verfassung weitreichende Elemente der direkten Demokratie. Wie in allen anderen deutschen Ländern geht die Staatsgewalt vom Volke aus, das heißt, das Volk bekundet seinen Willen in Wahlen und Abstimmungen im Lande, in den Gemeinden und den Gemeindeverbänden.

Die Verfassung verliert vorbehaltlich anderweitiger bundesgesetzlicher Regelung ihre Geltung an dem Tag, an dem eine Neugliederung des Bundesgebietes in Kraft tritt.

Landeshaus mit Plenarsaal

Der Landtag Schleswig-Holstein ist das vom Landesvolk gewählte oberste Organ der politischen Willensbildung und führt somit die legislative Gewalt aus. Der Landtag wählt die Ministerpräsidentin oder den Ministerpräsidenten. Der Landtag besteht in der Regel (ohne Überhangmandate) aus 69 Abgeordneten (siehe Tabelle). Sie werden nach einem Verfahren gewählt, das die Persönlichkeitswahl mit den Grundsätzen der Verhältniswahl verbindet.

Justizministerium Schleswig-Holstein in Kiel.

Die Landesregierung ist im Bereich der vollziehenden Gewalt oberstes Leitungs-, Entscheidungs- und Vollzugsorgan. Sie besteht aus der Ministerpräsidentin oder dem Ministerpräsidenten und den Landesministerinnen und Landesministern. Die Ministerpräsidentin oder der Ministerpräsident wird vom Landtag ohne Aussprache gewählt. Sie oder er beruft und entlässt die Landesministerinnen und Landesminister und bestellt aus diesem Kreis für sich eine Vertreterin oder einen Vertreter. Zur Ministerpräsidentin oder zum Ministerpräsidenten ist gewählt, wer die Stimmen der Mehrheit der Mitglieder des Landtages auf sich vereinigt (absolute Mehrheit). Erhält im ersten Wahlgang niemand diese Mehrheit, so findet ein neuer Wahlgang statt. Kommt die Wahl auch im zweiten Wahlgang nicht zustande, so ist gewählt, wer in einem weiteren Wahlgang die meisten Stimmen erhält.

Die rechtsprechende Gewalt ist den Richterinnen und Richtern anvertraut; sie wird im Namen des Volkes ausgeübt. Die Richterinnen und Richter sind unabhängig und nur dem Gesetz unterworfen.

Als kleines Land verfügt Schleswig-Holstein lediglich über ein einziges Oberlandesgericht mit Sitz in Schleswig. Ein eigenes Oberverwaltungsgericht wurde erst 1991 mit dem Schleswig-Holsteinischen Oberverwaltungsgericht in Schleswig errichtet. Bis dahin war das OVG Lüneburg aufgrund eines Staatsvertrages zwischen Niedersachsen und Schleswig-Holstein gem. § 3 Abs. 2 VwGO als gemeinsames Oberverwaltungsgericht für die Länder Niedersachsen und Schleswig-Holstein zuständig.

Schleswig-Holstein verfügt als letztes Land erst seit dem 1. Mai 2008 über ein eigenes Landesverfassungsgericht.[32] Zuvor war die Verfassungsgerichtsbarkeit gemäß Artikel 44 der Landesverfassung und gemäß Artikel 99 des Grundgesetzes die Entscheidung von Verfassungsstreitigkeiten innerhalb des Landes dem Bundesverfassungsgericht übertragen.

Siehe auch: Schleswig-Holsteinisches Landesverfassungsgericht

Alle Bürgerinnen und Bürger haben das Recht, den Landtag im Rahmen seiner Entscheidungszuständigkeit mit bestimmten Gegenständen der politischen Willensbildung zu befassen. Einer Initiative kann auch ein mit Gründen versehener Gesetzentwurf zugrunde liegen; er darf den Grundsätzen des demokratischen und sozialen Rechtsstaates nicht widersprechen. Die Initiativen müssen von mindestens 20.000 Stimmberechtigten unterzeichnet sein. Ihre Vertreterinnen und Vertreter haben das Recht auf Anhörung. Initiativen über den Haushalt des Landes, über Dienst- und Versorgungsbezüge sowie über öffentliche Abgaben sind jedoch unzulässig.

Stimmt der Landtag dem Gesetzentwurf oder der Vorlage innerhalb einer Frist von vier Monaten nicht zu, so sind die Vertreterinnen und Vertreter der Volksinitiative berechtigt, die Durchführung eines Volksbegehrens zu beantragen. Der Landtag entscheidet nun, ob das beantragte Volksbegehren zulässig ist. Ein Volksbegehren ist dann zustande gekommen, wenn mindestens 5 % der Stimmberechtigten innerhalb eines halben Jahres dem Volksbegehren zugestimmt haben.

Ist ein Volksbegehren zustande gekommen, so muss innerhalb von neun Monaten über den Gesetzentwurf oder die andere Vorlage ein Volksentscheid herbeigeführt werden. Der Landtag kann einen eigenen Gesetzentwurf oder eine andere Vorlage zur gleichzeitigen Abstimmung stellen. Ein Volksentscheid findet nicht statt, wenn der Landtag das Gesetz schon verabschiedet hat, sodass ein Volksentscheid überflüssig geworden ist und wenn das Bundesverfassungsgericht auf Antrag des Landtages oder der Landesregierung das Volksbegehren als verfassungswidrig eingestuft hat.

Der Gesetzentwurf oder die andere Vorlage ist durch Volksentscheid angenommen, wenn die Mehrheit derjenigen, die ihre Stimme abgegeben haben, jedoch mindestens ein Viertel der Stimmberechtigten, zugestimmt hat. Eine Verfassungsänderung durch Volksentscheid bedarf der Zustimmung von zwei Dritteln derjenigen, die ihre Stimme abgegeben haben, jedoch mindestens die Hälfte der Stimmberechtigten. In der Abstimmung zählen nur die gültigen Ja- und Nein-Stimmen.

Die Gesetzentwürfe werden von der Landesregierung oder von einzelnen oder mehreren Abgeordneten des Landtages oder durch Initiativen aus dem Volk eingebracht. Die Gesetze werden durch den Landtag oder durch Volksentscheid beschlossen. Gesetze, die die Verfassung ändern, bedürfen der Zustimmung von zwei Dritteln der Mitglieder des Landtages sowie der Zustimmung des Volkes. Außerdem müssen sie den Wortlaut des ändernden Verfassungstextes ausdrücklich ändern und ergänzen.

Sitzverteilung im Landtag

Schleswig-Holstein ist ein ländlich und protestantisch geprägtes Land. In der Nachkriegszeit konnte der Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten zeitweise fast 25 % der Wähler hinter sich bringen. Mit dem Abgleiten in die bundespolitische Bedeutungslosigkeit aufgrund der fortschreitenden Integration der Heimatvertriebenen in die westdeutsche Gesellschaft verlor er aber auch hier die meisten Wähler. In den 1960er Jahren (NPD) und in den 1990er Jahren (DVU) konnten rechtsextreme Parteien Wahlerfolge bei Landtagswahlen verbuchen, diese aber nicht wiederholen.

In Schleswig-Holstein sind die Stimmenanteile der FDP und der Grünen meist geringer als in den anderen westdeutschen Ländern. Die regionale Stimmenverteilung innerhalb des Landes ist sehr verschieden. Tendenziell ist der Stimmenanteil der SPD in den kreisfreien Städten und im Umland Hamburgs höher, der Stimmenanteil der CDU ist tendenziell höher in den Kreisen Nordfriesland und Dithmarschen sowie in den ländlichen Gemeinden der Kreise Steinburg, Rendsburg-Eckernförde und Segeberg.

Eine Besonderheit in der Parteienlandschaft Schleswig-Holsteins ist der Südschleswigsche Wählerverband. Er vertritt die Interessen der dänischen und eines Teils der friesischen Minderheit und ist bei Landtagswahlen von der 5-Prozent-Hürde nach dem Wahlgesetz für den Landtag von Schleswig-Holstein ausgenommen.[33]

Siehe auch Ergebnisse der Landtagswahlen in der Bundesrepublik Deutschland.

Die Landespolitik in Schleswig-Holstein setzt auf die Kooperation mit dem wirtschaftlich stärkeren Nachbarn Hamburg, steht aber dem vom Nachbarn angeregten Nordstaat skeptisch gegenüber. Nach einer repräsentativen Umfrage der Unternehmerverbände Nord, die bereits grenzüberschreitend arbeiten, waren jüngst 52 % der Bevölkerung für das Zusammengehen mit Hamburg in einem neuen Land.

Die Regierung wird seit der Landtagswahl in Schleswig-Holstein am 27. September 2009 von einer Koalition aus CDU und FDP getragen, die über nur eine Stimme Mehrheit verfügt.[34]

Zum Kabinett von Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) gehören:

  • Heiner Garg (FDP), Minister für Arbeit, Soziales und Gesundheit und zugleich Stellvertreter des Ministerpräsidenten
  • Rainer Wiegard (CDU), Minister für Finanzen
  • Klaus Schlie (CDU), Innenminister
  • Emil Schmalfuß (parteilos, von der FDP nominiert), Minister für Justiz, Gleichstellung und Integration
  • Juliane Rumpf (CDU), Ministerin für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume
  • Jost de Jager (CDU), Minister für Wissenschaft, Wirtschaft und Verkehr
  • Ekkehard Klug (FDP), Minister für Bildung und Kultur

Im Juli 2009 kündigte die CDU unter Ministerpräsident Carstensen aufgrund koalitionsinterner Querelen die Zusammenarbeit mit der SPD auf und strebte Neuwahlen für den 27. September 2009, den Tag der Bundestagswahl 2009, an. Nachdem am 20. Juli 2009 der CDU-Antrag auf Selbstauflösung des Landtags nicht die notwendige Zweidrittelmehrheit erreichte, da die SPD-Fraktion geschlossen dagegen stimmte, stellte der Ministerpräsident die Vertrauensfrage. Anschließend entließ er alle vier SPD-Minister. Die verwaisten Ressorts wurden bis zur Regierungsneubildung von den übrigen Ministern kommissarisch verwaltet. Nach Artikel 36[35] der Landesverfassung kann der Ministerpräsident bei verlorener Abstimmung über die Vertrauensfrage binnen zehn Tagen die Wahlperiode beenden und das Parlament auflösen.

Ministerpräsidenten des Landes Schleswig-Holstein
Nr. Name Lebensdaten Partei Beginn der Amtszeit Ende der Amtszeit
1 Theodor Steltzer 1885−1967 CDU 1946 1947
2 Hermann Lüdemann 1880−1959 SPD 1947 1949
3 Bruno Diekmann 1897−1982 SPD 1949 1950
4 Walter Bartram 1893−1971 CDU 1950 1951
5 Friedrich-Wilhelm Lübke 1887−1954 CDU 1951 1954
6 Kai-Uwe von Hassel 1913−1997 CDU 1954 1963
7 Helmut Lemke 1907−1990 CDU 1963 1971
8 Gerhard Stoltenberg 1928−2001 CDU 1971 1982
9 Uwe Barschel 1944−1987 CDU 1982 1987
10 Henning Schwarz 1928−1993 CDU 1987 1988
11 Björn Engholm *1939 SPD 1988 1993
12 Heide Simonis *1943 SPD 1993 2005
13 Peter Harry Carstensen *1947 CDU 2005 im Amt

Im Gespräch ist immer wieder eine Fusion zweier oder mehrerer norddeutscher Länder, die auch Schleswig-Holstein einbeziehen würde. So wird insbesondere ein Zusammenschluss der Länder Schleswig-Holstein und Hamburg regelmäßig ins Gespräch gebracht.

Siehe auch: Nordstaat
Partnerschaften des Landes Schleswig-Holstein[36]
Sønderjylland Dänemark 2001
Pays de la Loire Frankreich 1992
Woiwodschaft Pommern Polen 1992
Oblast Kaliningrad Russland 2004
Präfektur Hyōgo Japan 1995/2005
Maryland Vereinigte Staaten 2002

Darüber hinaus betreibt das Land seit 1995 "Schleswig-Holstein-Büros" im Ostseeraum zur Stärkung der traditionell engen Beziehung zwischen den Ländern des Ostseeraums. Schleswig-Holstein-Büros befinden sich in Danzig, Kaliningrad, St. Petersburg, Vilnius, Riga und Tallinn[37].

Howaldtswerke-Deutsche Werft AG in Kiel

Schleswig-Holstein ist traditionell ein strukturschwaches Land mit nur zwei Großstädten, Kiel und Lübeck. Verhältnismäßig viele Einwohner arbeiten weiterhin in der Landwirtschaft. Produzierende Industrie entwickelte sich hier relativ spät und wurde schon früh wieder vom einsetzenden Strukturwandel betroffen. Auch die Wiedervereinigung von 1990, durch die Schleswig-Holstein vom Nehmer- zum Geberland im Länderfinanzausgleich wurde, hatte ökonomisch ungünstige Folgen; der Abbau von Bundeswehr und Marine traf die Wirtschaft des Bundeslandes besonders hart. In ökonomischer Hinsicht lassen sich drei Großräume unterscheiden: das prosperierende Hamburger Umland in der Metropolregion Hamburg, auch „Speckgürtel“ genannt (mit Maschinenbau und Dienstleistungen), die besonders strukturschwache Westküste (Landwirtschaft, Tourismus, Windenergie) und die Hafenstädte an der Ostküste (insbesondere Flensburg, Kiel und Lübeck) mit Handel, Verkehr, Schiffbau und Windenergie.[38]

In den letzten Jahren gewinnt der Seehandel mit Ostseeanrainer wieder an Bedeutung. Eine besondere Rolle spielen dabei die Jütlandlinie und die Vogelfluglinie wie auch der Lübecker Hafen als Wege nach Skandinavien, Finnland, Russland und das Baltikum. Der Lübecker Hafen ist - über 30 Millionen. Tonnen Umschlag im Jahr 2007 - der größte deutsche Hafen an der Ostsee, in Kiel und Hamburg haben die Kreuzfahrtanläufe in den letzten Jahren Rekordhöhen erreicht.

In Schleswig-Holstein sind gut zwei Drittel der gesamten deutschen Fischereiflotte stationiert. Rund ein Viertel der deutschen Reedereien sind im Land angesiedelt; etwa 20 % des deutschen Umsatzes im Schiffbau werden hier erwirtschaftet. Die HDW (Howaldtswerke-Deutsche Werft) in Kiel ist auch international sehr erfolgreich.

Schleswig-Holstein hat an drei Standorten Kernkraftwerke, in Brunsbüttel, Brokdorf und Krümmel. Nur noch das KKW Brokdorf ist aktiv; die beiden anderen wurden nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima (März 2011) ausgeschaltet und bleiben nach einer Änderung des Atomgesetzes ("Atomausstieg") endgültig abgeschaltet. Zur Realisierung einer Energiewende wurde und wird der Ausbau von Offshore-Windparks in Nordsee und Ostsee forciert.

Die GMSH nimmt als AöR die Bauherren- und Planungsaufgaben des Landes Schleswig-Holstein und des Bundes innerhalb Schleswig-Holsteins wahr.

Der Tourismus in Schleswig-Holstein hat eine weit größere Bedeutung als in den meisten anderen Ländern. Im Jahr 2002 erwirtschafteten etwa 80.000 Beschäftigte einen Umsatz von 5,2 Milliarden Euro. Der Beitrag des Tourismus zum Volkseinkommen betrug damit 4,6 % (im Gegensatz zum Bundesschnitt von 2,8 %). Besonders die nordfriesischen Inseln (allen voran Sylt) erfreuen sich großer Beliebtheit bei den – zumeist deutschen – Touristen, doch auch die Ostseebäder (z. B. Grömitz, Timmendorfer Strand, Ostseebad Laboe, Eckernförde oder Glücksburg) sind von Bedeutung.

Im Vergleich mit dem BIP der EU ausgedrückt in Kaufkraftstandards erreicht Schleswig-Holstein einen Index von 104.1 (EU-27:100) (2004).[39]

2010 betrug die Wirtschaftsleistung im Bundesland Schleswig-Holstein gemessen am BIP rund 75,6 Milliarden Euro. Der Schuldenstand belief sich Ende 2010 auf rund 26 Milliarden Euro.

Nach der Anzahl der Mitarbeiter waren 2006 die zehn größten Arbeitgeber in Schleswig-Holstein:

  1. Bundeswehr, ca. 25.700 Mitarbeiter ab 2010
  2. Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Kiel und Lübeck, 10.706 Mitarbeiter
  3. Possehl Gruppe, Lübeck, 7.117 Mitarbeiter
  4. Deutsche Post DHL, Bonn, 7.050 Mitarbeiter
  5. coop eG, Kiel, 6.385 Mitarbeiter
  6. Deutsche Telekom AG, Bonn, 5.637 Mitarbeiter
  7. Drägerwerk AG, Lübeck, 3.488 Mitarbeiter
  8. Deutsche Bahn AG, Berlin, 3.150 Mitarbeiter
  9. Howaldtswerke-Deutsche Werft GmbH, Kiel, 2.974 Mitarbeiter

Das Flächenland Schleswig-Holstein verbindet Deutschland mit Dänemark und damit mit Skandinavien. Die Hauptverkehrsströme laufen dabei entlang der Jütlandlinie (Hamburg–Flensburg–Fredericia–Kopenhagen), der Vogelfluglinie (Hamburg–Lübeck–Puttgarden–Rödby–Kopenhagen), über die Westküstenachse (Hamburg–Itzehoe–Heide–Husum–Sylt/Esbjerg) und in Ost-West-Richtung über den Nord-Ostsee-Kanal (NOK), die Elbe und die Landwege Hamburg-Berlin. Wichtige Knoten stellen die Häfen Kiel und Lübeck sowie im Landverkehr Neumünster dar. Während der landgebundene Verkehr (Straße und Schiene) vor allem in Nord-Süd-Richtung auf Hamburg hin konzentriert verläuft, ist die Hauptachse des Schiffsverkehrs der ost-westlich verlaufene Nord-Ostsee-Kanal. Die Häfen mit dem stärksten Umschlag liegen in Lübeck in Richtung Ostsee und in Brunsbüttel in Richtung Nordsee. Der Flughafen Lübeck-Blankensee gewinnt in jüngerer Zeit Bedeutung als Landeplatz für Niedrigpreisflieger wie Ryanair.

Anteilsmäßig transportierten einzelne Verkehrssysteme im Jahr 2004[40]:

  • Straße: 162,4 Millionen Tonnen (+ 50 % seit 1998)
  • Schiene: 5,7 Millionen Tonnen
  • Schifffahrt:
    • Binnenschifffahrt: 3,8 Millionen Tonnen
    • Nord-Ostsee-Kanal: 80,6 Millionen Tonnen (+ 100 % seit 1998)

Die wichtigsten Autobahnen des Landes gehen von Hamburg aus. Es sind die A 1 nach Lübeck, die weiter über die Vogelfluglinie die Öresundregion Kopenhagen/Malmö anbindet, die A 7 über Neumünster und Rendsburg nach Flensburg mit einem Abzweig nach Kiel, der A 215, und die A 23 nach Heide mit Anschluss nach Husum und den Nordfriesischen Inseln. Die zum Teil noch im Bau befindliche A 20 führt bisher von Lübeck an die Mecklenburg-Vorpommersche Ostseeküste und soll in Zukunft bei Glückstadt die Elbe queren. Die A 24 verbindet die Metropolregion Hamburg mit der Metropolregion Berlin/Brandenburg. Die 18 Kilometer lange A 25 verbindet Geesthacht mit Hamburg.

Schleswig-Holsteins Straßennetz umfasst 498 km Autobahnen, 1.601 km Bundesstraßen, 3.669 km Landesstraßen und 4112 km Kreisstraßen.

Das gut entwickelte Überland-Omnibus-Netz Schleswig-Holsteins wird im Wesentlichen von der Autokraft GmbH betrieben.

Die Eisenbahn hat in Schleswig-Holstein trotz der Tatsache, dass es ein Flächenland ist, eine relativ große Bedeutung für den Tourismus und für Berufspendler in die Zentren Hamburg, Lübeck und Kiel. Ersteres führt dazu, dass einige Strecken – insbesondere die Relation Hamburg–Sylt – im Sommer oft überlastet sind.

Die Hauptstrecken der Eisenbahn beginnen in Hamburg. Von dort führen sie nach Kiel, Lübeck und Flensburg. Auch die Marschbahn beginnt in Hamburg und endet in Westerland auf Sylt. Von Bedeutung war seit den 1960er Jahren die Eisenbahnfähre von Fehmarn nach Lolland im Verlauf der Vogelfluglinie. Seit der Eröffnung der festen Beltquerung in Dänemark ist der Güterverkehr über diese Verbindung zum Erliegen gekommen. Entlang der Westküste verläuft die unelektrifizierte Hauptstrecke Hamburg–Itzehoe–Heide–Husum–Sylt/Esbjerg. Von ihr zweigen in Heide, Husum und Niebüll verschiedene Nebenbahnen ab, die die Fremdenverkehrsorte erschließen:

  • Bahnstrecke Heide–Büsum
  • Bahnstrecke Husum–Bad St. Peter-Ording
  • Bahnstrecke Niebüll–Dagebüll

Eine weitere wichtige Hauptachse ist die Bahnstrecke Hamburg-Altona–Kiel, von der in Neumünster die Bahnstrecke Neumünster–Flensburg abzweigt, die weiter über die Bahnstrecke Flensburg–Fredericia nach Dänemark führt. Diese drei elektrifizierten und weitgehend zweigleisigen Strecken können als Teil der Jütlandlinie gesehen werden.

Die Ostküste wird durch weitgehend eingleisige, unelektrifizierte Strecken erschlossen, von Nord nach Süd sind dies:

  • Bahnstrecke Kiel–Flensburg
  • Bahnstrecke Kiel–Lübeck
  • Bahnstrecke Lübeck–Puttgarden
  • Bahnstrecke Lübeck–Lübeck-Travemünde Strand – seit Dezember 2008 elektrifiziert
  • Bahnstrecke Lübeck–Bad Kleinen

Von Lübeck aus bestehen weiterhin zwei Verbindungen nach Hamburg:

  • Bahnstrecke Lübeck–Lüneburg, mit Umstieg in Büchen auf die Berlin-Hamburger Bahn
  • Bahnstrecke Lübeck–Hamburg

Auf Letzterer gibt es die größte Zahl Bahnreisender in Schleswig-Holstein.

Im nördlichen Teil Schleswig-Holsteins gibt es seit Stilllegung der Bahnstrecke Flensburg–Niebüll in den 1980er Jahren nur noch zwei reine Ostwest-Verbindungen:

  • Bahnstrecke Husum–Kiel
  • Bahnstrecke Neumünster–Heide

Im Hamburger Umland bestehen noch einige Verbindungen der AKN und die Bahnstrecke Neumünster–Bad Oldesloe.

Ferner existieren drei auf den Saison- und Museumsverkehr ausgerichtete Strecken:

  • Bahnstrecke Süderbrarup–Kappeln
  • Kiel-Schönberger Eisenbahn
  • Bahnstrecke Malente-Gremsmühlen–Lütjenburg
  • Bergedorf-Geesthachter Eisenbahn

Wichtigste Eisenbahnunternehmen sind die DB Regio, die AKN und die Nord-Ostsee-Bahn. Darüber hinaus gibt es noch weitere Privatbahnen in Schleswig-Holstein. Bedeutendster der Bahnhöfe Schleswig-Holsteins ist der Lübecker Hauptbahnhof.

Der Regionalverkehr im Land ist vertaktet, sodass auf jeder Strecke mindestens alle zwei Stunden Züge verkehren. Auf den meisten Strecken gibt es einen Stundentakt, teilweise sogar einen Halbstundentakt. Eine Ausnahme bildet die Strecke Niebüll–Dagebüll, die aufgrund des Fährfahrplans nicht vertaktet ist.

Der unvertaktete Fernverkehr ist mit einigen InterCity-Zugpaaren auf der Marschbahn am dichtesten. ICE-Züge erreichen Lübeck und Kiel jeweils über Hamburg und nach Kiel über Neumünster. Seit 2007 fahren auch Diesel-ICE bis Kopenhagen über Lübeck, Oldenburg in Holstein und Puttgarden sowie bis Århus über Neumünster, Rendsburg und Flensburg.

Das Land hat insgesamt 46 öffentliche Häfen und Anlegestellen, von denen vier überregionale Transitfunktionen erfüllen: Kiel, Lübeck/Travemünde und Puttgarden an der Ostsee, Brunsbüttel an der Nordsee. Kiel und Lübeck sind ebenso für den Güterverkehr nach Skandinavien sowie zunehmend nach Osteuropa wichtig. Lübeck-Travemünde und auch Kiel sind zudem wichtige Fähr- und Kreuzfahrerhäfen. Puttgarden ist der deutsche Hafen der Vogelfluglinie nach Dänemark. Brunsbüttel ist ein wichtiger Hafen für Massengüter und entwickelt sich derzeit außerdem zu einer bedeutenden Basis für die Offshore-Windenergieindustrie. Gemessen am Güterumschlag waren 2006 die größten Häfen[40]:

  • Lübeck (einschließlich Lübeck-Travemünde): 30,6 Millionen Tonnen
  • Brunsbüttel: 7,7 Millionen Tonnen
  • Kiel: 5,0 Millionen Tonnen
  • Puttgarden: 3,8 Millionen Tonnen

Der Nord-Ostsee-Kanal ist mit über 41.000 Schiffsbewegungen jährlich die meistgenutzte künstliche Wasserstraße der Welt. Der Schiffsverkehr auf dem Kanal hat sich zwischen 1998 und 2006 knapp verdreifacht.

Karte der Flughäfen und Landeplätze in Schleswig-Holstein und Hamburg

Die beiden größeren zivilen Flughäfen des Landes befinden sich in Kiel und in Lübeck. Während der Kieler Flughafen derzeit keine Linienflüge anbietet, ist der Flughafen Lübeck mit 697.559 Passagieren im Jahr 2009 auch für den Ferntourismus von Bedeutung, da er regelmäßig von sogenannten Billigfluggesellschaften angeflogen wird. Zunehmende Bedeutung erlangte in letzter Zeit der Flughafen Sylt; er wird seit 2005 mehrmals täglich von großen Fluggesellschaften im Liniendienst angeflogen und hatte 2009 ein Passagieraufkommen von 157.000. Der Flugplatz in Uetersen gewinnt ebenfalls weiter an Bedeutung: Der Personenverkehr wächst stetig an und auch die landenden Flugzeuge werden immer größer. Es gibt zudem kleinere Flugplätze, u. a. bei Flensburg und Hartenholm. Sonderlandeplätze befinden sich auf den Inseln Helgoland und Fehmarn. Der weitaus wichtigste Verkehrsflughafen für das Land ist jedoch der Flughafen Hamburg, nur wenige Kilometer südlich der Landesgrenze gelegen.

Schleswig-Holstein verfügt über drei Universitäten, wobei aber nur die traditionsreiche, 1665 gegründete Christian-Albrechts-Universität zu Kiel eine Volluniversität ist. Daneben ist in Lübeck eine Universität mit medizinischer und technisch-naturwissenschaftlicher Fakultät und in Flensburg eine Universität, die aus der pädagogischen Hochschule hervorgegangen ist. Ferner gibt es im Land eine Kunsthochschule, eine Musikhochschule in Lübeck, vier Fachhochschulen (Kiel, Lübeck, Flensburg und Heide) und eine Verwaltungsfachhochschule. Darüber hinaus gibt es in Schleswig-Holstein drei private Hochschulen (Elmshorn, Pinneberg und Wedel). Insgesamt studierten im Wintersemester 2003/2004 in Schleswig-Holstein 45.542 Personen, davon 26.510 an Universitäten und 16.973 an Fachhochschulen.

Im Schuljahr 2007/2008 besuchten 36 % der 335.473 Schüler an allgemeinbildenden Schulen eine Grundschule, 25 % ein Gymnasium, 18 % eine Realschule, 11 % eine Hauptschule, 6 % eine Gesamtschule und 3 % eine Sonderschule. Weiterhin gibt es freie Waldorfschulen (1 % der Schüler) und Abendgymnasien (0,1 %).[41]

Eine Besonderheit an der schleswig-holsteinischen Bildungslandschaft sind die insgesamt 48 dänischen Schulen im Landesteil Schleswig, die vom Dänischen Schulverein für Südschleswig getragen werden. Die hier erworbenen zweisprachigen Schulabschlüsse werden ohne Weiteres in Deutschland als auch in Dänemark anerkannt.

Die Universitäten des Landes bilden mit der Wissenserzeugung und -vermittlung ein starkes Rückgrat des Forschungssystems in Schleswig-Holstein, das durch zahlreiche außeruniversitäre Forschungsinstitute ergänzt wird. Forschung auf anerkannt hohem und internationalem Niveau wird in Schleswig-Holstein in Bereichen wie Meeresforschung, Biomedizin und Medizintechnik sowie in den Natur- und Ingenieurwissenschaften betrieben. Außeruniversitäre Forschungsinstitute spannen dabei den Bogen von der Grundlagenforschung zum Anwendungsbezug bis hin zum Wissens- und Technologietransfer. Die Forschungsinstitute gehören mehrheitlich den großen nationalen Forschungsorganisationen wie Max-Planck-Gesellschaft, Leibniz-Gemeinschaft und Fraunhofer-Gesellschaft an. Zwei der schleswig-holsteinischen außeruniversitären Forschungseinrichtungen sind Teil der größten deutschen Wissenschaftsorganisation, der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren: Die Biologische Anstalt Helgoland (Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung) und das GKSS-Forschungszentrum Geesthacht im Kreis Herzogtum Lauenburg.

Die Kultur Schleswig-Holsteins ist – bedingt nicht zuletzt durch die dänischen und friesischen Einflüsse – recht vielfältig. Sie ist geprägt von historisch-geografischen Faktoren wie der Lage zwischen den beiden Meeren Nordsee und Ostsee sowie der primär bäuerlichen Kultur. Besonders im Norden des Landes ist der skandinavische Einfluss in der Architektur und Wohnkultur erkennbar. Schwerpunkte des kulturellen Lebens sind die Städte Lübeck und Schleswig.

Schleswig-Holstein ist ein Land mit reicher literarischer Tradition. Dafür stehen Namen wie Johann Heinrich Voß, Matthias Claudius, Friedrich Hebbel, Theodor Storm, Klaus Groth sowie Heinrich und Thomas Mann. Letzterer hat mit seinem Roman „Die Buddenbrooks“ der Stadt Lübeck zu literarischem Weltruhm verholfen. Auch zahlreiche zeitgenössische schleswig-holsteinische Autoren haben deutsche Literaturgeschichte geschrieben. Dazu gehören der Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass (wohnhaft im Kreis Herzogtum Lauenburg), der schleswig-holsteinische Ehrenbürger Siegfried Lenz (wohnhaft bei Rendsburg), der Schriftsteller Günter Kunert oder die Dichterin Sarah Kirsch.

In musikalischer Hinsicht beheimatet das Land mit dem 1986 von Justus Frantz gegründeten Schleswig-Holstein Musik Festival das größte Klassikfestival Europas. Es präsentiert alljährlich im Juli und August ca. 130 Konzerte vor über 100.000 Besuchern, verteilt auf 30–50 Spielstätten im ganzen Land. Daneben findet im Rahmen der Orchesterakademie im Landeskulturzentrum Salzau, der Meisterkurse an der Musikhochschule Lübeck sowie der Chorakademie eine international renommierte Nachwuchsförderung von Hochbegabten aus aller Welt statt. Jedes Jahr gestaltet das Festival einen thematischen Schwerpunkt, in den letzten Jahren waren dies spanische und lateinamerikanische Musik (2002), Großbritannien (2003), Tschechien (2004), Japan (2005) und Niederlande (2006).

Die Eutiner Festspiele (Oper im Schlossgarten) wurden 1951 aus Anlass des 125. Todestages des in Eutin geborenen Komponisten Carl Maria von Weber gegründet. Ausgehend von Aufführungen der Weber-Oper „Der Freischütz“ hat sich eine Veranstaltungsreihe (pro Jahr drei Opern in 22–25 Aufführungen im Eutiner Schlosspark) entwickelt, die jährlich fast 50.000 Besucher nach Ostholstein zieht.

International bekannt ist das alljährliche Wacken Open Air-Festival, das weltgrößte Festival der Heavy-Metal-Szene. Seit 1989 findet in Eutin um Pfingsten ein Bluesfest statt, das von bis zu 15.000 Bluesliebhabern besucht wird.

Schleswig Holstein besitzt – neben einer Vielzahl kleinerer Bühnen – drei große Mehrspartentheater: das Theater Lübeck, das Theater Kiel sowie das Schleswig-Holsteinische Landestheater mit Sitz in Schleswig.

Mit großer Beliebtheit findet in Hohenwestedt das seit 1998 ins Leben gerufene „Mittelalterlich Spectaculum“ statt. Jedes Jahr zu Pfingsten wird dem Besucher ein dreitägiges Spektakel samt Markt und Ritterturnier geboten. Die Atmosphäre im buchenbestandenen Park Wilhelmshöhe unterstützt den mittelalterlichen Flair der Veranstaltung.

Das Spektrum der rund 250 schleswig-holsteinischen Museen ist breit gefächert: Es reicht von den zentralen Landesmuseen der Stiftung Schloss Gottorf über die historischen Schlösser und großen Häuser in den Städten bis hin zu einer Vielzahl sehenswerter Heimatmuseen, die lebensnah Vergangenheit und Eigenheit von Land und Leuten vermitteln.

Einen guten und fundierten Überblick über das Leben, den Alltag, die Sprache, Trachten und Bräuche der Inselfriesen gewährt das Carl-Haeberlin-Friesenmuseum in Wyk auf Föhr.

Die Nordischen Filmtage in Lübeck schließlich sind eines der traditionsreichsten und größten norddeutschen Filmfestivals überhaupt. Sie sind ausschließlich dem Kino des Nordens gewidmet; zu sehen sind Produktionen aus Dänemark, Schweden, Norwegen, Island und Finnland sowie Estland, Lettland und Litauen.

Siehe auch: Liste historischer Orte in Schleswig-Holstein, Liste schleswig-holsteinischer Komponisten klassischer Musik

Durch die langen Küsten ist der Wassersport ebenso populär wie das Angeln, vor allem aber ist Kiel eine der Weltmetropolen des Segelns, anerkannt durch die Segelwettbewerbe der Olympischen Sommerspiele 1936 und 1972. Mit der Kieler Woche und der Travemünder Woche ist das Land Ausrichter zweier der größten und traditionsreichsten Segelwettbewerbe der Welt. Auf der Flensburger Förde tragen die Segler traditionell während der herbstlichen Förde Woche die letzten Segelwettkämpfe des Jahres aus. Höhepunkt sind die Wettfahrten um des Blauen Bands und das Blaugelbe Band (Förde). Die älteste Regatta des Landes dürfte die Aalregatta sein, die lange Zeit als Eröffnungsregatta in die Kieler Woche integriert war. Insgesamt sind im Land in 230 Vereinen etwa 32.000 Segler organisiert. Sylt und Fehmarn sind das Mekka vieler Surfer, außerdem lädt das Land zum Wandern und Rad fahren ein. In der Ruder-Stadt Ratzeburg befinden sich ein Bundesleistungszentrum und der Olympiastützpunkt, an dem viele erfolgreiche mannschaften regelmäßig trainieren. Unter anderem wurde der erfolgreiche Deutschlandachter von 1960 und 1968 in Ratzeburg gebildet. Seit einigen Jahren hat sich des Weiteren Kitesurfen an Ost- und Westküste etabliert. St. Peter-Ording wurde dabei zum meistgewählten Strand für Wettbewerbe.

Schleswig-Holstein beheimatet zwei Handballvereine, die regelmäßig an der Spitze der Bundesliga, des europäischen und des Welthandballs spielen: den THW Kiel und die SG Flensburg-Handewitt. Diesen Anspruch konnten sie im Jahr 2007 mit einem rein schleswig-holsteinischen Champions-League-Finale untermauern, das die Kieler „Zebras“ gegen den Rivalen von der dänischen Grenze für sich entscheiden konnten. Bundesligisten im Handball waren zeitweise auch der VfL Bad Schwartau, TSB Flensburg, die SG Weiche-Handewitt und der TSV Altenholz; der Handewitter SV aus der ehemaligen Spielgemeinschaft Weiche-Handewitt bildet jetzt zusammen mit dem TSB Flensburg die SG Flensburg-Handewitt.

Bundesweit bekannt sind die Traditionsvereine VfB Lübeck (Regionalliga Nord, Stadion an der Lohmühle) und Holstein Kiel, (Regionalliga Nord, Holstein-Stadion), der 1912 Deutscher Fußballmeister war.

Schleswig-Holstein ist das einzige westdeutsche Land, das nie durch einen Verein in der Fußball-Bundesliga vertreten war. Vor Gründung der 1. Liga 1963 spielten Holstein Kiel (1947–1963) und der VfB Lübeck (1947–1950, 1952–1954, 1957/58, 1959–1961 und 1962/63) in der Oberliga Nord, der damals höchsten Spielklasse. Neben den beiden spielten außerdem der Itzehoer SV (1950/51), der Heider SV (1956/57 und 1960/61), der VfR Neumünster (1955–1963) und der 1. FC Phönix Lübeck (1957–1960) in der Oberliga und zuvor waren insgesamt 14 Clubs in der Gauliga Nordmark und Gauliga Schleswig-Holstein erstklassig. Der TSV Uetersen wurde 1950 Meister der drittklassigen Hamburger Germania-Staffel und stieg in die Hamburger Amateurliga auf, deren Meistertitel 1956/57 errungen wurde. Der VfB Lübeck stieg jeweils 1995 und 2002 für kurze Zeit in die Zweite Bundesliga auf und erreichte 2004 das Halbfinale des DFB-Pokals.

Mit den Kiel Baltic Hurricanes des ASC Kiel hat Schleswig-Holstein auch einen Erstligisten im American Football. Die Mannschaft spielt in der GFL, der höchsten nationalen Liga. Am 9. Oktober 2010 standen die Hurricanes gegen die Berlin Adler im Endspiel (German Bowl), welches sie mit 17:10 gewannen. Weiterhin spielt mit den Lübeck Cougars ein Verein in der 2. Bundesliga, der GFL2.

Beim VfB Lübeck wird neben Fuß- und Handball auch Tischtennis gespielt, sowohl Damen als auch Herren waren lange Zeit in der Bundesliga vertreten, die Herren gewannen sogar 1x den Europapokal (ETTU-Cup).

Unter dem Dach des VfB Lübeck wird ebenfalls sehr erfolgreich Badminton gespielt, dort befindet sich sogar ein Bundesnachwuchsstützpunkt.

Lübeck, Kiel und Flensburg sind historisch traditionsreiche Stätten des Boxsports.

Mitgliedsstärkster Sportverein im Landessportverband Schleswig-Holstein ist der VfL Pinneberg.

An der Westküste in Nordfriesland und Dithmarschen ist das Boßeln heute noch recht populär.

In Timmendorfer Strand wird seit Ende der 1980er Jahre Eishockey gespielt. Der Verein, der seinen Höhepunkt Anfang der 1990er Jahre hatte, ist momentan der einzige aktive Verein in Schleswig-Holstein.

  • Schleswig-Holstein Musik Festival
  • Schleswig-Holstein-Tag
  • Kieler Woche
  • Travemünder Woche
  • Windsurf World Cup Sylt in Westerland auf Sylt
  • Nordische Filmtage Lübeck
  • Karl-May-Spiele Bad Segeberg
  • Wacken Open Air
  • NORLA (Landwirtschaftsmesse in Rendsburg)
  • Beachvolleyball-Meisterschaft (Deutschland) in Timmendorfer Strand
  • Glückstädter Matjeswochen in Glückstadt / Elbe
  • Kappelner Heringstage in Kappeln

Fünf Personen sind Ehrenbürger von Schleswig-Holstein:

  • Helmut Schmidt, 1998, früherer deutscher Bundeskanzler, MdB,
  • Uwe Ronneburger, 2000, früherer stv. Bundesvorsitzender und schleswig-holsteinischer Landesvorsitzender der FDP, MdB,
  • Gerhard Stoltenberg, postum 2002, früherer Ministerpräsident von Schleswig-Holstein und früherer Bundesminister der Verteidigung und der Finanzen, MdB,
  • Siegfried Lenz, 2004, bekannter deutscher Autor (viele seiner Geschichten spielen in Schleswig-Holstein), der einen Teil des Jahres in Tetenhusen bei Rendsburg lebt, und
  • Armin Mueller-Stahl, 2010, Schauspieler, der in Schleswig-Holstein lebt und sich für die Musikhochschule Lübeck und verschiedene Schleswig-Holsteiner Museen engagiert [42].
Siehe auch: Liste der Ehrenbürger Schleswig-Holsteins und Liste der Persönlichkeiten (Schleswig-Holstein)
  • Landespolizei Schleswig-Holstein
  • Liste der Wappen in Schleswig-Holstein
  • Volker Griese: Schleswig-Holstein. Denkwürdigkeiten der Geschichte. Historische Miniaturen, Norderstedt 2012, ISBN 3-978-3-8448-1283-1
  • Gregor Gumpert und Ewald Tucai (Hrsg.): Schleswig-Holstein. Ein literarisches Porträt, Wachholtz, Neumünster 2010, ISBN 3-529-06122-0
  • Bartholomäus Figatowski (Hrsg.): Wenn die Biiken brennen. Phantastische Geschichten aus Schleswig-Holstein, Verlag 71, Plön 2009, ISBN 978-3-928905-76-3
  • Bernd Hoefer: Gesetze des Landes Schleswig-Holstein 3. Auflage 2009, ISBN 978-3-936773-47-7
  • Eckardt Opitz: Schleswig-Holstein. Das Land und seine Geschichte – in Bildern, Texten und Dokumenten, Ellert & Richter, Hamburg 2008, ISBN 978-3-8319-0084-8
  • Robert Bohn: Geschichte Schleswig-Holsteins, München 2006: C. H. Beck. ISBN 978-3-406-50891-2
  • Klaus-Joachim Lorenzen-Schmidt, Ortwin Pelc (Hrsg.): Das neue Schleswig-Holstein Lexikon, Wachholtz. Neumünster 2006, 2. Auflage. ISBN 3-529-02441-4
  • Hanswilhelm Haefs: Ortsnamen und Ortsgeschichten in Schleswig-Holstein, Norderstedt 2004. ISBN 3-8334-0509-0
  • Ulrich Lange (Hrsg.): Geschichte Schleswig-Holsteins, Wachholtz, Neumünster 2003, ISBN 3-529-02440-6
  • Jann Markus Witt, Heiko Vosgerau (Hrsg.): Schleswig-Holstein von den Ursprüngen bis zur Gegenwart. Eine Landesgeschichte, Hamburg 2002: Convent. ISBN 3-934613-39-X
  • Uwe Carstens: Parteiendemokratie in Schleswig-Holstein, in: „Demokratie in Schleswig-Holstein. Historische Aspekte und aktuelle Fragen“, hrsg. von Göttrik Wewer, Opladen 1998, ISBN 3-8100-2028-1
  • Uwe Carstens: Das Flüchtlingsproblem in Schleswig-Holstein, Veröffentlichung des Schleswig-Holsteinischen Landesarchivs, Schleswig 1997, ISBN 3-931292-51-7
  • Otto Brandt und Wilhelm Klüver: Geschichte Schleswig-Holsteins, Mühlau, Kiel 1981, 8. Auflage
  • Hippolyt Haas, Hermann Krumm u. Fritz Stoltenberg: Schleswig-Holstein meerumschlungen in Wort und Bild, Kiel 1896
  • Johann Friedrich Camerer, Vermischte historisch-politische Nachrichten in Briefen von einigen merkwürdigen Gegenden der Herzogthümer Schleßwig und Hollstein, ihrer natürlichen Geschichte und andern seltenen Alterthümern (Flensburg und Leipzig 1758–1762) (Inseln, Westküste, Nordmarsch, Uetersen mit Kloster, Eiderstedt, Stapelholm, nordische Geschichte, Sylt, Tondern sowie Grafschaft Rantzau, Rellingen, Seestermühe, Ulzburg, Leezen, Oldeslohe und Helgoland)
  • Johann Friedrich Camerer, Sechs Schreiben von einigen Merkwürdigkeiten der Holsteinischen Gegenden (Leipzig, Meissner 1756) Vor- und Frühgeschichte Sylt, Schleswig, Rendsburg, Husum und Umgebung, Belagerung der Festung Rendsburg, Grabhügel bei Ostenfeld
  1. Standarddänisch, Sydslesvigdansk und Sønderjysk
  2. Dänische Minderheit: ca. 50.000, dänische Staatsbürger: ca. 7000, Deutsche, die nicht zur dänischen Minderheit zählen (grenznahe Orte; Sprache erlernt in Schulen, Volkshochschulen, Hochschulen): mehrere Tausend
  3. Dies sind die offiziell anerkannten Sprachen, daneben traditionell auch Jiddisch, Petuh, Missingsch sowie die Sprachen der neuen Minderheiten wie vor allem Türkisch (rund 40.000, davon rund 13.000 mit deutscher Staatsangehörigkeit); Belege für die Zahlenangaben unter Sprachen und Dialekte in Schleswig-Holstein
  4. Statistikamt Nord: Bevölkerung am Monatsende insgesamt in Schleswig-Holstein
  5. Arbeitslosenquoten im März 2012 – Länder und Kreise. In: arbeitsagentur.de. Bundesagentur für Arbeit, abgerufen am 29. März 2012.
  6. Statistikamt Nord: Öffentliche Finanzen
  7. Die Einteilung in Landschaften beruht auf: Bundesrepublik Deutschland, 1:1.000.000, Landschaften – Namen und Abgrenzungen, bearbeitet und herausgegeben vom Institut für angewandte Geodäsie 1985, 2. Auflage 1994, im Internet wiedergegeben im Genealogienetz
  8. InfoNet-Umwelt Schleswig-Holstein: Umweltbericht des Landes Schleswig-Holstein: Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe
  9. Meyers Neues Lexikon (Mannheim 1979) und Meyers Enzyklopädisches Lexikon (Mannheim 1975) definieren die Jüten als nordgermanisch, während der Atlas zur Universalgeschichte von Oldenbourg/Westermann die Jüten als westgermanisch beschreibt; Brockhaus (Mannheim 2006), die Encyclopædia Britannica (Chicago 2005), das Duden-Lexikon (1980), das dtv-Lexikon (München 1971) und Meyers Lexikon online beschreiben die Jüten allgemeiner als germanischen Stamm in Jütland
  10. Geschichte des Landes Schleswig-Holstein
  11. J. Habich, D. Lafrenz, H. Schulze, L. Wilde: Schlösser und Gutsanlagen in Schleswig-Holstein, Seite 19. L&H Verlag, Hamburg 1998.
  12. Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte: Der Dreißigjährige Krieg
  13. Troels Fink: Geschichte des schleswigschen Grenzlandes. Munksgaard, København 1958. Seite 178
  14. Troels Fink: Geschichte des schleswigschen Grenzlandes. Munksgaard, København 1958. Seite 192 ff.
  15. Uwe Danker, Astrid Schwabe: Schleswig-Holstein und der Nationalsozialismus, Neumünster 2005, Seite 38
  16. Uwe Danker, Astrid Schwabe: Schleswig-Holstein und der Nationalsozialismus, Neumünster 2005, Seite 104–107
  17. Uwe Danker, Astrid Schwabe: Schleswig-Holstein und der Nationalsozialismus, Neumünster 2005, Seite 139
  18. Uwe Danker, Astrid Schwabe: Schleswig-Holstein und der Nationalsozialismus, Neumünster 2005, Seite 114
  19. Uwe Danker, Astrid Schwabe: Schleswig-Holstein und der Nationalsozialismus, Neumünster 2005, Seite 152/153
  20. Uwe Danker, Astrid Schwabe: Schleswig-Holstein und der Nationalsozialismus, Neumünster 2005, Seite 175–178
  21. Uwe Danker, Astrid Schwabe: Schleswig-Holstein und der Nationalsozialismus, Neumünster 2005, Seite 181
  22. http://www.otto-schmidt.de/news_17733.html
  23. In Schleswig-Holstein gibt es auch weitere partielle Amtssprachen (Niederdeutsch, Dänisch, Nordfriesisch); unter der juristischen Auslegung des Begriffes Deutsche Sprache als Oberbegriff ist die Niederdeutsche Sprache ebenfalls eine generelle Amtssprache
  24. Siehe dazu Sprachen und Dialekte in Schleswig-Holstein, Abschnitt: rechtliches Verhältnis zwischen Hoch- und Niederdeutsch
  25. In acht jüdischen Gemeinden; Informationen zur politischen Bildung, Heft 307: Jüdisches Leben in Deutschland, Seite 69, 2/2010
  26. http://www.ekd.de/download/kirchenmitglieder_2007.pdf
  27. epd: „Nordkirche“: Nordelbische Synode für Fusionsverhandlungen
  28. Religionen in Deutschland: Mitgliederzahlen
  29. Willkommen bei den Altkatholiken auf Nordstrand. Alt-Katholische Pfarrgemeinde Nordstrand, abgerufen am 2. Februar 2012.
  30. Christuskirche Uetersen: Die Geschichte der Christuskirche
  31. ZWST: Mitgliederstatistik der jüdischen Gemeinden und Landesverbände in Deutschland für das Jahr 2008 (Auszug)
  32. Schleswig-Holstein: Landesverfassungsgericht
  33. § 3 Abs. 1 Satz 2
  34. FAZ: Schwarz-gelbe Mehrheit in Kiel schrumpft 31. Dezember 2009
  35. Beendigung der Wahlperiode durch den Ministerpräsidenten
  36. Partnerregionen des Landes Schleswig-Holstein auf den Seiten des Landesregierung
  37. Übersicht der "Schleswig-Holstein-Büros"
  38. zeit.de: Schleswig-Holstein setzt voll auf den Ausbau von Windkraft. Die Branche freut's, aber die Bürger sind entrüstet. An vielen Orten rebellieren sie.
  39. Eurostat News Release 23/2007: [1], PDF-Datei
  40. a b Bericht der Landesregierung Schleswig-Holstein „Logistikkonzept für Schleswig-Holstein“, Landtagsdrucksache 16/1406 als PDF-Datei
  41. Statistische Berichte des Statistisches Amtes für Hamburg und Schleswig-Holstein Die allgemeinbildenden Schulen in Schleswig-Holstein – Mehrjährige Übersichten der Schuljahre 1998/99 bis 2007/2008 – – Eckdaten nach Kreisen im Schuljahr 2007/2008 (abgerufen am 6. Aug. 2009)
  42. Schleswig-Holstein Kulturportal

54.47003759.51416Koordinaten: 54° 28′ N, 9° 31′ O



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Software

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Software (Begriffsklärung) aufgeführt.

Software ['s?f(t)w??] (dt. = weiche Ware [von] soft = leicht veränderbare Komponenten [...], Komplement zu 'Hardware' für die physischen Komponenten)[1] ist ein Sammelbegriff für ausführbare Programme und die zugehörigen Daten.[2] Sie dient dazu, Aufgaben zu erledigen, indem sie von einem Prozessor ausgewertet wird und so softwaregesteuerte Geräte in ihrer Arbeit beeinflusst.[3]

In diesem Sinne wurde der Begriff erstmals 1958 von John W. Tukey benutzt.[4] Durch das softwaregesteuerte Arbeitsprinzip kann eine starre Hardware individuell arbeiten.[3] Es wird heutzutage nicht nur in klassischen Computern angewendet, sondern auch in vielen anderen Systemen, wie beispielsweise in Waschmaschinen, Handys, Navigationssystemen und modernen Fernsehgeräten.

Inhaltsverzeichnis

Als Terminus wird 'Software' in zwei typischen Entgegensetzungen gebraucht:

Eine uneingeschränkte Definition beschreibt Software als 'Gegenstück zu Hardware', wobei Software hier jede Art von digitalen Daten umfasst, die auf einer Hardware gespeichert sein können,[5] von der Firmware (z. B. dem BIOS), dem Betriebssystem, den Anwendungsprogrammen bis hin zu allen (möglichen) Dateien eines softwaregesteuerten Gerätes.

Die physischen Bestandteile eines Computersystems (die Geräte selbst, zuzüglich Kabel, etc.) werden unter dem Begriff 'Hardware' zusammengefasst. Ein Datenträger ist Teil der Hardware. Auf ihm wird Software zu Informationszwecken gespeichert. Sie ist dafür gedacht, von einem Prozessor interpretiert zu werden: Sie beschreibt in Form von Anweisungen, was der Prozessor tun soll (z. B. "x + y") und konkretisiert darüber hinaus den genauen Verlauf der Abarbeitung anhand weiterer Daten (z. B. "5 + 3"). In diesem vollen Umfang wird Software von einem Prozessor interpretiert, weshalb in der Veranschaulichung von Software als Gegenstück zur Hardware der Programmcode und die zur Verarbeitung bestimmten Daten zusammen als Software betrachtet werden.

Je nach Zusammenhang ist bei der Entgegensetzung eine oder mehrere der folgenden Bedeutungen gemeint:

  • Leicht veränderbare Komponente (Software) vs. schwer veränderbare Komponente (Hardware) in einem Computerdesign[1]
  • Universelle Maschine (Hardware) vs. Instruktionskode (Software)
  • Nicht-greifbar im Sinne von Funktionsbestandteilen eines Computersystems, die sich „nicht anfassen lassen[6] (Software) im Gegensatz zu den greifbaren Komponenten (Hardware). Software ließe sich über eine Telefonleitung übertragen, Hardware dagegen nicht.

Die Gegensätze sind in der englischsprachigen Begriffprägung (soft=weich, hard=hart) beabsichtigt.

Im allgemeinen Sprachgebrauch und in der Literatur zu Softwaretechnik wird die Definition von 'Software' eingeschränkt auf Computerprogramme und die mit ihnen eng verbundenen Ressourcen, wie z. B. Konfigurationsdaten neben Icons und Schriftarten, die zum Betrieb notwendig sind.[7] Die zur Verarbeitung bestimmten Daten (z. B. digitalisierte Musikstücke) werden hier meist nicht als Software verstanden.[8] Nach dieser Definition wird Software auch als Softwaresystem oder Softwareprodukt bezeichnet,[9] das als Beiwerk zusätzlich Bestandteile wie z. B. die Softwaredokumentation in der digitalen oder gedruckten Form eines Handbuchs enthalten kann.[10]

Auch die Begriffe Programm und Daten können einander entgegensetzt gebraucht werden, wobei 'Programm' dann die Funktion des Programms im Sinne als ausführende Instanz meint, 'Daten' das Bearbeitete.

Diese Rollen können ggfls. je nach Lage der Dinge vertauscht werden. Ein Quellprogramm, das von einem Übersetzer in ein Maschinenprogramm umgewandelt wird, tritt wie das erzeugte Binärprogramm als Daten auf. Ähnlich wie Hardware ein (als Daten aufgefasstes) Binärprogramm in dessen Funktion (Aktivität) umwandelt, kann dies auch ein Interpreter mit einem Quellprogramm oder ein Emulator mit dem Binärprogramm.

Dieser Zusammenhang, dass ein Programm sowohl als Daten als auch als Funktion auftreten kann, ist zentral in verschieden Disziplinen der Informatik, darunter die theoretische Informatik (u. a. Rekursionstheorie, Automatentheorie, Domaintheorie), und die technische Informatik (z. B. Von-Neumann-Architektur).

In den 1950er Jahren waren Software und Hardware noch verbunden und als Einheit wahrgenommen. Die Software war dabei Teil der Hardware und wurde als Programmcode bezeichnet. 1958 prägte der Statistiker John W. Tukey den Begriff Software erstmalig.[4]

Später sorgte dann die Entscheidung der US-Regierung in den 1970er Jahren für eine Neuheit, dass IBM auf Rechnungen Software und Hardware getrennt zu berechnen und aufzuführen habe. Dies entsprach einer Anerkennung der Einzelhaftigkeit von Software von offizieller Seite und einer endgültigen Aufspaltung von Hardware und Software bzw. einer Abgrenzung der Software von der Hardware.

Dieser Entwicklung folgte dann in den 1970er Jahren die Gründung von Firmen, die erstmalig nur mit Software handelten und nur Software und keine Hardware entwickelten. Zu diesen Firmen gehörte in den USA Microsoft und in Deutschland SAP. Die Existenz solcher Firmen erscheint im 21. Jahrhundert als Selbstverständlichkeit, stellte damals jedoch eine erhebliche Neuentwicklung dar.

Der logische Übergang zwischen Hard- und Software lässt sich an den ersten Spielhallenspielen verdeutlichen, wie das Spiel Breakout. Einstmals bestand deren komplettes Programm (der Ablauf, die Logik) bildlich gesehen aus „vorverdrahteten Schalttafeln“.[11] Sie verwendeten keinen Prozessor. Erst später, als solche Spiele für Computer programmiert wurden, und man anfing bei prozessorgesteuerten Geräten zwischen den Begriffen 'Hardware' und 'Software' zu unterscheiden, gab es diese Spiele als Software. Das Spiel bestand nicht mehr aus „vorverdrahteten Schalttafeln“, sondern aus Anweisungen für einen Prozessor inklusive der für die Abarbeitung notwendigen weiteren Informationen, die gemeinsam auf einem Datenträger hinterlegt wurden.

Software ist immateriell[6] und besteht aus den Sprachen und Notationen, in denen sie formuliert ist.[3] Software kann zwar auf bestimmten Medien gespeichert, gedruckt, angezeigt oder transportiert werden. Diese sind aber nicht die Software, sondern enthalten sie nur.

Auch physisch gesehen können sogar die Bits, die die Software abbilden, immateriell sein. So weisen Datenträger als der Teil der Hardware eine bestimmte Beschaffenheit auf. In einem für Computer üblichen Binärsystem manifestiert sich die gemeinte Beschaffenheit in Form von gesetzten oder gelöschten Bits (den digitalen Daten), die darauf gespeichert werden. Elektronisch gesetzte Bits haben für sich keine Substanz und lassen sich somit „nicht anfassen“. Zur Veranschaulichung lässt sich ein Computer vorstellen, auf dem eine andere Variante des Betriebssystems installiert wird. Dafür muss die Hardware nicht erweitert oder ausgetauscht werden, was bedeutet, dass das Gerät äußerlich unverändert wirkt. Tatsächlich wird nur die Eigenschaft der Datenträger verändert; es werden Bits elektronisch gesetzt beziehungsweise gelöscht. Dennoch arbeitet das System dank der aktualisierten Software anders als zuvor, weil die gesetzten (geänderten) Eigenschaften vom Prozessor interpretiert werden.

Es ist zwar vorstellbar, Bits sichtbar und greifbar auf einem Trägermedium zu hinterlegen, doch grundsätzlich ist 'Software' ein abstrakter, von Trägermedien unabhängiger Begriff. Das trifft für den Gattungsbegriff ohnehin zu, aber auch für konkrete Ausprägungen wie ein bestimmtes Anwendungsprogramm.[12] Als Analogie dazu ist es für den Begriff 'Oper' oder 'Zauberflöte' nicht begriffsbestimmend, ob sie im Theater aufgeführt, über Radio/TV übertragen oder als CD verkauft oder gehört wird, ob sie im Opernführer beschrieben oder in der Partitur aufgezeichnet ist.

Innerhalb der Softwaretechnik wird eine einheitliche solide, konsistente und systematische Begriffsbildung durch eine hohe Innovationsgeschwindigkeit und Praxisnähe behindert.[13] So wird je nach gegebenem Zusammenhang unter 'Software' Unterschiedliches verstanden, zum Beispiel:

  • Im Zusammenhang mit der Ausführung auf einem Computer wird unter Software primär alles verstanden, was auf dem Rechner ausgeführt werden kann (das Programm im engeren Sinn, bestehend aus Befehlen und Datendefinitionen). Hinzu kommen die „mit [den Programmen] eng verbundenen Ressourcen, die zum Betrieb der Software zwingend erforderlich sind“.[14] Dies sind zum Beispiel Konfigurationsdateien, Schriftart-Dateien, Lookup-Tabellen, Datenstrukturen für Datenbanken und Datenbestände.
  • In engstem Sinn wäre unter 'Software' nur von der Hardware ausführbarer Maschinencode zu verstehen. Jedoch fällt darunter auch alles, was durch beliebige 'interpretierende Systeme', die Teil der Systemsoftware sind, ausgeführt werden kann, wie das bei Verwendung höherer Programmiersprachen und Entwicklungsumgebungen nahezu immer der Fall ist.[3]
  • Weiterhin können mit 'Software' unterschiedliche Mengen gemeint sein: Im engeren Sinn ist einzelnes Programm 'Software'. Jedoch wird etwa eine aus einer Vielzahl von Einzelprogrammen bestehende Buchhaltungsanwendung ebenfalls 'Software' genannt. Ebenso ein (nicht selbstständig lauffähiges) Unterprogramm, alle Anwendungen eines Unternehmens als Gesamtheit, die zum Betrieb der Programme gehörenden Daten(bank)strukturen und die verschiedensten Komponenten der Systemsoftware inkl. dem Betriebssystem.[15]
  • Im Zusammenhang mit dem Urheberrechtsschutz für Software gilt i. d. R. der 'Quellcode' als Schutzgegenstand.[16]
  • Im Kontext Erwerb von Software (als 'Softwareprodukt') gehört auch die Dokumentation zur 'Software'.[17]
  • Im weitesten Sinn und aus der Entstehungsgeschichte abgeleitet, ist Software alles, was nicht Hardware ist.[3] In diesem Zusammenhang gilt zum Beispiel auch jede Form von Daten als Software.

Der Begriff 'Software' wird also sowohl für konkrete einzelne Aspekte benutzt, als Gattungsbegriff für unterschiedliche Arten von Software und als Sammelbegriff für beliebige Mengen.

Software kann aus vielen unterschiedlichen Gesichtspunkten betrachtet werden, zum Beispiel:

Softwar: Typisierung, Zusammenhänge, Überblick

„Zwischen Hard- und Software besteht eine gewisse Aufgabenverteilung: Die Hardware garantiert [...] Quantität, also Tempo und Speicherkapazität, die Software sorgt für [...] die Abbildung der Anforderungen [...] auf die strukturell primitive Hardware“.[3]

Obwohl dem Begriff 'Software' teilweise Attribute wie Flexibilität, Individualität, Leistungsfähigkeit etc. zugeschrieben werden, wird letztlich alles, was der Computer 'tatsächlich tut', nicht von der Software, sondern ausschließlich durch die Hardware ausgeführt. Software 'beschreibt' lediglich, was getan werden soll und in welcher Form dies geschieht.

Dazu wird auf unterster Ebene der Maschinencode der Software über das Betriebssystem (d. h. ebenfalls durch dessen Maschienbefehle) in den Hauptspeicher des Computers geladen und dem Rechenwerk Schritt für Schritt (siehe Befehlszähler) zur Ausführung zugeführt.

Der Maschinencode muss hierzu in einer Form/Struktur vorliegen, die von der Hardware über deren darin implementierte Schnittstelle interpretiert und ausgeführt werden kann.[18] Inhalt und Struktur der Befehle zeigen an, was zu tun ist, welche Datenbereiche im Hauptspeicher dabei benutzt oder verändert werden sollen (über die im Befehlscode enthaltenen Registerangaben) und ggf. an welcher Stelle das Programm fortzusetzen ist.

Dieses Arbeitsprinzip gilt für jede Art von Software, auch wenn sie z. B. von Interpretern ausgeführt wird: Diese sind ebenfalls Software, die über ihren Maschinencode an der Hardwareschnittstelle wie beschrieben ausgeführt wird, was auch für Compiler und jede andere Systemsoftware gilt. Bei der Ausführung wirken also viele Schichten zusammen und führen als Gesamtheit zu Zustandsänderungen in der Hardware bzw. final zu den vorgesehenen Ergebnissen, etwa der Ausgabe einer Druckzeile, einem Datenzugriff oder der Anzeige eines Feldinhalts am Bildschirm. Bei in höheren Programmiersprachen entwickelten Anwendungen können so schon für relativ einfache Funktionen (wie Lesen aus der Datenbank) oft Hunderttausende oder Millionen von Maschinenbefehlen durchlaufen werden.

Das in modernen Computern mögliche parallele Ausführen mehrerer Programme/Prozesse wird im Wesentlichen durch das Betriebssystem bewirkt, das bei bestimmten Ereignissen den Wechsel von einer zur anderen 'Task einleitet und verwaltet. Siehe auch Multitasking.

Im systematischen Zusammenwirken vieler Komponenten, das nur unter Anwendung klar definierter Schnittstellen möglich ist, „gehört Software also zu den komplexesten Artefakten, die Menschen bislang geschaffen haben“.[3]

Hauptartikel: Softwaretechnik
  • Software wird unter Nutzung bestimmter Verfahren, Methoden und 'Werkzeuge' entwickelt. Dabei werden unterschiedliche Entwicklungsstadien durchlaufen, in denen jeweils unterschiedliche Zwischenstände der Software entstehen: Analysetätigkeiten (zahlreiche Entwicklungsdokumente) > Programmierung (Quellcode) > im Betrieb (Maschinencode oder ausführbarer Code). Im engeren Sinn der Ausführung auf dem Computer gilt lediglich Letzteres als 'Software'. Siehe auch Softwareentwicklung.
  • In diesem Zusammenhang ist Software Bearbeitungsgegenstand von Systemprogrammen: Wenn z. B. ein Compiler den Quellcode eines Programms liest, verarbeitet und einen Maschinen- oder Zwischencode erzeugt, so sind das aus dessen Sicht 'Daten'.
  • Einmal erzeugte Software kann mit verhältnismäßig geringen Kosten vervielfältigt werden, die meist durch Datenträger, Werbung und dem Herstellen von Verpackung und zu Papier gebrachten Dokumentationen anfallen.
  • Software verschleißt nicht durch Nutzung, unterliegt jedoch mit der Zeit der Softwarealterung.
  • Software ist meist austauschbar, fähig zur Aktualisierung, korrigierbar und erweiterbar, insbesondere dann, wenn bestehende Richtlinien eingehalten werden und der Quelltext verfügbar ist.
  • Software tendiert dazu, umso mehr Fehler zu enthalten, je komplexer sie ist. Fehler werden in aktualisierten Softwareversionen oder mithilfe eines Patches und i.d.R. nach Durchführung von Softwaretests behoben. Softwarefehler bezeichnet man auch als Bugs.
  • Weil Software unter Einsatz vieler unterschiedlicher Programmiersprachen und in vielen unterschiedlichen Betriebssystemen und Systemumgebungen entwickelt werden kann, sind Softwarestandards erforderlich, um Informationen system- und unternehmensübergreifend 'verstehbar' und austauschbar zu machen. Siehe auch Elektronischer Datenaustausch (Beispiele), Programmierstil.
Hauptartikel: Software-Akquisition

In der Entscheidung zur Anschaffung von Software lässt sich i. W. der Einsatz von Standardsoftware oder die eigene Herstellung (Individualsoftware) unterscheiden. Besonders im betrieblichen Umfeld zieht diese Entscheidung häufig hohe Kosten nach sich. Auch können solche Entscheidungen Grundlage zur Umsetzung der Unternehmensstrategie sein oder sollen Unternehmensprozesse maßgeblich verbessern. Zur Vermeidung von Fehlinvestitionen sollte der Anschaffung ein systematischer Entscheidungsprozess vorausgehen.

Hauptartikel: IT-Service-Management
  • Der Einsatz von Software erfordert je nach Einsatzbereich ein gewisses Maß an Organisation, um die zusammengehörenden Teile richtig einzusetzen und durch neue Versionen abzulösen (zum Beispiel in größeren Unternehmen im Releasemanagement).
  • Mitunter kann Software vorkonfiguriert werden, um so eine Neuinstallation zu beschleunigen und um Fehler bei der Konfiguration zu minimieren.

Im Wesentlichen für betriebliche Anwendungssoftware geltend kann Software aus (betriebs-)wirtschaftlicher Sicht als 'im Voraus geleistete geistige Arbeit', also als Investition betrachtet werden. Zum Beispiel erarbeiten die Programmautoren ein Lösungsverfahren für die korrekte Trennung aller deutschen Wörter in einem Textverarbeitungsprogramm. Damit ist im Voraus, also bevor diese Tätigkeit tatsächlich anfällt, schon für alle Schreiber, die mit diesem Textverarbeitungsprogramm arbeiten, die geistige Arbeit „korrektes Trennen deutscher Wörter“ geleistet. Dabei wird die Eigenschaft von Computern genutzt, auf sie verlagerte Aufgaben erheblich schneller und zuverlässiger ausführen zu können als dies bisher Menschen möglich war. Besonders auch in der Softwareentwicklung wird intensiv auf „im Voraus“ entwickelte Algorithmen und Codeteile zurückgegriffen werden ('Software-Wiederverwendung').

Ein ähnlicher Zusammenhang wird in der Arbeitssoziologie gesehen: Derartige softwarebasierte Maßnahmen sind geeignet, Arbeitsinhalte und -Abläufe erheblich zu verändern. Die Bandbreite reicht dabei vom Bereitstellen einfacher Hilfsmittel (etwa zur Summierung oder Durchschnittsermittlung) bis hin zur völligen Umgestaltung von Prozessen (durch Konzentration früher getrennter oder durch Zerlegung früher zentralisierter Arbeitsabläufe) – oder gar bis zu deren vollständigen Ersatz durch IT-Lösungen. Brödner et al nennen dies in[19] »materialisierte« Kopfarbeit. Siehe auch Rationalisierung, Optimierung, Taylorismus.

Software lässt sich nach verschiedenen Kriterien unterscheiden.

Unterteilung nach der Nähe zur Hardware beziehungsweise Anwender
  • Systemsoftware, die für grundlegende Funktionen des Computers erforderlich ist. Hierzu zählen insbesondere das Betriebssystem sowie Gerätetreiber.
  • systemnahe Software, der Bereich zwischen Betriebssystem und Anwendungssoftware z. B. Dienstprogramme, Datenbank-Verwaltungswerkzeuge, Programmierwerkzeuge und Middleware.
  • Anwendungssoftware, die den Benutzer bei der Ausführung seiner Aufgaben unterstützt und ihm dadurch erst den eigentlichen, unmittelbaren Nutzen stiftet
Unterteilung nach Art der Herstellung
  • Standardsoftware: Wird von einem Softwareanbieter erstellt, und kann von Kunden erworben werden
  • Individualsoftware: für einen (oder von einem) einzelnen Anwender individuell erstellt

Rechtlich wird beim Erwerb von Software zwischen Individualsoftware und Standardsoftware unterschieden: Für Individualsoftware wird ein Werkvertrag bzw. Werklieferungsvertrag abgeschlossen, der Erwerb von Standardsoftware gilt als Sachkauf.

Siehe auch: Seriennummer, Spyware, Langzeitarchivierung, Gebraucht-Software

Software nach der Art der Einbettung
  • nicht eingebettete Software (Software, die installiert wird)
  • fest in einem Gerät zu dessen Steuerung untergebrachte Software (z. B. in einem ROM), bezeichnet man als Firmware oder auch Eingebettete Software.
Einstufung nach Nutzungsrecht (Lizenz)
  • Adware
  • Beerware
  • Cardware (auch Postcardware)
  • Careware
  • Crippleware
  • Donationware
  • Freeware
  • Nagware
  • Shareware
  • Freie Software
Unterteilung nach Quellcode-Veränderbarkeit
  • Freie Software
  • Open Source
  • Proprietäre Software
Einstufung nach Verfügbarkeit
  • Abandonware
  • Vaporware
Andere Unterteilungen
  • Portable Software
  • Bananenware (unausgereifte Software)
  • Schlangenöl (Programm ohne echte Funktion, wird aber als Wundermittel angepriesen)
  • Shovelware (Sammlung von Software, wobei die Quantität zählt)
  • Riskware
  • Bloatware (mit Funktionen ohne synergetischen Nutzen überladene Software)

Die Verbreitung und Nutzung von Software unterliegt dem Urheberrecht. Es gibt in diesem Zusammenhang mehrere typische Überlassungsmodelle:

Verkauf
Der vollständige Verkauf von Software, inklusive der Überlassung von Weiterverbreitungsrechten, kommt praktisch nur zwischen Unternehmen vor, in der Regel im Rahmen von Auftragsprogrammierung oder beim Verkauf eines Softwareentwicklungsunternehmens.
Nutzungsrecht
Bei der meisten Software, die zum Beispiel für PCs „gekauft“ werden kann, wird in Wirklichkeit nur ein Nutzungsrecht überlassen. Dieses Modell ist auch bei der Auftragsprogrammierung üblich, bei der ein Unternehmen ein Programm für den Eigengebrauch eines anderen Unternehmens speziell entwickelt. Bei Freeware ist dieses Recht kostenlos, was nicht mit freier Software verwechselt werden darf.
Software as a Service
Die Software wird bei einem Dienstleister gehostet, die eigentliche Nutzung der Software kann entweder pro Zeitraum oder pro Nutzungseinheit berechnet werden und kann oft mit einem einfachen PC und z. B. per Webbrowser genutzt werden.
Freie Software/Open Source/GPL
Freie Software darf von jedem genutzt, beliebig verändert und weiterverbreitet werden. Oft unterliegt dieses Recht gewissen Einschränkungen, wie zum Beispiel der Nennung des Autors oder die Verpflichtung, veränderte Versionen unter die gleiche Lizenz zu stellen (GPL). Software, die nicht zu dieser Gruppe zählt, wird proprietär genannt.

Zwischen den oben genannten Hauptformen der Softwareverbreitung gibt es zahlreiche Zwischen- und Mischstufen.

Siehe auch: Lizenzen der freien Software, Lizenzmanagement

Hauptartikel: Freie Software und Open Source

‚Freie Software’ ist eine soziale Bewegung, die unfreie Software als gesellschaftliches Problem begreift.[20] Wobei „frei“ hier nicht „kostenlos“ bedeutet (‚Freie Software’ ist nicht dasselbe wie ‚Freeware’), sondern die Freiheiten für die Gesellschaft meint, die ein derart lizenziertes (auch kommerzielles) Produkt bietet. In den Augen der von Richard Stallman 1985 gegründeten Free Software Foundation (FSF) ist die Entscheidung für oder gegen freie Software deshalb primär eine ethische und soziale Entscheidung.

Dagegen begreift die 1998 gegründete Open Source Initiative (OSI) quelloffene Software als bloßes Entwicklungsmodell, wobei die Frage, ob Software quelloffen sein sollte, dort eine rein praktische und keine ethische Frage ist. Die FSF wirft der OSI daher eine Ablenkung von den wesentlichen Punkten vor.[21] Eric S. Raymond hat den Begriff ‚Open Source’ in der Annahme eingeführt, dass das unpopuläre Thema ‚Freiheit’ Geldgeber für solche Projekte abschrecken könne.

Auch wenn es sich heute um zwei unterschiedliche Bewegungen mit unterschiedlichen Ansichten und Zielen handelt, verbindet sie die gemeinsame Wertschätzung für quelloffenen Code, was in zahlreichen Projekten mündet, in denen sie zusammenarbeiten.

Hauptartikel: Softwaretechnik

Die Entwicklung von Software ist ein komplexer Vorgang. Dieser wird durch die Softwaretechnik, einem Teilgebiet der Informatik, systematisiert. Hier wird die Erstellung der Software schrittweise in einem Prozess von der Analyse über die Softwaremodellierung bis hin zum Testen als wiederholbarer Prozess beschrieben.

In aller Regel wird die Software nach der Entwicklung mehrfach angepasst und erweitert. Der Software-Lebenszyklus kann durchaus mehrere Jahre betragen.

  • Softwareunternehmen
  • Softwarekrise
  • Softwarequalität, Softwarequalität nach ISO
  • John W. Tukey: The Teaching of Concrete Mathematics. In: The American Mathematical Monthly. Vol. 65, no. 1 (Jan. 1958), pp 1–9. (Erstmalige Verwendung des Begriffs Software im heutigen Sinn)
  • F. R. Shapiro: Origin of the term software: Evidence from the JSTOR electronic journal archive. In: IEEE Annals of the History of Computing. 22 (April–June 2000), 69.
  • Sebastian von Engelhardt: Die ökonomischen Eigenschaften von Software. In: Jenaer Schriften zur Wirtschaftswissenschaft. 14/2006, Friedrich-Schiller-Universität Jena, Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät, ISSN 1611-1311.
  1. ISBN 3-411-05232-5
  2. ISBN 978-3-409-12725-7
  3. [1]
  4. a b linfo.org – Software Definition, 1958, Januar-Ausgabe des American Mathematical Monthly (Titel: The Teaching of Concrete Mathematics). Tukey schreibt: „Today the "software" comprising the carefully planned interpretive routines, compilers, and other aspects of automative programming are at least as important to the modern electronic calculator as its "hardware" of tubes, transistors, wires, tapes and the like.“
  5. linfo.org – Software Definition, Zitat: „[…] In a broader sense it can also refer to all information (i.e., both programs and data) in electronic form, and it can provide a distinction from hardware, which refers to media and systems on which software can exist and be used […]“
  6. ISBN 978-3-8274-1705-3, 2009, 3. Auflage, S. 9: „Software ist ein immaterielles Produkt. Software kann man nicht anfassen und nicht sehen.“
  7. http://www.wissen.de/wde/generator/wissen/ressorts/technik/computer/index,page=1207964.html
  8. Auszug aus lexikon.meyer.de: „[...] Im allgemeinen Sprachgebrauch wird die Bezeichnung Software meist nur auf Programme bezogen, nicht aber auf andere Daten [...]“ (eine Verlinkung dahin ist nicht mehr möglich, da „Meyers Lexikon Online“ zum 23. März 2009 eingestellt wurde).
  9. ISBN 978-3-8350-0197-8.
  10. Lehr- und Übungsbuch Informatik 1. Hanser Verlag, 2003, Seite 311
  11. ISBN 978-3-423-34507-1, S. 144-149
  12. ISBN 978-3-941875-29-6, S. 35: „Weil Software Gegenstand einer schöpferischen Leistung ist, die man nicht anfassen kann, wird ihr zum Teil die Sachqualität abgesprochen.“
  13. ISBN 978-3-8274-1705-3, 2009, 3. Auflage, S. 3
  14. Wissen.de [2]
  15. dpunkt.de, in Kap. "Software spiegelt die Realität": Software-Systeme werden nicht monolithisch gebaut, sondern bestehen aus Modulen oder Komponenten, die miteinander die Gesamtfunktionalität des Systems bieten.
  16. softwarepatents.eu, "Programmcode in seiner linguistischen Form als Sprachwerk"
  17. Hanser Verlag Lehr- und Übungsbuch Informatik 1.' 2003, Seite 311
  18. Klaus Wüst Mikroprozessortechnik Kap. 7.5.4 ISA - Instruction Set Architecture [3] Die ISA [Diese Form] ist genau das, was für die Erstellung von Maschinenprogrammen bekannt sein muss.
  19. ISBN 3-8031-2082-9
  20. The Selected Essays of Richard Stallman (aktualisierte Fassung): "Open Source ist ein Entwicklungsmodell. Freie Software ist eine soziale Bewegung. Für die Open-Source-Bewegung ist nicht-freie Software eine suboptimale Lösung. Für die Freie-Software-Bewegung ist nicht-freie Software ein soziales Problem und freie Software ist die Lösung."; ursprüngliche Fassung: "Für die Freie-Software-Bewegung ist freie Software ein ethisches Gebot ... nicht-freie Software ist ein gesellschaftliches Problem ..."
  21. http://www.gnu.org/philosophy/free-software-for-freedom.de.html


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Softwareentwickler

aus www.ifq.de, der freien Enzyklopädie

Softwareentwickler ist ein Begriff zur Stellenbeschreibung für Menschen, die – egal mit welcher Ausbildung – im Bereich der Softwaretechnik, also am Design und der Implementierung der Software arbeiten. Der Begriff wird synonym mit Softwareingenieur (engl. software engineer) verwendet. Beide Begriffe sind zumindest in Deutschland und Österreich keine geschützten Berufsbezeichnungen. Nach deutschem Recht darf die Berufsbezeichnung Softwareingenieur jedoch nur führen, wer ein technisches Studium mit Erfolg abgeschlossen hat[1].

Inhaltsverzeichnis

Die Hauptaufgabe eines Softwareentwicklers ist das technische Design und die Implementierung der an die Software gestellten Anforderungen, gepaart mit dem Modultest (Unit-Test) der dafür implementierten Komponenten. Dazu benötigt der Softwareentwickler Kenntnisse über den gesamten Softwareentwicklungsprozess und muss Software-Prinzipien sowie die Methoden der Softwaretechnik beherrschen.

Darüber hinaus übernehmen Softwareentwickler oft Aufgaben, die synonym auch mit anderen Begriffen und Stellenbeschreibungen besetzt sind. Dazu gehört die reine Programmierung (siehe Programmierer) – d. h. Beschränkung auf die Implementierung der Software ohne Überlegungen zum technischen Design der Software und die Erarbeitung der Softwarearchitektur (siehe Softwarearchitekt).

Auf Grund von Ressourcenknappheit werden Softwareentwickler zudem auch noch für Aufgaben eingesetzt, die ihrem eigentlichen Tätigkeitsfeld nicht zuzurechnen sind. Dazu gehören Analysetätigkeiten, also die Erarbeitung der Anforderungen an die Software, Testtätigkeiten wie beispielsweise die Erarbeitung und Durchführung von Testplänen, Projektmanagementtätigkeiten wie die Planung der Umsetzung oder auch Design der Benutzerschnittstellen wie Entwurf und Abstimmung von Bildschirmmasken und so weiter.

Softwareentwickler haben oft ein Studium in einem Informatikstudiengang an einer Hochschule oder einer Berufsakademie absolviert. Auch ein Studium in einem ingenieur- bzw. naturwissenschaftlichen Studiengang bietet Einstiegsmöglichkeiten in die Softwareentwicklung.

Des Weiteren gibt es die Möglichkeit, sich über eine Ausbildung in einem informationstechnischen Ausbildungsberuf z. B. zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung an einer Berufsfachschule (siehe beispielsweise IHK), an einer Fachschule für Datenverarbeitung und Organisation (z. B. ADV Böblingen) oder einem Berufskolleg zum Softwareentwickler, Softwareingenieur oder Softwarearchitekten zu qualifizieren. Daneben üben viele Quereinsteiger diese Tätigkeit auch aufgrund von autodidaktisch erlernten oder durch verschiedene Schulungen (auch Umschulung) erworbenen Fähigkeiten aus.

  • Duale Ausbildung
  • Mort, Elvis, Einstein
  1. Siehe 'Gesetz zum Schutze der Berufsbezeichnung „Ingenieur und Ingenieurin“ (Ingenieurgesetz – IngG)' welches in der Gesetzgebungskompetenz der Bundesländern liegt und für das jeweilige Bundesland in der geltenden Fassung heranzuziehen ist. Um die Bezeichnung „Ingenieur“ zu tragen, muss man das Studium nicht zwingend als „Ingenieur“ abschließen. Aus dem Gesetz des Bundeslandes Bayern geht zum Beispiel hervor, dass es für die Berufsbezeichnung „Ingenieur“ ausreicht, wenn man ein mindestens dreijähriges Studium an einer technischen oder naturwissenschaftlichen Fachrichtung mit Erfolg abgeschlossen hat.


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Softwaretechnik

aus www.ifq.de, der freien Enzyklopädie

Die Softwaretechnik ist eine deutschsprachige Übersetzung des engl. Begriffs software engineering und beschäftigt sich mit der Herstellung bzw. Entwicklung von Software, der Organisation und Modellierung der zugehörigen Datenstrukturen und dem Betrieb von Softwaresystemen. Eine Definition von Helmut Balzert beschreibt das Gebiet als

Zielorientierte Bereitstellung und systematische Verwendung von Prinzipien, Methoden und Werkzeugen für die arbeitsteilige, ingenieurmäßige Entwicklung und Anwendung von umfangreichen Softwaresystemen.“ (Lit.: Balzert, S.36)

Softwaretechnik umfasst eine Vielzahl von Teilgebieten, die in ihrer Gesamtheit die Softwareentwicklung begleiten. Wichtig ist auch die experimentelle Untersuchung von Softwaretechnik, um ihren praktischen Nutzen zu messen und zu verbessern. Zur Beschreibung des „Standes der Technik“ des Fachgebiets gibt es verschiedene Ansätze, unter anderem den „Guide to the Software Engineering Body of Knowledge“ (SWEBOK) der IEEE Computer Society.

In erweitertem Sinn umfasst die Softwaretechnik – neben dem Entwickeln – auch das Betreiben der Software unter Nutzung der Informationstechnik.

Inhaltsverzeichnis

Aufgrund des hohen Aufwandes zur Erstellung und Wartung komplexer Software erfolgt die Entwicklung durch Softwareentwickler anhand eines strukturierten (Projekt-)Planes. Dieser Plan (das Vorgehensmodell) unterteilt den Entwicklungsprozess in überschaubare, zeitlich und inhaltlich begrenzte Phasen. Die Software wird somit Schritt für Schritt fertiggestellt. Die Phasen sind während des ganzen Entwicklungsprozesses eng miteinander verzahnt. In der Praxis werden auch Verfahren eingesetzt, welche die Mehrstufigkeit von Systemanalyse, Systemdesign/Konzept und anschließender Implementierung und Testen aufgeben, siehe z. B. unter Prototyping, Agile Softwareentwicklung.

Die Softwaretechnik beinhaltet den gesamten Prozess von der Identifizierung des Bedarfs bis hin zur Inbetriebnahme einer konkreten IT-Lösung, zum Teil auch darüber hinaus. Hauptgegenstand ist die Bereitstellung und Einführung einer Anwendungssoftware, teilweise zzgl. der benötigten Hardware und Netzwerke.

Die zu implementierende Software kann entweder eine Individualsoftware oder eine Kombination und Konfiguration von Standardsoftware sein.

Projekte werden oftmals von oder mit externen Dienstleistungsunternehmen, häufig aber auch als Eigenentwicklung geleistet. Dementsprechend vielfältig, auch abhängig von der Projektart, sind auch die Vorgehensweisen bei der Projektentwicklung: Von einer sehr strukturierten Herangehensweise, siehe Wasserfallmodell, über verschiedene Mischformen bis hin zu sehr flexiblen, offenen Methoden wie der Agilen Softwareentwicklung. Entsprechend wird auch zwischen Top-Down- und Bottom-Up-Ansätzen unterschieden.

Im Folgenden werden einige wichtige Aspekte und typische Stufen/Phasen der Projektentwicklung beschrieben, die in der Praxis mehr oder weniger ausgeprägt zum Tragen kommen.

Die Phasen und ihre Aufgabenstellungen sind in der folgenden Tabelle aufgeführt:

Kernprozesse

1. Planung

  • Anforderungserhebung
  • Lastenheft (Anforderungsdefinition)
  • Pflichtenheft (Mit technischen Ansätzen verfeinertes Lastenheft)
  • Aufwandsschätzung (z. B. mittels Function-Point-Verfahren oder COCOMO)
  • Vorgehensmodell

2. Analyse

  • Auswertung
  • Mock-up
  • Prozessanalyse / Prozessmodell
  • Systemanalyse
  • Strukturierte Analyse (SA)
  • Objektorientierte Analyse (OOA)

3. Entwurf

  • Softwarearchitektur
  • Strukturiertes Design (SD)
  • Objektorientiertes Design (OOD)
  • Unified Modeling Language (UML)
  • Fundamental Modeling Concepts (FMC)

4. Programmierung

  • Normierte Programmierung
  • Strukturierte Programmierung
  • Objektorientierte Programmierung (OOP)
  • Funktionale Programmierung

5. Validierung und Verifikation

  • Modultests (Low-Level-Test)
  • Integrationstests (Low-Level-Test)
  • Systemtests (High-Level-Test)
  • Akzeptanztests (High-Level-Test)

Unterstützungsprozesse

6. Anforderungsmanagement

7. Projektmanagement

  • Risikomanagement
  • Projektplanung
  • Projektverfolgung und -steuerung
  • Management von Lieferantenvereinbarungen

8. Qualitätsmanagement

  • Capability Maturity Model
  • Spice (Norm) (Software Process Improvement and Capability Determination)
  • Incident Management
  • Problem Management
  • Softwaremetrik (Messung von Softwareeigenschaften)
  • statische Analyse (Berechnung von Schwachstellen)
  • Softwareergonomie

9. Konfigurationsmanagement

  • Versionsverwaltung
  • Änderungsmanagement / Veränderungsmanagement
  • Release Management
  • Application Management (ITIL)

10. Softwareeinführung

11. Dokumentation

  • Technische Dokumentation
  • Softwaredokumentation
  • Software-Dokumentationswerkzeug
  • Betriebsdokumentation (Betreiber/Service)
  • Bedienungsanleitung (Anwender)
  • Geschäftsprozesse (Konzeption der Weiterentwicklung)
  • Verfahrensdokumentation (Beschreibung rechtlich relevanter Softwareprozesse)

Die oben genannten Teilschritte der Softwareentwicklung werden nicht zwangsläufig bei jedem Projekt komplett durchlaufen. Vielmehr werden einzelne Prozesse spezifisch für die jeweilige Anforderung gewählt. Dies ist aus Sicht der Kosten- und Verwaltungsreduzierung notwendig.

Der gesamte Prozess einer Projektentwicklung unterliegt meist einem mehr oder weniger stark ausgeprägten Projektmanagement. Im Falle der Realisierung durch einen IT-Dienstleister wird meist sowohl auf Auftraggeber- als auch auf Auftragnehmer-Seite ein jeweils eigenständiges Projektmanagement betrieben. Um Konflikte zwischen den beiden Projektleitern aufzulösen, wird dem übergeordnet oftmals noch ein aus dem Management von Auftraggeber und Auftragnehmer zusammengesetztes Kontrollgremium (Project Board) eingesetzt.

Typischerweise wird für größere Projekte auch ein größerer Projektmanagement-Aufwand betrieben, während mittlere oder kleinere Projekte häufig „nebenbei“ abgewickelt werden.

In allen Phasen der Projektentwicklung ist das IT-Consulting (oder auf Deutsch „Konzeptionen und Beratung“) durch externe Beraterfirmen üblich.

Das Qualitätsmanagement innerhalb des Projekts wird als Teilbereich des Projektmanagements verstanden.[1] Es umfasst die Teilgebiete:

  • Qualitätsplanung, das heißt Identifizierung der für das Projekt relevanten Qualitätskriterien und der Methoden, mit denen sie erfüllt werden können.
  • Qualitätssicherung, das heißt regelmäßige und regelgerechte Bewertung der Projektleistung, damit das Projekt die Qualitätsstandards erfüllt.
  • Qualitätslenkung, das heißt Überwachen der Projektergebnisse, um festzustellen, ob die Qualitätsstandards erfüllt werden, und um die Ursachen unzureichender Leistungen zu beseitigen.

Das Qualitätsmanagement im Projekt muss sowohl die Leistung des Projekts als auch die Qualität des Projektprodukts ansprechen. Modernes Qualitätsmanagement und modernes Produktmanagement ergänzen sich. Beide Disziplinen erkennen die Bedeutung von

  • Kundenzufriedenheit
  • Prävention geht vor Überprüfung
  • Managementverantwortung

an. Qualitätsverbesserungsprogramme, die von der Trägerorganisation durchgeführt werden, beispielsweise nach TQM oder nach ISO 9000, können integriert werden, um die Qualität des Projekts und die des Produkts zu verbessern.[1]

Magisches Dreieck

Wie generell im Projektmanagement ist dem permanenten Zielkonflikt zwischen Qualität, Kosten und Zeit Rechnung zu tragen.[2]. Speziell in Softwareprojekten steht die Projektleitung häufig unter hohem Termindruck und ist einem besonders hohen Risiko ausgesetzt, die Qualität zu vernachlässigen.[3]

Aufgrund der Komplexität von Informationssystemen sind „absolute“ Sicherheit bzw. Qualität nicht ökonomisch realisierbar. Daher werden zur Kategorisierung und Priorisierung häufig Methoden des Risikomanagements eingesetzt, um für das jeweilige Projekt ein adäquates Maß an Systemsicherheit und -qualität zu gewährleisten.

Aspekte des Risikomanagements sollten über den gesamten System-Lebenszyklus, also beginnend mit dem Konzept, über die Entwicklung oder Programmierung, Implementierung und Konfiguration und während des Betriebes bis hin zur Stilllegung des Systems berücksichtigt werden.

Im Zusammenhang mit der Projektentwicklung ist hier die Systemanalyse zur Projektvorbereitung gemeint. Gegenstand ist die inhaltliche Erfassung der Anforderungen durch Befragung künftiger Anwender sowie die systematische Untersuchung weiterer sachlicher und technischer Anforderungen und Randbedingungen (Schnittstellen zu Drittsystemen, gesetzliche Anforderungen u.dgl.). Ergebnis ist meist ein Fachkonzept, oftmals auch gleich ein Lastenheft.

Ein Pflichtenheft enthält sämtliche Funktionen und Anforderungen an ein Programm. Darin wird festgelegt, welche Funktionen verlangt sind und was diese genau tun. Anhand dieser Übersicht werden die grundlegenden technischen Entwurfsentscheidungen getroffen, und daraus wird die Systemarchitektur abgeleitet. Im Falle einer Beauftragung eines Dienstleistungsunternehmens ist das Pflichtenheft die vertragliche Grundlage für die vereinbarten Leistungen. Deshalb ist die Vollständigkeit und Richtigkeit der darin getroffenen Festlegungen und Anforderungen von besonderer Bedeutung für den Auftraggeber.

Ein Systemanalytiker bzw. -designer, bei kleineren Projekten auch der Programmierer, legt anhand des Pflichtenhefts die Programmarchitektur fest. Soweit Standardsoftwareprodukte zum Einsatz kommen, erfolgt in dieser Phase auch eine Spezifikation der geplanten Produkteinbindung bzw. -anpassung. Für neu zu entwickelnde Software erfolgt der Entwurf des Datenmodells und der einzelnen Funktionen und Algorithmen bzw. der Objekt- und Klassenstruktur. Falls bereits vorhandene Software angepasst (adaptiert) werden muss, so wird in dieser Phase festgelegt, welche Veränderungen und Erweiterungen erforderlich sind. Das Ergebnis des Systemdesigns wird auch DV-Konzept genannt.

In der Implementierungsphase wird die zuvor konzipierte Anwendungslösung technisch realisiert, indem Softwareprodukte konfiguriert, vorhandene Software angepasst oder Programme bzw. Programmteile vollständig neu erstellt werden.

Eine Neuerstellung von Software erfolgt meist durch Programmierung, d. h. die einzelnen Funktionen, Objekte, Klassen u.s.w. werden in einer Programmiersprache mit Hilfe einer Integrierten Entwicklungsumgebung codiert.

Die Software wird im Softwaretest in zweierlei Hinsicht getestet, zum einen

  • technisch, d. h. auf eine korrekte Umsetzung des DV-Konzepts und auf Programmfehler, und zum anderen
  • inhaltlich, d. h. auf Vollständigkeit bezüglich des Pflichtenhefts und Eignung für den vorgesehenen Zweck.

Während der Systemtest eine alleinige Angelegenheit des Auftragnehmers ist, erfolgt der Verfahrenstest meist in Zusammenarbeit mit den Endanwendern des Auftraggebers.

Es gilt in der Softwareentwicklung als normal, dass Programme fehlerhaft sind. Gelegentlich müssen sogar ganze Teile vollständig neu umgesetzt, also neu programmiert werden. Da in komplexeren Applikationen nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden kann, dass geänderte Programmteile nicht etwa andere Programmfunktionen beeinflussen können (Nebeneffekte), sollte nach der Fehlerbeseitigung ein erneuter vollständiger Test des Gesamtsystems erfolgen. Bis zur endgültigen Freigabe der Software sind meist mehrere Test- und Fehlerbeseitigungszyklen (iteratives Vorgehen) erforderlich.

Die fertiggestellte Software nebst eventuell erforderlicher Standardsoftwareprodukte, Hardware u. ä. wird sodann im Zuge der Installation auf den Computersystemen des Auftraggebers oder des Betreibers (eines Application Service Providers) aufgespielt und betriebsbereit gemacht. Hierbei wird oftmals zwischen parallelen „Produktiv“-, „Test“-, „Schulungs“- und „Entwicklungs“-Installationen unterschieden.

Je nach technischer Plattform erfolgt die Installation auf Zentralrechnern (Server) oder auf den Arbeitsplatzrechnern oder beides. Bei Datenbankanwendungen erfolgt ggf. noch ein Tuning der Datenbank. In einigen Fällen erfolgt noch eine Migration aus älteren Anwendungslösungen.

Bei größeren Projekten erfolgt oftmals zunächst nur eine Installation auf einem Testsystem bzw. bei wenigen Pilot-Anwendern. Die nachfolgende Ausweitung (Installation und Inbetriebnahme) auf weitere Standorte nennt man Rollout.

Wesentlicher Teil des Projekts ist die Einführungsunterstützung, insbesondere in Form von Schulung bzw. Einweisung der Endanwender, Power User und Administratoren.

Nach der Inbetriebnahme einer Softwarelösung ist eine kontinuierliche Weiterbetreuung erforderlich und üblich. Diese umfasst sowohl eine Unterstützung der Anwender z. B. per Hotline im laufenden Betrieb als auch Erweiterungen der Software bei Bedarf. Bei externer Softwareerstellung / Projektabwicklung wird beides in einem Support-Vertrag geregelt.

Dabei wird zwischen einem First-level-Support und einem Second-level-Support unterschieden. Der First-level Support (auch Helpdesk) ist erste Anlaufstelle für alle eingehenden Unterstützungsfragen und nimmt alle Problemmeldungen entgegen. Er leitet aber nur schwerwiegende Probleme an den Second-level-Support, bei Standardsoftware z. B. beim Produkthersteller, weiter.

Die laufende Anpassung der Software an sich ändernde Anforderungen oder Umgebungsbedingungen, z. B. an neue Versionen verwendeter Standardsoftware, wird als „Softwarepflege“ bezeichnet. Größere Veränderungen werden über eigene Wartungsprojekte bearbeitet, kleinere Anpassungen häufig als Wartungsaufgaben mit einfacheren Prozessregeln. Das Management des nachträglichen Einbringens von Änderungen in ein laufendes System nennt man Veränderungsmanagement.

  • ISBN 3-8274-0480-0.
  • ISBN 3-89864-268-2.
  • ISBN 3-446-22429-7.
  • ISBN 0-321-21026-3.
  • Thomas Grechenig, Mario Bernhart, Roland Breiteneder, Karin Kappel: Softwaretechnik – Mit Fallbeispielen aus realen Projekten Pearson Studium, München 2009, ISBN 3-86894-007-3.
  1. ISBN 978-1-930699-21-2, S. 95–103
  2. Kessler, Heinrich; Winkelhofer, Georg: Projektmanagement. 4. Auflage. Heidelberg 2004, Springer. S. 55–56
  3. Wendt, Dierk (Sprecher der Arbeitsgruppe): Klassische Fehler in der Software-Entwicklung, TU Ilmenau, Version vom 6. Oktober 2005, abgerufen am 9. Februar 2011


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Projektmanagement

aus www.ifq.de, der freien Enzyklopädie

Unter dem Begriff Projektmanagement (PM) versteht man das Planen, Steuern und Kontrollieren von Projekten.

Viele Begriffe und Verfahrensweisen im Projektmanagement sind mittlerweile etabliert und standardisiert. Im Rahmen der meisten universitären Studiengänge im Ingenieur-, Wirtschafts- und Informatikbereich werden Grundkenntnisse des Projektmanagements vermittelt. Weltweit gibt es einige Verbände, welche sich dem Thema Projektmanagement verschrieben haben. Die drei bekanntesten sind:

  • das amerikanische Project Management Institute (PMI) mit der PMP-Zertifizierung
  • die International Project Management Association (IPMA) mit der IPMA-Zertifizierung

Deren Vertretungen in den Ländern, in Deutschland z. B. die GPM, bieten (u. a.) Zertifizierungen auf unterschiedlichen Levels an; Details dazu stehen in den Artikeln zu den Verbänden.

Ihre PM-Verfahren sind grundsätzlich unabhängig von Branche und Projektinhalt, jedoch werden, aufbauend auf diesen Verfahren, häufig individuelle Vorgehensmodelle abgeleitet, in denen Spezifika des Projektprodukts (beispielsweise Software vs. Brücke) oder des Projekttyps (beispielsweise Software-Neuentwicklung, Wartung, Prozesseveränderung im Unternehmen), häufig auch Gepflogenheiten im einzelnen Unternehmen berücksichtigt werden.

Inhaltsverzeichnis

Projektmanagement wird je nach Quelle textlich unterschiedlich, inhaltlich aber weitgehend übereinstimmend definiert:

Verzahnung des Projektmanagements mit dem Gesamtprojekt
  • DIN-Norm (DIN 69901-5:2009-01): „Gesamtheit von Führungsaufgaben, -organisation, -techniken und -mitteln für die Initiierung, Definition, Planung, Steuerung und den Abschluss von Projekten“.
  • Project Management Institute (PMI): Project Management is the application of knowledge, skills, tools and techniques to project activities to meet project requirements (Projektmanagement ist die Anwendung von Wissen, Können, Werkzeugen und Techniken auf Projektaktivitäten, um Projektanforderungen zu erfüllen.).
  • Gesellschaft für Informatik: „Das Projekt führen, koordinieren, steuern und kontrollieren.“
  • ICB: U. a.: „Führung der Projektbeteiligten zur sicheren Erreichung der Projektziele.“ ICB versteht die Methodik des Projektmanagements sogar als Führungsprinzip im sog. Management by Projects.
  • Etymologie: proiectum (Latein): das nach vorne Geworfene und manum agere (Latein): an der Hand führen

Der Projektmanager hat die Aufgabe, die Erwartungen der Stakeholder an das Projekt so weit wie möglich zu erfüllen. Die für die Erhebung der Erwartungen meist verwendete Methode ist die Projektumfeldanalyse. Als Stakeholder bezeichnet man dabei jede Person oder Organisation, deren Interessen durch den Verlauf oder das Ergebnis des Projekts betroffen sind.

Magisches Dreieck

Der Projektmanager bewegt sich dabei zwischen den Größen

  • Zeit: Projektdauer und Termine
  • Kosten
  • Inhalt, Umfang und Qualität des Projekts und seiner Ergebnisse

Diese drei Größen werden von den Stakeholdern oft unterschiedlich und evtl. widersprüchlich gesehen. Um den Projekterfolg zu gewährleisten, muss der Projektmanager also zunächst die Interessen der Stakeholder transparent machen und dann gemeinsam mit ihnen eine Projektplanung erstellen. Letztendlich wird mit dem Auftraggeber eine Priorität dieser Größen festgelegt, auf der dann die Projektsteuerung aufgebaut wird. Das Projektreporting beschreibt das Projekt (oder die einzelnen Ergebnistypen des Projekts) dann immer in Bezug auf diese drei Größen.

Wenn die Organisationsform eines Unternehmens Ressourcenkonflikte erwarten lässt (zum Beispiel Matrixorganisation), wird manchmal eine vierte Steuergröße „Personal“ beschrieben. Auch wenn Personal sonst ein Teil der Kosten ist (Personalkosten), kann es entscheidend sein, bestimmte Personen im Projekt zu haben. Dies sollte explizit beschrieben und allen Stakeholdern transparent sein. Abweichungen werden im Projektreporting transparent gemacht.

Das magische Dreieck zeigt auch, dass eine Änderung an einer der Steuergrößen automatisch zu Änderungen an einer oder beiden anderen Größen führt.

Die Leitung des Projekts liegt beim Projektmanager, der häufig auch Projektleiter genannt wird. Er ist gegenüber dem Auftraggeber für das Projekt verantwortlich und berichtspflichtig. Gegenüber dem Projektteam ist er sachlich, aber nicht disziplinarisch weisungsberechtigt.

Zur erfolgreichen Projektdurchführung benötigt der Projektmanager

  • Kenntnisse des Projektmanagements,
  • allgemeines Managementwissen,
  • produktspezifisches Wissen,
  • Ausdauer und Belastbarkeit,
  • eine ganzheitliche und nachhaltige Denkweise,
  • zwischenmenschliche und kommunikative Fähigkeiten.

Neben dem methodischen Können sind die sozialen Fähigkeiten eines Projektmanagers für den Projekterfolg entscheidend. Projektmanagement ist immer auch Risiko- oder Chancenmanagement: In jedem Projekt treten ungeplante Situationen auf. Einen guten Projektmanager macht aus, dass er solche Situationen früh erkennt, mit wenig Reibungsverlusten wieder in den Griff bekommt und die sich stellenden Möglichkeiten nutzt. Projektmanager sollten daher über Erfahrungen verfügen, die auf zwischenmenschlicher Ebene die Gebiete von Kommunikation und Konfliktmanagement, Teambildung und Motivation umfassen. Anreizsysteme spielen dabei eine zentrale Rolle.[1]

Bei intern nicht vorhandenen Kapazitäten kann die Rolle des Projektmanagers auch extern vergeben werden.

Je nach Größe und Komplexität des Projektes können Aufgaben im Projektmanagement delegiert, geteilt oder in Personalunion bearbeitet werden:

  • Eine Möglichkeit besteht darin, das Projekt in Teilprojekte zu unterteilen, die klar voneinander abgegrenzt sein müssen. Jeweils ein Teilprojektleiter übernimmt dann die Steuerung dieser Teilprojekte und berichtet an den Projektmanager.
  • Eine andere Möglichkeit ist die Teilung nach Aufgabenbereichen. Beispielsweise können das Termin- und das Kostenmanagement oder das Risiko- und das Qualitätsmanagement jeweils bestimmten Personen mit entsprechender Qualifikation zugeordnet werden.

Aufgrund verschiedener Strukturen und Methoden des Projektmanagements (PM) (siehe auch Abschnitt 4.3f, PM-Systeme und Projektphasen), für die teilweise eigene Vorgehensmodelle existieren, richtet sich die Wahl der Vorgehensweise zur Durchführung eines Projekts (inkl. des Projektmanagements) meist nach:

  • Vorgaben der Organisation oder des Auftraggebers (Richtlinien)
  • Größe des Projekts (zum Beispiel Anzahl Personentage)
  • Komplexität des Projekts, wobei man nach technischer und sozialer Komplexität unterscheidet
  • Branche des Projekts, falls ein branchen-/produktspezifisches Vorgehensmodell verwendet wird
  • weiteren Projektart-Kategorisierungen wie zum Beispiel Entwicklungsprojekt, Lernprojekt, Wartungsprojekt, ...

Mit der Projektdurchführung kann eine einzige, aber auch mehrere tausend Personen befasst sein. Entsprechend reichen die Werkzeuge des Projektmanagements von einfachen To-Do-Listen bis hin zu komplexen Organisationen mit ausschließlich zu diesem Zweck gegründeten Unternehmen und massiver Unterstützung durch Projektmanagementsoftware. Daher ist eine der Hauptaufgaben des Projektmanagements vor Projektbeginn die Festlegung, welche Projektmanagementmethoden in genau diesem Projekt angewendet und gewichtet werden sollen. Eine Anwendung aller Methoden in einem kleinen Projekt würde zur Überadministrierung führen, also das Kosten-Nutzen-Verhältnis in Frage stellen.

Werden mehrere Projekte gleichzeitig gesteuert und koordiniert, spricht man von Multiprojektmanagement. Multiprojektmanagement, das häufig etwa bei großen Unternehmen anzutreffen ist, stellt besondere Herausforderungen an die Beteiligten, weil hier Zusammenhänge, z. B. konkurrierende Ressourcen, über mehrere Projekte hinweg koordiniert werden müssen. Ein Spezialfall wird z. T. auch „Enterprise Project Management“ (EPM) genannt; dabei sind diese Projekte unternehmensweit und organisationsübergreifend zu steuern.

Vom Multiprojektmanagement abzugrenzen ist der Begriff des Programmmanagements. Unter einem Programm versteht man in diesem Fall ein Bündel inhaltlich zusammengehörender Projekte. Programmmanagement ist im Gegensatz zu Multiprojektmanagement aber zeitlich limitiert, ähnlich wie ein Projekt. Multiprojektmanagement kann als Form der unternehmensweiten Ressourcensteuerung hingegen unbegrenzt eingesetzt werden.

Großprojektmanagement ist dem Programmmanagement ähnlich, wobei das Programmmanagement in der Regel Einzelprojekte eines Themenbereichs steuert und das Großprojektmanagement die Teilprojekte eines Großprojekts koordiniert.

Im Projektportfoliomanagement werden die Projekte eines Unternehmens verwaltet. Das Portfoliomanagement konsolidiert Kennzahlen aller Projekte eines Unternehmens, sowohl laufender als auch geplanter. Damit liefert es dem Unternehmensmanagement projektübergreifende Information zur Steuerung des Gesamtbestandes an Projekten.

Nahezu alle Teilbereiche des Projektmanagements werden heutzutage durch Projektmanagementsoftware unterstützt. Sie gestattet dem Projektmanager, die Planinhalte für das Projekt vorzugeben, so dass anschließend alle Beteiligten dort ihre jeweiligen Arbeitsaufgaben und -fortschritte abfragen bzw. eintragen können. Sie ermöglichen eine Auswertung des aktuellen Projektstands nach diversen Gesichtspunkten (beispielsweise hinsichtlich Frist- oder Budgeteinhaltung), auch mit Hilfe von grafischen Darstellungen (beispielsweise Gantt-Diagrammen). Zu vorab definierten Meilensteinen oder zum Abschluss werden Reports generiert.

Während für manche Teilbereiche des Projektmanagements speziell darauf ausgerichtete Systeme eingesetzt werden können, kommt für zahlreiche Zwecke vielfach allgemeingültige Software (wie Textbearbeitung, Tabellenkalkulation ...) zum Einsatz, zum Teil unter Verwendung von Mustervorlagen. Zur Kommunikation werden praktisch immer Mailsysteme benutzt, in virtuellen Projektteams oder mit verteilten Stakeholdern häufig auch Webkonferenzsysteme und elektronische Meetingsysteme, die die Durchführung von Meetings und Workshops über das Internet ermöglichen.

Wikis werden unter anderem für das Wissensmanagement ebenfalls als Werkzeuge im Projektmanagement eingesetzt.[2]

Die Unternehmen und Organisationen wenden PM-Werkzeuge in der Praxis in hohem Maß unterschiedlich an. Dabei wird teilweise auch ERP-Software verwendet, die das ganze Unternehmen abbildet und gleichzeitig über Projektmanagementfunktionen verfügt.

Um das häufige Scheitern von Projekten (siehe auch Chaos-Studie) gibt es immer wieder anhaltende Diskussionen um die Erfolgsfaktoren von Projekten. Als wesentlicher Faktor wird dabei das Projektmanagement genannt.

Projektmanagement als Erfolgsfaktor:

Das professionelle Management ist als zentrales Erfolgskriterium von Projekten zu sehen. Insbesondere sind

  • die Projektgrenzen und die Projektziele adäquat zu definieren
  • Projektpläne zu entwickeln und einem periodischen Controlling zu unterziehen
  • Projekte prozessorientiert zu strukturieren
  • die Projektorganisation und Projektkultur projektspezifisch zu gestalten.
  • eine spezifische Projektkultur zu entwickeln und
  • die Beziehungen des Projekts zum Projektkontext zu gestalten.

Projektmanagement leistet einen Beitrag zur Sicherung des Projekterfolgs, kann diesen aber nicht allein sichern, da es auch weitere Faktoren wie z.B. die Unternehmensstrategie, Wettbewerbssituation, etc. gibt, die den Projekterfolg beeinflussen.
Quelle: IPMA nach Gareis bzw. Patzak, Rattay

Solche Voraussetzungen für erfolgreiches PM, die nur außerhalb des Projektmanagements erfüllt werden können, sind z. B.:

  • Commitment der Stakeholder: 'Sponsor' für das Projekt, Akzeptanz des Projekts und seiner Ziele
  • Angemessene Projekt-Infrastruktur: Organisation, Methoden und Werkzeuge sind verfügbar
  • Kompetenz der dem Projekt zugeteilten Personen

Darüber hinaus erschöpft sich 'Projekte erfolgreich führen' nicht im Beherrschen der PM-Methodik. Vielmehr wird der Erfolg in hohem Maß auch von den persönlichen Eigenschaften und Fähigkeiten ("weiche Faktoren") aller Beteiligten inkl. der Projektmanager bestimmt.

In den Normen und Standards sind Projektmanagement-Methoden und Vorgehensmodelle zu unterscheiden. Während sich erstere auf bestimmte Teildisziplinen des Projektmanagements (Risiken, Anforderungen, Terminplanung ...) beziehen, versucht man mit sog. Vorgehensmodellen die Abfolge der Tätigkeiten, also die Prozesse für das Projekt und das PM möglichst präzise festzulegen; weit verbreitet ist das V-Modell.

Die Aufgabenstellungen, Methoden, Instrumente und Ebenen des Projektmanagements sind im Wesentlichen gut bekannt und dokumentiert. Ziel sollte es jedoch sein, eine möglichst weit verbreitete, einheitliche Begriffsbasis und Terminologie zu etablieren und zu fördern. Dieser Aufgabe stellen sich diverse Normierungsinstitute und PM-Verbände:

  • Insbesondere ist hier das amerikanische Project Management Institute (PMI) zu nennen, das mit seinem Guide to the Project Management Body of Knowledge (PMBOK Guide) das englischsprachige Standardwerk zum Projektmanagement herausgegeben hat. Viele der folgenden Informationen beziehen sich auf den PMBOK Guide, da er sich durch die sehr strukturierte Darstellung eignet, um die Besonderheiten von Projekten und Projektmanagement darzustellen.
  • Für Deutschland finden insbesondere die Normen DIN 69901 Anwendung.
  • Als internationaler Leitfaden für Qualitätsmanagement in Projekten ist die Norm ISO 10006:2003 veröffentlicht worden.

Für den Praxiseinsatz legen Unternehmen / Organisationen in der Form von PM-Handbüchern, PM-Leitfäden etc. fest, wie das PM in ihren Projekten anzuwenden ist. Die einzelnen Vorgaben beziehen sich dabei i. d. R. auf Standards wie sie in diesem Kapitel genannt werden, sie werden dabei aber häufig unternehmens- oder situationsspezifisch (Projektart und -Größe etc.) angepasst (reduziert, vereinfacht, individuell ergänzt, auf Werkzeuge adaptiert, ...).

  • IPMA Competence Baseline (ICB 3.0): PM-Standard des Projektmanagementverbandes International Project Management Association (IPMA); dezentral organisiert, in Deutschland durch die GPM
  • PMBOK Guide: ursprünglich US-amerikanischer PM-Standard des Projektmanagementverbandes Project Management Institute (PMI)
  • PRINCE2: inzwischen weit verbreitete Projektmanagementmethode aus Vereinigten Königreich
  • DIN 69901: findet derzeit international großen Anklang und geht stark in die ISO 21500 ein

Um die Arbeits- und Organisationsform Projektmanagement in einem Unternehmen zu verankern, sind entsprechende Rahmenbedingungen und Spielregeln notwendig. Es müssen ganzheitliche, leistungsfähige Projektmanagement-Systeme geschaffen werden, die im Regelfall Standards, Maßnahmen und Tools in folgenden Bereichen enthalten:

  • Organisation: Die organisatorische Verankerung des Projektmanagements muss im jeweiligen Unternehmen eindeutig geklärt sein. Hierzu zählen beispielsweise die Definition von klaren Rollen, Kompetenzen und Verantwortlichkeiten (insbesondere das Zusammenspiel Linie - Projekt), die Einrichtung einer zentralen Organisationseinheit für Projektmanagement (zum Beispiel Project Management Office, Project Competence Center) oder die Festlegung von PM-Karrierepfaden und Anreizsystemen.
  • Methodik: Im Bereich der Methodik werden Standards, Instrumente, Methoden, Richtlinien und Prozesse definiert, die bei Projekten zur Anwendung kommen sollen. Die Methodik wird in der Regel individuell für die jeweilige Organisation festgelegt. In vielen Fällen wird die verwendete Methodik in einem Projektmanagementhandbuch dokumentiert.
  • Qualifizierung: Damit Projektmanagement erfolgreich angewendet werden kann, müssen Führungskräfte, Projektleiter und -mitarbeiter entsprechend für ihre Rolle vorbereitet und dafür qualifiziert werden. Seminare, Training-on-the-Job oder Projekt-Coaching sind weit verbreitete Instrumente zur Qualifizierung.
  • Software: Es müssen IT-gestützte Strukturen geschaffen werden, die einen effizienten Informations- und Kommunikationsfluss gewährleisten sowie die Projektplanung und -steuerung über den gesamten Projektverlauf unterstützen. Am Markt existieren eine Vielzahl von PM-Tools und umfangreichen PM-Lösungen, die diverse Funktionalitäten bieten.

Außerdem hat die Organisationsform der Trägerorganisation Einfluss auf die Projekte. Die bekanntesten Organisationsformen sind:

  • Linienorganisation (funktionsbezogene Organisation)
  • Matrixorganisation (Mischsicht)
  • Projektorientierte Organisation

Hauptartikel: Projektphase

Projektphasen sind zeitliche Abschnitte, die im Vorgehensmodell für ein Projekt festgelegt sind. Die Phasen bilden den Rahmen, in dem jeweils einzelne Aktivitäten mit ihrem Arbeitsinhalt (was tun?) und ihren Ergebnissen festgelegt werden. Diese Aktivitäten werden im Projektmanagement (Teilbereich Aufgabenmanagement) gesteuert und kontrolliert. Üblicherweise enden die Projektphasen mit definierten Meilensteinen. Je nach Projektart, Projektprodukt, Branche etc. sind Phasenmodelle i. d. R. individuell auf die Aufgabenstellung ausgerichtet.

Die Gliederung der Projektaktivitäten in Phasen ist in Reinform eine Vorgehensweise nach dem Wasserfallmodell, alternativ kann sie jedoch auch iterativ angelegt sein, z. B. um Projektergebnisse bei bestimmten Situationen nochmal zu überarbeiten.

Ein Beispiel für ein Phasenmodell im Allgemeinen (mit Aufzählung darin anfallender PM-Aufgaben) ist:

  • Projektdefinition: Das Ziel des Projekts wird festgelegt, Chancen und Risiken werden analysiert und die wesentlichen Inhalte festgelegt. Kosten, Ausmaß und Zeit werden grob geschätzt; bei großen Projekten kann dies durch eine Machbarkeitsstudie unterstützt werden. Am Ende dieser Phase steht der formelle Projektauftrag.
  • Projektplanung: In dieser Phase wird das Team organisiert, und es werden Aufgabenpläne, Ablaufpläne, Terminpläne, Kapazitätspläne, Kommunikationspläne, Kostenpläne, Qualitätspläne und das Risikomanagement festgelegt. Hierbei spielen so genannte Meilensteine eine wichtige Rolle.
  • Projektdurchführung und -kontrolle: Diese Phase umfasst, abgesehen von der Durchführung selbst, für das Projektmanagement die Kontrolle des Projektfortschritts und die Reaktion auf projektstörende Ereignisse. Erkenntnisse über gegenwärtige oder zukünftige Abweichungen führen zu Planungsänderungen und Korrekturmaßnahmen.
  • Projektabschluss: Die Ergebnisse werden präsentiert und in dokumentierter Form übergeben. In einem Review wird das Projekt rückblickend bewertet; die gemachten Erfahrungen werden häufig in einem Lessons-Learned-Bericht festgehalten. Der Projektleiter wird vom Auftraggeber entlastet.
  • Unter Umständen Projektabbruch: Das Projekt wird abgebrochen, ohne dass die Projektziele erreicht sind.

Ähnlich kurz definiert auch der als Demingkreis bekannte PDCA-Zyklus ein allgemeines 4-Phasen-Vorgehen, das nach Plan, Do, Check und Act (i. S. Einführung) unterscheidet. Dieses allgemeine Vorgehen kann 'generisch', für ganze Projekte oder auch für einzelne Projektabschnitte (Phasen) angewendet werden.

Ein Phasenmodell für die Softwareentwicklung könnte eine feinere Phasenstruktur aufweisen und zum Beispiel wie folgt aussehen. Die Aufgaben des Projektmanagements sind dabei nicht als Projektphase definiert, sondern werden als global wahrzunehmende Projekt-Rolle unterstellt:

  • Analyse
  • Machbarkeitsstudie
  • Entwurf
  • Umsetzung
  • Test
  • Pilotierung
  • Rollout bei den Anwendern
  • Abschluss

In der aktuellen Projektmanagement-Literatur wird die strenge Phaseneinteilung („Wasserfallmodell“) in Frage gestellt. In der Praxis können Phasenverläufe sich überlappen oder zirkulär angelegt sein. Methoden wie Rapid Prototyping oder Agile Softwareentwicklung versuchen, andere Wege zu gehen.

Auch wird kritisiert, dass ein universell gültiger Phasenansatz der Unterschiedlichkeit von Projekten nicht gerecht werde. „One size doesn’t fit all.“ Dennoch baut auch die neue DIN-Normenreihe 69900 darauf auf. Eine PM-Aufgabe ist deshalb, das Vorgehen für ein konkretes Projekt, ausgehend von Standardmodellen, zweckentsprechend zu adaptieren; z. B. Projektphasen zusammenzufassen und nicht erforderliche Projektaktivitäten auszuklammern.

Werden die Projektmanagementprozesse von den Projektphasen abstrahiert, dann lassen sich die Projektmanagementprozesse in Prozessgruppen zusammenfassen.

In der Prozessgruppe Initiierung steht der Initiierungsprozess. Er wird zum Projektstart und dann wieder zum Start jeder Projektphase durchlaufen.

Prozessgruppen im Projektmanagement

Wichtige Ziele der Initiierung sind:

  1. Verteilung der notwendigen Informationen, damit von Anfang an effektiv/effizient gearbeitet wird,
  2. Nachlässigkeiten in frühen Projektphasen führen später zu (teuren) Schwierigkeiten, daher werden die Ziele und die Arbeitsweise der jeweiligen Projektphase geklärt,
  3. die Informationen über das Projekt werden ausgetauscht und unter den Stakeholdern angeglichen,
  4. das Projekt bzw. die nächste Projektphase wird in allen Teilen und Zusammenhängen betrachtet (nicht in allen Details).
  5. Zu allen Fragen soll möglichst früh eine Übereinstimmung aller Beteiligten erreicht werden.

Wie bei allen Prozessgruppen wiederholen sich die Prozesse und interagieren miteinander. Die sequentielle Darstellung ist eine Vereinfachung.

Gerade während der Initiierung werden durch Klärung und Festlegung der Projektziele die Weichen für den weiteren Projektverlauf und den Projekterfolg gestellt. Die Qualität der Projektziele/Phasenziele (Transparenz) und die Unterstützung der Stakeholder (Verbindlichkeit) entscheiden über den Projekterfolg.

Unter Planung werden alle Prozessschritte zur Planung des Projekts oder zur Detaillierung der jeweiligen Projektphase zusammengefasst. Alle Schritte orientieren sich am definierten Ziel des Projektes. Ggf. werden Handlungsalternativen geprüft und ausgewählt. Die wichtigsten Projektmanagementprozesse in der Prozessgruppe Planung sind:

  1. Planung Inhalt und Umfang
  2. Definition Inhalt und Umfang
  3. Definition der Vorgänge
  4. Festlegen der Vorgangsfolgen
  5. Einsatzmittelbedarfsplanung
  6. Schätzung der Vorgangsdauern
  7. Kostenschätzung
  8. Risikomanagementplanung
  9. Entwickeln des Terminplans
  10. Kostenplanung
  11. Zusammenstellung des Projektplans

Hierzu gibt es noch eine Reihe von Hilfsprozessen, wie Qualitätsplanung, Beschaffungsplanung, usw.

Unter Ausführung versteht man die Koordination der Mitarbeiter und anderer Ressourcen und deren Zuordnung zu den Vorgängen im Projektplan, damit das Projektziel erreicht wird. Hierzu gehören Prozesse, wie die Arbeitspaketfreigabe. Unterstützt wird die Ausführung von Hilfsprozessen, wie Qualitätssicherung, Informationswesen, Teamentwicklung oder Lieferantenauswahl, usw.

Diese Prozessgruppe beschäftigt sich mit der kontinuierlichen Überwachung der Zielerreichung im Projekt. Interessanterweise wäre das englischsprachige control processes in der deutschen PMBOK Guide Version besser als „Kontrolle“ anstatt als „Steuerung“ übersetzt worden (was wörtlich gesehen natürlich falsch gewesen wäre). In der Prozessgruppe Steuerung gibt es zwei Hauptprozesse:

  1. Berichtswesen, zur Sammlung und Verteilung (Stakeholderorientierung!) der Projektleistung und
  2. die integrierte Änderungssteuerung, um die Änderungen zu koordinieren.

Die Hauptprozesse werden durch eine Vielzahl von Hilfsprozessen unterstützt; dazu gehören Abnahmeprozesse für Anforderungen und andere Ergebnistypen, Termin- und Kostensteuerung und Risikoüberwachung.

Die abschließenden Prozesse beschäftigen sich mit

  1. Vertragsbeendigung und
  2. dem administrativen Abschluss des Projekts.

Bei ersterem muss dafür gesorgt werden, dass die Verträge alle ordentlich beendet, bezahlt, usw. werden. Beim administrativen Abschluss geht es um die interne Beendigung des Projekts im Unternehmen. Hierzu gehören Abschlussbericht, Lessons Learned Workshops und – nach PMI ganz wichtig – die Befüllung der „Datenbank mit historischen Projektdaten“, um das erworbene Wissen auch zukünftigen Projekten (und Projektmanagern) zur Verfügung zu stellen.

Zusammenspiel Prozessgruppen und Projektphasen

Die Hauptprozessgruppen wiederholen sich wiederkehrend in allen Projektphasen – jedoch in unterschiedlicher Ausprägung.

Beispiele

  • Die Detailplanung für jede Phase wird jeweils am Phasenanfang durchgeführt.
  • Für unterschiedliche Phasen wird eine neue Personalplanung erforderlich, da andere Fähigkeiten benötigt werden.
  • Jede Phase wird mit einem Phasenkickoff gestartet, um alle Stakeholder über die Aufgaben und Ziele der nächsten Projektphase zu informieren.
Integrations-
management
Umfangs-
management
Termin-
management
Kosten-
management
Qualitäts-
management
Personal-
management
Kommunikations-
management
Risiko-
management
Beschaffungs-
management

Projektmanagement hat im Wesentlichen die folgenden Tätigkeitsbereiche (nach Project Management Institute 'Wissensbereiche' genannt) abzudecken:

  • Integrationsmanagement: Hier wird die Integration des Projekts sichergestellt und koordiniert. Beteiligte und Betroffene (Grafikbeispiel siehe „Projektlandschaft“) sind dabei entsprechend der Art ihrer Beteiligung einzubeziehen. Die Einhaltung von Projekt-Standards erleichtert dies.
  • Inhalts- und Umfangsmanagement: Das Management des Projektrahmens (auch Scope Management, Anforderungsmanagement) sorgt dafür, dass die gesetzten Projektziele erreicht werden. Es sorgt allerdings nicht nur für die Ergebnisorientierung in Bezug auf die ursprünglichen Ziele, sondern hat insbesondere zur Aufgabe, notwendige Abweichungen von diesen Zielen, die im Projektverlauf deutlich werden, in das Projekt einzusteuern sowie entsprechende Neuplanungen zu veranlassen.
  • Terminmanagement: Zielt auf die Einhaltung des Zeitrahmens ab und sollte alle beteiligten Zielgruppen einbinden. Der Projektplan dient dabei v. a. als Kommunikationsmedium.
  • Kostenmanagement: Zielt auf die Budgeteinhaltung ab. Hierfür ist (zum Beispiel durch Projektkostenrechnung) der Kostenverlauf zu erfassen. Gegebenenfalls sind Gegenmaßnahmen einzuleiten.
  • Qualitätsmanagement: Projektspezifisches Qualitätsmanagement umfasst die Standardisierung von Projekt-Prozessen, Dokumentation der Arbeiten und Ergebnisse, sowie ein geeignetes Maßnahmenmanagement.
  • Personalmanagement: Enthält die effiziente Zuordnung der Ressourcen nach Fähigkeiten und verfügbaren Kapazitäten auf die Projektaufgaben, aber auch die Teamentwicklung.
  • Kommunikationsmanagement: Nimmt häufig bis zu 50 % der Projektarbeit ein und schließt alle Beteiligten und Betroffenen ein; auch im Veränderungsmanagement (Change Management) zu berücksichtigen.
  • Risikomanagement: Projektspezifisches Risikomanagement. Enthält Risikoanalysen, präventive Maßnahmen und Notfallkonzepte. Insbesondere bei komplexen Projekten ist dies von Bedeutung.
  • Beschaffungsmanagement: Integration und Zusammenarbeit mit Partnern und Lieferanten.

Die einzelnen Aktivitäten / Tätigkeiten im Projektmanagement sind auf diese Inhalte ausgerichtet und betreffen dabei ggf. mehrere Wissensbereiche gleichzeitig.
Beispiel: Das Aufgabenmanagement behandelt Inhalte aus dem Termin- und dem Personalmanagement.
Die Wissensgebiete erstrecken sich grundsätzlich über das gesamte Projekt, jedoch mit phasenspezifischen Schwerpunkten.
Beispiel: Definieren von Risiken oder Terminen in der Planungsphase, deren lfd. Überwachung in der Durchführung.

Wichtiger Hinweis: Die Wissensgebiete sind zwar im Wortlaut identisch mit entsprechenden Äquivalenten im allgemeinen Management, jedoch sind die Themen hier projektspezifisch ausgerichtet: Projektmanagement hat durch die projektspezifischen Eigenschaften (Einmaligkeit der Produkterstellung, zeitliche Beschränkung, Stakeholderorientierung und iterative Herangehensweise) spezielle Managementprozesse (siehe Projektmanagement Prozessgruppen), welche sich von den allgemeinen Management-Wissensgebieten erheblich unterscheiden.

„Projektplanung gibt es, seit Menschen größere Vorhaben gemeinschaftlich durchführen. Weder ein militärischer Feldzug, noch die Errichtung großer Gebäude (Tempel, Festungen), noch beispielsweise eine lange Seereise zur Entdeckung der Westpassage nach Indien sind vorstellbar, ohne dass die Verantwortlichen diese Projekte detailliert geplant hätten. Doch geschah dies lange Zeit formlos, allein aufgrund der Erfahrungen und Kenntnisse der Verantwortlichen; erst im 20. Jahrhundert sollten diese informellen Verfahren zusammengetragen, systematisiert und in die wissenschaftlich aufbereitete Form gebracht werden, unter der heute Projektmanagement betrieben wird.“[3]

Henry Gantt entwickelte 1910 den Balkenplan (auch Gantt-Diagramm genannt). Unabhängig davon hatte Karol Adamiecki eine ähnliche Methode mit den Namen Harmonogram und Harmonograf bereits 1896 entwickelt. Gantts Methode kam erstmals bei einem größeren Bauvorhaben, der Errichtung des 1935 fertiggestellten Hoover-Staudamms, zum Einsatz. Die erste Dokumentation der Vorgehensweise beim Projektmanagement wurde vermutlich im Rahmen des Manhattan-Projekts vorgenommen.[4]

Eine weitere Entwicklung des Projektmanagements war dann für den Wettlauf ins All erforderlich – vor allem für das Apollo-Programm.[5]

  • Eine ausführliche Literaturliste ist hinterlegt unter: Projektmanagement-Literatur
  • WikiProjekt Projektmanagement.
  1. ISBN 978-1434816269
  2. ISBN 978-3-86815-286-9
  3. Madauss, Bernd J.: Handbuch Projektmanagement: mit Handlungsanleitungen für Industriebetriebe, Unternehmensberater und Behörden, 6., überarb. und erw. Aufl., Stuttgart: Schäffer-Poeschel, 2000.
  4. ISBN 978-0070688018
  5. http://www.wdr.de/tv/quarks/global/pdf/Q_Mond.pdf


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Softwareeinführung

aus www.ifq.de, der freien Enzyklopädie

Softwareeinführung (auch Software-Rollout) ist der projektartige Vorgang der Etablierung einer Software in größeren Organisationen (z. B. Unternehmen oder Öffentliche Verwaltung). Dazu gehören die Schritte Softwareverteilung, Installation, Konfiguration, Erfassung von Daten, Einrichtung der IT-Betriebsorganisation (Operating), die Schulung von Mitarbeitern, sowie die Umstellung firmeninterner Prozesse. Soll die Software ein Altsystem ablösen, so kann zudem eine Datenmigration und ein Abschalten des Altsystems hinzukommen. Bei Standardsoftware kann das Customizing in das gesamte Softwareeinführungsprojekt eingebettet sein, bei Individualsoftware ist die Softwareeinführung der Schritt nach der Softwareentwicklung.

Prinzipiell gibt es zwei Strategien zur Einführung von Software: Der Big Bang und die iterative Einführung.

Die neue Software wird vollständig implementiert und zu einem einzigen, klar definierten Zeitpunkt (üblicherweise zu Zeiten, an denen die Nichtverfügbarkeit eines Systems weitgehend unkritisch ist, beispielsweise an einem Wochenende oder Jahreswechsel) in Betrieb genommen, so dass sie anschließend vollständig verfügbar sind. Zur Risikominimierung erfordert diese Art der Softwareeinführung umfangreiche Planungen und Vorbereitungen im Vorfeld (umfangreicher Softwaretest, Schulung der Administratoren, des Operatings und der Endbenutzer). Für den Fall dass kurzfristig nicht behebbare oder unvorhergesehene Fehlersituationen auftreten, sollte ein Rollback geplant werden.

Ein Risiko dieser Strategie ist, dass die Software nie oder mit großer Verspätung fertig implementiert und eingesetzt wird (etwa, weil sich die Anforderungen an die Software häufig und kurzfristig ändern, so dass ständig nachgebessert werden muss). Darüber hinaus lassen sich technische Schwierigkeiten (Lastsituationen, Performance) im Vorfeld oftmals nur schlecht abschätzen, wodurch sich oftmals erst nach Inbetriebnahme zeigt, ob die Lösung tatsächlich für den produktiven Betrieb geeignet ist.

Dem Big Bang gegenüber steht eine iterative Einführung eines neuen Systems, also die Einführung in mehreren, kleineren Schritten. Im Vorfeld sind kleinere Bestandteile, sowie die Abhängigkeiten zwischen diesen zu identifizieren und zu analysieren. Beides ist bei der iterativen Einführung entsprechend zu berücksichtigen (so kann beispielsweise eine Webanwendung nicht installiert werden, bevor der dafür benötigte Web- oder Application Server nicht installiert ist).

Durch den iterativen Ansatz sollen Risiken durch einen möglichen Ausfall des gesamten Systems reduziert werden. Weiterhin gibt es den Benutzern der Software die Möglichkeit, frühzeitig Erfahrungen mit Teilen des Systems zu sammeln, die wiederum bei der Entwicklung und Einführung der nächsten Teile berücksichtigt werden können. Oftmals wird man allerdings über einen längeren Zeitraum mit unvollständigen Zwischenlösungen leben müssen. Gibt es ein Altsystem in dem Daten eingegeben werden, dann ist eine iterative Einführung schwierig. Unter Umständen sind die Mitarbeiter in der Übergangszeit gezwungen mit zwei Systemen zu arbeiten.

Ein nicht zu unterschätzendes Risiko bei der iterativen Einführung eines neuen Systems sind firmenpolitische Veränderungen während der Entwicklung: Projekte werden aus Kostengründen gestoppt/verkleinert, eine Firmenumstrukturierung erfordern neue Planungen, die Firmenleitung setzt neue Schwerpunkte. Diese kann dazu führen, dass das Gesamtsystem in seiner ursprünglichen Planung, niemals vollständig eingeführt wird und somit als Ganzes nur stark eingeschränkt verwendbar oder schlimmstenfalls unbrauchbar ist.



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